
D.R.L.T. – Das Survival-Fluchtkonzept für Krieg und Krise
Das Buch stellt D.R.L.T. vor: ein Konzept für vorbereitete zivile Teams, organisierte Flucht und den Schutz anvertrauter Menschen.
Bei Amazon kaufenRonny Schmidt · Deutsche Ausgabe
Überleben in Krieg und Krise
Ein Sachbuch für Zivilisten über Handlungsfähigkeit, Ausweichen und Überleben in Krieg und Krisen – von der ersten Isolationslage bis zur Rückkehr in Sicherheit.

Combat Survival – Überleben in Krieg und Krise ist ein Handbuch für unbewaffnete Zivilisten, die sich mit dem Überleben in Krisen- und Konfliktgebieten auseinandersetzen möchten. Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch, der von verlässlicher Hilfe abgeschnitten ist: etwa ein Reisender, ein Techniker im Ausland oder ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Das Buch greift Grundgedanken aus Combat Survival und SERE auf und bezieht sie auf die Möglichkeiten und Grenzen dieser zivilen Ausgangslage.
Die 23 Kapitel verbinden Lagebeurteilung und Selbstführung unter Stress mit den praktischen Aufgaben des Überlebens. Sie behandeln Verbergen und Ausweichen, Orientierung, den Umgang mit Erschöpfung sowie Schutz vor Kälte und Nässe. Wasser, Nahrung, medizinische Selbstversorgung und die vorhandene Ausrüstung werden im Zusammenhang mit der Bedrohung durch andere Menschen betrachtet. Dabei geht es auch um die Folgen einer Entscheidung: Eine Maßnahme kann Kraft erhalten und zugleich Zeit kosten oder die eigene Auffälligkeit erhöhen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Gefangenschaft, Befragung und psychischem Druck. Das Buch behandelt den Erhalt der eigenen Identität in Isolation, mögliche Fluchtgelegenheiten, das Verhalten bei einer Befreiung und die Annäherung an gesicherte Bereiche. Die Kapitel führen damit vom ersten Kontrollverlust bis zur Frage, wie wieder verlässlicher Schutz erreichbar werden kann. Verfügbare Mittel, körperlicher Zustand und die konkrete Lage bestimmen dabei, welche Handlungsmöglichkeiten einem isolierten Menschen tatsächlich bleiben.
Inhaltsverzeichnis
Aus dem Buch
Der Eintritt in diese vollständige Isolation hat viele Gesichter: Sie arbeiten für eine Hilfsorganisation in der Hauptstadt eines Krisenstaates. Nachts lassen dumpfe Detonationen die Scheiben Ihres Hotelzimmers vibrieren. Ein politischer Umsturz rollt durch die Straßen. Das interne Funknetz Ihrer NGO ist tot. Als Sie auf den Flur treten, sehen Sie, wie das einheimische Sicherheitspersonal hastig die Uniformen ablegt, die Waffen fallen lässt und durch den Hinterausgang flieht. Unten in der Lobby stehen bereits bewaffnete Männer ohne bekannte Uniformen. Der Ausweis Ihrer internationalen Organisation in der Brusttasche ist jetzt kein diplomatischer Schutz mehr – er könnte ein Todesurteil sein.
Oder Sie sind als Techniker auf einer Industrieanlage im Ausland eingesetzt. Der regionale Konflikt, der bisher 50 Kilometer entfernt tobte, hat über Nacht die Provinzgrenzen überrollt. Die lokale Werksleitung ist längst mit ihren Familien geflohen. Der Evakuierungskonvoi Ihres Unternehmens kommt nicht durch, weil irreguläre Milizen die Straßen kontrollieren. Sie sitzen im Bürocontainer fest, während draußen das Werktor durchbrochen wird, und begreifen: Ihr westliches Aussehen macht Sie zur perfekten Geisel.
Bei Bewegung kann auch der Luftaustausch an den Kleidungsöffnungen Wärme abführen. Jeder Schritt, jedes Schwingen der Arme und jede Rumpfdrehung verändert das innere Volumen der Kleidung. Diese wiederholte Stauchung und Dehnung presst die vom Körper erwärmte Luft an den Ärmelbündchen, am Hosensaum und am Kragen heraus. Im Gegenzug saugt die Entspannung des Gewebes kalte Umgebungsluft in das Bekleidungssystem ein. Dieser ständige Luftaustausch kann die isolierende Wirkung einer Jacke oder eines Pullovers vermindern. Die Öffnungen werden deshalb so angepasst, dass Wind nicht ungehindert hindurchzieht. Bei Anstrengung muss überschüssige Wärme trotzdem abgeführt werden können; wie weit die Abschlüsse geschlossen bleiben, richtet sich nach Wind, Anstrengung und Wärmegefühl.
An den Beinen kann die vorhandene Schuhschnürung helfen, einen zu weiten Hosensaum enger zu halten. Das Hosenbein der äußersten Schicht wird nicht in den Schuh gesteckt. Es wird nach unten gezogen, bis es den Schaft des Schuhs vollständig umschließt. Da reguläre Hosen wie Jeans weiter geschnitten sind als der Knöchelumfang, wird der Stoff an der Außenseite des Beins straff nach hinten gezogen. Der überschüssige Stoff wird flach an das Bein gedrückt und zu einer Z-Falte nach vorne umgeschlagen, bis das Hosenbein eng anliegt. Ist nach dem sicheren Binden des Schuhs genügend Senkellänge übrig, kann sie zum lockeren Halten der Falte verwendet werden. Der Schuh bleibt dabei so vollständig geschnürt, wie es für seinen sicheren Halt nötig ist. Ein entbehrlicher anderer Stoffstreifen ist eine Alternative. Der Senkel wird mit wenig Zug von außen um den gefalteten Hosenstoff auf Knöchelhöhe gewickelt. Die Schnürung wird mehrfach gekreuzt und mit einem festen Doppelknoten gesichert. Das Hosenbein liegt damit enger über dem Schaft und kann Wind sowie ablaufendes Wasser am oberen Schuhrand vermindern. Saugfähiger Hosenstoff wird dadurch nicht wasserdicht. Nach einigen Schritten werden Falte und Bindung geprüft: Sie dürfen den Knöchel nicht einschnüren oder den Schritt behindern. Die Z-Falte lässt eine kleine Bewegungsreserve; beim Gehen zeigt sich, ob diese ausreicht und die Bindung richtig sitzt.
Die eigene Erklärung einfach halten: Dunkelheit, unregelmäßige Mahlzeiten, ständiger Lärm und wiederholte Befragungen können Erinnerung und Konzentration erheblich belasten. Eine Befragung kann unvermittelt beginnen, auch nach dem Aufwecken mitten in der Nacht oder unter grellem Licht. Der Gefangene muss dann dieselben Tatsachen unter deutlich schlechteren Bedingungen wiedergeben. Eine Frage kann zu einem späteren Zeitpunkt anders formuliert oder von einer anderen Person erneut gestellt werden. Der Gefangene erkennt dann möglichst den gleichen Sachverhalt hinter den neuen Worten. Name, tatsächlicher Beruf, Reisegrund und bereits erklärte Zuständigkeiten bilden den Kern. Einzelheiten werden nicht ständig erweitert, nur weil dieselbe Frage wiederkehrt. Das schont die begrenzte Konzentration und vermindert selbst erzeugte Widersprüche. Auch eine wahre Erinnerung kann unter Erschöpfung lückenhaft sein; Unsicherheit wird von einer bewusst falschen Angabe unterschieden.
In einer ruhigen Zeit geht der Gefangene die wesentlichen bisherigen Antworten einmal geordnet durch. Er erinnert sich daran, welche Frage gestellt wurde und was er tatsächlich gesagt hat. Wenige feste Bezugspunkte sind nützlicher als das pausenlose Wiederholen einer langen Geschichte. Ist ihm ein Irrtum aufgefallen, merkt er sich auch dessen Ursache, etwa eine missverstandene Frage oder eine verwechselte Zeitangabe. Für die nächste Befragung wird daraus eine einfache Berichtigung.
Ein Angriff auf den Aufenthaltsort beendet die bisherige Routine schlagartig. Dabei kann es sich um einen Befreiungsversuch staatlicher Kräfte oder um den Zugriff einer anderen bewaffneten Gruppe handeln. Für die gefangene Person ist das zunächst möglicherweise nicht zu unterscheiden. Schüsse, zerbrechende Türen, Lichtblitze, Staub und laute Befehle erschweren die Orientierung. Auch eintretende Kräfte können im ersten Moment nicht sicher erkennen, wer Geisel und wer Täter ist. Die Person hält deshalb ihre Hände leer, verringert unnötige Bewegungen und sucht aus der vorhandenen Lage möglichst niedrigen Schutz. Sobald sie direkt angesprochen wird, hört sie auf den tatsächlichen Befehl. Schutzstellung und nächste Bewegung werden an Feuer, Rauch, erreichbare Deckung und die verständlichen Anweisungen angepasst.
Zwei Ausgaben

