
Der Cammenga 3H ist die heutige Tritiumausführung des militärischen US-Lensatic-Kompasses. Er verbindet einen frei drehenden Magneten mit Visierdraht, Ableselinse, rastender Lünette und sieben selbstleuchtenden Marken. Die Versorgungsnummer der olivfarbenen 3H-Ausführung lautet 6605-01-196-6971. Das Foto zeigt einen Lensatic-Kompass aus dem CIA-Museum, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von CIA-Personal in Afghanistan verwendet wurde. Das Museum weist ihn nicht als Cammenga 3H aus; sichtbar sind jedoch die für diese Bauform typischen Teile.
Visier, Linse und Magnet bilden eine Einheit
Im Klappdeckel sitzt der Visierdraht. Gegenüber befinden sich der Linsenhalter mit Visiernut und die Vergrößerungslinse. Auf der beweglichen Scheibe liegen Nordpfeil und Winkelskalen; die schwarze Indexlinie darüber gehört dagegen zum feststehenden Gehäuse. Abgelesen wird somit der Winkel zwischen der Ausrichtung des Gehäuses und dem Magnetfeld.
Für eine genaue Peilung wird das Unterteil waagerecht auf Augenhöhe gehalten und der Deckel senkrecht aufgestellt. Der Linsenhalter steht etwa 30 Grad aus der Senkrechten, damit die Scheibe frei läuft. Visiernut, Draht und Ziel werden zur Deckung gebracht; durch die Linse lässt sich gleichzeitig der Wert unter der Indexlinie ablesen. Kopf und Kompass bleiben dabei in derselben Stellung.
Ganz heruntergedrückt hebt der Linsenhalter die Scheibe vom Lagerzapfen. Diese Transportsperre entlastet das Lager beim Tragen. Für jede Messung muss die Scheibe vollständig freigegeben sein. Bleibt der Linsenhalter zu weit unten oder ist er beschädigt, kann die Anzeige ruhig wirken, obwohl der Magnet nicht frei einpendelt. Beim Schließen wird zuerst der Linsenhalter an die Abdeckung gelegt, danach der Deckel; der Daumenbügel hält den zusammengeklappten Kompass geschlossen.
Kupferdämpfung statt Flüssigkeitsfüllung
Die Scheibe läuft auf einem synthetischen Saphirlager. Eine Kupferschale umgibt das schwingende Magnetsystem. Bewegt sich der Magnet, entstehen im leitfähigen Kupfer Wirbelströme, deren Magnetfeld der Bewegung entgegenwirkt. Dadurch klingen die Ausschläge schnell ab. Sobald die Scheibe stillsteht, verschwindet diese Bremswirkung weitgehend; der Magnet wird also nicht in einer beliebigen Stellung festgehalten.
Diese Konstruktion benötigt keine Dämpfungsflüssigkeit. Die Spezifikation MIL-PRF-10436N von 2003 fordert, dass sich die Scheibe nach einer Auslenkung von 540 ±20 mil innerhalb von sechs Sekunden beruhigt. Bei acht Grad Gehäuseneigung muss sie noch frei laufen; der zulässige Reibungsfehler beträgt höchstens 20 mil. Ein schnelles Stillstehen allein beweist deshalb keine einwandfreie Funktion: Auch eine klemmende Scheibe kommt rasch zur Ruhe. Der angegebene Temperaturbereich des 3H reicht von −50 bis +150 °F, also ungefähr −46 bis +66 °C.
Gradskala, Milskala und Lünette
Die innere rote Skala ist in 360 Grad geteilt, mit Strichen alle fünf Grad und Zahlen alle 20 Grad. Die äußere schwarze Skala verwendet den militärischen 6400er-Milkreis: ein Teilstrich entspricht 20 mil, die Zahlen stehen in Abständen von 200 mil. „16“ bedeutet daher 1600 mil und „32“ bedeutet 3200 mil. Beide Skalen werden an derselben festen Indexlinie abgelesen.
Die angegebene Genauigkeit des 3H beträgt ±40 mil beziehungsweise ±2,25 Grad. Die feinere 20-mil-Teilung der Skala ist nur die Ableseteilung und darf nicht mit der Messgenauigkeit verwechselt werden. Die rastende Lünette übernimmt eine andere Aufgabe. Sie besitzt 120 fühlbare Schritte zu je drei Grad und trägt eine Leuchtlinie. Damit lässt sich eine gewählte Richtung mechanisch vormerken; eine Deklinationskorrektur am Magneten nimmt die Lünette nicht vor.
Für eine vorbereitete Nachtpeilung wird die Leuchtlinie zunächst auf die Leuchtmarken am Deckelvisier gestellt. Danach dreht man die Lünette gegen den Uhrzeigersinn um so viele Rastschritte, wie das gewünschte magnetische Azimut geteilt durch drei ergibt. Wird später der Nordpfeil wieder unter die Leuchtlinie gebracht, weist das Deckelvisier in die vorbereitete Richtung. Eine unbeabsichtigt verdrehte Lünette verändert diese Vormerkung, nicht die Nordrichtung des Magneten.
Sieben Tritiumelemente für die Nachtablesung
Die Leuchtmarken bestehen aus kleinen Glasröhrchen mit Tritiumgas und Leuchtstoff. Der radioaktive Zerfall regt den Leuchtstoff an; die Röhrchen benötigen weder Batterie noch vorherige Beleuchtung. Markiert sind unter anderem Visier, Nordpfeil, Lünette sowie Ost und West. Damit bleiben die entscheidenden Bezugspunkte im Dunkeln erkennbar, auch wenn sich die vollständige Zahlenskala nur schlecht lesen lässt.
Die Helligkeit nimmt mit dem Alter ab. Die militärische Auslegung verlangt mindestens zwölf Jahre Leuchtdauer; Cammenga spricht von ungefähr zehn Jahren guter Nutzbarkeit und deutlich schwächerem Licht nach zehn bis zwölf Jahren. Ein älterer 3H kann mechanisch einwandfrei arbeiten und nachts dennoch kaum noch ablesbar sein. Das Herstellungsdatum steht je nach Fertigungsserie als Jahr, Monat und Losnummer oder als Jahr mit fortlaufender Tagesnummer im Deckel.
M-1950, 3H und Modell 27
M-1950 bezeichnet die seit den 1950er-Jahren verwendete US-Lensatic-Bauform, die von mehreren Herstellern gefertigt wurde. 3H ist Cammengas selbstleuchtende Tritiumausführung. Das Modell 27 mit der Versorgungsnummer 6605-01-571-6052 verwendet phosphoreszierende Farbe. Seine Marken müssen zuerst mit einer Lichtquelle aufgeladen werden und leuchten anschließend nur zeitlich begrenzt nach.
Der schwarze B3H, häufig als „SWAT“-Ausführung angeboten, arbeitet nach demselben Prinzip wie der olivfarbene 3H. Außerdem gibt es für die Nord- und Südhalbkugel unterschiedlich ausbalancierte Ausführungen. Das ist keine bloße Beschriftungsvariante: Der vertikale Anteil des Erdmagnetfelds verändert sich mit der geografischen Breite und kann eine falsch ausbalancierte Scheibe neigen oder am Gehäuse schleifen lassen.
Abmessungen, Tasche und Stoßprüfung
Die Beschaffungsvorgabe von 2003 begrenzt den geschlossenen Kompass auf neun × acht × vier Zentimeter und 170 Gramm. Zum Satz gehören eine Trageschnur, eine Tasche mit Ablauföffnung, eine Gürtelbefestigung und eine feuchtigkeitsbeständige Kurzbedienung. Gehäuse und Transportsperre schützen Lager und Magnetsystem; die Tasche hält den Kompass am Tragesatz erreichbar.
Auch „stoßfest“ ist in der Spezifikation genau beschrieben. Der Kompass wird aus 90 Zentimetern Höhe auf eine zehn Zentimeter starke Schicht aus trockenem Sand fallengelassen. Ein gesonderter Fall aus einem Meter auf eine starre Stahlfläche betrifft die Prüfung der Leuchtröhrchen. Nach einem realen harten Aufprall sind vor der nächsten Peilung vor allem freie Scheibenbewegung, Transportsperre, Visier und Ableselinse zu kontrollieren.
Magnetische Störungen erkennen
Stahlteile, eine nahe Waffe, ein Fahrzeug oder elektrische Ströme können das Magnetfeld am Messort verändern. Die Scheibe kann dabei sauber einpendeln und trotzdem eine falsche Richtung anzeigen. Verdächtige Gegenstände werden deshalb auf Abstand gebracht oder die Peilung wird an einem anderen Punkt wiederholt. Ändert sich der Wert mit der Entfernung zur Störquelle, war die erste Messung beeinflusst. Der 3H liefert eine magnetische Richtung; Position, zurückgelegter Weg und Kartenbezug müssen weiterhin mit Karte, Geländemerkmalen oder einem Navigationsgerät bestimmt werden.