Persönliche Ausrüstung · US Army

US Army IFAK II: der medizinische Satz als Tragesystem

Der Falteinsatz lässt sich von rechts oder links aus der flachen Hülle ziehen. Zwei Tourniquets sitzen in separaten Taschen; Gurtschneider, Verwundetenkarte und Verbandsmittel sind im geöffneten Satz geordnet erreichbar.

Geöffneter US-Army-IFAK-II-Satz mit Tragehülle, aufgefaltetem Einsatz, Verbandsmitteln, Tourniquet und Augenschild auf einem Tisch.
US Army IFAK II im Dezember 2013: links die Tragehülle mit Schneidwerkzeug, rechts der entnommene und aufgefaltete Einsatz.

Das US Army IFAK II verbindet eine flache Tragehülle, einen von beiden Seiten entnehmbaren Falteinsatz und zwei getrennte Tourniquettaschen. Die 2013 eingeführte zweite Generation änderte damit nicht nur den Inhalt, sondern vor allem den Zugriff auf die persönliche medizinische Ausstattung. Die Konfiguration von 2017 trägt die Versorgungsnummer 6545-01-584-1582 und wiegt ungefähr ein Pfund, also rund 454 Gramm. Sie ist auf das Tragen mit Schutzweste, Rucksack und in Fahrzeugen abgestimmt; die medizinische Grundidee erläutert der Beitrag zum IFAK.

Vom Munitionsbeutel zur eigenen Trageform

Die 2005 eingeführte erste Generation nutzte einen vorhandenen MOLLE-II-Beutel für 100 Schuss SAW-Munition. Darin saß ein gefalteter Einsatz mit einer Verbindungsschnur. Das sparte eine vollständige Neuentwicklung des Tragesystems, brachte aber die Form eines Munitionsbeutels an eine Stelle, an der medizinische Mittel auch mit verletztem Arm erreichbar sein mussten. Der voluminöse Beutel störte andere Ausrüstung und konnte an Fahrzeugverschlüssen hängen bleiben, wenn Soldaten ein angegriffenes Fahrzeug schnell verlassen mussten.

Am Natick Soldier Systems Center entstand deshalb eine flachere, zweiteilige Konstruktion. 2012 wurden 30 neue Sätze während einer Ausbildungsrotation in Fort Polk erprobt. Ihr niedrigeres Profil erlaubte die Platzierung im unteren Rückenbereich unter einem großen oder mittleren MOLLE-Rucksack. Ab September 2013 wurde die zweite Generation über die Rapid Fielding Initiative an Kräfte vor dem Einsatz ausgegeben. Im Satz blieb die medizinische Grundausstattung erhalten; ein zweites Tourniquet, Brustwundabdeckung, Augenschild, Gurtschneider und Dokumentationsmittel ergänzten sie.

Hülle, Ziehlaschen und angebundener Falteinsatz

Die Tragehülle befestigt den Satz an der Ausrüstung. Der medizinisch gefüllte Einsatz liegt gefaltet darin und wird seitlich herausgezogen. Beide Enden besitzen Ziehlaschen, sodass derselbe Einsatz mit der rechten oder linken Hand erreicht werden kann. Kleine Klappen an den Laschen geben beim Ertasten eine zusätzliche Rückmeldung. So kann die Person hinter dem Rücken ertasten, ob sie einen normalen Ausrüstungsgurt oder die richtige Ziehlasche greift.

Nach dem Herausziehen bleibt der Einsatz durch eine elastische Verbindung an der Hülle. Dadurch kann er vor den Körper geholt und aufgefaltet werden, ohne gleich als loses Paket aus der Hand zu fallen. Die Verbindung gehört zur Verlustsicherung. Sie muss zugleich genug Bewegung zulassen, um an die Packungen heranzukommen. Wird sie von anderer Ausrüstung eingeklemmt, erreicht ein herausgezogener Einsatz möglicherweise noch keine brauchbare Arbeitsposition.

Der aufgefaltete Einsatz ordnet die Einzelpackungen auf textilen Flächen. Haltebänder führen unter anderem Verbandspäckchen und die Klebebandrolle; beim Zurückfalten entsteht wieder ein kompaktes Paket. Das Foto von 2013 zeigt links die Tragehülle mit dem außen befestigten Gurtschneider und rechts den entnommenen Einsatz mit Verbandsmitteln, Verwundetenkarte und Augenschild.

Zwei Tourniquets außerhalb des Hauptpakets

Das IFAK II enthält zwei Combat Application Tourniquets. Der zweite wurde wegen der Zunahme beidseitiger Verletzungen bei Einsätzen zu Fuß ergänzt. Die beiden Tourniquets stecken in einzeln abnehmbaren Taschen, die am IFAK oder an anderer Ausrüstung befestigt werden können. Die Tourniquets bleiben dadurch zugänglich, bevor der gesamte Falteinsatz geöffnet wird. Die Haupttasche kann flach bleiben, während die Tourniquets an geeigneten Griffstellen liegen.

Bei der Einführung war außerdem vorgesehen, ein Tourniquet außerhalb der Zusatztasche in einer Hosen- oder Ärmeltasche zu tragen. Damit blieb ein Exemplar unabhängig von der Schutzweste am Körper. Werden beide Tourniquets an derselben Trageebene befestigt, können beide mit dieser Ausrüstung verloren gehen oder unerreichbar werden. Der zweite Trageort gehört deshalb in die Zugriffsprobe.

Die Konfiguration von 2017 und ihre Funktionsgruppen

Die Konfiguration von 2017 umfasst einen elastischen Verband, gewöhnliche Gaze, eine hämostatische Combat-Gauze-Packung, zwei Zoll breites Klebeband, einen nasopharyngealen Atemwegshilfsschlauch und vier Untersuchungshandschuhe. Hinzu kommen ein Bolin Chest Seal, ein Fox-Augenschild, der Rettungs-Gurtschneider und ein Permanentmarker. Die Verwundetenkarte gehört ebenfalls zur zweiten Generation; 2017 ist dafür DD Form 1380 in der Fassung vom Juni 2014 benannt. Diese Zusammenstellung beschreibt einen datierten Satz und seine Funktionen:

FunktionsgruppeAufbau im SatzBedeutung des Zugriffs
Schnelle GliedmaßenblutstillungZwei Tourniquets in gesonderten TaschenEin einzelnes Mittel lässt sich erreichen, bevor der Hauptsatz entfaltet ist.
Wundauflage und BefestigungGaze, Combat Gauze, elastischer Verband und Klebeband im EinsatzWundmaterial und Mittel zur Fixierung bleiben getrennt greifbar.
Brust- und AugenschutzEine Brustwundabdeckung und ein starrer AugenschildDas flache, klebende Mittel und das formstabile Schutzteil brauchen unterschiedliche Packplätze.
Zugang und HandhabungGurtschneider, Atemwegshilfsschlauch und HandschuheSchneidwerkzeug und einzelne medizinische Mittel können gezielt entnommen werden, ohne alle Packungen auszuleeren.
VersorgungsverlaufVerwundetenkarte und PermanentmarkerErkannte Verletzungen, Maßnahmen und Zeitangaben bleiben mit der Person verbunden.

Der Gurtschneider arbeitet mit einer im Haken liegenden Schneide; eine Schutzhülle hält ihn am Tragesatz. Damit lassen sich textile Gurte oder Bekleidung öffnen, ohne eine frei vorstehende Messerspitze an die verletzte Person zu führen. Der starre Augenschild muss seine gewölbte Form behalten, damit kein Druck auf das Auge entsteht. Das Chest Seal bleibt bis zur Verwendung in seiner eigenen Verpackung, die die Klebefläche schützt. Der Falteinsatz darf deshalb nicht so überfüllt werden, dass harte oder flache Bestandteile verformt werden.

Tragesatz, sterile Packung und ausgegebener Inhalt

Bei der Ausgabe von 2013 blieben einzelne Innenfächer zunächst für gesondert ausgegebene Combat Gauze frei. Der Grund war deren begrenzte Haltbarkeit. Ein neuer Tragesatz konnte deshalb vollständig montiert sein und trotzdem noch keine Combat Gauze enthalten. In der vollständigen Konfiguration von 2017 ist eine solche Packung enthalten. Die Kontrolle muss die Hülle, den Einsatz und die wirklich vorhandenen Einzelmittel zusammenbringen; ein gefülltes Gaze-Fach lässt sich nicht allein an einer geschlossenen äußeren Tasche erkennen.

Die eigene Entnahmeprobe nutzt die textile Hardware und gesondertes Übungsmaterial. Der Einsatz wird in beide Richtungen herausgezogen, nach vorn geholt und aufgefaltet. Danach wird geprüft, ob einzelne Päckchen von den Haltebändern erfasst werden und der gefaltete Satz wieder in die Hülle passt. Eine zusätzliche Packung, die das Bündel aufwölbt, kann die seitliche Entnahme erschweren. Lose eingelegte Mittel können beim Öffnen herausfallen und sind dann in Dunkelheit oder beim Ortswechsel schwer wiederzufinden. Die medizinischen Einzelpackungen bleiben bei dieser Hardwareprobe geschlossen.

Zugriff mit Schutzweste und Rucksack prüfen

Die rückwärtige Platzierung hält den vorderen Bereich der Schutzweste für andere Ausrüstung frei. Sie verlangt aber eine freie Zugbahn an beiden Enden. Rucksack, Hüftgurt und weitere Taschen werden deshalb zusammen mit dem IFAK angelegt, bevor jede Hand allein die zugehörige Lasche sucht und den Einsatz entnimmt. Dabei zeigt sich, ob der erreichbare Griff auch genug Bewegung zum Herausziehen erlaubt. Ein Gurt kann die Lasche sichtbar lassen und trotzdem das gefaltete Paket gegen die Hülle drücken.

Die elastische Verbindung hält den entnommenen Einsatz weiterhin an der Hülle. Soll das medizinische Paket beim Ablegen der Schutzweste mitgenommen werden, muss diese Verbindung gelöst und der Einsatz an einem neuen Trageort gesichert werden. Andernfalls bleibt der Inhalt trotz herausgezogenem Falteinsatz an der abgelegten Weste.