Ein IFAK ist ein persönlich mitgeführter medizinischer Notfallsatz für die unmittelbare Selbst- und Kameradenhilfe. Die Langform Individual First Aid Kit wird unter anderem im US-Pararescue-Modell verwendet. Der Satz enthält ausgewählte Mittel zur Versorgung akut gefährlicher Verletzungsfolgen, etwa zur Blutstillung. Ihre Anwendung richtet sich nach dem in der Sanitätsausbildung erlernten Verfahren für das jeweilige Mittel. In militärischer Isolation bestimmen der erhaltene Inhalt und der tatsächliche Zugriff, welche Selbsthilfe vor möglicher weiterer Versorgung oder Rückführung möglich ist.
Medizinische Funktionen des Satzes
Der Schwerpunkt liegt auf schwerer äußerer Blutung und weiteren unmittelbar bedrohlichen Folgen einer Verwundung. Unter unmittelbarer Bedrohung müssen Schutz vor weiteren Verletzungen und die taktisch mögliche Blutstillung zusammenpassen; eine vollständig ausgebreitete Behandlungsausstattung kann dann noch nicht genutzt werden. Ein kleiner persönlicher Satz enthält weder den Blutvorrat zur Behandlung eines schweren Blutverlusts noch die Ausrüstung eines medizinischen Teams. Ein Personal Survival Kit verfolgt dagegen Überlebensaufgaben wie Wassertransport, Witterungsschutz oder Signalisierung und kann zusätzliche medizinische Mittel enthalten.
Verbandsmaterial ermöglicht, Druck auf eine komprimierbare äußere Blutung auszuüben und die Wundauflage zu befestigen. Hämostatische Gaze unterstützt die örtliche Blutstillung; sie muss bei der vorgesehenen Anwendung mit direktem Druck verbunden werden. Ein Gliedmaßentourniquet unterbricht die Durchblutung eines Arms oder Beins, um eine dafür geeignete lebensbedrohliche Blutung zu stoppen. Für eine geringfügige Blutung ist diese Unterbrechung nicht erforderlich. Bleibt sie bei verzögerter Versorgung lange bestehen, können Gewebeschäden entstehen. Die Anlegezeit gehört deshalb zur Kennzeichnung des Tourniquets und zur Dokumentation der Versorgung.
Ein Chest Seal ist eine klebende Wundabdeckung für eine offene Brustkorbwunde. Ausführungen mit Ventil lassen Luft aus der Wunde entweichen. Auch nach dem Abdecken muss die Atmung weiter beurteilt werden: Unter Spannung eingeschlossene Luft im Brustkorb kann zunehmende Atemnot und Kreislaufprobleme verursachen. Ein starrer Augenschild erfüllt eine andere Schutzaufgabe. Bei einer erkannten oder vermuteten durchdringenden Augenverletzung hält er Druck vom Auge fern; ein Druckverband über dem Auge würde diese Aufgabe verfehlen.
Wärmeschutz muss den weiteren Wärmeverlust der verwundeten Person begrenzen. Dazu gehören Schutz vor Wind und Niederschlag sowie Isoliermaterial zwischen Körper und kaltem Boden. Sind nur kleine Schutzmittel im Satz vorhanden, ergänzen verfügbare Kleidung und andere erhaltene Isoliermittel diese Funktion. Eine dünne Schutzfolie ersetzt keine isolierende Unterlage. Beim Bewegen des Verwundeten muss der Schutz auch unter dem Körper erhalten bleiben.
Zugriff bei Verletzung und Ausrüstungsverlust
Im US-Pararescue-Modell gehört das IFAK zur zweiten Ausrüstungslinie, dem Gefechtsbedarf. Zusätzliches medizinisches Material gehört dort zur dritten Linie, die normalerweise im Rucksack getragen wird. Bei der Vorbereitung wird deshalb festgelegt, welche Mittel zur schnellen Blutstillung auch nach dem Ablegen einer Trageebene erreichbar bleiben sollen. Ein gesondert in einer Kleidungstasche getragenes Tourniquet kann den Zugriff erhalten, wenn die Weste abgelegt werden muss.
Beim US-Army-Modell IFAK II lässt sich der gefaltete Einsatz von beiden Seiten mit Ziehlaschen aus seiner Tragetasche holen; eine elastische Verbindung hält ihn an der Tasche. Die Tourniquets können in getrennten Taschen oder Kleidungstaschen getragen werden. Für die eigene Vorbereitung wird der Zugriff mit vollständig angelegter Ausrüstung geprüft: Lassen sich Verschluss und Entnahme jeweils mit nur einer Hand bedienen, und verdeckt ein weiterer Gurt die Lasche? Eine im Stehen gut erreichbare Tasche kann beim Liegen unter dem Körper oder hinter zusätzlicher Ausrüstung blockiert sein. Ist Kameradenhilfe möglich, muss der Helfer den vereinbarten Trageort kennen, damit er am Verwundeten gezielt an die Mittel gelangt.
Vollständigkeit, Verpackung und Lagerung
Tragetasche, versiegelter Gesamtsatz und sterile Einzelverpackung sind verschiedene Ebenen. Für die Entnahme vorbereitete Außenverschlüsse dürfen nicht mit bereits geöffnetem sterilem Verbandsmaterial verwechselt werden. Die Einzelverpackung hält Verunreinigungen vom Inhalt fern; Risse, Einstiche oder eine geöffnete Siegelnaht unterbrechen diese Barriere. Feuchtigkeit ist nach Verpackungsart zu beurteilen: Eine unbeschädigte, undurchlässige und verschweißte Kunststoffverpackung verliert ihre Barrierefunktion nicht allein durch eine nasse Außenseite.
Vor dem Einsatz werden tatsächlicher Inhalt, unbeschädigte Verpackungen und die Ablaufdaten der einzelnen Komponenten geprüft. Die Lagerbedingungen des jeweiligen Produkts müssen dabei berücksichtigt werden. Beschädigte, verbrauchte oder ablaufende Mittel werden im regulären Ausrüstungsbestand ersetzt; bei einem ergänzten Satz müssen auch die neuen Einzeltermine erfasst werden. Für Entnahme- und Anwendungsübungen dient gesondertes Übungsmaterial, damit die sterile Ausstattung für die mögliche Verwundung geschlossen bleibt.
Nationale Bezeichnungen und Ausstattungsmodelle
In der US Army wird IFAK auch für Improved First Aid Kit verwendet. Das IFAK II ist ein konkretes weiterentwickeltes Modell mit einem zweiten Tourniquet, Chest Seal, Augenschild sowie Verwundetenkarte und Stift. Hämostatische Gaze kann getrennt vom Tragesatz ausgegeben werden. Bei einem solchen Ausgabeverfahren prüft der Empfänger die gesonderte Gaze und verstaut sie im dafür vorgesehenen Fach.
Die US Air Force verwendet auch die Bezeichnung Joint First Aid Kit, JFAK. Im zugehörigen Modell wird ein vollständig versiegelter Satz bereitgestellt und nach dem Einsatz als Einheit ersetzt. Andere US-Ausstattungsmodelle ermöglichen das Nachfüllen einzelner Komponenten. Dadurch unterscheiden sich die Schritte zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft: entweder vollständiger Satztausch oder Kontrolle und Ersatz der betreffenden Einzelteile. In der Bundeswehr bezeichnet persönliche Sanitätsausstattung den für Selbst- und Kameradenhilfe vorgesehenen Satz mit Verbandsmaterial und speziellen Blutstillungsmitteln. Seine Nutzung gehört zur sanitätsdienstlich vermittelten Einsatzersthelferausbildung.
Dokumentation und weitere Versorgung
Eine vorhandene Verwundetenkarte und ein Permanentmarker halten fest, welche Verletzungen erkannt, welche Maßnahmen durchgeführt und welche Veränderungen beobachtet wurden. Die Karte bleibt beim Verwundeten, damit diese Informationen auch bei einem tatsächlichen späteren Wechsel der versorgenden Person erhalten bleiben. Tourniquetzeiten müssen dabei erkennbar bleiben. Vor einem möglichen Transport werden lose Verbandenden und Wärmeschutz gesichert; die Blutstillung wird erneut geprüft, weil Verschiebungen während der Bewegung die Versorgung beeinträchtigen können.