Dehydrierung bezeichnet ein Defizit an Körperwasser: Der Körper verliert mehr Flüssigkeit, als er aufnimmt. Im Deutschen wird dafür auch Flüssigkeitsmangel verwendet. Bei militärischer Isolation entsteht dieser Zustand durch fehlenden Nachschub, versäumtes Trinken oder erhöhte Verluste. Er verringert die körperliche Belastbarkeit und kann die eigene Versorgung und Weiterbewegung unterbrechen. Mit zunehmendem Defizit drohen Kreislaufversagen und Organschäden.
Wie das Wasserdefizit entsteht
Wasser verlässt den Körper ständig über Urin, Haut und ausgeatmete Luft. Körperliche Arbeit steigert die Wärmeproduktion und häufig den Schweißverlust. Durchfall und Erbrechen können zusätzlich viel Wasser und Salze entziehen; Übelkeit erschwert zugleich das Trinken. Ein Defizit ist deshalb auch bei kühlem Wetter möglich. Nasse Kleidung, hohe Luftfeuchtigkeit oder ein Fluss in Sicht sagen nichts darüber aus, ob ausreichend trinkbares Wasser aufgenommen wurde.
In der Wärme muss der Kreislauf die arbeitenden Muskeln und die inneren Organe versorgen und gleichzeitig Blut zur Haut transportieren, damit Wärme abgegeben werden kann. Wasserverlust kann das zirkulierende Blutvolumen vermindern. Das Herz muss stärker arbeiten, während Wärmeabgabe und körperliche Leistung schwieriger werden. Schweiß kühlt vor allem durch Verdunstung. In feuchter Luft oder unter schlecht durchlässiger Kleidung kann viel Schweiß verloren gehen, ohne genügend Wärme abzuführen. Zusätzliche Last erhöht die Arbeit und damit die Wärmeproduktion. Fitness und Gewöhnung an Hitze ersetzen den Flüssigkeitsausgleich nicht.
Eigene Warnzeichen und ihre Grenzen
Durst, trockener Mund, Kopfschmerz, ungewöhnliche Müdigkeit, Schwindel und selteneres Wasserlassen können auf einen Flüssigkeitsmangel hinweisen. Aussagekräftiger wird das Bild durch den Verlauf: Wie viel wurde tatsächlich getrunken, wie anstrengend war die Bewegung, gab es starken Schweißverlust, Durchfall oder Erbrechen? Durst kann während hoher Belastung zu spät oder zu schwach wahrgenommen werden. Wer beim Aufstehen anhaltend schwindelig wird, schwankt oder einfache Handlungsschritte wiederholt vergisst, muss die Belastung unterbrechen. Solche Ausfälle beeinträchtigen bereits unabhängig von der genauen Ursache das sichere Begehen des nächsten Hangs, die Orientierung und die Bedienung der Ausrüstung.
Dunkelgelber Urin und geringe Urinmenge passen zu Wassermangel, messen aber weder das Defizit noch die verbleibende Leistungsfähigkeit. Nahrung, Vitamine und andere Einflüsse verändern die Farbe. Auch heller Urin bestätigt keine sichere Fortsetzung eines Marsches. Brauner, roter oder colafarbener Urin kann auf andere Schäden hinweisen, etwa Blut oder Muskelzerfall nach hoher Belastung. Das ist ein Grund, die Anstrengung sofort zu beenden, keine Aufforderung, möglichst viel Wasser hineinzuzwingen. Einzelne Symptome unterscheiden Dehydrierung, Hitzekrankheit und andere Erkrankungen nicht zuverlässig.
Verluste begrenzen und vorhandene Flüssigkeit nutzen
Bei beginnenden Beschwerden wird zunächst vermeidbare Arbeit beendet. Ein naher schattiger, möglichst kühlerer Platz reduziert die weitere Wärmebelastung; bei Schwindel wird dort sitzend oder liegend geruht. Überflüssige äußere Kleidung und belastende Ausrüstung werden gelockert oder abgelegt, soweit Schutz vor Sonne, Gelände und gegnerischer Beobachtung das zulässt. Dieser Schritt senkt Wärmeproduktion und weitere Schweißverluste. Weiterlaufen mit unveränderter Last, um den geplanten Rastpunkt noch zu erreichen, kann das Defizit und die Kreislaufbelastung vergrößern.
Wer vollständig wach und klar ist, sicher schlucken kann und keine Zeichen eines Kreislaufversagens zeigt, nutzt vorhandenes Trinkwasser oder ein geeignetes verfügbares Rehydratationsgetränk. Bei Übelkeit beginnen kleine, verträgliche Schlucke; die Aufnahme wird nur gesteigert, soweit die Flüssigkeit behalten wird. Bei Verwirrtheit, ausgeprägter Benommenheit oder unsicherem Schlucken wird nichts eingeflößt. Wiederholtes Erbrechen, anhaltender Schwindel im Stehen, kalte blasse Haut mit schwerer Schwäche oder zunehmende Atemprobleme zeigen, dass bloßes Weitertrinken und Weitermarschieren nicht ausreichen.
Mit Schweiß gehen auch Elektrolyte verloren, darunter Natrium. Vorhandene normale Mahlzeiten helfen, solche Verluste zu ersetzen. Bei erheblichen Verlusten durch Durchfall ist eine dafür vorgesehene orale Rehydratationslösung, kurz ORS, sinnvoll, wenn das geeignete Präparat tatsächlich verfügbar ist und die Voraussetzungen für sicheres Trinken erfüllt sind. Ein Pulverbeutel wird mit genau der auf seiner Packung angegebenen Menge sicheren Trinkwassers zubereitet. Eine stärkere Mischung ersetzt fehlendes Wasser nicht. Salztabletten, geschätzte Salz-Zucker-Mischungen und konzentriertes Salzwasser sind kein verlässlicher Ersatz. Fehlt ORS, wird vorhandenes Trinkwasser in verträglichen Schlucken genutzt; anhaltende große Verluste bleiben dabei ein ernstes Versorgungsproblem.
Vorrat, Belastung und Bewegungsplan zusammenführen
Der vorhandene Vorrat wird an den tatsächlichen Behältern geprüft. Bei einer Trinkblase lässt sich aus gelegentlichem Saugen am Schlauch der Rest kaum abschätzen; wenn möglich werden Füllstand oder nachgefüllte Mengen kontrolliert. Verbrauch und Rest werden mit den vorhandenen Mitteln festgehalten, etwa einer Notiz oder einer Markierung am Behälter. Diese einfache Kontrolle verhindert, dass der Plan noch mit einer vollen Flasche rechnet, obwohl sie längst fast leer ist. Daneben stehen die verbleibende Strecke, die notwendige Last, Hitze, Schatten und eine wirklich bekannte nächste Versorgung.
Reicht der Vorrat für die vorgesehene Belastung offensichtlich nicht, muss sich der Bewegungsplan ändern: unnötige Umwege und Arbeiten entfallen, Anstrengung und Tempo werden reduziert, und Bewegung wird nach Möglichkeit in kühlere Zeiträume verlegt. Das ist nur brauchbar, wenn Gelände, Beobachtungsbedingungen und Bedrohung das Warten oder spätere Bewegen erlauben. Eine unbekannte Wasserstelle ist kein gesicherter Nachschub. Mit nachlassender Standfestigkeit auf Verdacht weiterzusuchen kann die letzte Fähigkeit kosten, einen geschützten Platz zu erreichen.
Ist vorerst kein trinkbares Wasser erreichbar, wird die weitere Verlustquelle begrenzt: aus direkter Sonnenbelastung auf kurzem, sicherem Weg herauskommen, im verfügbaren Schatten ruhen und vermeidbare körperliche Arbeit einstellen. Verbleibendes Trinkwasser wird für die Flüssigkeitsaufnahme eingeplant. Schatten und Ruhe ersetzen das bereits verlorene Wasser nicht; sie können aber die Geschwindigkeit weiterer Verluste senken. Eine feste Tagesration oder ein winziger Schluck nach starrer Uhrzeit passt nicht zu jedem Menschen und jeder Belastung. Der gleiche Vorrat kann bei Ruhe im Schatten wesentlich länger nutzbar bleiben als beim schweren Marsch.
US-amerikanische militärische Planungsverfahren verbinden den Flüssigkeitsbedarf mit Arbeitsbelastung, Wärme, Kleidung und Arbeits-Ruhe-Wechseln. Britische Vorgaben unterscheiden ausdrücklich die bereitzustellende Höchstmenge von der tatsächlich zur Aktivität passenden Aufnahme. Für isoliertes Personal folgt daraus eine gemeinsame praktische Aufgabe: Vorrat, Verbrauch und Belastung zusammen prüfen. Solche Versorgungsansätze setzen einen organisierten Nachschub voraus; eine allein verbliebene Person muss bei fehlendem Nachschub die Belastung und den weiteren Weg entsprechend begrenzen.
Hitzekrankheit und Übertrinken unterscheiden
Dehydrierung ist ein Wasserdefizit. Hitzeerschöpfung entsteht, wenn der Kreislauf die gemeinsamen Anforderungen von Wärmeabgabe und körperlicher Arbeit nicht mehr ausreichend erfüllt; Flüssigkeitsmangel kann daran beteiligt sein. Ein Hitzschlag ist eine lebensbedrohliche Überwärmung mit Störung der Gehirnfunktion und möglicher Organschädigung. Verwirrtheit, ungewöhnliches Verhalten, Krampfanfälle oder Bewusstseinsverlust nach Wärmebelastung verlangen sofortiges Beenden der Anstrengung und Kühlung mit den tatsächlich verfügbaren Mitteln. Weiteres Schwitzen schließt einen Hitzschlag nicht aus. Trinkwasser allein behandelt diese Überwärmung nicht.
Auch übermäßiges Trinken ist gefährlich. Wird erheblich mehr Flüssigkeit aufgenommen als verloren, kann die Natriumkonzentration im Blut sinken: Hyponatriämie. Hohe Belastung kann die Wasserausscheidung zusätzlich hemmen; Salzverluste und fehlende Nahrungsaufnahme verschärfen das Problem. Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Verwirrtheit können dann ähnlich aussehen wie bei Flüssigkeitsmangel oder Hitzekrankheit. Wer nach auffällig großen Trinkmengen solche Beschwerden entwickelt, darf sie nicht mit noch mehr Wasser beantworten. Der tatsächliche Trinkverlauf ist deshalb ebenso wichtig wie der verbliebene Vorrat. Die sichere Unterscheidung kann eine Untersuchung und Blutmessung erfordern.
Wenn die eigene Handlungsfähigkeit abnimmt
Bleiben Beschwerden trotz Ruhe und verträglicher Flüssigkeitsaufnahme bestehen, wird eine längere Weiterbewegung nicht einfach wieder aufgenommen. Zunehmende Verwirrtheit, Kollaps, Krampfanfälle oder fehlende Fähigkeit, Flüssigkeit zu behalten, können rasch jede eigene Versorgung verhindern. Der erreichbare geschützte Platz und das Begrenzen weiterer Wärmebelastung haben dann Vorrang vor dem ursprünglichen Streckenziel. Bei Wärmebelastung wird verfügbare Hautkühlung begonnen, etwa durch Benetzen und Luftbewegung, sofern dafür Wasser und geeignete Mittel vorhanden sind. Bei Benommenheit wird kein Getränk eingeflößt.
Eine vorhandene funktionsfähige Verbindung wird möglichst genutzt, solange eine verständliche Meldung noch möglich ist: Standort, Beschwerden, Bewegungsfähigkeit, bisherige Flüssigkeitsaufnahme und verbleibender Vorrat gehören zusammen. Rückführung setzt eine erreichbare Gegenstelle und tatsächlich verfügbare Kräfte voraus. Fehlen diese Möglichkeiten, bleiben Ruhe, Schutz vor weiterer Hitze, sichere Flüssigkeitsaufnahme innerhalb der genannten Grenzen und die Anpassung des eigenen Bewegungsplans die verfügbaren Maßnahmen. Bei schwerer Dehydrierung oder Hitzschlag kann die notwendige Behandlung die eigenen Mittel überschreiten.