Wiki · Begriffserklärung

Desert Survival

Desert Survival bezeichnet das Überleben isolierten Personals unter Wüstenbedingungen und den darauf ausgerichteten Teil militärischer Überlebensausbildung. Die Person muss ihre Körperfunktion und Bewegungsfähigkeit mit begrenztem Wasser und tatsächlich vorhandener Ausrüstung erhalten. Sonnenstrahlung, heiße Luft und Oberflächen, Verdunstung, wechselnde Temperaturen und oft wenig Sichtschutz bestimmen dabei, wann sie ruhen oder weitergehen kann. Bei gegnerischer Bedrohung muss dieser Umweltschutz zugleich mit dem Verbergen und Ausweichen verbunden werden. Die deutsche Bezeichnung lautet Wüstenüberleben.

Wüstenbedingungen und Wärmebelastung

Wüsten sind durch Wassermangel geprägt; ihr Gelände kann aus Sand, Geröll, Fels, trockenen Becken und Gebirgszügen bestehen. Jahreszeit und Höhenlage verändern die Belastung. In klaren, trockenen Nächten können Boden und Luft stark abkühlen, während manche tief gelegenen heißen Wüsten auch nachts nur wenig Entlastung bieten. Wer tagsüber Schutzkleidung als überflüssige Last zurücklässt, kann sie nach Sonnenuntergang benötigen. Für die nächste Bewegungsphase zählt deshalb die tatsächlich erwartbare Umgebung, einschließlich Wind und möglichem Regen.

Hitze erreicht den Körper auf mehreren Wegen. Sonnenstrahlung und heiße Umgebungsflächen führen Wärme zu; direkter Kontakt mit heißem Stein oder Boden überträgt sie an Haut und Bekleidung. Zugleich erzeugen Gehen, Steigen und Lastentragen zusätzliche Körperwärme. Ein Lufttemperaturwert allein sagt daher wenig darüber aus, wie belastend eine offene Strecke mit Gepäck wird. Eine kurze, steile Querung in der Sonne kann die Person stärker beanspruchen als ein längerer ruhiger Aufenthalt im Schatten.

Schweiß kühlt, wenn sein Wasser verdunstet. Trockene Luft kann diese Wärmeabgabe begünstigen, der Körper verliert dabei jedoch Wasser. Bei höherer Luftfeuchte verdunstet weniger Schweiß. Luftbewegung kann die Verdunstung verbessern; der direkte Wärmeaustausch mit der Luft hängt aber vom Temperaturunterschied ab. Ist die Luft heißer als die Haut, kann sie dem Körper Wärme zuführen.

Schutz mit den vorhandenen Mitteln

Nach der unmittelbaren Gefahrenlage sucht die Person einen Platz, an dem sie ihre Belastung senken und ihren Zustand prüfen kann. Schatten vermindert den Strahlungseintrag, Stillhalten die zusätzliche Muskelwärme. Ein tiefer, windstiller Platz zwischen aufgeheizten Felsen kann dennoch belastend sein. Vor einem längeren Halt prüft sie deshalb Schattenverlauf, Luftbewegung, heiße Kontaktflächen und einen möglichen Abgang. Eine vorhandene Unterlage kann den direkten Kontakt mit heißem Boden verringern. Der Schatten muss den Körper auch später noch erreichen; mit der wandernden Sonne kann ein zunächst geeigneter Platz seine Wirkung verlieren.

Kleidung erfüllt gleichzeitig mehrere Aufgaben. Sie bedeckt Haut gegenüber direkter Sonnenexposition, kann aber auch Wärme und Feuchte zurückhalten. Dichte zusätzliche Schichten und Schutzausrüstung erschweren die Wärmeabgabe; ihre Masse erhöht beim Tragen die Arbeit. Im verdeckten Halt setzt die Person die Last ab und öffnet oder vermindert wärmerückhaltende Schichten, soweit die aktuelle Bedrohung und der weiterhin nötige Schutz das zulassen. Schuhe bleiben für die nächste Strecke wichtig, weil heißer oder scharfkantiger Boden eine ungeschützte Fortbewegung erschwert. Die Ausrüstung wird dabei so abgelegt, dass sie bei einem nötigen Lagewechsel erreichbar bleibt.

Wasserbestand und nächste Bewegungsphase

Die Person prüft, wie viel nutzbares Trinkwasser sie tatsächlich besitzt, ob die Behälter dicht sind und welche Menge sie weitertragen kann. Vor einem neuen Abschnitt verbindet sie diesen Bestand mit Gelände, Last, Körperzustand und erreichbaren Ruhepunkten. Steigungen, weicher Untergrund und notwendige Umwege verlangen mehr Arbeit oder mehr Zeit als die bloße Entfernung vermuten lässt.

Ein knapper Vorrat macht die Verringerung von Hitze und Anstrengung dringlich. Wenn die Bedrohung es erlaubt, verlegt die Person körperlich aufwendige Bewegung in eine kühlere Phase, wählt ein realistisches Tempo und hält an geeigneten Punkten, bevor die Leistungsfähigkeit deutlich einbricht. Sie nutzt vorhandenes Trinkwasser, statt vermeidbare Verluste durch schnellen Marsch anschließend ausgleichen zu wollen. Wiederholtes übermäßiges Trinken kann die Wasser- und Natriumbilanz stören. Wasseraufnahme ersetzt weder Schatten noch Wärmeabgabe.

Vor dem Aufbruch braucht die Person einen begründeten Zielpunkt und eine Route, die sie mit ihren Mitteln bewältigen kann. Ein unbekanntes Ziel hinter einer offenen Fläche rechtfertigt keinen erschöpfenden Suchmarsch. Bei unklarem Ort, unzureichendem Bestand oder sinkender Bewegungsfähigkeit bleibt sie zunächst an einem geeigneten verdeckten Ruhepunkt und beurteilt die Lage neu. Ist dieser Punkt durch gegnerische Annäherung unmittelbar gefährdet, kann ein kurzer Wechsel in erreichbare Abschirmung nötig werden.

Sichtbarkeit, Gelände und Dunkelheit

Auf offenem Boden können Bewegung, Körperkontur und glänzende Ausrüstungsflächen auffallen. Ein Schattenplatz kann zugleich von einer Straße, einer Geländehöhe oder aus der Luft einsehbar sein. Für einen Halt verbindet die Person deshalb Wärmeschutz mit Abschirmung, beobachtbaren Zugängen und einem Abgang, der sie nicht in eine Sackgasse führt. Sie bewegt sich möglichst wenig am Rand des Sichtschutzes und vermeidet, beim Beobachten Kopf oder Oberkörper gegen den Himmel abzuheben. Die Auswahl eines solchen Ortes wird im Zusammenhang mit Hide Site und Hole-up vertieft.

Vor einer offenen Teilstrecke beobachtet sie aus der Abschirmung den Weg, erkennbare gegnerische Aktivität und den nächsten nutzbaren Halt. Eine kühlere Nacht kann die Wärmebelastung senken und die sichtbare Erkennbarkeit verändern. Sie erschwert aber auch das Erkennen von Bodenhindernissen und der eigenen Route. Wärmebildgeräte benötigen kein sichtbares Tageslicht; der Körper kann sich durch seine thermische Strahlung vom Hintergrund unterscheiden. Für die Bewegung zählen deshalb weiterhin Sichtlinien und Geländeabschirmung. Dunkelheit allein beseitigt diesen Beobachtungskanal nicht; die Zusammenhänge erklärt die Evasion unter Wärmebildbeobachtung.

Trockene Rinnen können den Körper gegenüber seitlichen Blicken abschirmen, führen bei Starkregen aber plötzlich Wasser. Zufluss aus höherem Gelände kann einen Kanal auch dann gefährlich machen, wenn am eigenen Halt noch kein Regen fällt. Ein tiefes Abflussbett ohne schnellen Ausweg eignet sich daher nicht für einen längeren Aufenthalt. Die Person prüft die Lage oberhalb des eigentlichen Abflussbetts und ihre Abgangsmöglichkeiten. Bei aufziehendem Staub oder Regen muss sie außerdem neu beurteilen, ob sie die nächste Strecke noch erkennen und bewältigen kann.

Warnzeichen und Grenzen der Selbsthilfe

Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, ungewöhnliche Schwäche oder ein unsicherer Gang unter Hitze sind Gründe, die normale Weiterbewegung abzubrechen. Die Person beendet die Anstrengung, erreicht möglichst Schatten, setzt die Last ab und entfernt unnötige Schichten, die Wärme zurückhalten. Vorhandenes kühles Wasser auf der Haut oder kühle feuchte Tücher können zusammen mit Luftbewegung die Kühlung unterstützen. Wer wach und klar ist und sicher schlucken kann, trinkt vorhandenes Trinkwasser in kleinen Schlucken.

Verwirrtheit, Krampfanfälle oder ein Kollaps unter Hitze zeigen eine schwere Gefahr; bei einem Hitzschlag kann die Person auch stark schwitzen. Die Anstrengung muss aufhören und tatsächlich verfügbare Kühlung sofort eingesetzt werden. Eine Person, deren Bewusstsein oder Schlucken beeinträchtigt ist, kann Wasser nicht sicher zu sich nehmen. Mit zunehmender Verwirrtheit fallen auch Orientierung und selbstständige Maßnahmen aus. Wer allein ist, muss deshalb bereits auf die früheren Warnzeichen reagieren. Ein Weitergehen mit gestörtem Bewusstsein erhöht zusätzlich die Gefahr, zu stürzen oder die Route zu verlieren.

Militärische Ausbildungsformen

In Frankreich führt das Centre de formation à la survie et au sauvetage, CFSS, die Wüste als eigenen Umweltbereich für Flugbesatzungen. In einer solchen Wüstenvorbereitung folgt auf theoretische Vorbereitung und eine Phase der Akklimatisation und des Fertigkeitserwerbs die Anwendung in einer Lage im Gelände. Die Überlebensausrüstung der Besatzungen wird nach dem überflogenen Raum zusammengestellt. Für die isolierte Person bedeutet das, mit dem nach einer Notlandung oder einem Absprung verbliebenen Material unter der tatsächlichen Wärmebelastung handeln zu können.

Die US Air Force nutzt das Wüstengelände bei Nellis für Combat-Skills- und Wiederholungsausbildung sowie für Isolationslagen im Zusammenhang mit Red Flag. SERE-Spezialisten arbeiten dabei mit der isolierten Person, gestalten die Lage und organisieren gegnerische Bodensuche. Die Teilnehmer üben dabei, ihr körperliches Überleben mit Verbergen, Bewegung und dem Verhalten bei einer möglichen Rückführung zu verbinden. Die Person muss ihre Wärmebelastung senken, ohne durch den dafür gewählten Ort oder unnötige Bewegung die Suche zu erleichtern.