Wiki · Begriffserklärung

Notration

Eine Notration ist ein begrenzter mitgeführter Nahrungsvorrat für eine Lage, in der die gewöhnliche Versorgung unterbrochen ist. Bei militärischer Isolation soll sie Nahrung für die nächsten notwendigen Bewegungs- und Ruheabschnitte bereitstellen, ohne eine Feldküche oder Nachschub vorauszusetzen. Entscheidend sind die tatsächlich erhaltene Menge, ihre Verzehrfähigkeit und der Zugang zur Reserve. Kompakte Überlebensnahrung kann deutlich weniger enthalten als eine vollständige Tagesverpflegung.

Reserve und Einsatzverpflegung

Im allgemeinen Sprachgebrauch kann auch eine gewöhnliche Einsatzration als Notration bezeichnet werden. Bei der Bundeswehr enthält die Einpersonenpackung, kurz EPa, eine vollständige Tagesration mit getrennt verpackten Mahlzeitenbestandteilen. Daneben stehen Notration Verpflegung und Überlebensration für besondere Reserven bei abgeschnittenen Versorgungswegen, für Piloten oder für Seenotlagen. Diese kompakten Reserven dienen nicht als vollwertige Tagesverpflegung. Für die isolierte Person folgt daraus eine konkrete Prüfung: Welche Lebensmittel sind noch bei ihr, welche Menge enthalten sie, und welche davon kann sie mit ihren verbleibenden Mitteln essen?

Eine amerikanische Meal, Ready-to-Eat, kurz MRE, ist eine vollständige einzelne Einsatzmahlzeit. Ihre Lebensmittel sind mit Ausnahme der Getränke verzehrfertig; auch das Hauptgericht kann bei Bedarf kalt gegessen werden. Wird eine solche Mahlzeit als Reserve zurückbehalten, übernimmt sie die Funktion einer Notration.

Zugriff und tatsächlicher Bestand

Eine im abgelegten Rucksack zurückgelassene Reserve steht nach der Trennung vom Gepäck nicht mehr zur Verfügung. Der für Isolation vorgesehene Anteil muss deshalb beim vorbereiteten Notfallablauf erhalten bleiben und erreichbar sein. Vorher lässt sich prüfen, ob die Packung in der vorgesehenen Tasche liegt, sich mit der getragenen Ausrüstung herausnehmen lässt und gegen Durchscheuern, scharfkantige Gegenstände und Feuchtigkeit geschützt ist. Die versiegelten Lebensmittelverpackungen und ihre Zubereitungshinweise bleiben erhalten; eine lose umgefüllte Ration verliert den Schutz ihrer ursprünglichen Verpackung.

Sobald die Lage eine Bestandsaufnahme zulässt, werden die vorhandenen Packungen und Portionen gezählt. Bereits verzehrte, verlorene oder durch Beschädigung unbrauchbare Teile gehen davon ab. Essfertige Lebensmittel werden von Komponenten getrennt, die erst Wasser oder andere vorhandene Zubereitungsmittel benötigen. Auf einer Nährwertangabe muss erkennbar sein, ob sich die Energie auf hundert Gramm, eine Portion oder die gesamte Packung bezieht. Die aufgedruckte Energiemenge der ungeöffneten Vollpackung ist nach dem ersten Verbrauch kein zutreffender Restbestand mehr.

Die endliche Menge einteilen

Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied zwischen Portionenzahl und Nahrungsvorrat sichtbar: Vierhundert Gramm eines Lebensmittels mit vierhundert Kilokalorien je hundert Gramm enthalten insgesamt sechzehnhundert Kilokalorien. Vier Portionen zu hundert Gramm liefern jeweils vierhundert Kilokalorien; acht Portionen zu fünfzig Gramm jeweils zweihundert. Das Aufteilen verändert die Gesamtmenge nicht. Diese Beispielwerte sind keine Verpflegungsvorgabe. Sie zeigen, warum eine in viele kleine Stücke gebrochene Ration nicht zu ebenso vielen vollständigen Mahlzeiten wird.

Für die eigene Einteilung wird zunächst der nächste notwendige Abschnitt betrachtet: Welche Bewegung steht tatsächlich an, wann lässt die Bedrohung eine Esspause zu, und welche weiteren Abschnitte müssen aus derselben Reserve bestritten werden? Dafür wird eine Portion vorgesehen und der restliche Bestand für die folgenden Abschnitte gesichert. Einzeln verpackte Teile bleiben bis zum Verzehr geschlossen. Nach der Pause wird der Rest neu gezählt; zusätzliche Strecke, verlorene Lebensmittel oder eine ausgefallene Versorgungsmöglichkeit erfordern eine neue Einteilung.

Bei knappem Vorrat gehört auch die geplante Belastung auf den Prüfstand. Unnötige Umwege, wiederholte Wege und vermeidbare Lastentransporte verlangen zusätzliche körperliche Anstrengung. Soweit Gelände und Bedrohung es zulassen, können solche Tätigkeiten entfallen und Ruhephasen genutzt werden. Bei unmittelbarem Verfolgungsdruck hat die notwendige Bewegung Vorrang vor einer Esspause; die dafür vorgesehene Portion bleibt für die nächste mögliche Pause erreichbar.

Wasser und Zubereitung getrennt prüfen

Nahrung und Trinkwasser erfüllen verschiedene Aufgaben. Wasser trägt unter anderem zur Temperaturregulation und zum Stofftransport im Körper bei; übersteigen die Flüssigkeitsverluste die Aufnahme, kann die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit nachlassen. Die Energie in einem trockenen Riegel ersetzt dieses fehlende Wasser nicht. Bei der Bestandsaufnahme werden daher Trinkwasser und das für einzelne Lebensmittel benötigte Zubereitungswasser ausdrücklich mit betrachtet.

Beim amerikanischen Food Packet, Survival, General Purpose sind die Riegel unmittelbar essbar und für die Verwendung auch bei begrenztem Wasservorrat vorgesehen. Getreide- und Granolariegel können wahlweise mit etwas Wasser angerührt werden; dafür muss kein knappes Wasser eingesetzt werden. Die beigefügte Suppenbasis braucht dagegen heißes Wasser. Nach Kontakt mit Salzwassergischt oder verschlucktem Salzwasser gilt bei dieser Packung die besondere Anweisung, die Suppen- und Soßenbasis nicht zu verwenden. Die unmittelbar essbaren Riegel bleiben dabei die vorgesehenen Nahrungsbestandteile.

Eine Meal, Cold Weather enthält dagegen unter anderem getrocknete Hauptgerichte, für deren Zubereitung Wasser benötigt wird. Bei knappen Mitteln werden die Hinweise der jeweiligen Komponente gelesen, statt die ganze Packung als gleichermaßen essfertig zu behandeln. Wasser, das mit einem zubereiteten Gericht aufgenommen wird, bleibt Bestandteil der Flüssigkeitsaufnahme; eine Zubereitungsmenge ist keine eigenständige Trinkvorgabe. Essfertige Riegel oder ein kalt essbares MRE-Gericht erlauben den Verzehr ohne eine Heizstelle. Dadurch entfallen für diese Mahlzeit das Anlegen eines Feuers, dessen Licht und Rauch sowie die dafür nötige Zeit. Verpackungen werden wieder eingesteckt und nicht am Essplatz zurückgelassen.

Beschädigung, Ausfall und verbleibende Alternativen

Ein zerdrückter Außenkarton und eine durchstochene Lebensmittelhülle sind unterschiedliche Schäden. Beim Außenkarton werden die darin liegenden Einzelverpackungen geprüft. Risse, Löcher oder offene Siegelnähte der Lebensmittelhülle beseitigen dagegen ihre geschlossene Schutzbarriere. Sind Schmutzwasser, Sand oder andere Verunreinigungen eingedrungen oder lässt sich deren Eintritt durch die beschädigte Hülle nicht ausschließen, wird dieser Teil nicht als verwendbarer Vorrat eingeplant. Beschädigte Teile werden von den übrigen getrennt; intakte, separat versiegelte Portionen werden einzeln geprüft und neu gezählt. Auch lesbare Lagerungs- und Verwendungshinweise gehören zu dieser Prüfung.

Fällt die besondere Notration aus, können noch vorhandene, unbeschädigte Bestandteile der gewöhnlichen Einsatzverpflegung ihre Funktion übernehmen. Ein kalt essbares Gericht ist unmittelbar nutzbar, ein getrocknetes Gericht mit fehlendem Zubereitungswasser zunächst nicht in der vorgesehenen Form. Eine bekannte Lebensmittelstelle kommt nur als nächste Möglichkeit in Betracht, wenn sie tatsächlich erreichbar ist und der Weg bei der bestehenden Bedrohung vertretbar bleibt. Der Restvorrat, verfügbares Wasser und die dafür nötige Bewegung werden zusammen beurteilt. Eine unbekannte Packung oder ein lediglich vermuteter Vorrat wird dabei nicht als gesicherte Nahrung eingeplant.