Eine Survival vest oder Überlebensweste ist eine Weste zur körpernahen Unterbringung ausgewählter Überlebensausrüstung. Ihre militärische Funktion liegt darin, Signalmittel, Kommunikationsgerät und weitere persönliche Mittel nach einer Trennung vom Luftfahrzeug oder Gepäck bei der Person zu halten. Entscheidend sind die Befestigung am Körper und der erreichbare Zugriff auf die tatsächlich mitgeführten Mittel.
Tragefunktion und zusätzliche Fähigkeiten
Die Tragefunktion ordnet Gegenstände in Taschen und hält sie an vorgesehenen Befestigungen. Eine gewöhnliche Last- oder Gefechtslastweste trägt und verteilt die für den Auftrag benötigte Ausstattung. Bei der Überlebensweste steht im Mittelpunkt, welche ausgewählten Überlebens-, Signal- und Kommunikationsmittel nach einer Trennung am Körper und erreichbar bleiben. Beide Aufgaben können im selben Träger zusammengeführt sein. Ballistischen Schutz liefern dagegen die entsprechenden Schutzelemente; Auftrieb liefern ein Schwimmkragen oder andere Auftriebskörper. Bei Flugbesatzungen können diese Komponenten mit der Überlebensweste ein gemeinsames System bilden. Der persönliche Überlebenssatz bezeichnet die zusammengestellten Mittel: Er kann in einer Weste untergebracht sein, aber auch anders getragen werden. Eine Tasche am Rucksack bleibt dabei vom Verbleib dieses Rucksacks abhängig.
Ausstattung nach Aufgabe und Zugriff
Die Zusammenstellung beginnt mit den Aufgaben nach einer möglichen Isolation: den eigenen Standort kennzeichnen, einen tatsächlich verfügbaren Kommunikationsweg nutzen, sich räumlich einordnen und Umgebungseinwirkungen begrenzen. Daraus ergibt sich, welche ausgegebenen Mittel am Körper verbleiben sollen und welche zusätzliche Ausstattung im Gepäck liegen kann. Für ein unmittelbar benötigtes Signalgerät ist schnelle Erreichbarkeit wichtiger als eine freie Tasche, in die es gerade hineinpasst.
Bei der US-Army-Weste AIRSAVE Type I sind die Innentaschen nach dem Anlegen der Flugausrüstung schwer zugänglich. Dort gehören deshalb keine Mittel hin, die beim Verlassen des Luftfahrzeugs oder zur Signalisierung sofort gebraucht werden. Die Taschenanordnung berücksichtigt Körperbau, Besatzungsposition, Luftfahrzeug und Steuerbewegungen. Diese Ausführung ist für Hubschrauber und Flugzeuge ohne Schleudersitz vorgesehen. Für einen Kampfjetpiloten muss die Belegung mit dessen Schleudersitz- und Flugausrüstung abgestimmt sein.
Die Zugriffsprüfung erfolgt mit der für den Auftrag vorgesehenen vollständigen Tragekombination: Bekleidung, Weste, zusätzliche Schutzmittel und Gurtzeug beeinflussen, welche Tasche erreicht und geöffnet werden kann. In der Ausbildung wird mit der tatsächlich verwendeten Ausrüstung geübt, den richtigen Gegenstand zu finden, zu entnehmen und zu bedienen. Für Flugbesatzungen gehört auch die Bewegungsfreiheit am eigenen Arbeitsplatz dazu; volle Taschen dürfen die Flugzeugbedienung nicht behindern.
Sicherung und Einsatzbereitschaft
Taschenbefestigungen, Verschlüsse und die vorgesehenen Sicherungsschnüre erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Die Tasche bleibt an der Weste, ihr Inhalt wird eingeschlossen, und ein entnommener Gegenstand bleibt mit seinem Träger verbunden. Kontrolliert werden deshalb auch die Befestigungspunkte, Nähte, beschädigte Stoffstellen und die Bedienbarkeit der Verschlüsse. Eine nachgerüstete Tasche braucht dieselbe Prüfung von Befestigung, Reichweite und Behinderung wie die ursprüngliche Anordnung.
Die Bereitschaft der getragenen Mittel wird gesondert geprüft. Dazu gehören der tatsächliche Batteriestand und die Funktionskontrolle elektrischer Geräte sowie ihr Schutz gegen Nässe, Schmutz und mechanische Beschädigung. Ein vorhandenes Funkgerät wird mit der für den Auftrag vorbereiteten Betriebsart genutzt. Für einen Austausch von Meldungen müssen der Funkweg und eine passende Gegenstelle erreichbar sein. Ein sichtbares Signalmittel erfüllt eine andere Aufgabe: Es kennzeichnet den Standort für einen Beobachter, der das Signal wahrnehmen kann. Welches Mittel eingesetzt wird, richtet sich nach dem vorgesehenen Kontakt und dem Entdeckungsrisiko: Ein optisches Signal kann die eigene Stelle auch einem gegnerischen Beobachter zeigen.
Militärische Ausführungen und ihre Bedeutung
Die Aircrew Endurance Survival Vest der US Navy und des Marine Corps verbindet für Hubschrauberbesatzungen Trageplätze für Notfallmittel mit ballistischem Schutz, einem aufblasbaren Auftriebsmittel und einem Gurtzeug für die Aufnahme per Rettungswinde. Für sitzende und in der Kabine bewegliche Besatzungsmitglieder gibt es unterschiedliche Konfigurationen. Die bewegliche Ausführung besitzt zusätzlich eine mit dem Luftfahrzeug verbundene Rückhaltesicherung für das in der Kabine bewegliche Besatzungsmitglied. Besatzungsrolle und vorgesehenes Rückhalte- beziehungsweise Aufnahmeverfahren bestimmen somit mit, welche Tragekombination verwendet wird; gewöhnliche Taschen oder Schlaufen übernehmen keine solche Gurtzeugfunktion.
Bei der deutschen Eurofighter-Ausrüstung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 sind Gegenstände in der Weste mit Nylonschnüren gesichert. Diese Sicherung soll sie auch bei einer veränderten Körperlage nach einem Schleudersitzausstieg bei der Person halten. Eine eigene Tasche nimmt das Notfunkgerät auf; zur Weste gehört außerdem ein Schwimmkragen. Die Verlustsicherung der Gegenstände, die Funkfunktion und der Auftrieb sind damit drei unterschiedliche Funktionen derselben getragenen Ausrüstung.
Beurteilung nach der Trennung
Nach der Trennung wird die vorhandene Ausstattung nach diesen Funktionen überprüft: Welche Mittel sind noch befestigt, welche erreichbar, welche betriebsbereit? Dabei werden auch die an der Bekleidung oder einem anderen verbliebenen Träger untergebrachten persönlichen Mittel einbezogen. Wird die Weste selbst abgelegt oder verloren, betrifft das sämtliche daran gebliebenen Gegenstände zugleich. Die vorherige Verteilung zwischen Weste, Bekleidung und Gepäck bestimmt daher, welche eigenen Möglichkeiten dann noch bestehen.