Hypothermie, auch Unterkühlung genannt, ist die unbeabsichtigte Abkühlung des Körperkerns auf unter 35 °C. Sie entsteht, wenn der Körper mehr Wärme verliert, als er erzeugt. Für eine isolierte Person gefährdet sie damit nicht nur das Leben: Nachlassende Muskel- und Nervenfunktion erschwert die Bedienung der Ausrüstung, sicheres Gehen und die eigenen Entscheidungen, lange bevor eine Rückführung möglich sein kann.
Warum Kälte, Nässe und Erschöpfung zusammenwirken
Der Körper erzeugt Wärme durch Stoffwechsel und Muskelarbeit. Bei Kälte verengt er die Blutgefäße der Haut, um Wärme im Körperinneren zurückzuhalten; Zittern erzeugt zusätzliche Wärme durch Muskelarbeit. Beides hat Grenzen. Erschöpfung und fehlende Nahrungsenergie vermindern die Fähigkeit, Arbeit und Zittern aufrechtzuerhalten. Eine Verletzung kann außerdem die Temperaturregulation beeinträchtigen. Deshalb können auch Verletzte in einem warmen Klima unterkühlen.
Wind trägt die erwärmte Luftschicht an der Körperoberfläche fort. Kontakt mit kaltem Boden leitet Wärme ab. Nasse Kleidung isoliert schlechter, und verdunstendes Wasser entzieht zusätzliche Wärme. Nach einer Wasserpassage wirken diese Verluste weiter, auch wenn die Person das Wasser bereits verlassen hat. Frost ist dafür nicht erforderlich. In kaltem Wasser kommt zum Wärmeverlust die unmittelbare Gefahr hinzu, durch Kälteschock und nachlassende Schwimmfähigkeit zu ertrinken, bevor eine ausgeprägte Unterkühlung entstanden ist.
Eine schnelle Bewegung kann zunächst Wärme erzeugen, zugleich aber Kleidung durchschwitzen. Beim anschließenden Verbergen oder Warten fällt die Wärmeproduktion ab, während die feuchte Kleidung weiter kühlt. Solange die Person noch normal handlungsfähig ist, muss sie deshalb ihre vorhandenen Schichten an die Anstrengung anpassen und vor einem Halt wieder den nötigen Wind- und Wärmeschutz herstellen. Zurückbleibende Feuchtigkeit verschlechtert die Isolierung für die folgende Ruhephase.
Warnzeichen an der eigenen Funktion erkennen
Zittern zeigt, dass der Körper Wärme erzeugen muss. Es beweist für sich allein noch keine Unterkühlung des Körperkerns. Auch kalte Finger können bereits bei normaler Kerntemperatur ungeschickt werden: Verschlüsse, Knoten oder kleine Bedienelemente lassen sich dann schlechter greifen. Für die eigene Versorgung ist dieser Funktionsverlust trotzdem entscheidend. Windschutz, zusätzliche Isolierung und benötigte Ausrüstung müssen erreichbar sein, bevor die Hände ihre Arbeit nicht mehr schaffen.
Nach Kälteexposition sind zunehmendes Stolpern, ungewöhnlich langsame Reaktionen, verwaschene Sprache, Verwirrung und starke Schläfrigkeit Warnzeichen. Wer einfache Handlungen nicht mehr zuverlässig ausführen kann oder bei der eigenen Route und Versorgung den Zusammenhang verliert, muss die weitere Abkühlung sofort begrenzen. Die Selbstbeurteilung wird mitbetroffen: Das eigene Gefühl, noch zurechtzukommen, wird als Maßstab für den tatsächlichen Zustand unzuverlässig. Ein einzelnes Zeichen erlaubt keine zuverlässige Zuordnung zu einer bestimmten Kerntemperatur.
Lässt das Zittern nach, obwohl die Person weiterhin kalt ist und schwächer oder benommener wird, ist das ein Verschlechterungszeichen. Es bedeutet dann weniger eigene Wärmeproduktion. Auch eine noch zitternde Person kann bereits deutlich unterkühlt sein. Auf das Ende des Zitterns zu warten, verschenkt die Phase, in der Schutz, Essen und Ausrüstung noch selbst organisiert werden können.
Weiteren Wärmeverlust mit vorhandenen Mitteln begrenzen
Zuerst zählt ein tatsächlich erreichbarer Schutz vor Wind und Niederschlag. Wer noch klar denkt und sich sicher bewegen kann, kann einen nahen geschützten Platz nutzen; eine lange, unbekannte Wegstrecke ist kein Erwärmungsverfahren. Am Ruheplatz kommt eine isolierende Unterlage zwischen Körper und kalten Boden. Dafür können eine vorhandene Matte, zusätzliche Kleidung oder anderes trockenes, geeignetes Material dienen. Rumpf, Kopf und Hals werden mit den verfügbaren Schichten geschützt, das Gesicht bleibt für die Atmung frei.
Nasse Kleidung wird im Schutz gegen trockene Kleidung oder eine andere ausreichende Wärmeschicht ausgetauscht. Ersatz und Abdeckung müssen vor dem Ausziehen bereitliegen. Fehlen trockene Sachen und ein geschützter Wechselplatz, ist vollständiges Entkleiden im Wind eine zusätzliche Wärmebelastung. Dann kann eine vorhandene wind- und wasserundurchlässige Hülle über der nassen Kleidung weitere Verdunstung und Windeinwirkung vermindern. Vorhandene isolierende Schichten ergänzen diesen Schutz; die Hülle allein ersetzt sie nicht.
Eine dünne Rettungsfolie oder ein Poncho erzeugt keine Wärme und bietet kaum die Polsterung einer isolierenden Unterlage. Die Barriere bremst bestimmte Wärmeverluste, die Isolierung hält eine schützende Luftschicht, und der Körper oder eine geeignete äußere Wärmequelle liefert die Energie. Bei fehlender Ausrüstung sind ein besser geschützter Platz und die Nutzung des tatsächlich vorhandenen Materials die eigenen Möglichkeiten. Das Sammeln zusätzlichen Materials muss noch sicher ausführbar sein; bei zunehmender Ungeschicklichkeit kann ein aufwendiger Bau mehr Wärme und Kraft verbrauchen, als er rechtzeitig einspart.
Wärme und Energie sicher zuführen
Passive Erwärmung nutzt die eigene Wärmeproduktion: Isolierung und Windschutz halten die Wärme zurück, die Stoffwechsel und Zittern erzeugen. Das kann bei einer noch wachen, zitternden Person wirksam sein. Mit nachlassendem Zittern und erschöpften Energiereserven sinkt diese Möglichkeit. Ein eingewickelter Körper wird deshalb nicht zwangsläufig wieder warm.
Ist ein geeigneter großflächiger Körperwärmer vorhanden, kann er nach seinen Anwendungsvorgaben zusätzlich Wärme am oberen Rumpf zuführen. Aktive Wärmequellen gehören nicht direkt auf die Haut; die vorgeschriebene Zwischenschicht und Kontrollen der Haut begrenzen Verbrennungen. Besonders unter Druck, etwa beim Liegen auf einem Wärmer, kann die Haut geschädigt werden. Kleine chemische Handwärmer liefern keine ausreichende Erwärmung des Körperkerns. Heiße Bäder, kräftiges Reiben der Gliedmaßen und unkontrolliertes Erhitzen kalter Hände oder Füße sind keine Ersatzverfahren.
Wer vollständig wach ist und sicher schlucken kann, kann vorhandene kohlenhydratreiche Nahrung und ein warmes, alkoholfreies Getränk nutzen. Die Energie unterstützt die Wärmeproduktion; das Getränk darf nicht so heiß sein, dass es verbrennt. Bei Benommenheit, Bewusstlosigkeit oder unsicherem Schlucken wird nichts gegessen oder getrunken, weil Nahrung und Flüssigkeit in die Atemwege gelangen können. Alkohol erweitert die Hautgefäße, erhöht dadurch den Wärmeverlust und beeinträchtigt zusätzlich die Entscheidungen.
Bewegung und fortschreitende Unterkühlung
Nach starker Abkühlung kann die Kerntemperatur zunächst weiter fallen, obwohl die Kälteexposition beendet wurde. Dieses Nachsinken wird als Afterdrop bezeichnet. Wärme fließt weiter vom wärmeren Körperinneren in kalte äußere Gewebe; vermehrte Durchblutung kann zusätzlich kaltes Blut aus Armen und Beinen zum Rumpf zurückführen. Besonders nach Aufenthalt in kaltem Wasser kann sofortige körperliche Anstrengung dieses Problem verstärken. Bei Verdacht auf Unterkühlung stehen deshalb Schutz und Erwärmung vor einem Versuch, sich durch Laufen aufzuwärmen.
Unmittelbare Gefahr kann eine kurze Verlagerung erzwingen. Ob sie selbst möglich ist, hängt an klarer Orientierung und tatsächlich sicherer Bewegung. Zunehmende Verwirrung, unsicheres Stehen oder starke Schläfrigkeit sprechen gegen weiteres Durchschlagen. Dann müssen vorhandene Abdeckung und Isolierung erhalten bleiben. Besteht eine tatsächlich nutzbare Verbindung zu eigenen Kräften oder einem erreichbaren Notfallkontakt, gehören Position, Kälteexposition und nachlassende Bewegungsfähigkeit in die Meldung, solange das Gerät noch bedient werden kann. Eine Rückführung setzt Kräfte voraus, die die Person erreichen und versorgen können.
Bei Bewusstlosigkeit entfällt die eigene Versorgung vollständig. Fortgeschrittene Unterkühlung kann die Atmung und den Kreislauf stark verlangsamen und gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen; sie verlangt Versorgung durch tatsächlich erreichbare Helfer und medizinische Erwärmung. Erreichen andere die Person, muss sie möglichst schonend und liegend gehandhabt werden. Unnötiges Aufrichten, kräftiges Bewegen oder eine Aufforderung zum selbstständigen Gehen kann den instabilen Kreislauf zusätzlich belasten. Der Wind- und Bodenschutz wird während einer möglichen Aufnahme und eines Transports weiter benötigt.
Ganzkörperunterkühlung und örtliche Kälteschäden
Im britischen militärischen Sprachgebrauch wird Hypothermie als Ganzkörperabkühlung von Freezing Cold Injury, also gefrierenden Kälteschäden, und Non-Freezing Cold Injury, also Kälteschäden ohne Gefrieren, getrennt. Für die Person hat das eine konkrete Bedeutung: Taube Hände oder geschädigte Füße erfordern Schutz, beweisen aber allein keine Unterkühlung des Körperkerns; zugleich können örtliche Schäden und Hypothermie zusammen auftreten. In der US-amerikanischen militärischen Versorgung wird zusätzlich die mit schweren Verletzungen verbundene Unterkühlung besonders berücksichtigt. Blutverlust, Verbrennungen oder Verletzungen des Nervensystems können die Wärmebilanz auch ohne winterliche Umgebung verschlechtern. Wärmeschutz gehört deshalb bereits zur frühen Versorgung eines Verletzten.