Wiki · Begriffserklärung

Immersionsfuß

Der kalte Immersionsfuß, auch Grabenfuß oder Trench foot genannt, ist eine Schädigung von Gefäßen, Nerven und Gewebe am Fuß durch länger anhaltende kalte Nässe. Das Gewebe gefriert dabei nicht. Die Verletzung gehört zu den nicht gefrierenden Kälteschäden, englisch non-freezing cold injury (NFCI). Taubheit, gestörtes Gehen und später starke Schmerzen können eine isolierte Person daran hindern, weiter durchzuschlagen und sich selbst zu versorgen.

Wie kalte Nässe den Fuß schädigt

Ein Fuß muss dafür nicht ununterbrochen im Wasser stehen. Durchnässte Strümpfe und Schuhe können ihn über lange Zeit feucht und kalt halten. Die Gefäße verengen sich, um den Wärmeverlust zu begrenzen. Bei anhaltender Abkühlung werden die kleinen Gefäße und ihre Regulation geschädigt; die Versorgung der Nerven leidet. Kälte kann Nerven auch unmittelbar schädigen. Gleichzeitig wird die nasse Haut weich und empfindlicher gegen Reibung und Druck. Ein enger Schuh belastet die Durchblutung zusätzlich, besonders wenn der Fuß anschwillt.

Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts reichen aus. Wie schnell ein Schaden entsteht, hängt unter anderem von Abkühlung, Dauer, Bewegungsmangel, Erschöpfung und dem Druck der Ausrüstung ab. Wiederholte kalte Belastungen ohne ausreichende Erholung können die Schädigung verstärken. Eine bestimmte Zahl von Stunden mit nassen Füßen eignet sich deshalb nicht als Freigabe zum Weitergehen. Auch ein warmer Körperkern schließt einen örtlichen Kälteschaden am Fuß nicht aus.

Wachsartig blasse, feste oder harte Gewebestellen, die nach Frostbelastung noch gefroren sind, sprechen für eine Erfrierung. Nach dem Auftauen reichen Farbe und Taubheit allein nicht mehr zur zuverlässigen Unterscheidung. Eine kalte Nässeverletzung kann später zusätzlich einfrieren; beide Schäden können also gemeinsam vorliegen. Für die Entscheidung über die Erwärmung zählen deshalb der gesamte Kälteverlauf und der Gewebezustand. Die Maßnahmen für einen ungefrorenen Immersionsfuß passen nicht zu jeder Kälteverletzung.

Taubheit während der Belastung, Schmerzen danach

Während der kalten Belastung kann der Fuß zunehmend taub werden und sich wie ein Holzklotz anfühlen. Die Rückmeldung über Zehenstellung und Auftreten lässt nach; Schritte werden unsicher, obwohl wenig oder gar kein Schmerz besteht. Die Haut kann blass, gelblich oder fleckig erscheinen, anfangs aber auch gerötet sein oder weitgehend normal aussehen. Bei dunkler Haut sind Farbänderungen oft schlechter zu erkennen. Auf Schmerz oder eine auffällige Farbe zu warten, lässt wichtige frühe Warnzeichen ungenutzt.

Nach dem Verlassen der Kälte kann der Fuß zunächst weiter kalt und gefühllos bleiben. Später kann er rot, heiß und geschwollen werden, mit brennenden oder pochenden Schmerzen. Selbst eine leichte Berührung wird dann unangenehm; einzelne Bereiche können gleichzeitig noch taub sein. Diese stärkere Durchblutung ist keine Bestätigung, dass die kleinen Gefäße und Nerven wieder normal funktionieren. Wärme und das Herabhängen des Fußes können die Schmerzen verstärken. Ausgeprägte Schwellung, Druckstellen und Blasen erschweren das Anziehen der Schuhe zusätzlich.

Für die eigene Kontrolle zählen die vorausgegangene kalte Nässe, verändertes Gefühl und die Gehfähigkeit zusammen. An einem geschützten Ruhepunkt werden Sohle, Zehen und die Druckstellen des Schuhs vorsichtig angesehen und leicht berührt. Bleiben Berührungen ungewöhnlich schwach spürbar, kehren Taubheit oder Kribbeln zurück oder wird das Auftreten unsicher, muss die Belastung unterbrochen werden. Keine Nadelstiche, heiße Gegenstände oder zusätzliche Kälte zum Prüfen verwenden. Das britische NFCI Field Assessment Tool ordnet solche Befunde nach Belastungsgeschichte, Aussehen, Gefühl und Reaktion auf Erwärmung. Diese Merkmale helfen beim Erkennen eines Verdachts; ein kurzer Selbsttest kann eine verletzte Person nicht für einen weiteren Marsch freigeben.

Belastung beenden und den Fuß schützen

Zuerst weitere kalte Nässe und Druck begrenzen. Ein tatsächlich erreichbarer trockenerer, windgeschützter Platz ermöglicht mehr als eine Rast im Wasser oder auf kaltem Boden. Eine vorhandene Unterlage, ein Rucksack oder zusammengelegte Kleidung kann den ruhenden Körper und die Füße vom Boden trennen. Bei gleichzeitiger Unterkühlung haben Schutz und Erwärmung des ganzen Körpers Vorrang; Verwirrtheit, starke Ungeschicklichkeit und nachlassendes Bewusstsein gefährden bereits die eigene Versorgung.

Schnürung und andere einengende Teile lockern. Nasse Schuhe und Strümpfe vorsichtig ausziehen, wenn der Fuß anschließend vor neuer Kälte und Nässe geschützt werden kann. Anhaftenden Schmutz schonend entfernen, die Haut mit vorhandenem sauberem Material vorsichtig trocken tupfen und besonders die Zwischenräume der Zehen beachten. Ein trockener Ersatz wird nur verwendet, wenn er tatsächlich vorhanden ist und der geschwollene Fuß darin Platz hat. Fehlt er, kann die Person zumindest Wasser aus den Schuhen ablaufen lassen und ausgezogene Strümpfe ausdrücken. Das verringert die Nässe, stellt aber weder einen trockenen Fuß noch seine Belastbarkeit wieder her. Die Füße bleiben vor Wind, Niederschlag und kaltem Untergrund geschützt; langes Entblößen im Freien kann die Abkühlung verschärfen.

Der kalte Immersionsfuß wird passiv in einer geschützten Umgebung bei Raumtemperatur erwärmt. Lufttrocknen ist nur sinnvoll, wenn der Fuß dabei nicht erneut auskühlt. Warmes Wasser, Heißluft und Heizkissen sind für diese Verletzung ungeeignet: Rasche örtliche Erwärmung kann Schmerzen und Schwellung verstärken, und ein tauber Fuß bemerkt eine Verbrennung zu spät. Nicht reiben oder massieren und nicht mit Eis kühlen. Wenn ein temperierter Ort fehlt, besteht die eigene Maßnahme zunächst im Begrenzen weiterer Wärmeverluste und im Schutz des verletzten Gewebes.

Beim Ruhen die Füße erhöht und ohne Druck auf verletzte Stellen lagern. Eine leichte, lockere, möglichst saubere Abdeckung schützt offene Haut; vorhandene sterile Wundauflagen sind dafür geeignet. Keine straffen Verbände oder zusätzlichen Lagen in einen bereits engen Schuh pressen. Blasen geschlossen lassen. Öl, Fett oder wärmende Salben behandeln die Gefäß- und Nervenschädigung nicht. Trocknung und Druckentlastung müssen erhalten bleiben, statt den gerade geschützten Fuß wieder in dieselbe kalte Nässe zurückzubringen.

Weitergehen kann die Bewegungsfähigkeit endgültig kosten

Bei geschwollenen oder tauben Füßen verursacht jeder Schritt Druck und Reibung auf bereits geschwächtem Gewebe. Druckstellen werden möglicherweise nicht rechtzeitig gespürt. Daraus können Blasen, offene Wunden und örtliches Absterben von Gewebe entstehen; Infektionen können hinzukommen. Unsicheres Auftreten erhöht außerdem die Sturzgefahr. Schmerzfreiheit erlaubt deshalb keine Belastungsprobe durch längeres Gehen. Die Bewegungsübungen zur Vorbeugung eines Kälteschadens sind keine Behandlung eines bereits verletzten Fußes.

Wenn Verbergen und Ruhen am aktuellen Ort möglich sind, werden die Füße entlastet. Erzwingt eine unmittelbare Gefahr die Bewegung, zählt der kürzeste tatsächlich nutzbare Weg aus dieser Gefahr oder zu einem besseren Schutzplatz. Schuhe müssen den Fuß vor dem Gelände schützen, ohne die Schwellung einzuschnüren; vorhandene Polsterung hilft nur, wenn dafür genügend Platz bleibt. Barfuß über rauen oder kalten Boden zu gehen verursacht zusätzliche Verletzungen. Bei der nächsten sicheren Unterbrechung erneut Gefühl, Schwellung und Druckstellen prüfen. Zunehmende Taubheit, unsichere Schritte oder ein nicht mehr passend unterzubringender Fuß begrenzen die weitere Strecke.

Nach einer scheinbaren Besserung können Nervenschmerzen, Kälteempfindlichkeit, vermehrtes Schwitzen oder Gefühlsstörungen lange bestehen bleiben. Der Fuß kann äußerlich normal aussehen und bei erneuter Kälte trotzdem rasch Beschwerden entwickeln. Ausgeprägte Schwellung, offene Wunden, neue dunkle Hautstellen oder zunehmende Beschwerden nach den ersten Tagen verlangen medizinische Beurteilung, sobald ein tatsächlicher Zugang dazu besteht. Sie können auf zusätzlichen Druckschaden oder eine Infektion hinweisen. Eigene Schutzmaßnahmen halten weitere Belastung klein; abgestorbenes Gewebe oder eine fortschreitende Infektion lassen sich damit nicht behandeln.

Immersionsschäden in warmem Wasser

Warm water immersion foot und tropical immersion foot bezeichnen andere nässebedingte Fußschäden. Beim warmen Immersionsfuß steht das starke Aufweichen der Haut im Vordergrund: Die Sohlen werden weiß, faltig und beim Auftreten schmerzhaft. Beim ausgeprägteren tropischen Immersionsfuß können vor allem Fußrücken und Knöchel rot, geschwollen und empfindlich sein. Schuhe drücken dann auf angeschwollenes Gewebe. Diese warmen Formen sind nicht einfach der kalte Grabenfuß bei höherer Lufttemperatur.

Auch hier müssen die Füße aus der dauernden Nässe kommen, trocknen und erhöht ruhen; weitere Reibung und Druck verschärfen die Hautverletzung. Pilz- oder bakterielle Infektionen können hinzukommen. Für die Einordnung zählt deshalb, ob die Füße tatsächlich kalter oder warmer Nässe ausgesetzt waren, welche Hautbereiche betroffen sind und ob Gefühlsstörungen bestehen. Weiß aufgeweichte Sohlen allein beweisen keinen kalten Immersionsfuß. Die warmen Formen heilen häufig nach konsequenter trockener Entlastung ab, während ein kalter Immersionsfuß lang anhaltende Nerven- und Kältebeschwerden hinterlassen kann.