Wiki · Begriffserklärung

SART: Radartransponder für die Suche auf See

SART steht für Search and Rescue Transponder. Ein Radar-SART ist ein Notortungsgerät für die Suche nach Schiffbrüchigen, Rettungsinseln oder einem Schiff in Seenot. Es empfängt die Impulse eines geeigneten Suchradars und beantwortet sie mit einem auffälligen Signalmuster auf dessen Bildschirm. Überlebende können damit ihren Standort elektronisch kenntlich machen, wenn ein entsprechend ausgerüstetes Schiff oder Luftfahrzeug in Reichweite sucht. Der Radar-SART dient dieser Ortung vor Ort; die erste Alarmierung einer Rettungsleitstelle hat einen anderen Übertragungsweg.

Wie die Radarantwort entsteht

Nach dem Einschalten befindet sich der Radar-SART zunächst in Empfangsbereitschaft. Er wartet auf Radarimpulse im X-Band, im Bereich von 9,2 bis 9,5 GHz. Ein geeigneter eintreffender Impuls löst eine Folge von zwölf Frequenzdurchläufen aus. Dabei durchläuft die Antwort wiederholt den Radarfrequenzbereich. Sobald ihre Frequenz zur Empfangsfrequenz des Suchradars passt, kann dessen Empfänger einen Teil der Antwort aufnehmen. Die zeitlich aufeinanderfolgenden Antworten erscheinen dort als mehrere weiter entfernte Ziele. Dieses künstliche Muster macht den kleinen Transponder auffälliger als ein gewöhnliches Echo der Rettungsinsel.

Das Suchmittel muss den SART sowohl auslösen als auch seine Antwort empfangen und darstellen können. Dafür braucht es ein kompatibles X-Band-Radar mit geeigneter Betriebsart. Ein S-Band-Radar arbeitet in einem anderen Frequenzbereich und zeigt diese Antwort nicht. Auch ein AIS-Empfänger allein empfängt keinen Radar-SART. Die Bezeichnung „Radar“ an Bord oder das bloße Auftauchen eines Luftfahrzeugs sagt deshalb noch nichts darüber aus, ob gerade ein geeignetes Suchgerät verwendet wird. Der Radar-SART selbst benötigt für seine Antwort keine eingegebenen Koordinaten und keinen eigenen Satellitenpositionsempfang.

Was die Punktreihe auf dem Suchradar bedeutet

Das typische Bild besteht aus zwölf gleichmäßig versetzten Punkten auf einer Linie in Richtung des Transponders. Die Reihe beginnt ungefähr an seiner Position und setzt sich vom Suchschiff aus gesehen nach außen fort. Ihre Punkte stammen von den wiederholten Antworten eines einzelnen Geräts. Sie zeigen weder zwölf Personen noch eine Reihe von Rettungsinseln. Die Richtung hilft der Suchbesatzung beim Annähern; der Abstand des ersten Punktes ist zunächst nur eine Näherung für den Standort.

Der erste sichtbare Punkt kann hinter der tatsächlichen Position des SART liegen, weil zwischen dem auslösenden Radarimpuls und dem passenden Teil der Antwort Zeit vergeht. Werden zunächst nur die langsamen Frequenzdurchläufe empfangen, kann dieser Versatz bis zu etwa 0,64 Seemeilen betragen. In größerer Nähe können zusätzliche Antworten der schnellen Durchläufe erscheinen und den Versatz verkleinern. Ein vermeintlich genauer Bildschirmtreffer darf deshalb nicht mit dem bereits sichtbaren Schiffbrüchigen gleichgesetzt werden. Außerdem können einzelne Punkte durch Seegang, Störungen und die gewählten Anzeigeeinstellungen fehlen.

Beim Annähern können aus den Punkten Bögen und schließlich konzentrische Ringe werden. Das stärkere Signal wird dann auch über Nebenkeulen der Radarantenne empfangen: Die Anzeige reagiert außerhalb der eigentlichen schmalen Suchrichtung. Bögen oder Ringe sind damit ein Hinweis auf einen nahen SART, keine kreisförmige Anordnung der Überlebenden. Die Suchbesatzung muss den Übergang vom elektronischen Auffinden zum tatsächlichen Erkennen und Aufnehmen der Personen bewältigen.

Das vorhandene Gerät in Betrieb bringen und aufstellen

Die überlebende Person muss zuerst erkennen, welches Gerät tatsächlich zur verfügbaren Ausrüstung gehört. Radar-SART und AIS-SART erfüllen eine ähnliche Ortungsaufgabe, arbeiten aber mit verschiedenen Funkverfahren. Gerätebezeichnung, Kurzbedienung und Kennzeichnung der Bedienelemente sind dafür entscheidend. Die für das konkrete Gerät angegebenen Schritte können Entnahme aus der Halterung, Freigeben geschützter Bedienelemente und Einschalten umfassen. Bei einer Bauart mit getrennter manueller Aktivierung genügt die Entnahme allein nicht; das vorgesehene Bedienelement muss in die Betriebsstellung gebracht werden. Eine vorhandene Teststellung muss von der Betriebsstellung für den Notfall unterschieden werden.

Nach dem Einschalten wird die Betriebsanzeige kontrolliert und das Gerät an seinem vorgesehenen Befestigungspunkt gegen Verlust gesichert. In einer Rettungsinsel verbindet die dafür vorhandene Leine den SART mit der Insel. Mast, Antennentasche oder Aufhängung werden so genutzt, wie sie zur Kombination aus Gerät und Rettungsinsel gehören. Ein lose auf dem Boden liegender oder flach schwimmender SART hat eine ungünstigere Antennenlage als ein aufrecht montiertes Gerät. Schwimmfähigkeit und Wasserdichtigkeit halten ihn nicht von selbst in der wirksamen Betriebsposition.

Für die vorgesehene Montage liegt die Antenne mindestens einen Meter über der Meeresoberfläche. Die Höhe verbessert den Funkweg zwischen dem niedrigen Standort der Überlebenden und dem Suchradar. Sowohl der auslösende Impuls als auch die zurückgesendete Antwort müssen diesen Weg überwinden. Die erreichbare Entfernung hängt deshalb auch von der Höhe und den Eigenschaften der Suchradarantenne, den Ausbreitungsbedingungen und dem Seegang ab. Das Gerät möglichst hoch in der vorgesehenen Halterung unterzubringen, hat einen konkreten Nutzen; eine feste Suchreichweite lässt sich daraus für die eigene Lage nicht ablesen.

Die Antenne braucht Abstand zu Körpern und dicht daneben liegenden Ausrüstungsgegenständen. Besatzungsmitglieder, Teile der Rettungsinsel und eine nahe Batterie können das Signal in einzelnen Richtungen abschwächen. Auch bestimmte Materialien der Stützschläuche oder reflektierende Bänder am Dach können solche Einbrüche verursachen. Die vorgesehene Montage berücksichtigt den Betrieb mit dem Dach der Rettungsinsel. Ein zusätzlich ausgebrachter Radarreflektor auf derselben Rettungsinsel kann die SART-Antwort verdecken; beide Ortungsmittel sollen deshalb dort nicht gemeinsam ausgebracht werden. Wer noch im Wasser liegt, nutzt eine vorhandene Halte- oder Befestigungsmöglichkeit, um die Antenne aufrecht über der Oberfläche und möglichst frei vom Körper zu halten. Die Leine hält das Gerät bei der Person; sie richtet seine Antenne nicht von selbst aus.

Eigene Anzeige und Erkennung durch die Suchbesatzung

Eine Betriebsanzeige meldet, dass der SART eingeschaltet und empfangsbereit ist. Eine andere optische oder akustische Reaktion zeigt an, dass Radarimpulse das Gerät ausgelöst haben. Wie beide Zustände angezeigt werden, hängt vom Modell ab; Farbe und Blinkrhythmus müssen am vorhandenen Gerät richtig zugeordnet werden. Die Reaktion auf einen Impuls belegt dessen Empfang am SART. Sie sagt noch nicht, dass die Suchbesatzung die Antwort gesehen oder als Notortung erkannt hat.

Ein Suchradar kann für Navigation und Kollisionsvermeidung so eingestellt sein, dass das SART-Muster schlecht sichtbar ist oder durch die Signalverarbeitung unterdrückt wird. Maßstab, Verstärkung, Störunterdrückung und Abstimmung beeinflussen die Darstellung. Eine für die SART-Suche geeignete Einstellung kann gleichzeitig gewöhnliche Radarziele abschwächen oder ausblenden. Diese Umstellung verlangt daher eine Entscheidung der Radarbesatzung anhand ihres Geräts und der Verkehrslage. Die überlebende Person kann sie vom SART aus nicht erzwingen. Ihre unmittelbare Aufgabe bleibt, Betriebsstellung, Sicherung, aufrechte Lage und freie Antenne zu erhalten; allein die Impulsanzeige ist kein Anlass, die Ortung zu beenden.

Auch in Empfangsbereitschaft verbraucht das Gerät Batteriestrom; die Antworten benötigen zusätzlich Energie. Batteriekennzeichnung, bisherige Nutzung, Beschädigungen und die Funktionsanzeige sind deshalb getrennte Hinweise auf den Zustand. Ein abgelaufenes Batteriedatum, ein gerissenes Gehäuse oder unlesbare Bedienelemente müssen bereits beim Umgang mit der zugeteilten Ausrüstung auffallen. Wiederholte Tests sind kein Verfahren, um die Erkennung im Notfall zu verbessern. Manche Radar-SARTs senden im Test dieselbe erkennbare Antwort wie im Notbetrieb; damit wird Batterie verbraucht und anderen Schiffen eine vermeintliche Notlage angezeigt.

AIS-SART und EPIRB haben andere Übertragungswege

Ein AIS-SART, ausgeschrieben AIS Search and Rescue Transmitter, sendet Datennachrichten über den AIS-Funkweg im UKW-Bereich. Eine eigene Positionsquelle liefert die Position für diese Nachrichten. Ein kompatibler AIS-Empfänger mit geeigneter Anzeige kann das Gerät als besonderen Notortungssender darstellen. Dafür muss kein Radarimpuls den Sender abfragen. Die Radar-SART-Punktreihe gehört nicht zu diesem Verfahren. Bei älteren Anzeigen kann die Kennzeichnung anders aussehen; entscheidend sind Empfang und richtige Einordnung der AIS-SART-Nachricht durch die Suchbesatzung.

Eine EPIRB setzt dagegen einen codierten Seenotalarm auf 406 MHz ab. Dieser gelangt über das Cospas-Sarsat-Satellitensystem, Bodenstationen und Alarmverarbeitung zu der zuständigen Rettungskoordination. Ein Radar-SART stellt diesen Alarmweg nicht her. Stehen beide Geräte zur Verfügung, erfüllen sie ergänzende Aufgaben: Die EPIRB übermittelt den Notfall, der SART bietet einem geeigneten Radar in Reichweite ein auffälliges Ortungsmuster. Ein gewöhnlicher Sprechfunkkontakt, ein Satellitengespräch oder eine Bestätigung der Einsatzleitung kommt durch die Radarantwort nicht zustande.

Bedeutung bei militärischer Isolation auf See

Der Radar-SART reagiert auf passende Radarimpulse, nicht auf eine bestätigte Zugehörigkeit zur eigenen Seite. Auch ein Schiff, das gar keinen Suchauftrag hat, kann ihn auslösen. Die Antwort macht den Standort für einen geeigneten Empfänger kenntlich und enthält keine Authentifizierung der überlebenden Person oder der sich nähernden Kräfte. Unter möglicher gegnerischer Bedrohung hat das eine unmittelbare Bedeutung: Die Reaktionsanzeige darf nicht als Nachweis eines Kontakts zu eigenen oder befreundeten Kräften gelesen werden. Identifizierung und vereinbarte Kontaktverfahren müssen mit den dafür tatsächlich verfügbaren Mitteln erfolgen.

Geortet wird zunächst das Gerät. Treiben SART und Überlebende auseinander, führt sein Muster zur falschen Stelle für deren Aufnahme. Die Verlustsicherung und der Verbleib des Geräts bei den Personen gehören deshalb zur Ortungsfunktion. Wenn sich Kräfte tatsächlich nähern, müssen sie die Menschen noch erkennen und unter den vorhandenen See- und Wetterbedingungen aufnehmen. Ein vorhandenes weiteres Signalmittel oder eine hergestellte Funkverbindung kann diesen letzten Übergang unterstützen; der SART überträgt weder die Zahl und den Zustand der Personen noch Anweisungen zur Aufnahme.