Wiki · Begriffserklärung

Signalspiegel

Ein Signalspiegel ist ein handgeführtes optisches Signalmittel, das Sonnenlicht gezielt zu einem Beobachter reflektiert. Eine militärisch isolierte Person kann damit die Aufmerksamkeit von Such- oder Rückführungskräften auf ihren Standort lenken. Der Spiegel benötigt für diesen Lichtreflex keine Batterie; die Person muss jedoch die Sonne, die Spiegelfläche und die Richtung zum Beobachter miteinander ausrichten.

Spiegelfläche, Zielhilfe und Heliograph

Eine glatte spiegelnde Fläche wirft das einfallende Licht in eine bestimmte Richtung zurück. Durch Neigen und Drehen des Spiegels verändert die Person diese Richtung. Den Spiegel lediglich einem Flugzeug entgegenzuhalten genügt deshalb nicht: Das Flugzeug kann neben dem reflektierten Licht liegen, obwohl die Person es deutlich sieht. Eine Zielhilfe macht die Richtung des Reflexes für den Bediener erkennbar. Manche Signalspiegel besitzen dafür einen hellen Zielpunkt im durchsichtigen Visier, andere einen getrennten kleinen Visierteil, der vor dem Spiegel gehalten wird. Ein einfaches Loch zeigt zunächst nur die Blickrichtung.

Heliograph wird in britischen Produktbezeichnungen und bei älterer australischer Luftfahrtausrüstung auch für solche handgeführten Überlebensspiegel verwendet. Der historische Heliograph als Spiegeltelegraf besitzt dagegen einen auf einem Stativ ausgerichteten Spiegel und überträgt mit Lichtblitzen Morsezeichen. Bei einem mitgeführten „Heliograph“ muss daher zuerst die tatsächliche Bauart betrachtet werden: Ein Handspiegel mit Vorvisier wird anders bedient als ein Spiegel mit eingebautem Zielpunkt.

Den tatsächlich vorhandenen Spiegel ausrichten

Bei einem Signalspiegel mit eingebautem hellem Zielpunkt wird zuerst Sonnenlicht auf die eigene Hand oder einen anderen nahen Gegenstand reflektiert. Dadurch findet die Person eine Stellung, in der der Spiegel einen sichtbaren Reflex erzeugt. Sie führt ihn dann auf Augenhöhe, schaut mit einem Auge durch das Visier und sucht den intensiven hellen Punkt. Den Spiegel nahe am Auge halten und langsam drehen, bis dieser Zielpunkt über dem gewünschten Beobachter liegt. Der Punkt zeigt die Richtung des ausgesendeten Reflexes; er ist keine Bestätigung, dass die andere Seite den Blitz bereits gesehen hat.

Bei einem Spiegel mit getrenntem Vorvisier und Schattenpunktanzeige wird das Vorvisier mit ausgestrecktem Arm gehalten. Die spiegelnde Vorderseite erhält Sonnenlicht, die Rückseite zeigt zum Bediener. Die Öffnungen von Spiegel und Vorvisier werden auf den Beobachter ausgerichtet. Nun den Spiegel so nachstellen, dass sein Sonnenreflex auf dem Vorvisier liegt und der Schattenpunkt in dessen Öffnung erscheint. Erst diese zweite Ausrichtung bringt den Reflex in die anvisierte Richtung. Wer nur durch beide Löcher schaut, kann den Beobachter sehen und trotzdem an ihm vorbeiblitzen. Das Verfahren mit dem hellen Punkt im eingebauten Visier lässt sich auf diese Bauart nicht übertragen.

Bleibt nur ein gewöhnlicher Spiegel oder ein glattes Stück spiegelnden Metalls, kann die freie Hand als grobe Zielhilfe dienen. Die Hand nach vorn halten, den Beobachter unmittelbar neben einer Handkante oder zwischen gespreizten Fingern sehen und den Lichtfleck auf die Hand bringen. Den Spiegel vorsichtig so bewegen, dass der Reflex über diese Blicklinie zum Beobachter wandert. Die Hand liefert dabei nur eine nahe Richtungsmarke. Ihre Entfernung vom Auge, die Bewegung der Finger und eine unebene Spiegelfläche verursachen Zielfehler; ein heller Punkt, der im Visier eines dafür gebauten Signalspiegels die Reflexrichtung anzeigt, entsteht durch ein nachträglich angebrachtes Loch nicht.

Sonne, Sichtlinie und körperliche Grenzen

Für einen kräftigen Blitz muss genügend Sonnenlicht auf die Spiegelfläche treffen und der Lichtweg zum Beobachter frei sein. Ein Blattdach kann die Sonne abschirmen, während die Person durch eine Lücke ein Flugzeug sieht. Umgekehrt kann der Spiegel in voller Sonne liegen, sein Reflex aber an einem Hang oder dichter Vegetation enden. Wolken und Dunst schwächen das verfügbare Licht beziehungsweise seine Sichtbarkeit. Bei veränderter Sonnenrichtung oder einem sich bewegenden Flugzeug muss die Person nachführen. Der Körper darf die Spiegelfläche nicht beschatten; falls die Stellung keinen nutzbaren Reflex zulässt, Körper und Spiegel neu ausrichten.

Die eigene Hand zeigt, ob überhaupt ein brauchbarer Lichtfleck entsteht. Danach prüfen, ob der richtige Zielpunkt gefunden wurde und ob die Richtung zum Beobachter offen bleibt. Zittern, Erschöpfung, eingeschränktes Sehen oder eine verletzte Hand können das Halten der Zielrichtung verhindern. Eine abgestützte Armhaltung und kurze Versuche mit Ruhepausen können die Bedienung erleichtern, soweit das Gelände dies zulässt. In die Sonne zu schauen gehört zu keinem dieser Zielverfahren. Eine feste Reichweite lässt sich aus der Größe des Spiegels allein nicht bestimmen: Licht, Luft, Zielgenauigkeit und die Aufmerksamkeit des tatsächlichen Beobachters entscheiden mit.

Gezielter Kontakt und Entdeckungsgefahr

Unter gegnerischer Bedrohung kann derselbe Blitz den Standort auch einem feindlichen Beobachter verraten. Ein gerichteter Reflex ist deshalb keine verdeckte Kommunikation. Den Spiegel beim Herausnehmen und Verstauen sowie zwischen den Versuchen abdecken. Bei der US-Verwendung in Gefechtslagen wird er auf Anweisung von Rückführungskräften eingesetzt; fehlt Funkkontakt, richtet sich das Signal an bestätigte eigene oder befreundete Kräfte. Das breite Absuchen des Horizonts mit Spiegelblitzen gehört zur auffälligen Notsignalisierung ohne Gefechtsbedrohung. Wer es bei möglicher Feindbeobachtung nutzt, vergrößert die Zahl möglicher Empfänger und damit das Entdeckungsrisiko. Eine akute Überlebensgefahr kann eine solche Offenlegung erforderlich machen; dann wird dieses Risiko gegen die tatsächlich erkennbare Aussicht auf Wahrnehmung abgewogen.

Ein erkanntes Lichtsignal hilft beim Auffinden der Person. Für die Erkennung eigener oder befreundeter Kräfte gelten die vorbereiteten Verfahren. Für die persönliche Authentifizierung werden die vereinbarten Fragen, Antworten oder Signale über einen tatsächlich verfügbaren Kontaktweg verwendet. Die Rückführungskräfte prüfen die Antwort anhand der zuvor bereitgestellten personenbezogenen Angaben oder des für diesen Kontakt festgelegten Authentifizierungsverfahrens. Ein zufälliger Spiegelblitz besitzt keinen solchen Identitätsinhalt; auch eine Kursänderung oder ein einzelner zurückgesandter Blitz ersetzt diese Prüfung nicht. Bleibt eine Reaktion aus, zuerst Lichtfleck, Zielhilfe und Sichtlinie kontrollieren; der Beobachter kann vorbeigesehen haben oder außerhalb des Reflexes liegen.