LOS bedeutet Line of Sight, Sichtverbindung. Im Funkzusammenhang beschreibt der Begriff einen Ausbreitungsweg, bei dem die direkte Verbindung zwischen Sende- und Empfangsantenne maßgeblich ist. Gerade bei tragbaren Funkgeräten beeinflussen Gelände und Antennenposition die Verbindung.
Sichtlinie und Funkpfad
Ein Bergrücken, Gebäude oder eine Geländekante kann den direkten Weg zwischen den Antennen verdecken. Über größere Entfernungen kommt die Erdkrümmung hinzu. Die Antennenhöhe verändert, wie viel Abstand der Funkpfad zu solchen Hindernissen besitzt. Auch die Brechung der Funkwellen in der Atmosphäre wirkt auf die Pfadgeometrie.
Funkwellen können an Hindernissen gebeugt werden. Ob die dabei ankommenden Signalanteile noch für eine Verbindung ausreichen, hängt von der jeweiligen Strecke ab. Diese Beugung am Hindernis ist von der atmosphärischen Brechung zu unterscheiden.
Warum auch der Raum um die Linie zählt
Zur Beurteilung von Beugung betrachtet man den Raum um den direkten Pfad. Besonders wichtig ist das erste Fresnelellipsoid, dessen Brennpunkte an den beiden Antennen liegen. Sein örtlicher Querschnitt wird durch den Fresnelradius beschrieben; die Größe hängt von der Wellenlänge und den Entfernungen zu den beiden Endpunkten ab. Ein Hindernis kann in diesen Bereich hineinragen, obwohl die zentrale Sichtlinie darüber frei bleibt.
Der Fresnelraum dient zur Beurteilung von Beugungsverlusten. Funkenergie breitet sich auch außerhalb dieses Raums aus.
Reflexionen und Bewuchs
Am Empfänger können sich direkte und am Gelände reflektierte Signalanteile überlagern. Wegen ihrer unterschiedlichen Weglängen und Phasen können sie sich verstärken oder teilweise auslöschen. Schon eine veränderte Antennenposition kann deshalb den Empfang verändern. Bäume und Büsche können zusätzlich dämpfen.
Relais und Verbindungen jenseits der Sichtweite
Ein Relais empfängt ein Signal und leitet es weiter. Dadurch entstehen zusätzliche Teilstrecken zwischen den beiden Endstellen. Im Gebirge können boden- oder luftgestützte Relais eine Verbindung ermöglichen, deren unmittelbarer Weg durch Gelände verdeckt ist. Jede Teilstrecke benötigt geeignete Funkbedingungen; bei einem luftgestützten Relais hängt die Nutzbarkeit auch davon ab, wie lange die Plattform verfügbar bleibt.
BLOS heißt Beyond Line of Sight, OTH Over the Horizon. Diese Bezeichnungen betreffen Verbindungen jenseits der direkten Sichtweite beziehungsweise des Funkhorizonts. Ein Satellitenweg ist eine Möglichkeit dafür.
Beim amerikanischen Combat Survivor Evader Locator, CSEL, werden LOS-Funk, gesicherte zweiseitige OTH-Datenkommunikation und weitere Satellitenfunktionen unterschieden. Der Empfang von Navigationssignalen und eine nutzbare ausgehende Funkverbindung sind dabei verschiedene Fähigkeiten.