Tarnung, englisch Camouflage, verringert die Erkennbarkeit einer Person und ihrer Ausrüstung. Dazu werden auffällige Farben, Helligkeitsunterschiede, regelmäßige Formen und reflektierende Flächen an die Umgebung angepasst oder verdeckt. Bei der Evasion soll ein Beobachter den Körper, den Rucksack oder einzelne Ausrüstungsstücke möglichst schwer vom Hintergrund unterscheiden und als menschliche Anwesenheit erkennen können.
Tarnung, Sichtschutz und Deckung
Tarnung verändert die Merkmale dessen, was sichtbar bleibt. Sichtschutz, englisch Concealment, unterbricht die Sicht auf Körper oder Standort, etwa durch Gelände und Vegetation. Beides lässt sich verbinden: Ein Busch verdeckt einen Teil des Körpers; passende Kleidung und eine unterbrochene Kontur erschweren das Erkennen der noch sichtbaren Teile. Deckung, englisch Cover, schützt dagegen durch ihre physische Beschaffenheit vor Waffenwirkung. Blätter, Gras oder ein Tarnnetz bieten Sichtschutz, ohne dadurch Geschosse aufzuhalten. Ob ein Hindernis tatsächlich schützt, hängt von seinem Material, der Waffenwirkung und der Lage zwischen Bedrohung und Körper ab.
Hintergrund und erkennbare Formen
Am Anfang steht die Umgebung, vor der die Person gesehen werden könnte. Dunkle Kleidung kann sich in einem beschatteten Gehölz wenig abheben und vor Schnee oder einem hellen Himmel eine scharfe Silhouette bilden. Eine grüne Blattverkleidung fällt vor trockenem Gras auf. Deshalb zuerst eine Position mit passendem Hintergrund und vorhandenem Sichtschutz wählen, dann die sichtbaren Teile daran anpassen. Ein Tarnmuster auf der Kleidung kann den Helligkeitsunterschied zwischen Körper und Hintergrund nur begrenzt ausgleichen.
Der Umriss von Kopf und Schultern, die Rundung eines Helms sowie gerade Kanten eines Rucksacks liefern erkennbare Formen. Auch farblich passende Ausrüstung bleibt auffällig, wenn diese Linien frei sichtbar sind. Die Körperhaltung entscheidet mit: Tief hinter vorhandener Vegetation bleiben, Kopf und Schultern nicht über eine Geländekante heben und Beobachtung aus einer verdeckten Haltung durchführen. Ein passender Helmbezug verändert Farbe und Glanz der Oberfläche, lässt die Rundung des Helms aber bestehen. Kleine, unregelmäßig befestigte Ergänzungen aus passendem Material oder Tarnnetz können die glatte Außenlinie unterbrechen. Eine große, gleichmäßige Laubkrone vergrößert dagegen die Silhouette und hebt sich als eigener Gegenstand ab.
Mit den vorhandenen Mitteln anpassen
Die erste Anpassung lässt sich oft mit bereits getragener Kleidung erreichen: Kopfbedeckung, Kragen, Halstuch und Handschuhe verdecken hellere Hautflächen und Haare. Ein passendes mattes Tuch kann einen auffälligen Rucksackteil abdecken; ein vorhandener Bezug oder ein kleines Stück Tarnnetz unterbricht regelmäßige Flächen. Gras, Blätter oder kleine Zweige aus der unmittelbaren Umgebung lassen sich mit vorhandenen Bändern oder Schnüren befestigen. Nur so viel hinzufügen, wie für die störenden Konturen nötig ist. Das Material muss halten, ohne bei jeder Bewegung zu schwingen, an der Vegetation hängen zu bleiben oder den Zugriff auf benötigte Ausrüstung zu versperren.
Glanz entsteht durch reflektiertes Licht. Uhrglas, blanke Metallteile, Brillengläser und auch die natürliche Fettigkeit unbedeckter Haut können einzelne helle Lichtpunkte erzeugen. Eine Uhr unter dem Ärmel tragen, unbenutzte glänzende Ausrüstung abdecken und Metallflächen mit vorhandenem mattem Material verdecken. Benötigte Brillen oder Optiken müssen benutzbar bleiben; ein Sichtfenster mit Tarnmaterial zu blockieren nimmt der Person ihre eigene Beobachtungsmöglichkeit. Tarnung umfasst deshalb immer die Ausrüstung am Körper und die Gegenstände, die bei einem Halt herausgenommen werden.
Ist dafür vorgesehene Hauttarnfarbe vorhanden, werden zur Umgebung passende Farben unregelmäßig aufgetragen. Relativ dunklere Farbe auf Stirn, Nase, Wangenknochen und anderen hervortretenden Flächen schwächt deren helle Lichtreflexe; hellere Farbe in ohnehin dunklen Vertiefungen verringert den typischen Hell-Dunkel-Aufbau des Gesichts. Ohren, Hals, Nacken und Hände ebenfalls beachten. Eine vollständig dunkel bemalte Gesichtsfläche kann vor hellem Hintergrund stärker auffallen. Bei Erfrierungsgefahr das Gesicht nicht bemalen: Die Farbe verdeckt helle Hautveränderungen, die auf beginnende Erfrierungen hinweisen können. Fehlt geeignete Hauttarnfarbe, sichtbare Haut mit vorhandener Kleidung verdecken und den Sichtschutz der Umgebung nutzen.
Beim Ergänzen mit Naturmaterial nicht den ganzen Aufenthaltsbereich umgestalten. Abgerissene Äste, freigelegte helle Bruchstellen und eine auffällige Lücke im Bewuchs können den Ort verraten, während die Person selbst verdeckt bleibt. Vorhandene Vegetation möglichst unverändert nutzen und Ergänzungen klein halten. Das verhindert zugleich, dass für eine kurze Anpassung unnötig viel Zeit und Bewegung anfallen.
Schatten und Bewegung
Schatten verringert die Beleuchtung sichtbarer Flächen. Kopf, Hände und Ausrüstung müssen dafür tatsächlich im Schatten liegen; ein dunkler Aufenthaltsplatz hilft wenig, wenn der Rucksack in einem Sonnenfleck liegt. Auch der eigene deutlich geformte Schatten kann sich auf hellem Boden abzeichnen. Mit dem Sonnenstand wandern beschattete Flächen. Bei einem Halt deshalb erneut prüfen, ob die bisher verdeckten Teile nun beleuchtet werden oder ob ein anderer Beobachtungswinkel den Körper vor einen hellen Hintergrund setzt.
Bewegung lenkt den Blick auf einen Gegenstand, auch wenn seine Farbe gut passt. Wiederholtes Aufrichten, Drehen des ganzen Oberkörpers oder Hantieren mit offen sichtbarer Ausrüstung kann die ruhende Tarnung aufheben. Vor einer notwendigen Handlung die benötigten Gegenstände in der verdeckten Haltung erreichbar machen und Bewegungen klein halten. Muss die Person weiter, natürliche Abschirmung nutzen und unnötige Bewegung an offenen Stellen vermeiden. Dunkelheit schwächt die Sicht mit bloßem Auge, während Nachtsichtgeräte weiterhin vorhandenes Licht nutzen können.
Kontrolle und wechselnde Bedingungen
Nach dem Anpassen Kopf, Hals, Hände und erreichbare Ausrüstungsteile einzeln prüfen. Ein mitgeführter kleiner Spiegel hilft beim Gesicht, ersetzt aber keine Ansicht des ganzen Körpers aus der möglichen gegnerischen Blickrichtung; auch seine Fläche darf keinen Lichtreflex nach außen senden. In einer verdeckten Haltung vorsichtig beugen und die tatsächlich nötigen Handgriffe ausführen: Verrutscht das Tuch, schwingt ein Zweig, wird eine helle Fläche frei oder bleibt die Hand am Netz hängen? Solche Befunde verlangen eine andere Befestigung, weniger Material oder eine andere Anordnung. Allein bleibt besonders die Rückseite schwer zu kontrollieren. Eine Stelle zum Prüfen zu verlassen und sich dafür offen hinzustellen würde gerade die Erkennbarkeit erhöhen.
Bei einem verdeckten Halt und nach einem deutlichen Wechsel der Umgebung erneut vergleichen. Abgeschnittene Vegetation welkt und verändert Farbe und Form, Farbe kann sich abreiben, Regen kann eine Befestigung lösen oder eine Fläche wieder glänzen lassen. Vertrocknetes oder störendes Material entfernen beziehungsweise ersetzen; das Tuch nachsetzen und neu freiliegende Teile abdecken. Beim Wechsel von Gehölz zu trockenem Gras oder Schnee ist vor allem der neue Hintergrund maßgeblich.
Andere Erkennungswege
Diese Anpassungen betreffen vor allem Form, Bewegung und Kontrast im sichtbaren Licht. Ein Wärmebildgerät bildet Unterschiede der Wärmestrahlung ab; passende Farben und ein optisch unterbrochener Umriss sagen deshalb noch nichts darüber aus, wie Körper und Ausrüstung im Wärmebild erscheinen. Zur gesamten Signatur gehören außerdem Geräusche, künstliches Licht, Gerüche, ausgesendete Funksignale und hinterlassene Spuren. Ein klappernder Gegenstand, eine offene Lampe oder ein Funkvorgang kann die Suche auf einen Bereich lenken, obwohl das sichtbare Muster gut passt.