SERE- und Evasion-Techniken

Evasion-Verstecke: Hide Site und Hole-up

Wie abgeschnittenes Personal einen verdeckten Aufenthalt nutzt, um die Lage zu beurteilen, zu ruhen und das weitere Ausweichen vorzubereiten – mit Hide Site, Hole-up Area und den BLISS-Kriterien.

Luftwaffenangehörige der USA nutzen Vegetation zur Verdeckung während einer Evasion-Übung bei Thetford.
Luftwaffenangehörige der USA nutzen Vegetation zur Verdeckung während einer Evasion-Übung bei Thetford.

Ein Evasion-Versteck ermöglicht abgeschnittenem militärischem Personal einen verdeckten Aufenthalt, während gegnerische Kräfte nach ihm suchen oder seine Bewegungsfreiheit einschränken. Dort werden die Lage beurteilt, verfügbare Mittel überprüft und Kräfte für das weitere Ausweichen oder eine Rückführung erhalten. Dafür müssen Sichtschutz, Beobachtung, Ausweichmöglichkeiten und die notwendigen Tätigkeiten am Platz zusammenpassen.

Ein wettergeschützter Platz kann für diese Aufgabe ungeeignet sein: wenn ein Weg unmittelbar daran vorbeiführt, die Annäherung nicht erkennbar ist oder nur ein einziger schwer passierbarer Ausgang bleibt. Umgekehrt genügt dichter Bewuchs allein nicht, wenn der Boden einen längeren Aufenthalt körperlich unmöglich macht. Die Auswahl richtet sich nach der Bedrohung und der Funktion des Aufenthalts.

Vom ersten Sichtschutz zum verdeckten Aufenthalt

Nach der Trennung von eigenen Kräften dient ein zunächst erreichbarer verdeckter Punkt dazu, die unmittelbare Lage zu erfassen. Dazu gehören die Beobachtung gegnerischer Aktivität, die Überprüfung des eigenen Zustands und der mitgeführten Mittel sowie der Versuch, die vorgesehene Verbindung herzustellen. Diese erste Gelegenheit zur Lagebeurteilung ist noch keine Entscheidung, an diesem Ort länger zu bleiben.

Für den weiteren Aufenthalt unterscheidet die US-amerikanische Evasion-Terminologie zwischen Hide Site und Hole-up Area. Eine Hide Site dient dem verdeckten Halt: Lage und Ausrüstung überprüfen, Tarnung verbessern, ruhen und die nächste Bewegung planen. Bei einer Hole-up Area steht stärker die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt. Sie wird benötigt, wenn der körperliche Zustand einen Halt zur Versorgung, Ausrüstungspflege und Erholung verlangt. Welche Form des Aufenthalts gebraucht wird und wie lange er dauert, hängt vom körperlichen Zustand, der Versorgungslage und der Bedrohung ab.

Platzwahl: Sichtschutz, Beobachtung und Ausweg

Wege, Straßen, Gewässerzugänge und markante Geländelinien können Menschen an den Platz heranführen. Ein von solchen Bewegungen abgesetzter Standort verringert diese Begegnungsmöglichkeiten. Dabei müssen die Annäherungen so weit einsehbar bleiben, dass Veränderungen der Lage wahrgenommen werden können.

Ein Versteck darf den Evader nicht einschließen. Mögliche Ausweichrichtungen gehören deshalb bereits zur Platzwahl. Eine Geländeform, die den Körper gut verdeckt, kann gleichzeitig den weiteren Weg blockieren. Bei Rinnen und Schluchten kommt die Gefahr rasch ansteigenden Wassers hinzu.

Sichtschutz ist aus mehreren Richtungen zu beurteilen. Ein dichter Rand vor dem Körper kann seitlich offen sein; ein vom Boden aus unauffälliger Platz kann nach oben frei liegen. Umgekehrt erschwert eine vollständig geschlossene Vegetationswand die eigene Beobachtung. Der Standort muss Verbergen und Lagewahrnehmung ermöglichen, ohne dass für jeden Blick nach außen die Deckung verlassen werden muss. Die Beobachtung erfolgt aus einer verdeckten liegenden Position.

BLISS: fünf Kriterien für ein Evasion-Versteck

Die US-amerikanische Merkhilfe BLISS fasst die optischen und räumlichen Anforderungen zusammen. Sie hilft bei der Auswahl und beim Herrichten des Platzes.

KriteriumPraktische Bedeutung
BlendPerson, Ausrüstung und Veränderungen am Standort müssen sich in die vorhandene Umgebung einfügen.
Low silhouetteDie sichtbare Kontur niedrig halten; Körper oder Ausrüstung sollen sich nicht über dem vorhandenen Sichtschutz abzeichnen.
Irregular shapeAuffällige regelmäßige Formen vermeiden und erkennbare Körper- beziehungsweise Ausrüstungsumrisse unterbrechen.
SmallDen Platz und die dafür nötigen Veränderungen klein halten, statt eine ausgedehnte Lagerfläche anzulegen.
Secluded locationEinen abgesetzten Standort wählen, der nicht unmittelbar in gewöhnliche menschliche Bewegung eingebunden ist.

BLISS richtet sich auf die sichtbare Kontur und die Lage des Platzes. Die Bedrohung durch Wärmebildaufklärung wird gesondert beurteilt. Während des Aufenthalts werden die Annäherungen weiter beobachtet, damit sich nähernde Menschen oder Suchkräfte erkannt werden.

Den Platz mit möglichst wenig Veränderung nutzen

Ein kurzfristiger Evasion-Aufenthalt nutzt bevorzugt vorhandene Geländeformen und Bewuchs. Umfangreiches Freischneiden, Umräumen oder Bauen verändert gerade die Umgebung, in die sich der Platz einfügen soll. Der erste Schritt ist deshalb, den vorhandenen Sichtschutz für Körper und Ausrüstung zu nutzen. Zusätzliche Tarnung wird auf die tatsächlich sichtbaren Umrisse abgestimmt, statt den ganzen Standort mit einem auffälligen Haufen frischen Materials zu überdecken.

Ein gut verdeckter Aufenthaltsplatz verliert seinen Nutzen, wenn wiederholte Bewegungen einen deutlichen Pfad dorthin bilden. Ein- und Ausgang werden deshalb an vorhandene Gelände- und Vegetationsstrukturen angepasst. Auch innerhalb des Platzes werden unnötige Bewegungen vermieden. Das betrifft sowohl die sichtbare Bewegung selbst als auch die dabei entstehenden Veränderungen am Boden und Bewuchs.

Tarnung verändert sich während des Aufenthalts. Abgeschnittene Vegetation welkt, und ein zunächst geeigneter Schatten wandert mit dem Sonnenstand. Der Platz muss deshalb hinsichtlich dieser Veränderungen weiter beurteilt werden. Glänzende Gegenstände werden verdeckt gehalten, klappernde Ausrüstung wird gesichert, Uhralarme und Stundensignale werden abgeschaltet.

Was im Versteck erledigt wird

Eine Hide Site verschafft Gelegenheit, den Zustand nach der ersten Ausweichbewegung neu zu beurteilen: Welche Mittel sind noch vorhanden, welche Einschränkungen bestehen und was ist für die nächste Phase nötig? Der Bestand an Wasser, Verpflegung, Ausrüstung und Verbindungsmitteln beeinflusst die weitere Entscheidung. Ruhe dient dazu, die Fähigkeit zur nächsten Bewegung zu erhalten. Sie wird mit fortgesetzter Lagebeobachtung und Sicherung verbunden.

Eine Hole-up Area muss zusätzliche Tätigkeiten ermöglichen, weil ein längerer Versorgungshalt mehr verlangt als bloßen Sichtschutz. Wasser und gegebenenfalls Nahrung müssen erreichbar sein; Ausrüstung kann Pflege benötigen. Ruhen, Beschaffen und Zubereiten werden räumlich getrennt, statt alle Tätigkeiten am eigentlichen Ruheplatz zu konzentrieren. Jede zusätzliche Bewegung erhöht jedoch das Risiko, das Versteck zu verraten. Schon bei der Platzwahl muss deshalb berücksichtigt werden, wie die Versorgung während des Aufenthalts möglich ist.

Verbindung und Rückführung mitdenken

Für den Aufenthalt sind die vorhandene Evasion-Planung, etwa ein vorbereiteter Evasion Plan of Action, und die vorgesehenen Rückführungsverfahren maßgeblich. Ein Standort, der guten Sichtschutz bietet, muss nicht zugleich für Verbindung oder Signalisierung geeignet sein. Diese Möglichkeiten gehören deshalb zur Auswahl und zur weiteren Planung des Aufenthalts.

Vor einer Aussendung ist neben der eigenen Erreichbarkeit auch die gegnerische Peilbedrohung zu berücksichtigen. Sichtschutz verhindert nicht, dass eine Funkübertragung Hinweise auf den Aufenthaltsort liefern kann. Umgekehrt kann ein pauschaler Verzicht auf Verbindung die Rückführung behindern. Maßgeblich sind die vorgesehenen Kommunikationsverfahren und die tatsächliche Lage.

Bleiben oder weiter ausweichen

Der Aufenthalt wird fortgesetzt, solange der Platz noch Schutz, Beobachtung und die nötige Erholung oder Versorgung ermöglicht. Er verliert diese Funktion, wenn Suchkräfte den Zugang kontrollieren, Spuren unmittelbar zum Platz führen, Wasser oder Wetterschutz nicht mehr ausreichen oder eine vorbereitete Rückführung einen Ortswechsel verlangt.

Vor dem Verlassen werden der nächste verdeckte Punkt, der Weg dorthin und die Bewegungsfähigkeit der Person erneut geprüft. Eine neue Annäherungsrichtung, ein unpassierbarer Abschnitt oder ein Einbruch der eigenen Leistungsfähigkeit kann die geplante Bewegung schon vor dem Ziel beenden und eine andere Route oder einen erneuten verdeckten Halt erforderlich machen.