SERE · Kommunikation in Gefangenschaft

Tap Code: Klopfcode in Gefangenschaft

Buchstaben durch gezählte Klopfgruppen übermitteln: Aufbau, Anwendung und Grenzen einer Kommunikationstechnik von Kriegsgefangenen.

Originale 5-mal-5-Tap-Code-Tabelle der NSA mit C/K in der ersten Zeile und allen 26 lateinischen Buchstaben
Die Tap-Code-Matrix ordnet jedem Buchstaben eine Zeile und eine Spalte zu. C und K teilen die Position 1,3.

Der Tap Code ist ein Klopfcode, mit dem voneinander getrennte Gefangene Buchstaben übermitteln können, wenn ein Gespräch nicht möglich ist. Jeder Buchstabe wird durch zwei gezählte Klopfgruppen dargestellt: zuerst seine Zeile, danach seine Spalte in einem Quadrat aus fünf mal fünf Feldern. Die hier erklärte Form verbindet C und K in einem Feld und wurde von amerikanischen Kriegsgefangenen in Nordvietnam verwendet.

In der Gefangenschaft kann eine solche Verbindung den Austausch von Nachrichten und Anweisungen zwischen getrennten Zellen ermöglichen. Dafür braucht es weder eine Sprechverbindung noch ein Schreibgerät. Beide Beteiligten müssen jedoch dieselbe Buchstabenanordnung kennen und die einzelnen Klopfgruppen unterscheiden können.

Das Alphabet: fünf Zeilen, fünf Spalten

Die Buchstaben stehen in alphabetischer Reihenfolge. K erhält kein eigenes Feld, sondern wird als C übertragen. Deshalb beginnt die dritte Zeile mit L. I und J bleiben dagegen zwei getrennte Buchstaben. Die erste Spalte mit A–F–L–Q–V dient als Merkhilfe für die fünf Zeilen.

Erste Klopfgruppe: Zeile. Zweite Klopfgruppe: Spalte.
Zeile / Spalte12345
1ABC / KDE
2FGHIJ
3LMNOP
4QRSTU
5VWXYZ

C und K haben denselben Klopfwert: 1/3. Beim Lesen entscheidet der Wortzusammenhang, welcher Buchstabe gemeint ist. Umlaute, ß und Satzzeichen sind in dieser Matrix nicht enthalten.

Senden und Empfangen: immer Zeile vor Spalte

Zum Senden wird zunächst der Buchstabe im Quadrat gesucht. Die Nummer seiner Zeile bestimmt die erste Klopfgruppe. Nach einer kurzen Pause folgt die zweite Gruppe mit der Nummer seiner Spalte. Vor dem nächsten Buchstaben bleibt eine längere Pause. So lassen sich die beiden Teile eines Buchstabens von zwei aufeinanderfolgenden Buchstaben unterscheiden.

Beim Empfang wird zuerst die Zahl der Schläge bis zur kurzen Pause gezählt. Sie legt die Zeile fest. Die zweite Zahl führt innerhalb dieser Zeile zum gesuchten Buchstaben. Drei Schläge, kurze Pause, zwei Schläge ergeben M: Zeile 3, Spalte 2. Wer die Reihenfolge vertauscht, liest stattdessen H aus Zeile 2, Spalte 3.

Für das Wort HUT werden nacheinander H = 2/3, U = 4/5 und T = 4/4 übertragen. H besteht somit aus zwei Schlägen, einer kurzen Pause und drei Schlägen. Nach der längeren Buchstabenpause folgen vier und fünf Schläge für U, anschließend vier und vier für T.

Werden die beiden Gruppen für M ohne erkennbare Pause aneinandergehängt, bleiben fünf Schläge, aus denen das Zahlenpaar 3/2 nicht mehr hervorgeht. Ein überhörter oder zusätzlich gezählter Schlag kann außerdem einen anderen gültigen Buchstaben ergeben.

Übertragungsweg und Unterschied zum Morsecode

Historisch wurden Nachrichten durch Zellwände geklopft; auch Rohre können einen Klopfimpuls zu einem benachbarten Empfänger übertragen. Ob das funktioniert, hängt davon ab, ob die einzelnen Impulse auf der anderen Seite unterscheidbar ankommen. Die Codierung selbst ist nicht an eine Wand gebunden: Dieselben gezählten Gruppen lassen sich auch hörbar, sichtbar oder durch Berührung vermitteln.

Beim Morsecode unterscheiden sich kurze und lange Signale. Der Tap Code verwendet dagegen die Anzahl der Impulse in zwei Gruppen. Es müssen also keine kurzen und langen Klopftöne erzeugt werden.

Zahlen benötigen eine zusätzliche Vereinbarung

Das Buchstabenquadrat enthält keine Ziffern. Eine US-amerikanische SERE-Ausführung ergänzt es deshalb um langsames Abzählen einzelner Ziffern: Für 36 werden drei und danach sechs Schläge gegeben; die Null wird als Buchstabe O, also 3/4, übertragen. Das ist ein zusätzliches Verfahren neben den Buchstabenkoordinaten.

Der Empfänger muss erkennen können, dass gerade Ziffern gemeint sind. Sonst kann etwa eine Folge von drei und vier Schlägen sowohl das Koordinatenpaar für O als auch die Ziffernfolge 34 bedeuten.

Kontakt in Gefangenschaft und seine Grenzen

Amerikanische Kriegsgefangene in Nordvietnam nutzten den Code zum Weitergeben von Nachrichten und Anweisungen durch die Zellen. Innerhalb dieser Gefangenengemeinschaft entwickelten sich auch vertraute Abkürzungen, mit denen sich längere Nachrichten verkürzen ließen. Sender und Empfänger mussten dieselben Kürzel kennen.

Wer das Quadrat kennt und die Gruppen mitzählen kann, kann die Buchstaben ebenfalls lesen. Auch ein verständlich empfangenes Signal beweist nicht die Identität des Senders. Hinzu kommt das Entdeckungsrisiko durch die Übertragung selbst: Was den Mitgefangenen erreicht, kann auch von Bewachern wahrgenommen werden.