Fachwissen · SERE-Ausbildung

SERE Level C

Vertiefte praktische Ausbildung für hohes Isolationsrisiko: Survival unter Bedrohung, längeres Ausweichen, Gefangenschaftsszenarien und Rückführung.

SERE-C-Teilnehmer nutzt Griffe und Trittstellen an einem hohen Kletterhindernis
Ein Teilnehmer des SERE-C-Lehrgangs am Camp Mackall überwindet ein Kletterhindernis während der Evasionphase.

SERE Level C bereitet Personal mit hohem Isolations- und Ausnutzungsrisiko auf längeres Überleben und Ausweichen unter Bedrohung, auf Gefangenschaft und auf die eigene Mitwirkung an der Rückführung vor. Die umfangreiche praktische Ausbildung verbindet Aufgaben, die sich gegenseitig begrenzen: Wasser gewinnen, ohne den Aufenthalt unnötig sichtbar zu machen; weiterkommen, ohne die Kraft für die nächste Etappe aufzubrauchen; unter fremder Kontrolle Informationen schützen und Mitgefangene unterstützen. C führt diese Anforderungen in zusammenhängenden, kontrollierten Situationen zusammen.

Zweck, Risiko und Zielgruppen

Das hohe Risiko ergibt sich aus Auftrag und Verwendung. Eine Luftfahrzeugbesatzung kann nach Abschuss oder Notlandung weit von eigenen Kräften entfernt am Boden stehen. Spezialkräfte können in einem Raum eingesetzt sein, in dem ein Ausfall der Verbindung oder eine Trennung die Versorgung und Rückkehr unmittelbar verändert. Auch Kenntnisse und Verantwortung zählen: Ein Gefangener kann Informationen über andere Personen, Verfahren oder Vorhaben besitzen; seine öffentliche Darstellung kann über den einzelnen Fall hinaus wirken. Die Einordnung berücksichtigt deshalb die Wahrscheinlichkeit der Isolation und Ausnutzung sowie deren mögliche Folgen.

Im NATO-Rahmen ist C die vertiefte Stufe für dieses hohe Risiko. Sie umfasst Theorie und umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung in einer streng kontrollierten, zugleich realitätsnahen Umgebung. Die nationalen Systeme bestimmen die betroffenen Verwendungen und ihren Ausbildungsumfang. Deutschland nennt insbesondere Spezialkräfte und Piloten; das französische System ordnet das Flugpersonal der Luft- und Weltraumstreitkräfte Charlie zu. Die deutsche Einteilung richtet sich nach Gefährdung und Aufgabe und verlangt keine allgemeine Lehrgangskette, die jeder Teilnehmer zwingend von A über B nach C durchläuft.

Wie die Ausbildungsbereiche zusammenwirken

Vor der praktischen Isolationsphase bereiten sich die Teilnehmer auf Gelände und Klima, gegnerische Bedrohung, mitgeführte Ausrüstung, Ausweichpläne und die vorgesehenen Rückführungsverfahren vor. Dazu gehören die persönlichen Mittel zur Orientierung, Versorgung und Signalisierung ebenso wie die Einsatzanweisungen für Kommunikation und Aufnahme. Mit dem vorhandenen Funkgerät müssen sich die vorgesehenen Kommunikationsverfahren ausführen lassen; mitgeführte Signalmittel müssen wie im Briefing besprochen eingesetzt werden können. Vor einem Einsatz wird diese Vorbereitung auf den Raum abgestimmt, in dem die Person tatsächlich isoliert werden könnte.

Der Theorieanteil behandelt unmittelbares Verhalten nach der Isolation, Survival-Prioritäten, Evasion-Planung, Gefangenschaftsformen, Informationsschutz und Personnel Recovery. In den praktischen Anteilen verwenden die Teilnehmer ihre Ausrüstung, beschaffen Wasser und Nahrung, sorgen für Schutz und entscheiden, wann sie sich bewegen oder ruhen. In einer zusammenhängenden Feldphase müssen sie sich versorgen, orientieren und zugleich ausweichen. Stellen Gegenkräfte eine Suche dar, bleibt auf einem längeren Weg weniger Zeit für Ruhe oder Beschaffung.

Ein Kursmodell für die Spezialoperationskräfte der US Army, ARSOF, verbindet drei größere Abschnitte: Unterricht zum Code of Conduct und zu SERE-Themen mit praktischer Feldkunde; eine Survival- und Evasion-Phase im Gelände; anschließend ein Resistance Training Laboratory, kurz RTL, in einem dargestellten Kriegsgefangenenlager. Im Feld werden Nahrung und Wasser gewonnen, Unterkünfte und Feuer unter Evasion-Bedingungen hergestellt und längere Strecken unter Suche durch Gegenkräfte und Spürhunde zurückgelegt. Zusätzlich behandeln Rollenszenarien staatliche Haft außerhalb des Krieges und Geiselsituationen. Individuelle und gemeinsame Nachbesprechungen schließen das Modell ab.

Andere nationale Darstellungen verbinden die Bereiche anders. Der französische C-Ansatz verlangt ein realistisches praktisches Szenario mit operativer Ausstattung und einer Gegenpartei und führt die Aufgaben zur Vermeidung der Gefangennahme und zur Erleichterung der Rückführung zusammen. In der deutschen Beschreibung kann bei verbundenem RtoI auf die Durchschlagephase Gefangenschaft und Befragung folgen.

Survival unter Bedrohung

Die erste Lagebeurteilung betrifft den eigenen Zustand, die unmittelbar drohende Gefahr, den Standort und die tatsächlich erhaltenen Mittel. Verletzungen oder eingeschränkte Beweglichkeit verändern erreichbare Ziele; ein verlorener Behälter reduziert die Wassermenge, die sich auf der nächsten Etappe tragen lässt. Der französische C-Inhalt verbindet unmittelbare Maßnahmen nach der Isolation mit angepasster Gefechts-Ersthilfe, Schutz, Standortbestimmung, Wasser und Nahrung. Die Person muss daraus die nächsten eigenen Aufgaben bestimmen: zunächst eine unmittelbare Gefährdung verlassen, Witterungsschutz gewinnen oder die Versorgung für die beabsichtigte Bewegung sichern.

Kleidung, Unterkunft und Bodenisolation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Wind- und Niederschlagsschutz verringern die Belastung während einer Ruhephase; eine trockene isolierende Unterlage reduziert den Wärmeverlust zum kalten Boden. Ein natürlich geschützter Platz mit wenigen Ergänzungen kann Zeit und Material sparen. Ein aufwendiger Bau verlangt mehr Arbeit und verändert mehr Vegetation. Die Wahl hängt deshalb auch davon ab, ob Annäherungen beobachtbar bleiben, der Aufenthalt auffällt und ein weiterer Ausgang verfügbar ist. Eine sichtgeschützte Rinne kann bei starkem Wasserabfluss zur Falle werden.

Wasserversorgung endet nicht an der Fundstelle. Die Person braucht eine zur vorhandenen Ausstattung passende Aufbereitung, eine Transportmöglichkeit und einen sauberen, verschlossenen Behälter für das behandelte Wasser. Der Weg zur nächsten Quelle muss mit dem Vorrat und der eigenen Belastbarkeit zusammenpassen. Wenn Beschaffung und Aufbereitung länger dauern, verschiebt sich die nächste Etappe. Wenn für die beabsichtigte Strecke zu wenig Wasser mitgeführt werden kann, ist die Bewegung neu zu gliedern oder ein anderes erreichbares Ziel zu wählen.

Bei der Nahrung muss die Person den Nutzen gegen den Aufwand abwägen. Eine mitgeführte Ration ist sofort verfügbar; weitere Nahrung zu beschaffen und zuzubereiten kostet Zeit und Kraft und kann zusätzliche Wege erfordern. Unter Suchdruck kann ein langer Beschaffungsaufenthalt verhindern, dass die Person den vorgesehenen Rückführungsraum noch erreicht. Anhaltend geringe Versorgung schwächt jedoch ihre Leistungsfähigkeit. In der Ausbildung muss sie deshalb beurteilen, welche Strecke noch vor ihr liegt, welche Arbeit unbedingt nötig ist und welchen Vorrat sie unmittelbar nutzen kann.

Feuer kann Wärme, Zubereitung und Wasseraufbereitung ermöglichen. Es erzeugt zugleich Licht, Rauch und Geruch; auch Brennstoffbeschaffung und ein wiederholt genutzter Arbeitsplatz verändern die Umgebung. Deshalb ist vor dem Entzünden der konkrete Bedarf gegen die beobachtbare Signatur und den Zeitaufwand abzuwägen. Vorhandener Witterungsschutz, Bodenisolation, aufbereitetes Wasser oder direkt nutzbare Rationen können den Feuerbedarf verringern. Eine Feuerstelle bindet die Person räumlich, während die Evasion möglicherweise den Ortswechsel verlangt.

Evasion: Entscheidungen unter Suche und Bedrohung

Vom Ausweichplan zur nächsten erreichbaren Etappe

Evasion hat das Ziel, einer Gefangennahme zu entgehen und eine Rückkehr zu eigenen Kräften zu ermöglichen. Der vorbereitete Evasion Plan of Action, kurz EPA, hält die beabsichtigten Handlungen für den Isolationsfall fest. Nach der Isolation müssen Standort, Bedrohung, Beweglichkeit und erhaltene Ausrüstung mit diesem Vorhaben abgeglichen werden. Ein benannter Rückführungsraum, ein vorgesehener Evasion-Bereich oder erreichbarer freundlicher Raum kann das Ziel sein. Die Person braucht dafür eine Vorstellung, wo sie sich befindet, warum sie sich in eine bestimmte Richtung bewegen will und welche Mittel für den Weg reichen.

Bleiben oder Weitergehen ist eine Lageentscheidung. Ein Halt ermöglicht Versorgung, Orientierung und Erholung; an einem gefährdeten Ort kann derselbe Halt die Gefangennahme erleichtern. Bewegung kann einen Suchraum verlassen, setzt aber Kräfte voraus und macht die Person zeitweise beobachtbar. Statt eine lange Strecke ungeprüft fortzusetzen, werden erreichbare Teilziele, Wasserbedarf und Möglichkeiten zum erneuten Beobachten zusammen betrachtet. Ein Ziel, das nur mit dem früher vorhandenen Vorrat oder einer verlorenen Ausrüstung erreichbar war, muss neu bewertet werden.

Navigation kontrolliert dabei die Standortannahme. Karte, Kompass und verfügbare elektronische Mittel erfüllen verschiedene Funktionen; erkennbare Geländemerkmale dienen zum Abgleich. Werden tatsächlicher Weg und angenommene Position nicht wieder zusammengeführt, kann sich ein Fehler über mehrere Etappen fortsetzen und später auch die Positionsmeldung verfälschen. Bei einem Widerspruch zwischen erwartetem und gesehenem Gelände dient ein verborgenes Anhalten der Standortklärung, soweit die Bedrohung einen Halt zulässt.

Gelände, Bewegungszeit und Beobachtung

Eine Route wird nach Sichtschutz, menschlicher Aktivität, Hindernissen, Kraftaufwand und dem Rückkehrziel beurteilt. Ein direkter Weg kann offene Flächen oder häufig genutzte Zugänge queren. Ein gedeckter Umweg kann Beobachtung erschweren, aber mehr Wasser und Zeit kosten. Geländeformen sind deshalb auf dem nächsten Abschnitt zu prüfen: Wo tritt der Körper gegen den Himmel oder einen hellen Hintergrund hervor? Wo lässt sich die weitere Strecke aus einer verborgenen Position sehen? Wo engt das Gelände die späteren Ausweichmöglichkeiten ein?

Geringe Helligkeit oder ungünstiges Wetter können die Person während der Bewegung schwerer erkennbar machen; geringere gegnerische Aktivität kann ebenfalls eine günstigere Gelegenheit zum Weitergehen bieten. Schlechte Sicht erschwert aber auch die eigene Geländeübersicht und Standortkontrolle. Die Person muss daher abwägen, ob der bessere Sichtschutz den Weg erleichtert oder ob sie ihn unter diesen Bedingungen nicht mehr zuverlässig bewältigen kann. Wer bei Dunkelheit den Geländeverlauf falsch einschätzt, kann sich verirren oder unnötig lange an einem Ort bleiben und so den Vorteil wieder verlieren.

An verborgenen Punkten hält die Person zur Beobachtung an. Sie prüft sichtbare Aktivität und hört auf Fahrzeuge, Menschen, Luftfahrzeuge oder andere auffällige Geräusche. Rauch, Spuren, Wege, Gebäude und erkennbare Bewegungen helfen ihr, die Lage auf der nächsten Strecke einzuschätzen. Neue Hinweise auf menschliche Anwesenheit können einen anderen Abschnitt, einen späteren Aufbruch oder einen anderen Halt erfordern. Deshalb prüft sie vor dem Weitergehen erneut Richtung, nächste Strecke und erkennbare Bedrohung.

Verbergen, Ausrüstung und Aufenthaltszeichen

Verbergen nutzt Hintergrund, Haltung und natürliche Sichtbarrieren. Eine niedrige Körperhaltung und Beobachtung aus einer gedeckten Position verringern die sichtbare Kontur; unnötige Bewegung hebt die Person dagegen vom ruhigen Hintergrund ab. Glänzende Gegenstände und lose, klappernde Ausrüstung können den Aufenthalt verraten. Vor der nächsten Etappe werden deshalb sichtbare Reflexionsflächen abgedeckt oder verstaut und bewegliche Teile gesichert. Die Tarnung muss mit dem wechselnden Hintergrund mitgehen: Ein wandernder Schatten gibt einen zuvor verborgenen Teil frei, verwelkendes zugeschnittenes Grün kann auffällig werden.

Auch der Aufenthalt hinterlässt Hinweise. Gebrochene Zweige, veränderte Bodenbedeckung, zurückgelassene Verpackungen oder verlorene persönliche Ausrüstung können eine Passage erkennen lassen; bestimmte Gegenstände können sie einer Person oder Gruppe zuordnen. Sorgfältiges Bewegen und das Sichern des eigenen Materials reduzieren vermeidbare Hinweise. Für einen Ruheplatz wird vorhandener Schutz genutzt, statt ihn durch umfangreiche Änderungen erst herzustellen. Wiederholte Wege zwischen Unterkunft, Wasserstelle und Arbeitsplatz vergrößern die sichtbaren Folgen des Aufenthalts.

Ein geeigneter Halt verbindet kleinen, niedrigen und unregelmäßigen Sichtschutz mit beobachtbaren Annäherungen und Möglichkeiten zum Verlassen. Ein Platz mit nur einem Ausgang kann bei Annäherung die Wahl auf diesen einen Weg beschränken. Der Blick auf mögliche Zugänge muss erhalten bleiben, während die Person möglichst wenig hervortritt. Wettergefahren, Wasserabfluss und abgestorbene Bäume werden zugleich geprüft. Ein Halt dient dann einer bestimmten Aufgabe: Kräfte erhalten, Material richten, Standort klären oder eine günstigere Bewegungsmöglichkeit abwarten.

Mit Verfolgungsdruck weiter handlungsfähig bleiben

Wenn nach der Person gesucht wird, bleibt ihr weniger Zeit für einen Aufenthalt. Dort Wasser oder Nahrung zu beschaffen kann dringend nötig sein, verlängert aber den Halt. Sofortiges Weitergehen schafft Abstand, kann jedoch die Kräfte verbrauchen, die später für Orientierung, Hindernisse oder Aufnahme fehlen. Das ARSOF-Feldmodell stellt diesen Konflikt durch Gegenkräfte und Spürhunde dar. Die Person beobachtet die Suchaktivität und vermeidet unnötige Hinweise auf ihre Anwesenheit. Wie weit sie auf der nächsten Etappe gehen kann, hängt auch davon ab, wo sie sich versorgen und ruhen kann.

Wenn Tempo und Arbeit zu deutlichem Leistungsabfall führen, müssen vermeidbare Belastungen verringert werden: unnötiger Bauaufwand, zusätzliche Beschaffungswege oder ein Marschtempo, bei dem Beobachtung und Standortkontrolle aussetzen. Eine mögliche verborgene Ruhephase kann den nächsten notwendigen Bewegungsabschnitt stützen; eine unmittelbar herankommende Bedrohung kann dagegen zuerst einen Ortswechsel erzwingen. Die Person bewahrt damit Kräfte für die Aufgaben, die sich später nicht beliebig verschieben lassen. Der Rückführungsraum bleibt ein Ziel, dessen Erreichbarkeit laufend mit dem tatsächlichen Zustand abgeglichen wird.

Gefangenschaft, Informationsschutz und Resistance

Nach der Gefangennahme bestimmen andere über Wege, Versorgung, Kontakte und den Zugang zu Informationen. Die festhaltende Seite kann diese Abhängigkeit nutzen, um militärische Kenntnisse zu gewinnen, andere Personen zu identifizieren, Aussagen über die eigene Seite zu erzwingen oder den Gefangenen öffentlich vorzuführen. Resistance richtet sich gegen diese Ausnutzung. Die Person muss mit ihren verbliebenen Möglichkeiten für ihren körperlichen Zustand sorgen, Informationen schützen und Verantwortung gegenüber anderen Gefangenen übernehmen.

Der Kriegsgefangenenstatus hängt am Konflikt und am erfassten Personenkreis: Dazu gehören beispielsweise Angehörige der Streitkräfte einer Konfliktpartei, die in einem internationalen bewaffneten Konflikt in die Gewalt des Gegners geraten. Staatliche Haft außerhalb dieses Konfliktrahmens wird als eigener Gefangenschaftskontext vorbereitet. Bei einer Geiselnahme dient die festgehaltene Person als Druckmittel gegen Dritte: Eine Drohung gegen ihr Leben, ihre körperliche Unversehrtheit oder mit fortgesetzter Haft soll einen Staat, eine Organisation oder andere Personen zu einem Tun oder Unterlassen zwingen. Die Forderung wird mit Freilassung oder Sicherheit der Geisel verbunden. Dieser Zweck erklärt die Lage genauer als die alleinige Benennung eines staatlichen oder nichtstaatlichen Akteurs. Das US-ARSOF-Modell ergänzt sein Kriegsgefangenschaftsszenario deshalb um staatliche Friedenshaft und Geiselkontexte. Der französische C-Ansatz behandelt praktische Resistance gegen staatliche und nichtstaatliche Festhaltung sowie psychologische und rechtliche Aspekte der Gefangenschaft.

Informationsschutz beginnt schon vor einer Befragung. Auf einer Karte eingetragene Absichten, auffällige Markierungen oder andere erhaltene Auftragsinformationen können beim Verlust die eigene Planung erkennen lassen. Bei einer Befragung können Kenntnisse über Auftrag, Personen und Verfahren verlangt werden. Mündliche oder schriftliche Erklärungen können außerdem als Propaganda gegen das eigene Land, Verbündete oder Mitgefangene verwendet werden. Der nationale Verhaltensrahmen legt fest, welche Angaben zu machen sind und wie mit weitergehenden Anforderungen umzugehen ist.

Für Angehörige der US-Streitkräfte ist der Code of Conduct zentral. Artikel V nennt für die Befragung eines Kriegsgefangenen Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum. Weiteren Fragen soll die Person nach Kräften ausweichen; mündliche und schriftliche Aussagen, die dem eigenen Land und seinen Verbündeten untreu wären oder deren Sache schädigten, sollen unterbleiben. Artikel III verbindet fortgesetzten Widerstand mit dem Bemühen um Entkommen und Hilfe für andere beim Entkommen und schließt Ehrenwortfreilassung und besondere Begünstigungen durch den Gegner aus. Diese Vorgaben bilden einen US-militärischen Rahmen für Entscheidungen in Gefangenschaft.

Artikel IV regelt die Verantwortung für Mitgefangene. Er verlangt, keine Informationen preiszugeben, die Kameraden schaden können, und an keinen Handlungen teilzunehmen, die sie gefährden. Der ranghöchste Gefangene soll die Führung übernehmen; die anderen sollen rechtmäßige Befehle der eingesetzten Vorgesetzten befolgen und sie unterstützen. Die Person muss daher berücksichtigen, welche Folgen eine Erleichterung für sie selbst für die Gruppe hätte. Auch bei eingeschränkter Kommunikation müssen die Gefangenen zusammenhalten, Verantwortung übernehmen und einander schützen, während der Gegner Informationen oder Verhalten für eigene Zwecke nutzen will.

In einem kontrollierten Resistance-Szenario wenden die Teilnehmer ihren zuvor vermittelten Verhaltensrahmen bei Anweisungen, Befragung, begrenzten Kontakten und Verantwortung für die Gruppe an. Sie üben, Anforderungen einzuordnen, Informationen zu schützen und trotz fremder Kontrolle verantwortlich zu handeln. Das US-Modell nennt dafür das RTL; die Bundeswehr bezeichnet den zusätzlich beschriebenen Anteil als Resistance to Interrogation, kurz RtoI, Widerstand gegen Befragung. Folgt dieser Anteil auf die Durchschlagephase, müssen sich die Teilnehmer auf die eingeschränkten Möglichkeiten nach der Gefangennahme einstellen.

Eigene Vorbereitung, Kontakt und tatsächliche Aufnahme

Personnel Recovery verbindet die eigenen Handlungen der isolierten Person mit dem Einsatz verfügbarer Rückführungskräfte. Der EPA vermittelt diesen Kräften die beabsichtigte Evasion. Der Isolated Personnel Report, kurz ISOPREP, unterstützt Identifizierung und Authentifizierung. Vor einem Einsatz werden die einschlägigen Dokumente und Anweisungen vervollständigt oder geprüft. Ein geplanter Weg erklärt dabei eine Absicht; erst eine bestätigte aktuelle Position zeigt, wo die Person tatsächlich erreicht werden kann.

Die isolierte Person muss die zu ihrem Einsatz gehörenden Kommunikations- und Signalisierungsverfahren mit der erhaltenen Ausrüstung umsetzen können. Funktionsfähigkeit, Energie, Antenne und eine erreichbare Gegenstelle bestimmen die nutzbare Verbindung. In einer feindlichen Umgebung kann Senden durch Funkpeilung auch den Aufenthaltsraum verraten; Senden aus der Unterkunft ist deshalb mit dieser Bedrohung abzuwägen. Vereinbarte Kontaktmöglichkeiten und Einsatzanweisungen geben den Rahmen. Bis ein Kontakt tatsächlich zustande kommt, werden Kräfte, Versorgung und Standortkontrolle für die weitere Evasion erhalten.

Bei nutzbarer Verbindung werden die aktuellen, für die Aufnahme nötigen Informationen weitergegeben: Position und deren Bestimmung, Zahl der Personen, Verletzungen und Beweglichkeit, erkennbare gegnerische Aktivität, Eigenschaften des Aufnahmeortes sowie verfügbare Signalmittel. Eine genaue Meldung über ein Hindernis oder eine bewegungsunfähige Person verändert den Plan der Rückführungskräfte. Fehlerhafte Koordinaten oder eine veraltete Lageangabe können die Suche an den falschen Ort lenken oder eine ungeeignete Annäherung auslösen.

Ein Signal macht die Position für einen Empfänger kenntlich; eine Funkverbindung ermöglicht zusätzlich den Austausch von Anweisungen und Lageinformationen. Ohne Funk kann ein geeignetes Boden-Luft-Signal die einzige Kontaktmöglichkeit zu einem vorhandenen Luftfahrzeug sein. Signalmittel werden wie im Briefing festgelegt oder nach erhaltenen Anweisungen verwendet. Dabei muss die Person berücksichtigen, dass auch gegnerische Beobachter das Signal sehen können. Sie hält das Material bereit und wählt ihren Aufenthaltsort so, dass sie das vereinbarte Signal im benötigten Moment einsetzen kann.

Authentifizierung bestätigt, dass die erreichte Person die gesuchte ist. Genaue Koordinaten allein lösen diese Aufgabe nicht. Ein Gegner könnte Kenntnisse über den Aufenthaltsraum oder kompromittierte Informationen ausnutzen und die Rückführungskräfte in eine gefährliche Annäherung bringen. Die Person führt deshalb das vorgesehene Authentifizierungsverfahren durch und schützt die dafür bestimmten Informationen. Die Rückführungskräfte prüfen vor einer Aufnahme die Identität der Person, die Lage und das eigene Risiko; bei der Rückkehr unter eigene Kontrolle kann die Authentifizierung wiederholt werden.

Unmittelbar vor der Aufnahme wird die eigene Ausrüstung gepackt und gesichert; die angewiesenen Signalmittel bleiben einsatzbereit. Unter Bedrohung bleibt die Person verborgen, bis die Aufnahme unmittelbar bevorsteht, und hilft dann nach Verfahren oder Anweisung beim Auffinden ihrer Position. Bei Boden- oder Landungsaufnahme werden Waffen gesichert, eine nichtbedrohliche Haltung eingenommen und hastige Bewegungen vermieden. Die Annäherung an das Fahrzeug erfolgt auf Anweisung. Rotoren, Propeller, unebenes Gelände und lose Ausrüstung erfordern Aufmerksamkeit, damit die letzte Strecke zur Aufnahme keinen neuen Unfall erzeugt.

Eine Rückführung kann durch Kräfte in der Nähe, ein einzelnes Fahrzeug oder einen größeren verbundenen Kräfteansatz erfolgen. Welche Variante möglich ist, bestimmen Bedrohung, Gelände, Zustand der Personen und verfügbare Fähigkeiten. Das Ziel ist die tatsächliche Übernahme durch eine eigene beziehungsweise freundliche Organisation. Danach folgt gegebenenfalls die national organisierte Reintegration mit Betreuung nach der realen Isolation. Die Nachbesprechung einer Ausbildung erklärt dagegen den Übungsverlauf, die eigenen Entscheidungen und mögliche andere Handlungen.

Belastung und die Fähigkeiten, die erhalten bleiben müssen

Längere Bewegung, wenig Nahrung, Durst, Kälte oder Hitze und die Sorge vor Entdeckung können gleichzeitig auftreten. Ermüdung begrenzt, wie weit die Person gehen, was sie tragen und welche Arbeit sie noch verrichten kann. Tempo, Last und Arbeitsweise müssen ihrem Zustand entsprechen. Eine zusätzliche Stunde Unterkunftsbau oder Beschaffung fehlt später für eine notwendige Etappe. Im US-C-Feldtraining müssen Teilnehmer etwa abwägen, ob sie weitere Nahrung beschaffen oder rechtzeitig den Rückführungsraum erreichen.

Schlafmangel beeinträchtigt Aufmerksamkeit, Urteils- und Reaktionsfähigkeit. Die Person kann eine Standortkontrolle auslassen, eine Annäherung übersehen oder eine Anweisung vergessen. Bei starker Schläfrigkeit kann sie ungewollt einschlafen, besonders während gleichförmiger Beobachtung. Geräusche, helles Licht und belastende Temperaturen können die Ruhe zusätzlich unterbrechen. Bei der Wahl eines Halts zählt deshalb neben dem Sichtschutz, ob dort tatsächlich Erholung möglich ist. In einer Gruppe lassen sich Aufgaben und Ruhezeiten danach verteilen, was die einzelnen Mitglieder noch leisten können.

Unter Unsicherheit und Zeitdruck sind Unentschlossenheit, Vergesslichkeit, Nachlässigkeit oder Rückzug Warnzeichen, wenn wesentliche Aufgaben darunter aussetzen. Die Person konzentriert sich dann auf den nächsten überschaubaren Schritt: Standort prüfen, Material sichern, notwendige Versorgung durchführen oder eine konkrete Bewegungsentscheidung treffen. In einer Gruppe helfen klare Zuständigkeiten und gegenseitiger Abgleich dabei, ausgelassene Aufgaben zu erkennen. Beobachtung, Navigation und die Erinnerung an Absprachen müssen während der Belastung weiter funktionieren.

In der zusammenhängenden C-Ausbildung müssen die Teilnehmer diese Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Wer länger ruht, beginnt die nächste Strecke später; wer weitergeht, verbraucht Vorräte; wer signalisiert, kann beobachtet werden. In Gefangenschaft müssen sie ihren körperlichen Zustand und die Verantwortung für andere berücksichtigen, obwohl ihnen nur begrenzte Informationen zur Verfügung stehen. Auch unter diesen Belastungen sollen sie handlungsfähig bleiben, ihre Lage beurteilen, Informationen schützen und gemeinsam handeln können.

Nationale Ausprägungen

Deutschland

Die Bundeswehr verbindet C mit weitergehenden Fertigkeiten im Überleben und Durchschlagen und mit zweckmäßigem Verhalten in Kriegsgefangenschaft. Für besonders gefährdete Verwendungen, insbesondere Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen, wird RtoI als zusätzlicher Anteil beschrieben. Bei dessen Verbindung mit dem Lehrgang schließt sich an die Durchschlagephase eine Lage mit Gefangenschaft und Befragung an. Der Wechsel ist fachlich bedeutsam: Im Gelände entscheidet die Person über Ort und Bewegung; unter fremder Kontrolle muss sie ihren verbleibenden Handlungsspielraum für Überleben und Widerstand gegen Ausnutzung verwenden.

Der deutsche Ansatz bindet SERE außerdem an die aktive eigene Mitwirkung beim Auffinden und bei der Rückführung. Vorbereitete Identifizierungsinformationen und das Verhalten bei Wiederaufnahme gehören zu diesem Zusammenhang. C und RtoI bezeichnen dabei verschiedene Dinge: die risikobezogene Ausbildungsstufe und den besonders benannten Widerstandsanteil. Der tatsächliche Ausbildungsbedarf ergibt sich aus Verwendung und Gefährdung.

Vereinigte Staaten

In den USA steht SERE für Survival, Evasion, Resistance and Escape. Im ARSOF-Modell der Army folgt auf Survival und längere Evasion unter Suchdruck das Kriegsgefangenschafts-RTL; hinzu kommen Szenarien staatlicher Friedenshaft und Geiselsituationen. Auch die C-Ausbildung im Bereich Army Aviation umfasst Unterricht sowie Feld- und Resistance-Phasen. Die Schule bereitet hoch gefährdete Soldaten und dafür bestimmte Regierungszivilisten und Auftragnehmer auf Isolation und Gefangenschaft vor. Diese Personenkreise haben unterschiedliche Rollen und Rechtsstellungen. Für die militärischen Angehörigen bildet der Code of Conduct den nationalen Verhaltensrahmen.

Das operationelle SERE-Angebot der US Air Force verbindet Evasion und Verhalten nach Gefangennahme außerdem mit Aufgaben des Flugpersonals: Verhalten nach dem Verlassen des Luftfahrzeugs, Überlebensmedizin, eigene Ausrüstung, Tag- und Nachtorientierung, Boden-Luft-Signale und Vorbereitung auf Rückführungsgeräte. Das gesondert benannte ECAC-Programm ist Level B und enthält bereits praktische Evasion und ein Geisel-RTL. Escape bezeichnet das Entkommen aus Gefangenschaft; nach einem Entkommen können Survival und Evasion bis zur Aufnahme erneut notwendig werden. Die Verantwortung gegenüber Mitgefangenen bleibt dabei Teil des US-Verhaltensrahmens.

Großbritannien

Die britische Langform lautet Survive, Evade, Resist, Extract. Die nationale Risikozuordnung führt mittlere und hohe Gefährdung zu B beziehungsweise C; B wird auf Einheitsebene durchgeführt, C zentral durch die Defence SERE Training Organisation. Das Programmportfolio umfasst praktische Evasion, Resistance und Conduct After Capture, Verhalten nach Gefangennahme. Hinzu kommen unter anderem Maritime Survival für Flugpersonal und Ausbildung in Dschungel, Wüste und Kälte.

Im britischen PR-Rahmen steht nach tatsächlicher Rückführung die Gesundheit der Person im Vordergrund der Reintegration; dringende Informationen zur Rettung anderer Isolierter oder zum Schutz von Leben können dabei sofort erforderlich sein.

Frankreich

Im französischen C-Modell übt hoch gefährdetes Personal mit Einsatzausrüstung in einem realistischen Szenario mit dargestellter Gegnerschaft. Zu den konkreten Inhalten gehören unmittelbare Isolationsmaßnahmen, Überleben in feindlicher Umgebung, angepasste Gefechts-Ersthilfe, Evasion und praktische Vorbereitung auf staatliche oder nichtstaatliche Gefangenschaft. Für Orientierung, Positionssignale und sichere Kommunikation werden persönliche Mittel wie Karte, Kompass, GPS, geeignete Baken, Funk- oder Satellitenverbindungen eingesetzt. Welche dieser Aufgaben die Person ausführen kann, hängt davon ab, welche Ausrüstung ihr tatsächlich zur Verfügung steht.

Zur Extraction gehören die einschlägigen Standardverfahren und besonderen Einsatzanweisungen, SOP und SPINS. Die Rückführung wird national auch mit RESCo, der kampfbezogenen Suche und Rettung, und für Spezialkräfte mit UAR, unkonventionell unterstützter Rückführung, verbunden. Das Flugpersonal der Luft- und Weltraumstreitkräfte erhält die höchste Stufe Charlie. Das breitere französische Angebot umfasst zudem Kälte-, Wüsten- und Äquatorialausbildung.

Der Unterschied zu Level A und B

Level A vermittelt im NATO-Rahmen die Grundlagen für geringes Risiko; Level B verbindet Theorie mit grundlegender praktischer Survival- und Evasion-Ausbildung und Resistance im Unterricht. C erweitert die praktische Vorbereitung in allen drei Bereichen für hohe Gefährdung. Besonders kennzeichnend sind die zusammengeführten Anforderungen: länger mit begrenzten Mitteln ausweichen, trotz Suche Schutz und Versorgung erhalten und unter kontrolliert dargestellter Gefangenschaft gegen Ausnutzung handeln.

Die nationalen Programme setzen die Grenze unterschiedlich. Das US-Air-Force-Programm ECAC gehört zu B und verwendet bereits Rollenszenarien, ein praktisches Evasion-Labor und ein abschließendes Geisel-RTL. Das Wort „Labor“ oder ein praktischer Gefangenschaftsanteil bestimmt deshalb allein noch keine Stufe. Für die Einordnung zählen Risikozuschnitt und tatsächlicher Umfang des jeweiligen Programms.