Wiki · Begriffserklärung

Authentisierung

Authentisierung bezeichnet bei Personnel Recovery die Prüfung, ob ein Kontakt tatsächlich die behauptete isolierte Person ist. Dazu werden Angaben oder Antworten aus dem tatsächlichen Kontakt mit vorbereiteten, personenspezifischen Informationen und den vorgesehenen Prüfverfahren abgeglichen. Die Prüfung soll verhindern, dass Rückführungskräfte eine andere Person oder einen gegnerisch vorgetäuschten Kontakt für das gesuchte Personal halten.

Identität und Standort

Funkrufe und Lichtsignale können Suchkräfte auf einen Kontakt aufmerksam machen; eine auswertbare Positionsmeldung kann die Suche räumlich eingrenzen. Wer sendet oder am gemeldeten Ort wartet, bleibt eine eigene Frage: Ein Gegner kann einen Namen kennen, ein verlorenes Gerät benutzen oder einen gemeldeten Aufnahmeort beobachten. Auch genaue Koordinaten ersetzen deshalb die Prüfung der Person am anderen Ende des Kontakts nicht.

Das ist besonders während der Aufnahme entscheidend. Ein Fahrzeug muss sich nähern, ein Hubschrauber seine Bewegungsfreiheit einschränken oder ein Team aus der Deckung treten. Eine falsche Identitätszuordnung kann die Kräfte an einen vorbereiteten Hinterhalt führen und zugleich die wirkliche isolierte Person gefährden. Authentisierung gehört deshalb bereits zur Vorbereitung und Kommunikation; beim Übergang in die tatsächliche Kontrolle eigener oder befreundeter Kräfte wird üblicherweise nochmals geprüft, ob die aufgenommene Person dem zuvor bestätigten Kontakt entspricht.

Vorbereitete Vergleichsdaten

Der ISOPREP, ausgeschrieben Isolated Personnel Report, verbindet die vorgesehene Identitätsprüfung mit einem vor einer möglichen Isolation vorbereiteten persönlichen Datensatz. Er enthält Informationen zur Identifizierung und Authentisierung. Die berechtigte Gegenstelle benötigt diese Angaben als Vergleichsgrundlage; die isolierte Person muss ihren eigenen Beitrag zum vorgesehenen Verfahren kennen. Ein Datensatz, den die zuständigen Kräfte nicht erreichen oder der zur falschen Person gehört, kann den Abgleich im tatsächlichen Kontakt nicht tragen.

Im US-System werden dem Namen persönliche Identifikationsdaten, Fotografien und Fingerabdrücke sowie persönliche Authentisierungsangaben und Codes zugeordnet. Fotografien können das Erkennen einer Person unterstützen. Für die Authentisierung liefern vorbereitete persönliche Angaben einen Vergleichswert, den eine Gegenstelle im Kontakt prüfen kann. DD Form 1833 bezeichnet das zugehörige US-Formular; Personnel Recovery Mission Software, kurz PRMS, das elektronische System zur Erfassung. Diese US-Ausgestaltung ist für die dafür erfassten Personen und beteiligten Organisationen vorgesehen. Sie ist keine weltweit zugängliche Identitätsdatenbank für jede Rückführungskraft.

Der Evasion Plan of Action, kurz EPA, hat eine andere Aufgabe: Er beschreibt beabsichtigte Handlungen und Bewegungen bei Isolation. Die Suchkräfte können daraus ableiten, wo die Person zu erwarten ist. Ob eine dort angetroffene Person tatsächlich die gesuchte ist, wird mit dem dafür vorgesehenen Authentisierungsverfahren geprüft. Eine aktuelle Positionsmeldung ergänzt wiederum die vorbereiteten Absichten um den tatsächlichen Aufenthaltsort.

Kräfte erkennen und die Person prüfen

Die isolierte Person muss beim Kontakt auch die eigenen oder befreundeten Kräfte erkennen können. Dazu können vorbereitete Fern- und Naherkennungssignale sowie vereinbarte Aufforderungen und Antworten dienen. Eine solche Abrede kann beispielsweise einen erkennbaren Lichtimpuls mit einer vorher festgelegten Antwort verbinden. Beide Seiten müssen die Abrede kennen und das gewählte Signal wahrnehmen können. Ein Infrarotsignal benötigt auf der beobachtenden Seite geeignete Technik; ein entsprechend ausgerüsteter Gegner kann es ebenfalls sehen.

Kräftenerkennung und persönliche Identitätsprüfung erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Eine passende Antwort auf ein gemeinsames Kennwort zeigt zunächst, dass die Gegenstelle Zugang zu diesem Kennwort hat. Personenspezifische Vergleichsdaten sollen dagegen den Kontakt einer bestimmten Person zuordnen. Umgekehrt dient der persönliche ISOPREP zur Prüfung der isolierten Person: Eine Stimme, die nach solchen Angaben fragt, ist dadurch noch nicht als eigene Rückführungskraft erkannt. Die Person führt den Kontakt nach den für ihren Einsatz vorbereiteten Verfahren, statt allein auf Uniform, Sprache, Rufzeichen oder den behaupteten Rettungsauftrag zu vertrauen.

Eigene Vorbereitung und tatsächlicher Kontakt

Vor dem Einsatz gehören die persönlichen Daten und die aktuellen Kontaktvorgaben zusammen. Zu prüfen ist, ob der vorgesehene Datensatz vorliegt, ob die eigenen Angaben stimmen und welche Erkennungs- und Authentisierungshandlungen verlangt werden. Zur Vorbereitung gehört auch die Prüfung der Ausrüstung: Welches Funk- oder Signalmittel wird tatsächlich mitgeführt, welche Ersatzbatterien sind vorhanden und welches vorbereitete Ersatzverfahren passt zu den möglichen Rückführungskräften?

Beim erreichbaren Kontakt führt die Person die vorgesehene Erkennung und Identitätsprüfung aus. Die berechtigte Gegenstelle vergleicht die im Verfahren verlangten Angaben oder Antworten mit der verfügbaren Referenz. Welche Informationen dabei übermittelt werden, bestimmt das Einsatzverfahren. Der ganze persönliche Datensatz wird nicht vorsorglich über einen offenen Kanal aufgezählt: Jede zusätzlich offengelegte Angabe vergrößert den Informationsbestand, mit dem ein Gegner spätere Kontakte nachahmen kann.

Schlechte Verständlichkeit, Erschöpfung oder eine Verletzung können die eigene Mitwirkung beeinträchtigen. Wer die Aufforderung nicht sicher verstanden hat, macht diese Verständigungslücke kenntlich, statt eine vermutete Antwort zu geben. Dasselbe gilt für eine nicht mehr zuverlässig abrufbare persönliche Angabe. Eine erfundene Antwort erzeugt einen scheinbar eindeutigen Widerspruch zur Referenz; eine benannte Einschränkung lässt die Gegenstelle den tatsächlichen Zustand und den verbleibenden Prüfweg berücksichtigen.

Ausfall, Unsicherheit und Informationsverlust

Ein ausgesendeter Alarm oder ein sichtbarer Marker kann die Ortung unterstützen, auch wenn kein Rückkanal vorhanden ist. Eine Frage mit persönlicher Antwort lässt sich über diesen einseitigen Kontakt jedoch nicht austauschen. Bei einem verlorenen oder beschädigten Funkgerät kommt ein vorbereitetes anderes Kontaktmittel nur dann in Betracht, wenn es noch verfügbar ist und die Gegenstelle es erkennen kann. Ein selbst erfundener Blinkcode schafft keine gemeinsame Abrede. Die Person hält die verbleibenden Signalmittel bereit, schützt ihre Informationen und richtet ihr Verhalten auf die noch nutzbaren, vorbereiteten Kontaktmöglichkeiten aus; sie verbraucht knappe Batterien nicht mit einer beliebigen Folge vermeintlicher Ersatzsignale.

Ein fehlgeschlagener oder unklarer Abgleich lässt die Identität offen. Ursache können eine gestörte Übermittlung, unpassende oder nicht verfügbare Vergleichsdaten, der Zustand der Person oder ein Täuschungsversuch sein. Rückführungskräfte müssen die Möglichkeit weiterer Prüfung zusammen mit Bedrohung, Zustand, Aufenthaltsort und ihren tatsächlichen Fähigkeiten beurteilen. Die isolierte Person vermittelt dabei ihre eigene Einschränkung und die sicher verstandenen Angaben korrekt.

Verlorene Unterlagen oder mitgehörte Antworten können auch einen zunächst brauchbaren Prüfweg entwerten. In vorbereiteten PR-Verfahren wird deshalb festgelegt, wie Authentisierungsinformationen weitergegeben, bei mehreren Rückführungsversuchen genutzt und bei bekannt gewordener Kompromittierung geändert werden. Erhält die isolierte Person auf dem vorgesehenen Weg eine solche Änderung, muss sie diese für den weiteren Kontakt verwenden. Ein eigener Ersatzcode, den die andere Seite nicht kennt, würde den Abgleich erneut unterbrechen.

Nationale Vorbereitung und Aufnahme

Der NATO-Rahmen verbindet vorbereitete Personeninformationen mit den im Einsatzplan und den geltenden PR-Verfahren festgelegten Prüfmethoden. Die USA verwenden dafür unter anderem ihre Ausgestaltung von ISOPREP, DD Form 1833 und PRMS. Ein deutscher Kontingentansatz verbindet persönliche Gespräche zur Prüfung oder Erstellung des ISOPREP mit der Abstimmung gemeinsamer Verfahren unter Verbündeten. Für die Person hat diese Zusammenarbeit eine unmittelbare Bedeutung: Sie muss das für ihren Einsatz vereinbarte Verfahren beherrschen, und die beteiligte Gegenstelle muss die benötigten Vergleichsinformationen sowie ein passendes Kontaktmittel erhalten.

Nach erfolgreicher Prüfung bleibt die körperliche Aufnahme ein eigener gefährdeter Vorgang. Die Person unterstützt die Kräfte dabei, ihren tatsächlichen Standort und Zustand zu erfassen, und folgt den vereinbarten beziehungsweise im Kontakt gegebenen Aufnahmeinstruktionen. Beim unmittelbaren Zusammentreffen vermeidet sie abrupte Bewegungen und eine bedrohliche Haltung, die als Angriff missverstanden werden können. Eine bestätigte Identität nimmt einem Team weder die gegnerische Bedrohung ab noch verschafft sie einem Fahrzeug einen zugänglichen Weg; sie ermöglicht den Kräften, ihre weitere Entscheidung auf die richtig zugeordnete Person zu beziehen.