Eine Peilung, englisch Bearing, beschreibt die horizontale Richtung von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel oder Bezugspunkt. Als Winkelangabe braucht sie eine benannte Bezugsrichtung und eine Winkeleinheit. Bei militärischer Isolation kann damit die Richtung zu einer Landmarke beschrieben oder die eigene Lage gegenüber einem vorbereiteten Bezugspunkt gemeldet werden. Entscheidend ist, von welchem Punkt aus die Richtung zu welchem anderen Punkt gemeint ist.
Ausgangspunkt und Ziel
„Von meinem aktuellen Halt zum einzelnen Wasserturm: neunzig Grad rechtweisend“ bezeichnet eine Richtung von der Person zum Turm. „Vom Wasserturm zu meinem Halt“ beschreibt die Beziehung in umgekehrter Richtung. Wer den ersten Satz als Meldung einer Position östlich des Turms liest, obwohl die Person zum östlich liegenden Turm gepeilt hat, setzt sie auf die falsche Seite des Bezugspunktes.
Ein Ortsname allein reicht ebenfalls nicht, wenn mehrere Türme, Weggabelungen oder Geländepunkte infrage kommen. Ausgangspunkt und Ziel müssen für beide Seiten denselben Ort bezeichnen. Eine präzise Winkelzahl zum falsch identifizierten Turm führt weiterhin zu einer falschen räumlichen Zuordnung. In der US-Landnavigation heißt der von einer Nordrichtung aus gemessene Richtungswinkel auch Azimut; der Ausdruck bezeichnet hier die Winkelrichtung, keinen zusätzlichen Standortwert.
Welches Nord ist gemeint?
Geografisch Nord, auch rechtweisend oder True North, ist die Richtung des örtlichen Meridians zum geografischen Nordpol. Magnetisch Nord ist die Richtung der horizontalen Komponente des örtlichen Erdmagnetfeldes, an der sich ein unbeeinflusster Magnetkompass ausrichtet. Gitternord ist die Nordrichtung des verwendeten Kartengitters. Sie kann gegenüber geografisch Nord verdreht sein, weil ein ebenes Koordinatengitter die gekrümmte Erdoberfläche abbildet.
Die Missweisung oder magnetische Deklination ist der Winkelunterschied zwischen geografischem und magnetischem Nord. Er hängt vom Ort und vom Zeitpunkt ab. Der Unterschied zwischen Gitternord und geografisch Nord entsteht dagegen aus dem Kartenbezug. Deshalb sind „neunzig Grad magnetisch“ und „neunzig Grad Gitternord“ bei unterschiedlichen Nordrichtungen zwei verschiedene Linien im Gelände. Übernimmt der Empfänger die Zahl unter dem falschen Nordbezug, verschiebt er die beobachtete Richtung und damit den Bereich, in dem er die Person oder den Bezugspunkt sucht.
Winkeleinheit und relativer Bezug
In einer Vollkreisdarstellung mit geografisch Nord als Nullbezug läuft die Gradangabe im Uhrzeigersinn: neunzig Grad nach Osten, hundertachtzig nach Süden, zweihundertsiebzig nach Westen. Ein Vollkreis umfasst dreihundertsechzig Grad. Militärische Richtungsangaben können auch Strich oder mil verwenden. Bei einer Teilung in sechstausendvierhundert Strich entspricht eine Vierteldrehung sechzehnhundert Strich. Die Zahl neunzig bezeichnet in diesen beiden Einheiten verschieden große Winkel; zur Meldung gehört deshalb die tatsächlich verwendete Einheit und bei Strichangaben die vereinbarte Teilung.
Eine relative Peilung beginnt dagegen an einer ausdrücklich festgelegten anderen Richtung, etwa der Längsrichtung eines Fahrzeugs oder der eigenen Blickrichtung. „Dreißig Grad rechts von meiner Blickrichtung“ bedeutet etwas anderes als „dreißig Grad von Nord“. Dreht sich die Person, ändert sich ihr relativer Winkel zum unverändert stehenden Turm. „Rechts von mir“ und „rechts von euch“ können zudem entgegengesetzte Seiten bezeichnen. Für einen solchen Bezug muss klar sein, wessen Blick- oder Fahrzeugrichtung gemeint ist.
Gegenrichtung, Position und Kurs
Die Gegenpeilung bezeichnet die entgegengesetzte Richtung derselben Linie. Für eine kurze örtliche Bezugslinie im selben Richtungsbezug wird aus neunzig Grad in Gegenrichtung zweihundertsiebzig Grad. Diese Gegenrichtung liefert noch keine Entfernung: Entlang der Linie können viele verschiedene Aufenthaltsorte liegen. Für eine relative Ortsangabe werden zusätzlich der eindeutig bekannte Bezugspunkt und eine brauchbare Entfernung benötigt.
Eine Peilung zu einem Punkt ist auch kein sicherer Marschkurs. Sie beschreibt, wo dieser Punkt vom Ausgangspunkt aus liegt; ein Kurs beschreibt eine beabsichtigte Bewegungsrichtung. Zwischen beiden Orten können eine unpassierbare Felswand, ein Gewässer oder gegnerisch kontrolliertes Gelände liegen. Eine beobachtete Zielrichtung als Aufforderung zur geraden Bewegung zu verstehen, würde diese Hindernisse und die Bedrohung übergehen.
Messung, Schätzung und Meldung
Ein gemessener Winkel, eine grobe Richtungsschätzung und eine bloße Vermutung müssen unterscheidbar bleiben. Ist ohne brauchbares Instrument oder bekannten Nordbezug nur die sichtbare Anordnung zweier Merkmale erkennbar, wird daraus keine gemessene magnetische Peilung. Die eigene Beobachtung lässt sich dennoch konkret beschreiben: „Aus meiner Blickrichtung steht der Turm rechts neben der hellen Felsspitze.“ Das benennt die gesehenen Merkmale und den eigenen Blickpunkt, ohne einen unbekannten Nordwinkel zu erfinden.
Auch bei einem vorhandenen Richtungswert bleibt die Güte der Ausgangsinformation wichtig. Ein unsicher identifizierter Bezugspunkt, ein geschätzter Winkel oder ein seit der Beobachtung verlassener Halt muss als solcher erkennbar sein. Mit zunehmender Entfernung wird aus demselben Winkelfehler eine größere seitliche Abweichung. Zusätzliche Ziffern beseitigen weder diesen Fehler noch einen falschen Ausgangspunkt. Bei Bewegung gehört der beobachtete Wert deshalb zu dem Halt, an dem er festgestellt wurde.
Kommt mit den vorhandenen Mitteln eine Verbindung zu Rückführungskräften zustande, wird die Richtung im gemeinsam festgelegten Format übermittelt. Im US-Army-PR-Kontext gehören dazu vorbereitete Bezugspunkte sowie vereinbarte Angaben für Richtung und Entfernung. Die Person nennt oder bestätigt den tatsächlich verwendeten Bezug und kennzeichnet geschätzte Werte; eine empfangene Richtungsangabe wird auf denselben Ausgangspunkt, dieselbe Bezugsrichtung und dieselbe Einheit bezogen. Die räumliche Meldung und die Authentifizierung erfüllen dabei verschiedene Aufgaben: Die Peilung beschreibt eine Richtung, die Authentifizierung prüft die Identität der Person hinter dem Kontakt.