MGRS bei militärischer Isolation
MGRS steht für Military Grid Reference System. Das militärische Gitterreferenzsystem bezeichnet einen Ort durch eine Kombination aus Zonenkennung, Buchstaben für ein 100-Kilometer-Quadrat und zwei gleich langen Zahlengruppen. Im deutschen Sprachgebrauch heißt es auch UTMREF. Eine militärisch isolierte Person kann damit einen Standort nachvollziehbar festhalten und bei tatsächlich möglicher Verbindung in einer Positionsmeldung für Personnel Recovery übermitteln. Die Stellenzahl bestimmt, wie fein das bezeichnete Rasterfeld ist.
Für die eigene Standortbeurteilung zählt zunächst, woher die Angabe stammt: aus einer verfügbaren Karte, einer aktuellen Geräteanzeige oder einer Schätzung seit dem letzten sicher erkannten Ort. Dazu gehören der Zeitpunkt der Feststellung und die seitherige Bewegung. Diese Angaben verhindern, dass ein früherer bestätigter Standort später als gegenwärtige Position behandelt wird. Eine vermutete Position und eine beabsichtigte Aufnahmestelle werden entsprechend als Schätzung beziehungsweise Ziel festgehalten.
Eine vollständige Referenz zerlegen
Als reines Lehrbeispiel dient die Referenz 15S WC 80817 51205 im Bezugssystem WGS 84. 15 ist die UTM-Zone; S bezeichnet darin ein Breitengradband. Gemeinsam bilden sie die Zonenkennung 15S. WC benennt das 100-Kilometer-Quadrat. Erst die beiden Zahlengruppen verfeinern den Ort innerhalb dieses Quadrats: 80817 ist der Ostwert, 51205 der Nordwert. Hier entsprechen sie Abständen von 80.817 Metern nach Osten und 51.205 Metern nach Norden vom westlichen beziehungsweise südlichen Rand des Quadrats.
Gelesen und geschrieben wird zuerst der Ostwert, dann der Nordwert. In der zusammengezogenen Schreibweise 15SWC8081751205 bleiben Aufbau und Bedeutung gleich. Die zehn Ziffern nach dem Buchstabenpaar werden in zwei Hälften zu je fünf Ziffern getrennt. Eine sechsstellige Zahlenfolge wie 808512 besteht entsprechend aus 808 und 512. Führende Nullen gehören zu ihrer jeweiligen Zahlengruppe; ihr Verlust verändert die Länge und kann die Trennung beider Werte verschieben.
Beim Ablesen einer vorhandenen Gitterkarte liefern die Linien westlich und südlich des erkannten Ortes die Ausgangswerte. Der Anteil innerhalb des Feldes wird zuerst nach Osten, dann nach Norden bestimmt. Ein verfügbarer Planzeiger muss zum Kartenmaßstab passen. Für eine Positionsmeldung ist entscheidend, dass die abgelesenen Ziffern zum tatsächlich erkannten Ort gehören; eine feinere Skala beseitigt keine Unsicherheit darüber, welches Geländemerkmal man vor sich hat.
Warum Zone und Quadrat dazugehören
Die Zahlen allein sind keine weltweit eindeutige Ortsangabe. Dieselben Zahlenwerte kommen in jedem 100-Kilometer-Quadrat wieder vor; auch die Buchstabenpaare wiederholen sich in größeren Abständen. Eine verkürzte Meldung wie 808 512 funktioniert nur, wenn Sender und Empfänger bereits dieselbe Zonenkennung und dasselbe Quadrat zugrunde legen. Fehlt dieser gemeinsame Bezug, kann die Gegenstelle eine formal lesbare Zahlenfolge in einen völlig anderen Raum eintragen.
Besonders nach Bewegung über eine Quadrat- oder Zonengrenze kann ein zuvor benutzter Vorsatz falsch geworden sein. Deshalb wird die vollständige Referenz gegen die vorhandene Kartenbeschriftung oder Geräteanzeige geprüft. Eine Abkürzung wird nur innerhalb des tatsächlich vereinbarten gemeinsamen Bezugs verwendet. Bei unklarem Bezug bleiben Zone, Band und Quadrat erhalten; zusätzliche Ziffern lösen eine fehlende Quadratkennung nicht.
Rastergröße, Kürzung und Standortunsicherheit
Ost- und Nordwert erhalten stets dieselbe Ziffernzahl. Jede zusätzliche Ziffer pro Wert verkleinert die Seitenlänge des bezeichneten Feldes um den Faktor zehn. Zum Kürzen werden die rechten Ziffern beider Werte getrennt abgeschnitten. Aus dem Lehrbeispiel ergeben sich folgende Referenzen:
| Ziffern je Wert | Referenz | Seitenlänge des Rasterfeldes |
|---|---|---|
| 5 | 15S WC 80817 51205 | 1 Meter |
| 4 | 15S WC 8081 5120 | 10 Meter |
| 3 | 15S WC 808 512 | 100 Meter |
| 2 | 15S WC 80 51 | 1 Kilometer |
| 1 | 15S WC 8 5 | 10 Kilometer |
Es wird nicht gerundet. Der Ostwert 80.817 Meter liegt im Kilometerfeld, das bei 80.000 Metern beginnt. Runden auf 81 Kilometer würde ein benachbartes Feld auswählen. Ebenso falsch wäre es, einfach die letzten Ziffern der gesamten zusammengezogenen Referenz zu löschen: Damit würde nur der Nordwert verkürzt, während der Ostwert seine Länge behielte.
Eine Referenz mit fünf Ziffern je Wert bezeichnet ein Ein-Meter-Feld; sie belegt keine Standortbestimmung auf einen Meter. Ist die eigene Position beispielsweise nur innerhalb von etwa 200 Metern geschätzt, kann sie außerhalb dieses kleinen Feldes liegen. Zusätzliche Ziffern bezeichnen lediglich ein kleineres Rasterfeld. In einer tatsächlich möglichen Meldung gehören deshalb die Herkunft und die erkennbare Unsicherheit der Position dazu. Wer nur das grobe Gebiet kennt, meldet dieses Gebiet als Schätzung, statt einen scheinbar exakt bestimmten Standort zu erzeugen.
Format und geodätischer Bezug
MGRS ist die Schreibweise der Referenz. Das geodätische Datum, etwa WGS 84, legt den zugrunde liegenden Erdbezug fest. Karte, Gerät und Empfänger müssen dieselbe Position im passenden Bezug interpretieren. Ein Datumswechsel kann sowohl die Zahlen als auch die Buchstaben des 100-Kilometer-Quadrats verändern. Eine alte Referenz wird deshalb nicht dadurch umgerechnet, dass man lediglich eine andere Datumsbezeichnung daneben schreibt. Bei unbekanntem Bezug wird die Karten- oder Geräteeinstellung zusammen mit der Angabe festgehalten.
Auch die Bedeutung einzelner Buchstaben hängt vom Format ab. Das S in der MGRS-Zonenkennung 15S steht für das Band zwischen 32 und 40 Grad nördlicher Breite. Es bedeutet hier nicht „Südhalbkugel“. Manche numerischen UTM-Darstellungen verwenden dagegen N oder S als Hemisphärenangabe. Diese Verwechslung kann einen Ort auf der falschen Erdhalbkugel ergeben. In den Polarregionen beruht MGRS auf UPS: Die UTM-Zonennummer entfällt, am Anfang stehen A oder B im Süden beziehungsweise Y oder Z im Norden. Eine vollständige polare Referenz wird daher nicht um eine vermeintlich fehlende Zonennummer ergänzt.
Die Referenz in einer PR-Positionsmeldung
Ist eine Verbindung zu einer tatsächlich vorhandenen Gegenstelle möglich und MGRS als Format vereinbart, wird die geprüfte Referenz mit ihrem Bezug übermittelt. Die Gegenstelle muss unterscheiden können, ob sie einen aktuellen Standort, den letzten bestätigten Ort oder eine geplante Aufnahmestelle erhält. Der Zeitpunkt und die Methode der Standortbestimmung sowie eine erkennbare Schätzunsicherheit erklären, welchen Raum sie überprüfen muss. Ein früherer Ort mit inzwischen zurückgelegter Strecke darf dabei nicht wie eine frisch bestimmte Position behandelt werden.
Im Lehrbeispiel lautet die auf 100 Meter gekürzte Referenz 15S WC 808 512. Zu ihrer Interpretation gehören WGS 84 und die Information, wie und wann der Standort bestimmt wurde. Wird eine Angabe zurückgelesen, lassen sich Zonenkennung, Quadrat, Ostwert und Nordwert einzeln mit der eigenen Aufzeichnung vergleichen. Ein vertauschtes Zahlenpaar oder ein verlorener Vorsatz fällt so auf, bevor beide Seiten mit unterschiedlichen Orten weiterarbeiten.
Eine ungeschützte Meldung mit vollständiger Referenz kann auch einem mithörenden Gegner den Ort nennen. Der verwendete Kommunikationsweg und der Schutz der Positionsinformation gehören deshalb zur vorbereiteten PR-Kommunikation. Die Koordinate beantwortet die Ortsfrage; die Identität des Meldenden wird über die dafür vorbereitete Authentifizierung geprüft.