Wiki · Begriffserklärung

Code of Conduct

Der Code of Conduct (CoC) der US-Streitkräfte ist ein Verhaltenskodex für ihre Angehörigen, insbesondere im Kampf und in Gefangenschaft. Seine sechs Artikel behandeln Loyalität, freiwillige Aufgabe, Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung, Verantwortung für Mitgefangene und den Schutz von Informationen. Im SERE-Zusammenhang bildet er einen amerikanischen Verhaltensrahmen.

Die sechs Artikel und ihr Inhalt

Inhalt des amerikanischen Code of Conduct
Nr.Kernaussage
IBindung an die Vereinigten Staaten und ihre Lebensweise sowie die Bereitschaft, für deren Verteidigung auch das eigene Leben zu geben.
IIKeine freiwillige Aufgabe an den Gegner. Ein Vorgesetzter darf unterstellte Kräfte nicht übergeben, solange sie noch Widerstand leisten können.
IIIAuch in Gefangenschaft Widerstand fortsetzen, sich um Flucht bemühen und andere dabei unterstützen. Keine Ehrenwortvereinbarungen oder besonderen Vergünstigungen vom Gegner annehmen.
IVMitgefangenen treu bleiben und ihnen weder durch Informationen noch durch eigenes Handeln schaden. Als Ranghöchster die Führung übernehmen; andernfalls rechtmäßige Befehle der eingesetzten Führung befolgen.
VBei Befragung Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum angeben. Weitere Fragen nach besten Möglichkeiten umgehen und keine den USA oder ihren Verbündeten schadenden mündlichen oder schriftlichen Erklärungen abgeben.
VIDie amerikanische Identität, die persönliche Verantwortung und die Bindung an die Freiheitsgrundsätze der USA bewahren. Der Artikel nennt ausdrücklich Vertrauen in Gott und die Vereinigten Staaten.

Freiwillige Aufgabe und Gefangennahme

Artikel II richtet sich gegen die freiwillige Aufgabe. Die amerikanische Auslegung unterscheidet davon eine Gefangennahme, bei der keine Widerstandsmöglichkeit mehr besteht, Ausweichen unmöglich ist und weiteres Kämpfen aussichtslos wäre. Eine durch Übermacht und die Aussichtslosigkeit weiterer Gegenwehr erzwungene Gefangennahme wird nicht als entehrend eingeordnet.

Nach der Gefangennahme setzen die Artikel III bis V bei anderen Gefahren an: Der Gegner kann Informationen gewinnen, die Gefangenen für Propaganda nutzen oder den Zusammenhalt ihrer Gruppe untergraben wollen. Widerstand bedeutet in diesem Zusammenhang, dieser Ausnutzung entgegenzuwirken und die Verantwortung für sich und andere Gefangene weiter wahrzunehmen.

Verantwortung in der Gefangenengruppe

Artikel IV schützt den Zusammenhalt der Mitgefangenen. Dazu gehören eine tragfähige Führung, gegenseitige Unterstützung sowie die Sorge für Kranke und Verwundete. Informationen über Kameraden können dem Gegner helfen, Personen mit besonderem Wissen auszuwählen; der Schutz solcher Informationen betrifft deshalb nicht nur die eigene Person.

Bei einer Fluchtgelegenheit muss das Wohlergehen der Zurückbleibenden berücksichtigt werden. Besondere Vorteile auf Kosten anderer Gefangener widersprechen dem Verhaltensrahmen. Eine Ehrenwortvereinbarung kann beispielsweise die Zusage enthalten, im Austausch für Erleichterungen nicht zu fliehen oder nicht wieder Waffen zu tragen.

Informationsschutz bei Befragungen

Die vier Angaben in Artikel V sind keine Aufforderung zu einem vollständigen Gesprächsverbot. In der amerikanischen Auslegung können das Ausfüllen einer Erfassungskarte, Briefe nach Hause und Gespräche über Gesundheit und Wohlergehen zulässig sein. Der ranghöchste Gefangene vertritt die Gruppe außerdem bei Anliegen zu Versorgung, Unterbringung und Beschwerden.

Der Schutz richtet sich besonders gegen militärische Informationsgewinnung und gegen Aussagen oder Auftritte, die der Gegner für seine Zwecke ausnutzen kann. Die Auslegung erkennt zugleich an, dass körperlicher und psychischer Zwang teilweise Gefügigkeit erzwingen kann. Nach erzwungener Gefügigkeit soll der Widerstand gegen weitere Ausnutzung wieder aufgenommen werden.

Bedeutung für SERE und nationaler Rahmen

Der Code gehört zur amerikanischen Vorbereitung auf Isolation und Gefangenschaft. SERE-Ausbildung verbindet diese Verhaltensgrundsätze mit den Aufgaben, Gefangennahme zu vermeiden, unter feindlichem Gewahrsam handlungsfähig zu bleiben und zur Rückkehr beizutragen. Der Verhaltensrahmen betrifft dabei auch US-Soldaten in anderen Formen feindlichen Gewahrsams, etwa Geisellagen.

Der Code ist ein moralischer Verhaltensmaßstab und kein eigenständiger Straftatenkatalog. Ein Verhalten kann zugleich gegen den Uniform Code of Military Justice (UCMJ) verstoßen und dadurch disziplinarische Folgen haben; ein Abweichen vom Code ist aber nicht schon für sich automatisch eine Straftat.