Wiki · Begriffserklärung

Countertracking

Countertracking bezeichnet das Vermindern und Verschleiern eigener Spuren sowie das Ablenken von Verfolgern durch irreführende Spuren. Während militärischer Evasion, dem Ausweichen vor Gefangennahme, soll die tatsächliche Bewegung dadurch schwerer rekonstruierbar werden oder eine falsche Richtungsdeutung entstehen. Der englische Begriff gehört zum US-militärischen Fachwortschatz.

Spurenverminderung: den Kontakt mit dem Untergrund begrenzen

Ein Fußabdruck entsteht, wenn die Sohle den Untergrund eindrückt oder dessen Oberfläche verändert. Feste, tragfähige Trittstellen können die Vertiefung begrenzen. Wird der Fuß ohne Schleifen und seitliches Rutschen aufgesetzt, entstehen weniger zusätzliche Schürf- und Verschiebespuren. Dazu gehört, Bodenstreu, kleine Steine und liegendes Holz möglichst in ihrer Lage zu belassen: Eine umgedrehte, feuchtere Steinunterseite kann einen Farbunterschied zeigen, auch wenn kein Sohlenprofil zurückbleibt.

Die Oberfläche muss tatsächlich nach ihren Eigenschaften beurteilt werden. Auf einem festen Felsen kann Moos durch Sohle oder Hand abgerieben werden; auf einem morschen Baumstamm kann sich ein Abdruck bilden. Bei der Wahl einer Trittstelle zählen deshalb Tragfähigkeit, lose Auflage und Bewuchs gemeinsam.

Vegetationskontakt: zurückstellen statt beschädigen

Im Bewuchs lässt sich die Spurentstehung durch begrenzten Kontakt vermindern. Ein Gehstock kann Pflanzen zur Seite drücken und anschließend in ihre ursprüngliche Stellung zurückführen, statt Zweige, Blätter oder Gras abzubrechen. Gebrochene Teile bleiben als veränderte Form zurück. Bei Blättern mit hellerer Unterseite erzeugt auch ein verdrehtes Blatt einen Farbkontrast; ein solcher Streifen kann im dichten Bewuchs eher auffallen als eine einzelne Bodenvertiefung.

Das Festhalten an kleinen Bäumen und Sträuchern kann Rinde abschürfen und den Bewuchs sichtbar bewegen. Bei schneebedeckter Vegetation kann der Kontakt Schnee abschütteln, sodass eine Folge schneefreier Stellen den Verlauf hervorhebt. Spurenverminderung betrifft daher auch Hände, Oberkörper und Ausrüstung.

Spurenverschleierung: ein vorhandenes Zeichen maskieren

Das Überdecken eines Abdrucks mit Laub, Erde oder Reisig verändert seine sichtbare Form. Die offen liegende Sohlenzeichnung wird verdeckt. Zugleich kann die bewegte Streu selbst zum Zeichen werden: Feuchte Blätter verändern ihre sichtbare Farbe, verdrehte Blätter zeigen andere Flächen, und eine ungleich verteilte Auflage hebt sich von ihrer Umgebung ab. Bei der Beurteilung zählt deshalb die gesamte veränderte Kontaktstelle, einschließlich Farbe und Materialverteilung.

Auch Beleuchtung wirkt auf die Erkennbarkeit. Abdrücke im Schatten von Bewuchs oder liegendem Holz können weniger deutlich hervortreten. Ihre Materialform bleibt dabei bestehen. Wandert der Schatten mit der Sonne, ändern sich die beleuchteten Kanten und Flächen des Abdrucks.

Fährtentäuschung: eine falsche Bewegungsrichtung nahelegen

Eine Fährtentäuschung soll einen Verfolger dazu bringen, aus den wahrgenommenen Zeichen einen falschen Bewegungsverlauf abzuleiten. Ein Beispiel ist Rückwärtsgehen: Die Zehenenden der Sohlenabdrücke weisen entgegen dem tatsächlichen Fortschreiten. Liest ein Verfolger diese Orientierung als Vorwärtsbewegung, erhält er eine falsche Richtungsinformation.

Die Bewegung verändert zugleich andere Merkmale. Im nachgiebigen Untergrund kann sich die Ferse stärker als der Fußballen abzeichnen; die Schrittabstände sind beim beschriebenen Rückwärtsgehen kürzer. Solche Merkmale können die abweichende Entstehung der Spur erkennen lassen.

Hinzu kommen Zeichen neben den Abdrücken. Gebogene Zweige und niedergetretenes Gras können die tatsächliche Bewegungsrichtung anzeigen; weitere Kontaktstellen setzen den Verlauf fort. Eine Richtungsdeutung aus einem einzelnen Sohlenbild kann dadurch mit der umgebenden Spur in Widerspruch geraten. Fährtentäuschung richtet sich also auf eine bestimmte Auslegung der Zeichen, während ein Spurensucher auch deren Zusammenhang auswerten kann.

Sichtbare Spur und Geruchsinformation

Im US-militärischen Begriffsgebrauch wertet Visual Tracking die sichtbaren Zeichen auf Boden und Vegetation aus. Scent Tracking folgt dagegen den Gerüchen, die eine Person abgibt. Ein überdecktes Sohlenprofil verändert den sichtbaren Informationsträger; die Geruchsabgabe der Person ist ein anderer Vorgang.

Dasselbe gilt für die falsche Sohlenrichtung: Ihre Täuschungswirkung setzt beim optischen Lesen des Abdrucks an. Bei geruchsbasierter Verfolgung stammt die Information aus der Person und ihrer tatsächlichen Passage.

Die Spur bis zum Versteck

Während Evasion ist der Zugang zu einem Hide Site, einem verdeckten Aufenthaltsplatz, besonders bedeutsam. Eine Folge von Abdrücken, verschobener Streu und beschädigtem Bewuchs kann den Bewegungsverlauf bis dorthin nachvollziehbar machen. Wiederholte örtliche Bewegung kann einen erkennbaren Zugangspfad ausprägen.

Deshalb werden für Ein- und Ausgänge vorhandene Bewuchs- und Geländestrukturen genutzt, die möglichst wenig verändert werden müssen. Auch die Vorbereitung des Aufenthaltsplatzes bleibt gering. Der Sichtschutz des Platzes und die Spur an seinem Zugang werden gemeinsam beurteilt: Die Verdeckung des Körpers erfüllt eine andere Aufgabe als das Begrenzen der Hinweise, die jemanden bis zu diesem Körper führen.