Wiki · Begriffserklärung

Escape

Escape bezeichnet im militärischen SERE-Kontext das Entkommen aus bereits eingetretener gegnerischer Gefangenschaft. Ziel ist, die Kontrolle des Festhalters zu verlassen und die Rückkehr unter eigene oder befreundete Kontrolle wieder möglich zu machen. Die entkommene Person kann weiterhin isoliert sein, mit wenigen verbliebenen Mitteln, gegnerischer Bedrohung und ohne verlässlich erreichbare Unterstützung.

Flucht aus Gefangenschaft

In Gefangenschaft bestimmt der Festhalter, wo sich die Person aufhalten darf und welche Bewegungen oder Mittel ihr zugänglich bleiben. Für die Vorbereitung zählt deshalb neben einer nutzbaren Gelegenheit die Lage nach dem Entkommen: Welche Bewegung lässt der eigene Zustand zu, welche Mittel bleiben tatsächlich verfügbar und wie kann erneute Gefangennahme vermieden werden? Eine vor der Gefangennahme mitgeführte Karte, ein Funkgerät oder Vorräte dürfen dabei nicht als weiterhin vorhanden behandelt werden.

Resistance schützt die Person und ihre Mitgefangenen vor gegnerischer Ausnutzung, etwa durch die Preisgabe militärischer Informationen oder schädigende Aussagen über Kameraden. Nach dem Entkommen kann erneut Evasion nötig werden, um einer Wiederergreifung zu entgehen und mit den verbliebenen Mitteln weiterzukommen. Im englischen militärischen Sprachgebrauch bezeichnet Escapee eine Person, die vom Gegner physisch gefangen genommen wurde und sich befreien konnte.

US-Verhaltensrahmen und Mitgefangene

Für Angehörige der US-Streitkräfte verbindet der Code of Conduct Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung mit dem Bemühen um eigenes Entkommen und der Unterstützung anderer Gefangener beim Entkommen. In gemeinsamer Kriegsgefangenschaft bereiten sich Gefangene unter Anleitung und Aufsicht des ranghöchsten militärischen Gefangenen auf nutzbare Fluchtgelegenheiten vor. Bei einem Versuch muss auch das Wohlergehen derjenigen berücksichtigt werden, die zurückbleiben.

Führung, Versorgung der Kranken und Verwundeten sowie der Schutz von Mitgefangenen vor schädigenden Informationen gehören weiterhin zu ihren Pflichten. Wer die Gruppe verlässt, verändert ihre verbleibenden Möglichkeiten, diese Aufgaben zu erfüllen.

Der US-Verhaltensrahmen untersagt außerdem die Annahme von Ehrenwortvereinbarungen, englisch Parole, und besonderen Vergünstigungen vom Gegner. Eine solche Vereinbarung kann Freilassung oder gelockerte Beschränkungen daran binden, künftig keine Waffen zu tragen; eine Vergünstigung kann auch für das Versprechen angeboten werden, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Für die gefangene Person betrifft das unmittelbar ihre spätere Bewegungs- und Handlungsfreiheit. Der Code ist ein nationaler militärischer Verhaltensrahmen; strafbare Handlungen werden im US-Militärrecht gesondert bestimmt.

Britische Pflicht zu zumutbaren Schritten

Das britische Militärrecht verlangt von einer vom Feind gefangen genommenen Person, die dem Dienstrecht unterliegt, Rückkehrschritte, die sie kennt und die vernünftigerweise von ihr erwartet werden können. Unterlässt sie solche Schritte ohne rechtlich anerkannten Entschuldigungsgrund, begeht sie eine Straftat. Ebenso strafbar ist es, einen anderen gefangenen Dienstrechtsangehörigen ohne einen solchen Entschuldigungsgrund absichtlich an zumutbaren Rückkehrschritten zu hindern oder ihn davon abzubringen.

Fluchtversuch und Kriegsgefangenenrecht

Für Kriegsgefangene unterscheidet das internationale Recht zwischen einem noch nicht erfolgreich abgeschlossenen Versuch und einer gelungenen Flucht. Als gelungen gilt sie, wenn sich die Person den eigenen oder verbündeten Streitkräften angeschlossen hat, das von der Gewahrsamsmacht oder deren Verbündeten kontrollierte Gebiet verlassen hat oder an Bord eines Schiffs mit eigener beziehungsweise verbündeter Flagge in den Hoheitsgewässern der Gewahrsamsmacht gelangt ist, das nicht unter deren Kontrolle steht. Wer anschließend erneut gefangen genommen wird, darf wegen dieser früheren gelungenen Flucht nicht bestraft werden. Das bloße Verlassen des Festhalteorts kann also bereits Escape sein, während diese rechtliche Erfolgsschwelle noch nicht erreicht ist.

Ein erfolgloser Fluchtversuch darf für sich nur disziplinarisch bestraft werden, auch bei Wiederholung. Das gilt ebenfalls für Hilfe bei einer Flucht oder einem Fluchtversuch. Für Handlungen, die ausschließlich eine Flucht erleichtern sollen und keine Gewalt gegen Leib oder Leben enthalten, sieht dieser Rahmen ebenfalls nur Disziplinarstrafen vor. Gewalt gegen Menschen fällt damit nicht unter dieselbe Beschränkung. Bewaffnete Bewachung bleibt eine unmittelbare Gefahr: Der Waffengebrauch gegen Kriegsgefangene, insbesondere bei Flucht oder Fluchtversuch, darf nur als äußerstes Mittel und nach den Umständen angemessenen Warnungen erfolgen.

Nach dem Entkommen

Nach dem Verlassen des Gewahrsams muss die Person ihre neue Lage erfassen: eigene Verletzungen und Beweglichkeit, tatsächlich verbliebene Ausrüstung, Standort und gegnerische Bedrohung. Verbergen schafft Gelegenheit, diese Prüfung vorzunehmen und die Umgebung zu beobachten. Weitere Bewegung führt möglichst zwischen verdeckten Bereichen; vor dem Verlassen eines solchen Bereichs sind Beobachtung und die Prüfung des nächsten Abschnitts erforderlich. Erschöpfung, fehlende Ausrüstung und die Gefahr erneuter Ergreifung bestimmen, welche Weiterbewegung überhaupt möglich ist.

Ein noch verfügbares Kommunikationsmittel kann eine Rückführung unterstützen, wenn eine benutzbare Verbindung besteht. Ein Sichtsignal oder ein anderes Zeichen hilft bei der Ortung, wenn es von geeigneten Kräften erkannt wird, die die Person tatsächlich erreichen können. Eine Aussendung oder ein Signal kann zugleich den eigenen Standort dem Gegner verraten. Vor der Nutzung sind deshalb die Möglichkeit, eigene Kräfte zu erreichen, und die Gefahr gegnerischer Wahrnehmung gegeneinander abzuwägen. Vorbereitete Angaben zur Identität und zu Evasion-Absichten können den Abgleich unterstützen; eine ursprüngliche Bewegungsabsicht ersetzt nach der Gefangenschaft keine aktuelle Standortangabe. Auch bei Kontakt bleibt die Person außerhalb der Obhut eigener oder befreundeter Kräfte, bis sie tatsächlich aufgenommen wird oder selbst Anschluss an diese Kräfte gewinnt.

In der US-SERE-Langform steht das letzte E für Escape. Die NATO verwendet Extraction und schließt dennoch die Vorbereitung auf Widerstand und Entkommen nach Gefangennahme ein. Extraction rückt die tatsächliche Aufnahme und Rückführung in den Vordergrund.