Wiki · Begriffserklärung

FÖS

FÖS steht für Försvarsmaktens överlevnadsskola, die streitkräftegemeinsame Überlebensschule der schwedischen Streitkräfte bei K 3 in Karlsborg. Sie entwickelt und vermittelt SERE und Personnel Recovery. Ihr Auftrag verbindet die Vorbereitung einer möglicherweise isolierten Person mit der Ausbildung von Stäben und Verbänden: Der Einzelne muss unter Bedrohung handlungsfähig bleiben, während die militärische Organisation eine mögliche Rückführung vorbereitet, führt und nachbereitet.

Nationaler Auftrag und Zielgruppen

Die Schule verwendet SERE für Survival, Evasion, Resistance und Extraction: Überleben, Entgehen gegnerischer Erfassung, Verhalten in Gefangenschaft und Herausführen aus der Isolationslage. Damit reicht die Vorbereitung bis zu den eigenen Aufgaben bei der Aufnahme durch eine Rückführungskraft. Personnel Recovery umfasst auf der Seite der Organisation die Befreiung oder Bergung unfreiwillig isolierten Personals und dessen Wiedereingliederung. FÖS ist am Livregementets husarer, dem Regiment K 3, beheimatet; der Ausbildungsauftrag gilt über dessen eigene Soldaten hinaus.

Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Teilen der schwedischen Streitkräfte. Ein großer Teil wird für eine Stationierung im Ausland oder eine Bereitschaftsaufgabe vorbereitet. Die benötigte SERE-Stufe richtet sich dabei nach der vorgesehenen Verwendung. Eine Person, die nach einem Zwischenfall mit wenig Ausrüstung verborgen warten oder weitergehen muss, benötigt eigene Überlebens- und Evasionfähigkeiten. Ein Stabsangehöriger in einer PR-Funktion muss dagegen auch verstehen, wie die Einheit diese Person sucht, ihre Identität prüft und verfügbare Mittel für eine Aufnahme zusammenführt.

Vorbereitung auf die eigenen Aufgaben in Isolation

Die schwedische Isolationsvorbereitung beginnt bei der Entscheidung, ob der Ort des Zwischenfalls noch vertretbar ist. Ein Fahrzeug kann Ausrüstung und Schutz bieten, zugleich aber die Aufmerksamkeit auf den Aufenthaltsort lenken. Bei ausreichender Sicherheit bleibt die Person dort; bei notwendigem Ortswechsel nimmt sie die Notausrüstung in ein geschütztes Versteck mit. Sie bestimmt ihre Position, ordnet die vorhandenen Mittel und prüft, wie Verletzungen, Wasserbedarf und die Bedrohung ihre nächsten Schritte begrenzen.

Im Versteck gehören Tarnung und Beobachtung mit der weiteren Planung zusammen. Die Person wiederholt ihre vorbereitete Route und die vereinbarten Verfahren, legt Bewegungszeiten und einen Ausweg bei Entdeckung fest und hält sich für einen möglichen Weg zum Aufnahmepunkt bereit. Ein vorher ausgefüllter ISOPREP enthält Angaben zur späteren Identitätsprüfung; die Routeplan hält die geplante Bewegung fest. Diese Vorbereitung ist auch bei einem ausgefallenen Funkgerät nützlich: Sie gibt der eigenen Bewegung eine Richtung, an der die Such- und Rückführungsplanung bereits vor der Isolation ansetzen konnte.

Für verdeckte Bewegung verwendet Schweden unter anderem SOLO: Stanna, Observera, Lyssna, Ofta – anhalten, beobachten, hören, häufig. Die Person bewegt sich in kurzen Abschnitten zwischen Schutz und Sichtdeckung und hält wiederholt an, um das nächste Gelände abzusuchen und Geräusche wahrzunehmen. In diesen Pausen kann sie ihre Aufmerksamkeit auf die Umgebung richten, bevor sie sich dem nächsten Abschnitt aussetzt. Eine Straße wird zunächst aus einer geschützten Position beobachtet; der Übergang soll möglichst wenig einsehbar sein. Solche Aufgaben verbinden den Erhalt der eigenen Handlungsfähigkeit mit der Vermeidung von Gefangennahme.

Zur Vorbereitung der Aufnahme gehören geordnete Ausrüstung, erreichbare Signalmittel und die Bereitschaft, aus dem Versteck zum vereinbarten Treffpunkt zu gelangen. Die Person bereitet vorhandenen Funk und ihre Identifizierung vor. Erscheint eine Rückführungskraft, muss sie diese sicher erkennen können, bevor sie die vereinbarten PR-Signale verwendet. Ein verfrühtes sichtbares Signal kann das Versteck verraten, während die vermeintliche Hilfe noch nicht als eigene Kraft erkannt ist.

Gefangenschaft und Verantwortung in der Ausbildung

Resistance behandelt den Verlust der äußeren Bewegungsfreiheit und den Versuch der Gefangennehmer, die Person auszunutzen. Im schwedischen Verhaltensrahmen gehören die Einschätzung des tatsächlichen Umgangs der Gefangennehmer, der Schutz von Informationen und das Vermeiden einer Eskalation mit erhöhter Gewalt- und Todesgefahr zusammen. Für den Umgang mit rechtswidriger Gewalt wird das kontrollierte Geben von Informationen als eigenes Verfahren behandelt. Die Person soll Würde und Selbstachtung bewahren, trotz fremder körperlicher Kontrolle die geistige Kontrolle erhalten und einen Fluchtversuch nur bei einer realen Erfolgschance beginnen.

Schwedische Resistanceübungen unterliegen einem gesonderten Regelungsmodell. Wird eine Person in der Übung ihrer Freiheit beraubt und mit Handfesseln oder Augenbinde in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt, gelten die Resistancebestimmungen unabhängig von der Bezeichnung der Übung. K 3/FÖS gibt die Ausbildungsanweisungen für A und B heraus; die C-Resistanceübung wird ausschließlich durch K 3/FÖS durchgeführt. Der Übungsleiter muss SERE-Instruktor sein und die entsprechende B- oder C-Übung als Teilnehmer oder Mitglied der Übungsleitung absolviert haben. Behandlung, die körperliche oder psychische Schäden verursachen kann, ist verboten. Ein Abbruch nach Rücksprache mit dem Übungsleiter muss unter Wahrung der persönlichen Integrität möglich sein. Für Ausbilder bedeutet das eine konkrete Zuständigkeit und Schutzpflicht bei Gefangenschaftsszenarien.

PR-Ausbildung für Stäbe und Verbände

Der PR-Auftrag von FÖS betrifft auch die taktischen Stäbe der einzelnen Teilstreitkräfte und die gemeinsame operative Ebene. Dort müssen Zuständigkeiten, Vorbereitung und Führung von Rückführungen in die übrige Operationsplanung eingebunden und mit den Verbänden geübt werden. Eine isolierte Person kann sich an eine vorbereitete Route und vereinbarte Signale halten; der Stab muss dieselben Verfahren kennen und die tatsächlich verfügbaren Kräfte, Verbindungsmittel und Bedingungen im Einsatzgebiet berücksichtigen.

Ein konkreter nationaler Ausbildungsweg ist der Hemvärns Personnel Recovery Officerskurs, kurz Hv PR-O, unter Kursverantwortung von FÖS/K 3. Er bereitet Stabsangehörige der schwedischen Heimwehr auf PR-Aufgaben vor, etwa als PR Officer auf Bataillons- oder Kompanieebene. Sein Planungsanteil umfasst Operationsbefehle, PR-Verfahrensanweisungen und besondere Einsatzanweisungen, die Anpassung der Ressourcen an das Operationsgebiet sowie die Verteilung von Aufgaben zwischen Stabsbereichen und höheren PR-Koordinierungselementen.

Der Durchführungsanteil führt durch Melden, Lokalisieren, Unterstützen, Rückführen und Wiedereingliedern. Meldevorlagen helfen, die Lage für die Bearbeitung im Stab zu ordnen. Routeplan und ISOPREP gehören zur Vorbereitung der Ortung und Identifizierung; Kommunikation und Lageinformationen tragen die Unterstützung. Die Bearbeitung von PR-Lagen im Bataillonsstab und die Unterstützung des Kommandeurs werden mit Planspielen und Anwendungsaufgaben verbunden. Der Ausbildungsanteil zur Wiedereingliederung führt orientierend in die PR-Nachbesprechung ein.

Für den Einzelnen wirken sich diese Stabsaufgaben unmittelbar aus: Verlässt er den vorgesehenen Aufenthaltsbereich, kann eine Suche weiterhin auf den bisherigen Ort ausgerichtet sein. Hält er die vorbereiteten Identitäts- und Aufnahmeverfahren bereit, kann er sich beim tatsächlichen Zusammentreffen verständlich und erkennbar verhalten. Ohne Funk nutzt er vereinbarte Signale erst gegenüber sicher erkannter eigener Hilfe, folgt deren Anweisungen, nimmt eine nicht bedrohliche Haltung ein und holstert seine Waffe. Bis solche Kräfte tatsächlich eintreffen, bleiben Versorgung, Beobachtung und Verbergen seine eigenen Aufgaben.