
SERE-Instruktoren bereiten militärisches Personal darauf vor, nach einer Trennung von der eigenen Truppe handlungsfähig zu bleiben, gegnerischen Kräften auszuweichen, Gefangenschaft zu überstehen und an einer Rückführung mitzuwirken. Der SERE Specialist der US Air Force ist eine eigene militärische Fachverwendung, die Unterricht und operative Personnel-Recovery-Arbeit verbindet. Ausbilder, Fachberater und Darsteller gegnerischer Kräfte erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben: Sie vermitteln Verfahren, bereiten deren Anwendung im Einsatzraum vor oder stellen die Gegenseite in einer kontrollierten Gefangenschaftsausbildung dar.
Qualifizierung und eigene Fachpraxis
Der Ausbildungsgang der US Air Force beginnt mit siebeneinhalb Wochen militärischer Grundausbildung. Es folgt der 15-tägige SERE Specialist Training Orientation Course in Lackland. Hier gehören körperliche Belastbarkeit, verständliches Sprechen, Führung und Zusammenarbeit sowie die Organisation eigener Aufgaben zur Auswahl. Danach führt der SERE Specialist Training Apprentice Course in Fairchild über fünfeinhalb Monate und 17 Ausbildungsphasen in die eigentliche Fachverwendung.
Die angehenden Specialists trainieren in abgelegenen Wald-, Wüsten-, Küsten-, Tropen- und Hochseeumgebungen. Zu ihrer eigenen Praxis gehören SERE-Verfahren, Ersthilfe unter Wildnisbedingungen, die Evakuierung über schwieriges Gelände und Nahkampf. Sie befassen sich damit sowohl mit dem Überleben am Boden oder auf See als auch mit den Problemen eines Verletzten, der sich nur eingeschränkt bewegen kann. Überlebens-, Fallschirm- und Signalmittel müssen sie unter den Bedingungen handhaben können, in denen isoliertes Personal diese tatsächlich einsetzen müsste. Zum Tätigkeitsfeld gehört außerdem die Entwicklungs- und Einsatzprüfung von SERE- und Luftfahrzeugbesatzungs-Ausrüstung.
Für die selbstständige Arbeit auf einem zugewiesenen Dienstposten kommt das Mission Qualification Training hinzu. Im US-Air-Force-Modell umfasst es die Aufgaben der Fachverwendung, des jeweiligen Kommandos und der Einheit. Die zugewiesene Aufgabe darf erst nach dieser Qualifizierung ohne begleitenden Trainer oder zuständigen Aufgabenprüfer ausgeführt werden. Der Fachlehrgang und die anschließende Vorbereitung auf einen konkreten Auftrag bilden dadurch zwei verschiedene Teile der Qualifizierung.
Bei der britischen Defence SERE Training Organisation werden ebenfalls fachliche und allgemeine Ausbilderqualifikationen getrennt benannt. Für ein Instructor-Mentor-Aufgabenprofil stehen etwa Defence Trainer und SERE Practical Resistance Instructor nebeneinander. Die Arbeit umfasst theoretische und praktische SERE-Ausbildung auf zugewiesenen Lehrgängen, den Erhalt eigener Fachbefähigungen und die Weiterentwicklung anderer Instruktoren. Maritime Überlebensausbildung, Evasion und praktische Resistance haben jeweils eigene fachliche Anforderungen; ein Mentor betreut einen bestimmten Bereich der Organisation.
Für die kanadische Funktion Conduct after Capture Instructor ist ein eigener Auswahl- und Qualifizierungsweg vorgesehen. Freiwillige aus den Streitkräften werden auf Reife, Selbstdisziplin, emotionale Kontrolle und glaubwürdige Darstellung verschiedener Rollen ausgewählt. Nach erfolgreicher Auswahl sind ein Einführungslehrgang und die eigentliche CACI-Fachausbildung vorgesehen. Zum Erhalt der Qualifikation gehört anschließend die fortlaufende Mitarbeit an der Gefangenschaftsausbildung. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Verhalten in Gefangenschaft und dem kontrollierten Darstellen einer Gegenseite unter Belastung.
Ausbilder und Resistance-Rollendarsteller
Zum praktischen Aufgabenbild eines deutschen SERE-Instruktors können das Befreien aus Fesseln, das Überwinden von Schlössern, Notunterkünfte, provisorische Kleidung sowie die Zubereitung und Konservierung von Nahrung gehören. Damit bereitet er darauf vor, eine Flucht fortzusetzen oder mit verbliebenem Material zu überleben. Kälteschutz muss sich aus den verfügbaren Mitteln herstellen lassen, und Nahrung muss unterwegs nutzbar bleiben; nach eigenem Entkommen kann weitere Evasion nötig sein, bis die Person eigene Kräfte erreicht. Dazu kommt die Beratung zum Schutz der eigenen Person und relevanter Informationen bei einer Gefangennahme. Diese Aufgaben verlangen praktische Fachkenntnisse in Überleben, Flucht und dem Schutz vor gegnerischer Ausnutzung.
In einem australischen Conduct-after-Capture-Modell übernehmen qualifizierte Resistance-Trainer die Rollen gegnerischer Kräfte. Die Szenarien unterscheiden die Inhaftierung durch eine fremde Regierung, eine Geiselnahme und militärische Ausnutzung. Eine fremde Regierung kann Personal auch außerhalb eines bewaffneten Konflikts festhalten. Die Gegenrollen verkörpern dabei etwa staatliche Grenzschutz-, Polizei- oder Nachrichtendienstangehörige, Mitglieder einer terroristischen oder kriminellen Organisation oder Personal einer fremden Streitkraft. Die Person übt ihr Verhalten gegenüber der jeweiligen Gewahrsamsmacht, einschließlich des Widerstands gegen Befragung und Ausnutzung. Im militärischen Szenario kann die Gegenseite sowohl die Genfer Konventionen beachten als auch gegen sie verstoßen.
Der Rollendarsteller führt innerhalb des Übungsrahmens das Verhalten der Gegenseite aus. Er braucht dazu die Glaubwürdigkeit und Selbstkontrolle, die auch die kanadische CACI-Auswahl verlangt. Das australische Modell trennt diese Rolle von den Personen, die das Geschehen beobachten und kontrollieren. Übungsleitung, neutrale Beobachter sowie medizinisches und psychologisches Personal verfolgen die Ausbildung. Medizinisches und psychologisches Personal kann einen Teilnehmer herausnehmen; das Sicherheitspersonal der Aktivität kann die Durchführung stoppen.
Wie Facharbeit eine Besatzung auf Isolation vorbereitet
Wie diese Facharbeit im Einsatz zusammenkommt, zeigt die Vorbereitung einer Luftfahrzeugbesatzung nach einem US-amerikanischen Modell. Der SERE Specialist arbeitet mit Nachrichtendienst- und Taktikpersonal zusammen. Vor dem Auftrag beurteilen sie mögliche gegnerische Kräfte und deren erwartetes Verhalten, die Überlebensbedingungen im Einsatzraum und die verfügbaren Rückführungskräfte. Außerdem berücksichtigen sie die vorgesehenen Kommunikations- und Authentifizierungsverfahren. Auf dieser Grundlage wird die Besatzung für den Einsatzraum gebrieft, ihre persönliche Überlebensausrüstung angepasst und ihr eigenes Verhalten nach einer möglichen Isolation vorbereitet.
Für die Besatzung muss dabei beispielsweise geklärt werden, welche Ausstattung nach dem Verlassen des Luftfahrzeugs noch nutzbar ist, welche Umgebungsgefahren Überleben und Bewegung begrenzen und welche Ausweichpläne zu den vorgesehenen Rückführungsoptionen passen. Schutz, Versorgung und Ausweichen werden mit dem tatsächlich mitgeführten Material geübt. Beim Signalisieren muss der Teilnehmer den vorgesehenen Empfänger erreichen können und zugleich beurteilen, wer die Aussendung oder das sichtbare Signal ebenfalls wahrnehmen kann. Davon hängt ab, wie weit er seine Verdeckung dafür aufgibt.
Ein Evasion Plan of Action macht beabsichtigte Ausweichbewegungen für die Rückführungsplanung verfügbar. Der ISOPREP unterstützt die formale Identifizierung und Authentifizierung der Person. Bei einer tatsächlichen Isolation muss ein möglicher Kontakt zusätzlich den aktuellen Aufenthaltsort und Zustand erfassen. Hat sich die Person wegen einer Verletzung, verlorener Ausrüstung oder gegnerischer Bewegung anders verhalten als geplant, müssen die Rückführungskräfte diese Veränderung kennen, sobald eine Verbindung zustande kommt. Die vorbereitete Absicht dient der Planung; die aktuelle Lage bestimmt, was noch durchführbar ist.
Nach einer Notlandung kann die Besatzung jedoch ohne Verbindung und mit deutlich weniger Material als zuvor dastehen. Dann müssen die einzelnen Personen zunächst selbst für Schutz und Versorgung sorgen und dem Gegner ausweichen. Eine Verletzung kann eine geplante Strecke unpassierbar machen; fehlender Kälteschutz kann eine lange Ruhephase verhindern; erkannte gegnerische Kräfte können den vorgesehenen Kontaktort unbrauchbar machen. Der Specialist geht solche Änderungen mit der Besatzung in der Vorbereitung durch. Die Teilnehmer üben, ihre verbliebenen Mittel zu nutzen, Bewegung und Ruhe am körperlichen Zustand auszurichten und gegnerischer Beobachtung auszuweichen. Für Funk- oder Sichtkontakt braucht die Person ein noch funktionsfähiges Mittel und einen erreichbaren Empfänger. Eine tatsächliche Aufnahme hängt zusätzlich von verfügbaren Kräften und deren Zugang zum Ort ab.
Die Schnittstelle zu Rückführungskräften
Zur Facharbeit eines deutschen SERE-Instruktors am European Personnel Recovery Centre gehört die Vorbereitung beider Seiten einer Rückführungsübung. Mit Luftfahrzeugbesatzungen werden mögliche Landezonen und örtliche Bedingungen besprochen. Gleichzeitig erhalten die Darsteller isolierter Personen ihren Verhaltensauftrag. So üben die Besatzung und die Person am Boden dieselbe Kontakt- und Aufnahmelage. Gelände, Verhalten am Boden und Zugang des Luftfahrzeugs müssen zusammenpassen, damit aus einer erreichbaren Position auch eine praktisch nutzbare Aufnahme werden kann.
Im US-amerikanischen operativen Unterstützungsmodell wirken Specialists außerdem an der PR-Planung, an Koordinierungsstellen und an der Prüfung vorgesehener Rückführungsräume und Evasion-Korridore mit. Sie verbinden die Kenntnisse über die Lage einer isolierten Person mit den Fähigkeiten der Kräfte. Für eine konkrete Rückführungsentscheidung zählen unter anderem der bestätigte Ort, der Zustand der Person, ihre Authentifizierung, verfügbare Fähigkeiten sowie das Risiko für die Person und die Rückführungskräfte. Fachberatung bereitet diese Entscheidung vor; die Durchführung wird über die zuständigen militärischen Führungsstellen organisiert.
Fachliche Arbeit nach der Rückkehr
SERE Specialists können im US-Modell die Reintegrationsteams beim SERE-Debriefing zurückgeführter Personen unterstützen. Sie arbeiten anhand des tatsächlichen Isolationsverlaufs heraus, auf welche Vorbereitung die Person zurückgreifen konnte, welche Ausrüstung und Verfahren sie genutzt hat und welche Erfahrungen für weitere Aufträge relevant sind. Diese Erkenntnisse können in Einsatzkonzepte und PR-Anweisungen eingehen. Die medizinische und psychologische Betreuung bleibt Teil der dafür vorgesehenen Reintegration und wird von dem entsprechenden Fachpersonal geleistet.
Die anschließende institutionelle Auswertung ist eine eigene Aufgabe. Die Joint Personnel Recovery Agency verarbeitet Debriefing-Transkripte, Berichte und weiteres Material zu getrennten Zusammenfassungen des Ereignisses, der Erfahrungen Einzelner oder einer Gruppe sowie der SERE-Erkenntnisse. Damit kann eine einzelne Rückkehr konkrete Änderungen an Vorbereitung und Verfahren auslösen. Die Verantwortung für die Reintegration liegt bei der jeweiligen Nation; Ausbildung, operative Beratung und Auswertung sind je nach nationalem System auf unterschiedliche Dienstposten und Einrichtungen verteilt.
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