Boden-Luft-Signale sind sichtbare Zeichen, mit denen Personen am Boden einem Luftfahrzeug ihren Standort, eine Notlage oder eine vereinbarte Nachricht anzeigen. Dazu gehören groß ausgelegte Bodenzeichen und andere optische Signalmittel. Der Boden-Luft-Zeichencode für Überlebende überträgt mit wenigen Formen konkrete Aussagen auch ohne Funk. Damit eine Nachricht ankommt, muss die Besatzung das Zeichen vollständig sehen und seine Bedeutung kennen.
Die fünf Bodenzeichen für Überlebende
Der internationale Luftfahrtcode für Überlebende verwendet die folgenden Zeichen. Sie werden als große, flach auf dem Boden liegende Formen hergestellt. Ihre Ausrichtung und vollständige Kontur müssen aus der Luft erkennbar sein.
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| V | Hilfe erforderlich |
| X | Medizinische Hilfe erforderlich |
| N | Nein / negativ |
| Y | Ja / positiv |
| ↑ — Pfeil | Bewegung in der durch die Pfeilspitze angezeigten Richtung |
Das X nennt den medizinischen Hilfsbedarf, aber weder die Art der Verletzung noch die Zahl der Betroffenen. Y und N sind Antworten: Ohne verständliche Frage weiß die Besatzung nicht, was bejaht oder verneint wird. Der Pfeil wird in die tatsächliche Bewegungsrichtung gelegt; die nach oben gedruckte Tabellenform bedeutet nicht automatisch Norden. Er zeigt auch keinen Landeplatz an. Die gesonderten Zeichen für Such- und Rettungstrupps melden beispielsweise einen abgeschlossenen Einsatz oder aufgefundene Personen. Diese Meldungen gehören zur Tätigkeit der Suchkräfte und ersetzen die eigenen Überlebendenzeichen nicht.
Mit vorhandenen Mitteln ein lesbares Zeichen herstellen
Zuerst wird die benötigte Aussage gewählt, dann der Platz und das verfügbare Material. Stoffstreifen, Fallschirmmaterial, Äste, Holzstücke oder Steine können die Form bilden. Entscheidend ist der Unterschied zum Untergrund: Dunkles Holz hebt sich auf Schnee ab, ein helles Tuch auf dunkler Erde. Einzelne dünne Zweige oder wenige weit auseinanderliegende Steine ergeben aus der Höhe oft nur verstreute Punkte. Das Material muss deshalb ausreichend breite, zusammenhängend erkennbare Striche bilden. Bei einem V treffen zwei Schenkel unten zusammen; bei einem Y endet unter der Verzweigung ein deutlich erkennbarer Stamm.
Im internationalen Luftfahrtcode sollen die Zeichen mindestens 2,5 Meter lang sein. In der US-amerikanischen zivilen Luftfahrt dienen mindestens zehn Fuß, also ungefähr drei Meter Zeichenhöhe, als Bauempfehlung. Für die eigene Herstellung zählt darüber hinaus die verfügbare Fläche: Eine größere, sauber erkennbare Form lässt sich aus der Luft besser erfassen als ein kleiner Buchstabe mit vielen Einzelheiten. Das Mindestmaß legt keine Erkennungsentfernung fest. Flughöhe, Blickwinkel, Licht, Untergrund und die Aufmerksamkeit der Besatzung bestimmen mit, ob die Form gelesen wird.
Die Striche bleiben gerade, die Ecken deutlich und die Zwischenräume frei. Leichtes Material wird so befestigt oder beschwert, dass Wind daraus keine andere Form macht. Auf Schnee kann ein Zeichen auch durch Treten, Ziehen oder Ausschaufeln entstehen; Vertiefungen können durch Schatten dunkel erscheinen. Dieser Kontrast verändert sich mit dem Licht. Beim Prüfen des Zeichens zählt daher die vollständige Kontur, nicht nur die Tatsache, dass am Boden eine Spur zu erkennen ist.
Sichtbarkeit aus der Luft
Die Signalfläche braucht freie Sicht nach oben. Ein unter Ästen ausgelegtes Zeichen kann vom Boden gut sichtbar sein, während das Kronendach der Besatzung nur einzelne Teile zeigt. Geländekanten können dieselbe Wirkung haben. Bei einem flachen Blickwinkel erscheint die Form außerdem in einer Richtung verkürzt. Breite Striche, klare Schenkel und genügend Abstand zwischen den Teilen helfen, dass der Buchstabe auch bei diesem Blickwinkel erhalten bleibt. Die eigene Betrachtung vom Boden kann solche Fehler aufdecken, ersetzt aber den Blick aus dem Luftfahrzeug nicht.
Ein vorhandenes optisches Signal kann die Aufmerksamkeit der Besatzung auf die Fläche lenken. Ein Lichtblitz oder eine helle Markierung zieht den Blick an; den konkreten Hilfsbedarf vermittelt anschließend das lesbare Zeichen. Ein unbeleuchteter Stoff- oder Steinbuchstabe verliert bei Dunkelheit seinen sichtbaren Kontrast. Deshalb muss auch der gewählte Signalweg zur Tageszeit passen. Zusätzliche auffällige Signale vergrößern zugleich den Raum, aus dem der Standort bemerkt werden kann.
Welche Antwort zeigt, dass die Nachricht verstanden wurde?
Bei einem Austausch nach dem internationalen Luftfahrtcode bestätigt ein Flugzeug tagsüber durch Wippen mit den Tragflächen, dass es die Bodenzeichen verstanden hat. Bei Dunkelheit werden die Landescheinwerfer zweimal ein- und ausgeschaltet; fehlen Landescheinwerfer, werden dafür die Navigationslichter zweimal ein- und ausgeschaltet. Die Antwort bezieht sich auf die übermittelte Nachricht. Ein gewöhnliches Kurvenmanöver, Kreisen über dem Gelände oder ein einzelner sichtbarer Lichtblitz ist keine solche Bestätigung.
Bleibt die eindeutige Antwort aus, ist das Verstehen der Nachricht nicht bestätigt. Für die Person am Boden bleiben zunächst die eigenen überprüfbaren Fehler: Ist ein Schenkel verdeckt, der Kontrast zu schwach, die Form zu klein oder durch Wind verändert? Eine Verbesserung hilft nur, wenn tatsächlich ein Luftfahrzeug den Bereich beobachten kann. Ob ein weiteres Auslegen oder Aufmerksamkeitszeichen vertretbar ist, richtet sich auch danach, wer außer der gewünschten Besatzung den Ort sehen könnte.
Bodenzeichen beim militärischen Rückführungskontakt
In militärischer Isolation konkurriert die Sichtbarkeit für eigene Kräfte mit der Entdeckungsgefahr. Ein großes Bodenzeichen kann von gegnerischen Luftfahrzeugen erkannt werden; das Herstellen in offenem Gelände kann zusätzlich Bodenbeobachtern eine Person zeigen. Wo möglich, wird eine Signalfläche gewählt, die aus der Luft sichtbar ist und vom Boden durch Gelände verdeckt bleibt. Tragbares Material lässt sich vor dem Auslegen vorbereiten, damit weniger Zeit für das Ordnen auf der offenen Fläche benötigt wird. Eine dauerhaft sichtbare Markierung hält den Ort auch dann erkennbar, wenn sich die Person wieder verbirgt.
Der öffentliche Überlebendencode und die militärische Erkennung erfüllen verschiedene Aufgaben. Im US-Army-System legt die Isolated Soldier Guidance, kurz ISG, die für den Einsatz vorgesehenen Signale und das Zusammenführen mit Rückführungskräften fest. In der alliierten Personnel-Recovery-Planung werden Nah- und Fernerkennung sowie die Bedingungen für internationale Notsignale in den Einsatzanweisungen geregelt. Für die isolierte Person heißt das: Ein tatsächlich bekanntes vereinbartes Zeichen wird so verwendet, wie es auch die vorgesehenen Kräfte erwarten. Ein selbst erfundener Buchstabe schafft keine gemeinsame Bedeutung. Fehlt eine solche Abrede, kann ein öffentliches Überlebendenzeichen seine konkrete Notmeldung vermitteln, sofern eine Besatzung den Code erkennt und die eigene Lage eine offene Signalisierung zulässt.
Ein V oder X ist öffentlich lesbar und von jedem nachbildbar. Es bestätigt deshalb keine persönliche Identität oder Zugehörigkeit. Beim militärischen Kontakt folgen die vereinbarte gegenseitige Erkennung und die erforderliche Authentifizierung gesondert. Dafür können vorbereitete Identitätsdaten des Isolated Personnel Report, kurz ISOPREP, verwendet werden; die Person hält sich an das tatsächlich bekannte Verfahren oder die erhaltene Anweisung. Die vollständigen persönlichen Authentifizierungsdaten gehören nicht in ein offen ausgelegtes Bodenzeichen.
Die Empfangsbestätigung bedeutet, dass eine Nachricht verstanden wurde. Für die Aufnahme werden zusätzlich geeignete Kräfte und ein zum Gelände, Wetter und zur Bedrohung passendes Verfahren benötigt. Das beobachtende Luftfahrzeug kann eine Nachricht weitergeben oder einen Ort erfassen, während die eigentliche Aufnahme durch andere Kräfte erfolgen muss. Bei einer anstehenden Aufnahme werden lose Ausrüstung und Kleidung gesichert; die Person nähert sich dem Luftfahrzeug erst auf Anweisung der Besatzung. Der Bereich von Rotoren und Propellern bleibt eine unmittelbare Gefahr, auch wenn der Signalaustausch bereits gelungen ist.