Wiki · Begriffserklärung

Hitzschlag

Hitzschlag ist eine lebensbedrohliche hitzebedingte Erkrankung mit starker Überwärmung des Körpers und einer Störung der Gehirnfunktion. Verwirrtheit, auffälliges Verhalten, Koordinationsverlust, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit können anzeigen, dass die Wärmebelastung bereits lebenswichtige Funktionen schädigt. Bei militärischer Isolation gefährdet das unmittelbar die Fähigkeit, einen Schutzplatz zu erreichen, Ausrüstung zu bedienen oder eine Bewegungsentscheidung zu treffen. Ein vermuteter Hitzschlag verlangt sofortige Kühlung; auf Bewusstlosigkeit oder einen bestimmten Thermometerwert zu warten, verlängert die schädigende Überwärmung.

Wärmelast und Formen des Hitzschlags

Der Körper erzeugt bei Muskelarbeit Wärme. Er transportiert sie mit dem Blut zur Haut und gibt sie unter anderem durch Verdunstung von Schweiß ab. Wird mehr Wärme erzeugt oder aufgenommen, als abgeführt werden kann, steigt die Körperkerntemperatur. Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Verdunstung; schwere oder wenig luftdurchlässige Kleidung schränkt den Wärmeaustausch ein. Flüssigkeitsmangel belastet zusätzlich die Kreislauf- und Schweißleistung. Deshalb kann ein schneller Marsch mit Last und Schutzkleidung auch bei mäßiger Außentemperatur gefährlich werden.

Der belastungsbedingte Hitzschlag kann sich während oder nach anstrengender Bewegung rasch entwickeln und auch gesunde, trainierte Menschen treffen. Im englischen militärmedizinischen Sprachgebrauch heißt er exertional heat stroke, kurz EHS. Die britische Bezeichnung severe exertional heat illness, schwere belastungsbedingte Hitzeerkrankung, bezeichnet ebenfalls diesen Zustand mit gestörter Gehirnfunktion. Fehlende Hitzeanpassung, Erkrankung und vorangegangene Ermüdung erhöhen das Risiko; körperliche Fitness beseitigt es nicht.

Beim klassischen Hitzschlag steht die länger anhaltende äußere Wärmebelastung ohne große körperliche Anstrengung im Vordergrund. Menschen mit eingeschränkter Kreislaufleistung oder Wärmeabgabe sind besonders gefährdet. Beide Formen können Gehirn, Nieren, Leber und Kreislauf schädigen. Der unterschiedliche Entstehungsweg ändert die Dringlichkeit der Kühlung nicht.

Erkennen, ohne auf eine Messschwelle zu warten

Kopfschmerz, Übelkeit, ungewöhnliche Schwäche oder Schwindel können schon bei einer Hitzeerschöpfung auftreten. Beim Verdacht auf Hitzschlag kommt besonders der geistigen und motorischen Veränderung Bedeutung zu: Jemand beantwortet einfache Fragen unpassend, spricht auffällig undeutlich, handelt plötzlich widersinnig oder taumelt. Solche Veränderungen während oder nach Wärmebelastung verlangen die Behandlung als schweren Hitzenotfall. Ein Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit ist bereits eine schwere Verschlechterung, kein Zeichen, das man zur Bestätigung abwarten müsste.

Die Haut kann heiß und trocken sein; gerade beim belastungsbedingten Hitzschlag kann die Person aber weiterhin stark schwitzen. Schweiß auf der Haut beweist weder ausreichende Verdunstung noch eine sinkende Körperkerntemperatur. Eine nasse Uniform ist deshalb kein Grund, Verwirrtheit oder Taumeln als bloße Erschöpfung abzutun.

Eine zuverlässige Körperkernmessung gehört zur medizinischen Einordnung und zur Steuerung intensiver Kühlung. Ohr-, Stirn-, Mund- oder Hautmessungen können nach Belastung zu niedrige Werte anzeigen. Die Kühlung beginnt bei begründetem Verdacht auch ohne Messgerät. Verwirrtheit kann außerdem etwa durch Unterzuckerung oder einen gefährlich niedrigen Natriumgehalt entstehen; übermäßiges Wassertrinken kann Letzteren begünstigen. Das verhindert eine sichere Selbstdiagnose und verbietet es, jeden Zusammenbruch durch erzwungenes Vieltrinken behandeln zu wollen.

Eigene Handlung vor dem geistigen Ausfall

Solange die Person noch klar denken und handeln kann, muss sie ungewöhnliche Hitzebeschwerden zum Anlass nehmen, die Belastung zu beenden. Den Rucksack ablegen, den nächsten tatsächlich erreichbaren schattigen oder kühleren Platz nutzen und schwere, überflüssige Kleidung öffnen oder entfernen. Ein langer Weiterweg zur vermeintlich besseren Raststelle erzeugt zusätzliche Wärme. Bei unmittelbarer gegnerischer Gefahr bleibt gegebenenfalls eine kurze Bewegung zur nächsten brauchbaren geschützten Stelle nötig; dort muss die Kühlung sofort weitergehen. Ein Schattenplatz mit Luftbewegung erleichtert die Wärmeabgabe, ein stickiger heißer Einschluss kann sie behindern.

Hautkühlung wird nicht bis zum vollständigen Zusammenbruch aufgeschoben. Eine vollständig wache, orientierte Person, die sicher schlucken kann und nicht erbricht, kann bei Durst kleine Schlucke verfügbaren Trinkwassers nehmen. Das behebt einen möglichen Flüssigkeitsmangel, ersetzt aber die Wärmeabgabe über die Haut nicht. Sobald Verwirrtheit, unsicheres Schlucken oder Bewusstseinsverlust auftreten, ist verlässliche Selbstversorgung nicht mehr möglich.

Kühlung mit den vorhandenen Mitteln

Mit wenig Wasser werden möglichst große freie Hautflächen benetzt und Luft darüber bewegt, etwa durch Zufächeln mit einem leichten Gegenstand. Wasser mit der Hand oder einem Tuch verteilen und nachbenetzen, wenn die Haut trocknet. Auch dünne, leichte Kleidung lässt sich befeuchten, wenn sie am Körper bleibt. Bei größerem unmittelbar verfügbarem Vorrat kann der Körper ausgedehnter mit kühlem Wasser benetzt werden. Dabei wird Wärme vom Körper auf das Wasser übertragen; seine Verdunstung entzieht der Haut weitere Wärme. Nur den Kopf kurz anzufeuchten lässt einen großen Teil der Körperoberfläche ungenutzt.

Die britische Kurzfolge Shade, Strip, Spray, Fan, abgekürzt S3F, fasst dieses Vorgehen zusammen: Schatten, schwere Kleidung ablegen, benetzen, Luft zufächeln. Sie ist auch die Alternative, wenn Wasserimmersion nicht sofort verfügbar oder nicht sicher durchführbar ist. Stark feuchte Luft verringert die Verdunstungswirkung; dann gewinnt der direkte Kontakt mit kühlem Wasser an Bedeutung. Nasse Tücher müssen erneut gekühlt oder gewechselt werden, sobald sie warm werden. Eine dauerhaft warme, nasse Umhüllung kann Wärme zurückhalten. Verfügbare Kühlpacks können zusätzlich an Hals, Achseln und Leisten eingesetzt werden, erfassen allein aber nur kleine Flächen.

Fehlt Wasser vollständig, bleiben das Beenden der Anstrengung, das Vermindern direkter Sonnenwärme, das Entfernen schwerer Schichten und die Nutzung eines tatsächlich kühleren Ortes oder vorhandener Luftbewegung. Luftzufächeln allein ist bei sehr heißer, feuchter Luft nur begrenzt wirksam. Wenn die Person weiter überhitzt und geistig nachlässt, lösen diese begrenzten Maßnahmen das Problem nicht zuverlässig. Dann muss jede unmittelbar nutzbare bessere Kühlmöglichkeit eingesetzt werden; ein weiteres Stück Marsch ist kein Ersatz für fehlende Wärmeabfuhr.

Wasserimmersion und Atemwege

Das Kühlen großer Körperflächen in kühlem oder kaltem Wasser kann Wärme besonders rasch abführen. Bei einem belastungsbedingten Hitzschlag ist Kaltwasserimmersion die wirksamste klinische Kühlmethode. Ihr organisierter Einsatz umfasst Helfer, die die Person halten, den Kopf und die Atemwege sichern und Temperatur sowie Zustand überwachen. Ein vorbereitetes Becken, ausreichend Wasser und solche Helfer dürfen bei Isolation nicht vorausgesetzt werden.

Eine bereits geschwächte oder verwirrte Person steigt nicht allein in ein Gewässer, um sich zu kühlen: Koordinationsverlust oder Bewusstlosigkeit können zum Ertrinken führen. Auch bei einem anwesenden Kameraden genügt das bloße Vorhandensein von Wasser nicht. Kann er Kopf und Atemwege nicht ständig sicher über Wasser halten oder bei einer Verschlechterung sofort reagieren, wird die Person außerhalb des Wassers benetzt und gekühlt. Die Suche nach einem Becken oder nach Eis darf den Beginn dieser verfügbaren Kühlung nicht verzögern.

Kameradenhilfe bei Bewusstseinsstörung

Ist tatsächlich eine handlungsfähige Person anwesend, übernimmt sie die Kühlung und beobachtet Ansprechbarkeit und Atmung. Verwirrte, bewusstlose oder krampfende Menschen erhalten nichts zu trinken; Flüssigkeit kann in die Atemwege geraten. Eine bewusstlose Person mit normaler Atmung wird in die stabile Seitenlage gebracht, sodass die Atemwege frei bleiben und Erbrochenes abfließen kann. Die erreichbaren Hautflächen können dabei weiter gekühlt werden.

Fehlt normale Atmung, haben die in der Erste-Hilfe-Ausbildung erlernten Wiederbelebungsmaßnahmen Vorrang. Wasserimmersion würde den Zugang zu Atemwegen und Brustkorb behindern. Krampfanfälle, erneuter Kollaps, zunehmende Verwirrtheit oder Atemprobleme verlangen eine erneute Prüfung von Atmung und Zustand sowie die wirksamste unter diesen Bedingungen sicher fortsetzbare Kühlung. Wer bei dieser Verschlechterung allein ist, kann weder den eigenen Zustand verlässlich überwachen noch geordnet weitergehen.

Weitere Versorgung nach der ersten Kühlung

Dass jemand wieder verständlich antwortet, zeigt noch nicht, dass Nieren, Leber oder Blutgerinnung unbeschädigt sind. Schäden können auch nach einer anfänglichen Besserung deutlich werden. Die Person bleibt von weiterer anstrengender Bewegung entlastet und wird, soweit ein Kamerad tatsächlich vorhanden ist, weiter auf Ansprechbarkeit und Atmung beobachtet. Ein scheinbar erholter Hitzschlag ist keine Grundlage, den Marsch einfach fortzusetzen.

Ein vermuteter Hitzschlag benötigt dringende medizinische Versorgung. Erreicht ein vorhandenes Kommunikationsmittel einen tatsächlichen Empfänger mit verfügbaren Behandlungs- oder Transportmöglichkeiten, werden Ort, vermuteter Hitzenotfall, Bewusstseins- und Atemzustand sowie die laufende Kühlung übermittelt und die Übernahme abgestimmt. Die Kühlung läuft währenddessen weiter. Kommt eine reale Aufnahme zustande, muss der vorhandene Helfer auch beim Umlagern und Transport so weit wie tatsächlich möglich weiter kühlen und die Atemwege sichern: Eine Unterbrechung der Wärmeabfuhr kann die Körperkerntemperatur erneut ansteigen lassen.