Wiki · Begriffserklärung

Hitzeerschöpfung

Hitzeerschöpfung ist eine hitzebedingte Erkrankung, bei der Überwärmung und Kreislaufbelastung zu deutlicher Schwäche und einem Einbruch der körperlichen Leistungsfähigkeit führen. Die englische Bezeichnung lautet Heat exhaustion. Starkes Schwitzen kann Wasser- und Salzverluste verursachen und die Belastung verstärken. Bei einer Evasion kann die Person dadurch die Fähigkeit verlieren, weiterzugehen, Gelände sicher zu überwinden und rechtzeitig einen geeigneten Ruhepunkt zu erreichen.

Wärme und Kreislauf

Arbeitende Muskeln erzeugen Wärme. Dazu kommen Sonnenstrahlung sowie Wärme aus heißer Luft und der Umgebung. Der Körper führt Wärme über die Haut ab: Die Hautgefäße erweitern sich, mehr Blut gelangt an die Oberfläche, und verdunstender Schweiß entzieht ihr Wärme. Hohe Luftfeuchte begrenzt diese Verdunstung. Dichte Bekleidung und Schutzausrüstung können den Wärme- und Wasserdampftransport behindern; ihr Gewicht erhöht zugleich die Anstrengung. Eine hohe Eigenwärmeproduktion kann deshalb auch bei mäßiger Außentemperatur gefährlich werden.

Der Kreislauf muss die arbeitenden Muskeln, die zur Kühlung stärker durchblutete Haut und die lebenswichtigen Organe versorgen. Kann er diesen Bedarf nicht aufrechterhalten, fällt die Leistungsfähigkeit ab. Größere Flüssigkeitsverluste können das zirkulierende Blutvolumen vermindern und das Problem verschärfen. Hitzeerschöpfung und Flüssigkeitsmangel können gemeinsam auftreten; die Wärmebelastung lässt sich jedoch nicht allein durch Trinken beseitigen. Die zusätzliche Wärmeproduktion und die Wärmeaufnahme aus der Umgebung müssen ebenfalls sinken.

Warnzeichen während einer Evasion

Ungewöhnliche Schwäche, ein deutlicher Leistungseinbruch, Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen während oder nach Hitzebelastung verlangen eine Unterbrechung und Kühlung. Starkes Schwitzen und Durst können hinzukommen. Wer zunehmend Mühe hat, das bisherige Tempo zu halten, und zugleich solche Beschwerden entwickelt, sollte keinen weiteren langen Abschnitt erzwingen. Schwindel erhöht die Gefahr, an einem Hang, einer Böschung oder beim Übersteigen eines Hindernisses zu stürzen.

Die Beschwerden legen eine Hitzeerkrankung nahe, beweisen aber keine bestimmte Ursache. Auch Unterzuckerung, eine schwere Infektion oder eine Störung des Salzhaushalts können ähnlich aussehen. Besonders nach großen aufgenommenen Flüssigkeitsmengen darf Kopfweh mit Übelkeit nicht einfach als Aufforderung zu noch mehr Wasser verstanden werden: Zu viel Flüssigkeit kann die Natriumkonzentration im Blut gefährlich verdünnen. Eine sichere Unterscheidung gelingt anhand dieser Beschwerden allein nicht.

Belastung beenden und kühlen

Zuerst die Anstrengung beenden und die getragene Last absetzen. Bei Schwindel hinsetzen oder hinlegen, damit ein Kreislaufeinbruch nicht zum Sturz führt. Einen unmittelbar erreichbaren schattigen, kühleren Ruhepunkt nutzen. Drohen am aktuellen Standort unmittelbar Beschuss oder Gefangennahme, kann ein kurzer Wechsel in erreichbaren Schutz nötig sein; eine lange Suche nach einem idealen Versteck erzeugt dagegen weitere Muskelwärme. Der Ruhepunkt sollte Kühlung ermöglichen und zugleich die Sicht auf die Person begrenzen.

Unnötige schwere Kleidung und wärmestauende Schichten öffnen oder ablegen. Mit tatsächlich vorhandenem kühlem Wasser Haut oder leichte Kleidung benetzen und Luft zufächeln. Die Verdunstung führt Wärme ab; zusätzliche Luftbewegung unterstützt sie. Eine vollständig geschlossene, kaum luftdurchlässige Verdeckung kann diese Wärmeabgabe behindern. Schatten vermindert die Sonnenbelastung, ersetzt aber nicht die Abgabe bereits gespeicherter Körperwärme. Bei hoher Feuchte kann trotz nasser Haut wenig Wasser verdunsten.

Fehlen Wasser oder Kühlmittel, die Anstrengung sofort beenden und unnötigen Wärmestau lösen. Gibt es keinen unmittelbar erreichbaren Schatten, zunächst an dem Ort ruhen, an dem ein Halt möglich ist, statt durch eine anstrengende Suche zusätzliche Wärme zu erzeugen. Vorhandene lockere Kleidung kann die Haut gegen direkte Sonnenstrahlung abschirmen; sie so öffnen und lockern, dass Luft an die Haut gelangt. Eine zusätzliche dichte Umhüllung hält Wärme und Wasserdampf zurück. Bleibt ein Ortswechsel wegen unmittelbarer Gefahr unvermeidbar, seine Strecke und Anstrengung möglichst klein halten. Reicht die Wärmeabgabe nicht aus, erwärmt sich der Körper trotz Ruhe weiter.

Trinken und Verluste ersetzen

Wer wach, geistig klar und sicher schluckfähig ist, kann verfügbares sicheres Trinkwasser in kleinen, wiederholten Schlucken trinken. Bei Übelkeit sind große Einzelmengen oft schlecht verträglich. Bei Benommenheit, Verwirrtheit oder unsicherem Schlucken keine Flüssigkeit durch den Mund aufnehmen: Sie kann in die Atemwege gelangen. Wiederholtes Erbrechen begrenzt den Flüssigkeitsersatz und ist ein Grund, die Lage als ernster einzuschätzen.

Schweiß enthält Wasser und Salz. Nach längerem starkem Schwitzen können vorhandene Nahrung oder ein geeignetes Elektrolytgetränk zum Ersatz beitragen. Salztabletten oder große Salzmengen auf Verdacht sind keine geeignete Eigenmaßnahme. Große Flüssigkeitsmengen darf man nicht erzwingen: Sie können den Salzhaushalt weiter stören.

Ernste Grenze und weiterer Verlauf

Verwirrtheit, Desorientierung, auffällige Sprach- oder Koordinationsstörungen, ein Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit unter Hitzebelastung begründen sofort den Verdacht auf eine schwere Hitzeerkrankung einschließlich Hitzschlag. Dabei können Gehirn und andere Organe geschädigt werden. Starkes Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus. Sofort mit den verfügbaren Mitteln kühlen; weder auf das Ausbleiben von Schweiß noch auf einen Temperaturmesswert oder eine feste Wartefrist warten. Mit nachlassender geistiger Orientierung werden auch Ortswahl, Geräteeinsatz und sicheres Trinken unzuverlässig.

Nehmen die Beschwerden trotz Ruhe und Kühlung zu, bleiben sie bestehen, oder kommt es zu wiederholtem Erbrechen oder Kollaps, ist medizinische Versorgung dringend nötig. Eine tatsächlich erreichbare Verbindung und verfügbare Hilfe dann frühzeitig nutzen und die Kühlung fortsetzen. Eine kurze Besserung rechtfertigt keinen neuen langen Marsch; erneut zunehmende Schwäche oder Schwindel zeigen, dass die Belastung weiterhin zu hoch ist.

Militärische Begriffe

Im US-Militärgebrauch werden Heat exhaustion und Heat stroke als eigene Hitzeerkrankungen unterschieden. Die britische Einsatzmedizin beschreibt belastungsbedingte Hitzeerkrankungen als Exertional Heat Illness, kurz EHI, und trennt milde von schweren Formen. Bei der milden Form bricht die Fähigkeit zur weiteren körperlichen Aktivität ein; Störungen der Gehirnfunktion bestimmen die schwere Form. Für Kühlung mit einfachen Mitteln steht dort S3F: Shade, Strip, Spray, Fan – Schatten, schwere Kleidung entfernen, mit Wasser benetzen, Luft zufächeln.