Wiki · Begriffserklärung

HUET

HUET bedeutet Helicopter Underwater Escape Training: die Ausbildung zum Verlassen eines untergetauchten Hubschraubers. Besatzungen und regelmäßige Passagiere üben dabei die unmittelbare Selbstrettung aus einer Kabine, deren Lage und Sichtverhältnisse sich verändern können. Bei der Royal Navy wurde dieser Ausbildungsanteil in Yeovilton mit Maritime SERE und der Seenotvorbereitung zusammengeführt. HUET behandelt dabei den Ausstieg aus der Kabine unter Wasser; anschließend folgen das Überleben an der Oberfläche und die Aufnahme aus dem Wasser.

Ausstieg bei veränderter Lage und schlechter Sicht

Beim Drehen der Trainingskabine drehen sich Sitz und Ausstiegsöffnungen gemeinsam. Ihre Anordnung innerhalb der Kabine bleibt gleich; geändert werden die Lage des Körpers zur Wasseroberfläche und die gewohnte Sichtorientierung. Dunkelheit nimmt zusätzlich die Möglichkeit, Sitz, Verschlüsse und Öffnungen einfach anzusehen. Deshalb werden unter Wasser eingeübte Abläufe und Orientierung durch Tasten trainiert. Der Teilnehmer muss die Kabinenelemente auch unter diesen Bedingungen finden und den erklärten Ausstiegsablauf anwenden können. Die britische Underwater Escape Training Unit übt außerdem mit blockierten Ausstiegen: Die Teilnehmer müssen dann statt der gewohnten Öffnung einen anderen nutzbaren Ausstieg finden.

Vom Unterricht zur untergetauchten Kabine

Der britische HUET-Basiskurs beginnt mit dem Anlass der Ausbildung, den Ausstiegsverfahren und den Gefahren beim Verlassen der Kabine. Danach folgen vier Durchgänge im HUET-Modul:

  1. untergetaucht bei Tageslicht,
  2. untergetaucht und kopfüber bei Tageslicht,
  3. untergetaucht und kopfüber bei Dämmerlicht,
  4. untergetaucht und kopfüber in Dunkelheit.

Bei den letzten drei Durchgängen bleibt die Kabine kopfüber, während die Sicht von Tageslicht über Dämmerlicht bis zur Dunkelheit verringert wird. Die vier Durchgänge gehören zu diesem Kursangebot in Yeovilton. Die Trainingseinheit dort nutzt auch Cockpitnachbildungen für kleine und große Luftfahrzeuge und STASS, das Short Term Air Supply System, für zusätzliche Atemzeit unter Wasser.

Die Verbindung zu Maritime SERE

Die Royal Navy führte Unterwasserausstieg, persönliche Rettungsinseln und Windenaufnahme in einer gemeinsamen Maritime-SERE- und Unterwasserausstiegsanlage zusammen. Zuvor waren diese Ausbildungsanteile räumlich und zeitlich getrennt. Die zusammenhängende Folge wechselte von der versunkenen Kabine zur eigenen Rettungsinsel und schließlich zur Aufnahme aus dem Wasser. Wind, Regen, Wellen und Dunkelheit konnten im Umweltbecken nachgebildet werden. Damit ließ sich der Übergang zur Seenotlage unter erschwerten Bedingungen üben. Die Windenaufnahme bildete einen eigenen Trainingsabschnitt. Bei einer tatsächlichen Aufnahme muss ein einsatzfähiges Luftfahrzeug die Person erreichen können. Rettungsinsel und Aufnahme sind zusätzliche Aufgaben nach dem HUET-Ausstieg, keine Bestandteile jedes HUET-Basiskurses.

Was die Trainingsgeräte verändern

Ein Helo Dunker ist die Kabinennachbildung für die Unterwasserübungen. Bei der US Navy heißt ein solches mehrsitziges System METS, Modular Egress Training Simulator. Es kann an einen Luftfahrzeugtyp angepasst werden und bildet dessen Ausstiegsöffnungen nach. Für den Teilnehmer betrifft das die tatsächlich erreichbaren Öffnungen und ihre Anordnung zum Sitz. HUET bezeichnet die Ausbildung; METS bezeichnet das Gerät, an dem sie praktisch stattfinden kann.

Das US Marine Corps verwendet im Underwater-Egress-Programm unter anderem den SWET, Shallow Water Egress Trainer, und den MAET, Modular Amphibious Egress Trainer. Der SWET ist ein einzelner Trainingssitz zur Gewöhnung an das Untertauchen und an zusätzliche Notatemgeräte. Er wird vor oder zusammen mit den größeren Trainern eingesetzt. Im MAET kommen die Kabine mit ihren Ausstiegen und die Rotation bis zur vollständigen Überkopflage hinzu. So verändert sich die Übungsaufgabe vom begrenzten Sitzplatz zur Orientierung und zum Ausstieg aus einer größeren Kabinennachbildung.

Ein australischer Ausbildungszusammenhang

Bei der australischen Army wurde HUET an den Robertson Barracks mit sechs Ausstiegsdurchgängen geübt, die letzten drei mit verbundenen Augen. Die Teilnehmer mussten sich auf Tasten, eingeübte Abläufe und kontrollierte Atmung stützen. Gegenüber dem britischen Vier-Durchgänge-Kurs wurde der Sichtverlust hier durch Augenbinden erzeugt. Anschließend folgten Seenotausbildung, Rettungsinseln und die Verwendung von Überlebensausrüstung nach dem Verlassen eines Luftfahrzeugs oder Wasserfahrzeugs.