SAR Tech ist die kanadische Kurzbezeichnung für Search and Rescue Technician, einen militärischen Rettungsspezialisten der Royal Canadian Air Force. SAR Techs erreichen Menschen nach Flugunfällen, in Seenot und an anderen schwer zugänglichen Notfallorten, beginnen dort die medizinische Behandlung und wirken an ihrer Evakuierung mit. Der Beruf verbindet präklinische Versorgung mit Fallschirmzugang, Hubschrauberrettung, Rettungstauchen sowie Gebirgs- und Seilrettung. Überlebenstraining gehört dazu, weil Retter und Verletzte bis zum Abtransport unter denselben Umweltbedingungen bestehen müssen.
Rettungsberuf und eigene Ausbildung
SAR Techs werden nach dem kanadischen nationalen Standard für Primary Care Paramedics ausgebildet und erwerben zusätzliche fortgeschrittene Fähigkeiten. Sie bringen medizinisches Können unmittelbar zu einer Person, die ein Rettungswagen nicht erreichen kann. Ein Verletzter im Flugzeugwrack, auf einem steilen Hang oder auf einem Schiff braucht neben Behandlung einen sicheren Zugang und eine Möglichkeit, den Ort zu verlassen. Diese Aufgaben werden im SAR-Tech-Beruf zusammengeführt.
Der Zugang zum Beruf führt über einen Verwendungswechsel bereits dienender Angehöriger der Canadian Armed Forces und eine eigene Ausbildung an der Canadian Forces School of Search and Rescue. Weiterführende Lehrgänge und erneute Qualifikationsprüfungen betreffen unter anderem Teamführung, Tauchaufsicht, Rettung aus gekenterten Schiffen sowie Fallschirm- und medizinische Fähigkeiten. An derselben Schule hat die Sea-Survival-Ausbildung für Flugzeugbesatzungen eine andere Aufgabe: Nach Notausstieg oder Absturz ins Wasser müssen die Betroffenen selbst überleben. Der SAR Tech wird darauf vorbereitet, andere Menschen zu erreichen, zu versorgen und abzutransportieren.
Zugang zur Person und Weg aus dem Gelände
Die Zugangsart richtet sich nach Unfallstelle, Flugmöglichkeiten und Gefahren. Ein Fallschirmabsprung kann Rettungskräfte und Material an einen Ort bringen, an dem das Flugzeug nicht landen kann. Eine Hubschrauberwinde verbindet den schwebenden Hubschrauber mit der Person am Boden, im Wasser oder auf einem Schiff. Seil- und Gebirgsrettung ermöglichen Zugang und Bewegung in steilem Gelände; Rettungstaucher erreichen Menschen unter Wasser oder in eingeschlossenen Bereichen. Auch der Marsch mit Ausrüstung und das Tragen eines Verletzten über größere Strecken gehören zum Aufgabenbild.
Im durch das zuständige JRCC koordinierten Rettungsauftrag entscheidet der SAR-Missionskoordinator über die Entsendung des Teams. Den konkreten Zugang wählen der verantwortliche Luftfahrzeugführer und der SAR-Tech-Teamführer gemeinsam. Beide müssen die Entsendung unter Sicherheitsgesichtspunkten mittragen. Wind, Sicht, Hindernisse, Wasserbedingungen und ein instabiles Wrack verändern, ob die Retter die Person erreichen und anschließend bewegen können. Ein erreichter Unfallort kann weiterhin einen anderen Abtransportweg benötigen: Ein Fallschirm bringt den Retter nach unten; er bringt den Verletzten nicht wieder in das fliegende Flugzeug.
Damit sind Ortung, Zugang und Evakuierung getrennte Aufgaben. Eine Flugzeugbesatzung kann die Unfallstelle suchen, beobachten und Material abwerfen, während SAR Techs am Boden arbeiten. Verletzte müssen gegebenenfalls erst aus dem Wrack befreit, aus einem gefährdeten Bereich verlegt oder auf einer Trage transportiert werden. Der nächste Schritt kann eine Hubschrauberaufnahme sein, sobald ein geeignetes Luftfahrzeug den Ort unter den vorhandenen Bedingungen erreichen kann. Bei einer verzögerten Aufnahme tragen die vorhandenen Retter und ihre Ausrüstung die Versorgung vor Ort weiter.
Behandlung und Überleben bis zum Abtransport
Bei mehreren Betroffenen beginnt die medizinische Arbeit mit der Sichtung: Wer ist unmittelbar gefährdet, wer braucht zuerst Behandlung und wer kann sich selbst bewegen? Zu den tatsächlichen Feldaufgaben gehören die Versorgung von Unterkühlung, Knochenbrüchen und Atemproblemen, das sichere Umlagern bewegungsunfähiger Verletzter sowie Schmerzbehandlung und Überwachung der Vitalzeichen. Art und Umfang der Behandlung richten sich nach Befund, Qualifikation und verfügbarem Material. Die Befreiung aus einem Wrack muss außerdem dessen Stabilität berücksichtigen; eine unkontrollierte Bewegung kann Patient und Retter zusätzlich verletzen.
Die Versorgung endet nicht mit der ersten Untersuchung. SAR Techs müssen den Zustand weiter beobachten, Behandlung fortsetzen und die Menschen vor der Umgebung schützen. Unterkunft, Wärme, Wasser und Nahrung gehören zur Erhaltung der Überlebenden, soweit Zustand und Mittel dies erlauben. Medizinische Versorgung und Schutz vor Kälte greifen dabei ineinander: Ein Patient, der auf den Abtransport wartet, verliert im kalten Gelände weiter Wärme. Eine vorhandene Unterkunft und fortlaufende Betreuung können deshalb ebenso dringlich sein wie die Vorbereitung der späteren Aufnahme.
Wenn Kontakt zu einem Rettungsteam tatsächlich besteht, sind konkrete Angaben hilfreicher als „mir geht es schlecht“: aktuelle Position, Zahl der Betroffenen, erkennbare Verletzungen, Veränderung des Zustands und die Frage, wer noch gehen kann. Bewegungsunfähigkeit kann eine Trage, einen zusätzlichen Retter oder einen anderen Aufnahmeweg erforderlich machen. Für eine mögliche Aufnahme packst du deine verbliebene Ausrüstung und sicherst lose Teile. An ein Luftfahrzeug näherst du dich erst auf Anweisung des Teams; eigenmächtiges Annähern kann den Zugang erschweren und dich in den Bereich von Rotoren oder Propellern bringen.
Kanadischer SAR-Rahmen und militärische Isolation
Kanadas nationale Luft- und Seenotrettung arbeitet mit Joint Rescue Coordination Centres, in denen Luftwaffe und Küstenwache ihre jeweiligen Beiträge koordinieren. Die Streitkräfte stellen die aeronautische Rettung; die Küstenwache übernimmt maritime Rettungsdienste. Die Suche nach Vermissten an Land liegt grundsätzlich bei Provinzen und Territorien beziehungsweise den zuständigen örtlichen Diensten, in Bundesparks bei Parks Canada. Militärische Unterstützung kann dafür angefordert werden. Eine Landvermisstensuche bedeutet deshalb nicht, dass bereits ein SAR-Tech-Team unterwegs ist.
SAR Techs können auch in expeditionären Operationen eingesetzt werden. Ihre technischen und medizinischen Fähigkeiten beantworten jedoch zunächst die Fragen, wie man zur Person gelangt, sie versorgt und bewegt. In gegnerbedrohtem Gebiet kommt die militärische Rückführungsoperation hinzu: tatsächliche Kräfte, ein tragbarer Zugang unter Bedrohung sowie vorbereitete Kontakt- und Identifizierungsverfahren. Ein offenes Notsignal, das bei einem zivilen Flugunfall die Ortung erleichtert, kann während einer Evasion auch den Gegner auf die Position aufmerksam machen. Dort bestimmen Bedrohung und vorbereitete Rückführungsverfahren, wann und wie du dich zeigst.
Die US-amerikanischen PJs, die Pararescuemen der US Air Force, sind auf Personnel Recovery einschließlich Rückführung im Kampf spezialisiert. SAR Tech bezeichnet den eigenständigen kanadischen Rettungsberuf.