Wiki · Begriffserklärung

SMC

Der Search and Rescue Mission Coordinator, kurz SMC, ist die für einen einzelnen Such- und Rettungsfall zeitweilig eingesetzte, entsprechend ausgebildete oder qualifizierte Koordinationsperson. Sie bewertet die eingehenden Notfallinformationen, entwickelt den Such- und Rettungsplan und stimmt den Einsatz der verfügbaren Kräfte ab. Der Auftrag beginnt bei einer tatsächlichen oder vermuteten Notlage und reicht bis zur Rettung oder zum geregelten Abschluss der Suche. Für isoliertes Personal bestimmt diese Funktion, wie aus einer Vermisstenmeldung, einem Notsignal oder einer Positionsangabe konkrete Suchaufträge und eine mögliche Rettung werden.

SMC, Leitstelle und Koordination vor Ort

Ein Rescue Coordination Centre, RCC, ist die Leitstelle, von der aus ein SAR-Fall koordiniert wird. Der SMC ist die verantwortliche Funktion für die einzelne Mission. Eine Leitstelle kann mehrere Fälle bearbeiten, während jeder Fall eine eindeutig zugeordnete Koordination braucht. Diese greift auf die Kommunikationswege, Lageinformationen und personelle Unterstützung der Leitstelle zurück. Bei einer landgestützten Suche kann die entsprechende Arbeit auch in einem Suchhauptquartier im Einsatzraum stattfinden.

In der international abgestimmten Luftfahrt- und Seerettung werden die Organisation des SAR-Dienstes, die Koordination einer Mission und die Arbeit der mobilen Rettungsmittel unterschieden. Die übergeordnete SAR-Koordination sorgt etwa für Zuständigkeiten, Vereinbarungen und verfügbare Einrichtungen. Der SMC setzt diese Voraussetzungen für den konkreten Fall um. Er muss wissen, welche Kräfte er beauftragen darf, welche Unterstützung er anfordern kann und welche Entscheidungen einer übergeordneten Stelle vorbehalten sind.

Arbeiten mehrere Kräfte im selben Einsatzgebiet, kann ein On-Scene Coordinator, OSC, ihre Tätigkeit dort abstimmen. Er erhält den Such- und Rettungsplan vom SMC, verteilt die örtlich nötigen Informationen und meldet Fortschritt, Sichtungen und Probleme zurück. Veränderte Bedingungen können eine Anpassung vor Ort erfordern, etwa wenn Wetter ein Teilgebiet unzugänglich macht. Der OSC stimmt Änderungen möglichst mit dem SMC ab, damit die übrigen Kräfte mit demselben Plan arbeiten. Der Leiter eines Schiffes, Luftfahrzeuges oder Suchtrupps bleibt für die Durchführung seines jeweiligen Auftrags verantwortlich.

Vom Alarm zur ersten Entscheidung

Ein Fall kann durch einen Notruf, eine Vermisstenmeldung, die Beobachtung eines Unfalls, einen überfälligen Flug oder ein satellitenvermitteltes Notsendersignal bekannt werden. Deshalb kann eine Suche beginnen, obwohl die betroffene Person selbst keine Verbindung herstellen konnte. Der SMC führt diese Hinweise zusammen: Wer wird gesucht, wann und wo bestand der letzte sichere Kontakt, welche Route war vorgesehen, welche Personen und welche Notausrüstung sind betroffen? Angaben aus Meldungen, Vorhabensdaten, Notsenderregistrierung und Beobachtungen müssen zeitlich zusammenpassen.

Die Alarmbewertung unterscheidet einen möglichen Kommunikationsausfall von Anzeichen einer wirklichen Notlage. Ein ausgebliebener Positionsbericht lässt zunächst Fragen offen; ein beobachteter Absturz, ein sinkendes Fahrzeug oder gemeldete schwere Verletzungen verlangen eine andere Reaktion. Die in der SAR-Koordination verwendeten Phasen Ungewissheit, Alarm und Notlage beschreiben diese zunehmende Sorge um die Sicherheit. Im australischen System kann der SMC die Einstufung mit neuen Informationen ändern. Bei der maritimen Koordination dienen diese Phasen intern der Lagebewertung und Eskalation; sie sind keine Aufforderung an die Person in Not, eine bestimmte Reihenfolge von Funkmeldungen abzugeben.

Zur Klärung können Stellen entlang der geplanten Route, andere Luftfahrzeuge oder Schiffe sowie vorhandene Kontaktpersonen befragt werden. Diese Kommunikationssuche soll beispielsweise feststellen, ob ein vermeintlich vermisstes Luftfahrzeug inzwischen an einem anderen Ort gelandet ist. Eine dringende Suche wird jedoch nicht bis zur vollständigen Aufklärung jeder Angabe zurückgehalten. Erste geeignete Kräfte können bereits eingesetzt werden, während weitere Informationen eingehen und der Plan genauer wird.

Position, Bewegung und Suchgebiet

Eine Position ist nur zusammen mit ihrem Zeitpunkt und ihrer Unsicherheit brauchbar. Der SMC beziehungsweise sein Suchplaner unterscheidet eine bestätigte Unfallstelle, eine bekannte Route mit unbekanntem Aufenthaltsort und ein lediglich eingegrenztes Gebiet. Aus der letzten bekannten Position, der verstrichenen Zeit und den möglichen Bewegungen entstehen zunächst die räumlichen Grenzen der Suche. Anschließend werden die wahrscheinlichsten Aufenthaltsbereiche bestimmt und den verfügbaren Suchmitteln zugewiesen.

Auf See verschieben Wasserströmung und Wind ein Rettungsfloß oder andere treibende Suchobjekte. Die Planung rechnet diese Bewegung bis zum Zeitpunkt der Suche ein und berücksichtigt Fehler der Ausgangsposition und der Driftabschätzung. Der daraus berechnete Bezugspunkt oder Bezugsbereich heißt Datum. Er wird bei fortdauernder Drift erneut berechnet. An Land verändert ein möglicher Eigenweg ebenfalls den wahrscheinlichen Aufenthaltsort. Ein gemeldeter Ort kann deshalb nach Stunden eine Ausgangsinformation sein, während die Suche bereits in einem anderen Bereich erfolgen muss.

Neue Sichtungen, Positionsmeldungen, Wetteränderungen und Suchergebnisse verändern den Plan. Dabei zählt, welche Flächen tatsächlich unter welchen Bedingungen abgesucht wurden. Eine zugewiesene Fläche, die wegen schlechter Sicht oder eines abgebrochenen Auftrags nicht untersucht wurde, muss im Lagebild als Lücke erkennbar bleiben. Auch ein erfolgloser Suchdurchgang schließt den Bereich nicht sicher aus: Ob eine Person hätte entdeckt werden können, hängt unter anderem von Sicht, Suchmittel und erkennbarem Suchziel ab. Der SMC bewertet die bisherige Abdeckung, bevor er Kräfte erneut einsetzt oder in andere Teilgebiete verlagert.

Kräfte, Auftrag und Rettung

Für die Auswahl der Kräfte sind Verfügbarkeit und tatsächliche Eignung entscheidend. Ein Luftfahrzeug muss das Gebiet erreichen, dort lange genug suchen und mit den eingesetzten Sensoren oder Beobachtern das Suchziel erkennen können. Ein Schiff oder Landtrupp benötigt einen gangbaren Zugang. Wetter, Dunkelheit, Reichweite, Treibstoff, Besatzungen und Kommunikationsmöglichkeiten begrenzen den Einsatz. Der SMC kann zusätzliche Mittel anfordern, Aufgaben neu verteilen oder einen anderen Zugang planen.

Ein Suchauftrag enthält die aktuelle Lage, eine Beschreibung der gesuchten Personen oder des Suchobjekts, das zugewiesene Teilgebiet, die Suchaufgabe sowie Vorgaben zur Koordination und zu Rückmeldungen. Dazu gehören die tatsächlich nutzbaren Kommunikationswege und gegebenenfalls vereinbarte Meldezeiten. Briefing und Rückmeldung müssen auch Änderungen erfassen: Eine neu eingegangene Position ist für die bereits suchenden Kräfte ebenso wichtig wie für den Planer in der Leitstelle.

Die Rettung wird parallel zur Suche vorbereitet. Ein Suchflugzeug kann eine Person finden, ohne sie selbst aufnehmen zu können. Deshalb müssen passende Bergungs- und Transportmittel, die erste Versorgung und das weitere Ziel der Rettung mitgeplant werden. Je nach Lage kann bis zur Aufnahme eine Versorgung aus der Luft oder ein anderer unterstützender Einsatz nötig sein. Die Planung soll die Zeit zwischen Ortung und Bergung verkürzen; geeignete Kräfte, erreichbarer Zugang und tragbare Einsatzbedingungen entscheiden über die Durchführung.

Welche eigenen Angaben die Planung verändern

Besteht eine geeignete Verbindung, helfen der Koordination vor allem wenige eindeutige Angaben: Identität oder vereinbartes Rufzeichen, Anzahl und Zustand der Betroffenen, Art und Zeitpunkt des Notfalls sowie der eigene Aufenthaltsort. Bei einer Position gehört dazu, wann sie bestimmt wurde und ob sie gemessen, geschätzt oder von einem früheren Punkt übernommen ist. Hinzu kommen erkennbare Umgebung, aktuelle Gefahren, vorhandene Überlebens- und Signalmittel sowie die tatsächlich mögliche weitere Verbindung. Verletzungen oder eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit beeinflussen, wie dringend welche Art von Aufnahme vorbereitet werden muss.

Auch eine Verlagerung und die weitere Absicht sind relevant. Wer wegen einer unmittelbaren Gefahr den gemeldeten Ort verlassen muss und noch Verbindung hat, kann Richtung, Zeitpunkt und neuen Ort mitteilen. Damit lässt sich die Bewegung in die Suche einarbeiten. Ohne solche Aktualisierungen stützen sich die Planer auf die letzte Meldung, Beobachtungen und zuvor hinterlegte Angaben. Ein vorbereiteter Plan und zutreffende Notsenderdaten können dadurch wirksam werden, dass eine andere Stelle den Alarm auslöst oder Informationen weitergibt. Die Person muss währenddessen ihre körperliche Handlungsfähigkeit erhalten und vorhandene, für die Lage geeignete Signalmittel für eine tatsächliche Annäherung nutzen können.

Ein Cospas-Sarsat-Alarm liefert eine Notsenderkennung und gegebenenfalls Positionsinformationen an die zuständigen SAR-Stellen. Die Kennung kann zu hinterlegten Angaben über Person, Fahrzeug, Kontakte und Vorhaben führen. Daraus entsteht aber kein gewöhnliches Gespräch mit dem SMC. Eine kurze Positionsmeldung über eine andere Verbindung, ein Satellitenalarm und ein Kontakt mit herannahenden Kräften sind unterschiedliche Informationswege.

Nationale Zuständigkeit und Missionsabschluss

In manchen australischen Zuständigkeitsbereichen heißt dieselbe missionsbezogene Funktion SARMC. Die verantwortliche SAR-Behörde setzt sie ein; der Umfang ihrer Befugnisse richtet sich nach der jeweiligen Führungsordnung. Bei einer polizeilichen Landrettung kann ein Search Commander auf Grundlage der Informationen und Empfehlungen des SMC über die Einleitung der Suche entscheiden. SARMC bezeichnet dort keine zusätzliche Führungsebene neben dem SMC.

In Deutschland koordiniert MRCC Bremen die maritime Suche und Rettung in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Es legt Suchgebiete unter Berücksichtigung von Wind, Tidenströmung und Drift fest und bestimmt die geeignete Besatzung für die Koordination vor Ort. Bei den SAR-Rettungsfliegern der Bundeswehr gehen Meldungen zunächst an ein RCC, bevor eine Besatzung beauftragt wird; der militärische SAR-Dienst unterstützt auch die Seenotrettung. Eine Bundeswehr-Besatzung kann damit in einen nationalen SAR-Fall eingebunden sein, ohne dass ein militärischer Rückführungsauftrag in feindlichem Gebiet vorliegt.

Der SMC hält Meldungen, Entscheidungen, eingesetzte Kräfte, Suchflächen und Ergebnisse fortlaufend fest. Lageberichte versorgen die beteiligten Stellen mit demselben aktuellen Stand; das Einsatzprotokoll zeigt, weshalb ein Auftrag geändert wurde und was noch offen ist. Nach einer Rettung werden Kräfte abgemeldet, nachbesprochen und die Unterlagen abgeschlossen. Bleibt die Suche erfolglos, werden Fortsetzung oder Aussetzung nach den nationalen Zuständigkeiten beurteilt. Im australischen Aufgabenrahmen gibt der SMC dazu Empfehlungen. Die bisherigen Suchunterlagen bleiben für die Wiederaufnahme bei neuen Hinweisen nutzbar.

Feindliche Bedrohung und militärische Rückführung

Bei militärischer Isolation können gegnerische Kräfte den Kontakt, den Anflug und die Aufnahme gefährden. Dann braucht die Rückführung zusätzlich eine Beurteilung der Feindlage, Schutz für Person und Rettungskräfte sowie eine Authentifizierung. Ein ziviler Notsenderkanal ist kein geschützter militärischer Dialog. Auch militärische Geräte können getrennte Funktionen besitzen: einen ungesicherten SARSAT-Datenweg und eine gesicherte Zweiwegverbindung für militärische Rückführung. Der gewählte Informationsweg muss daher zum vorgesehenen Verfahren und zur Bedrohung passen.

Im NATO-Rahmen koordiniert eine Personnel Recovery Coordination Cell, PRCC, die PR-Aufgaben ihres Kommandobereichs und verwaltet unter anderem ISOPREP und Evasion Plan of Action. Das Joint Personnel Recovery Centre, JPRC, stimmt Rückführungen für den gemeinsamen Befehlshaber und zwischen den Komponenten ab. Der Rescue Mission Commander, RMC, plant und führt die konkrete militärische Rückführungsmission und hat taktische Kontrolle über die für die Aufnahme beauftragten Mittel. Er trägt damit eine andere Funktion als der SAR-SMC. Auch das Kürzel OSC bezeichnet hier einen On-Scene Commander mit militärischen Führungsaufgaben, während in der Luftfahrt- und Seerettung ein On-Scene Coordinator gemeint ist.

Eine genaue Position allein genügt in dieser Lage nicht. Die Rückführungskräfte müssen die Identität der Person prüfen und den Zugriff taktisch und technisch durchführen können. Für die isolierte Person bedeutet das, die vorbereiteten Erkennungs- und Authentifizierungsverfahren zu nutzen und ihre Angaben zu schützen, die aktuelle Bedrohung über die dafür vorgesehenen vorhandenen Mittel zu melden und die Aufnahme mit den tatsächlich herannahenden Kräften abzustimmen. Ein über die SAR-Kette eingegangener Alarm entscheidet noch nicht über Anflugweg, Schutzmaßnahmen oder Zeitpunkt einer militärischen Aufnahme.