Ein Rescue Coordination Centre beziehungsweise Rescue Coordination Center (RCC) ist eine Rettungsleitstelle, die Such- und Rettungsmaßnahmen (Search and Rescue, SAR) im zuständigen Bereich zusammenführt. Sie nimmt Meldungen über Menschen in Not entgegen, beurteilt die verfügbaren Informationen, plant die Suche und koordiniert geeignete Einsatzmittel. Zur Funktion gehören die Verbindung mit anderen Rettungsstellen und die laufende Anpassung an neue Erkenntnisse. Schiffe, Luftfahrzeuge und Rettungsteams führen die Suche und die körperliche Rettung aus.
Vom Alarm zur beurteilbaren Lage
Ein RCC kann durch einen Notruf, eine Vermisstenmeldung, ein überfälliges Luftfahrzeug oder Schiff, einen Augenzeugen oder eine Notfunkbake von einem Fall erfahren. Für den Satellitenalarm einer PLB, EPIRB oder ELT führt der Weg über Cospas-Sarsat. Bodenempfangsstationen, die Local User Terminals (LUT), verarbeiten die von Satelliten weitergeleiteten Signale. Ein Mission Control Centre (MCC) führt Alarmdaten zusammen, ordnet sie und verteilt sie an zuständige RCCs oder nationale SAR-Kontaktstellen. Das MCC bearbeitet dabei den Datenfluss; das RCC klärt die Notlage und organisiert die Such- und Rettungsreaktion. Zuständigkeit und grenzüberschreitende Weiterleitung bestimmen den Empfänger. Mit der Gerätekennung erreichen das RCC auch vorhandene Positionsdaten: Eine Bake mit GPS-Empfänger kann ihre damit bestimmte Position mitsenden; das System kann zusätzlich eine unabhängig ermittelte Senderposition liefern. Diese Daten bilden einen Ansatz für die Suche.
Die Gerätekennung einer Bake ermöglicht den Abgleich mit registrierten Angaben. Diese können den Nutzer, das Luftfahrzeug oder Schiff, Kontaktpersonen und das geplante Vorhaben beschreiben. Die Angaben werden aus dem Register ergänzt; der Sender strahlt nicht den vollständigen Datensatz aus. Kontaktpersonen können erklären, wer das Gerät tatsächlich mitführt und welche Route vorgesehen war. Bei einem vermissten Schiff helfen dessen Beschreibung und die mögliche Zahl der Personen an Bord, das Suchziel und den Umfang der Rettung zu bestimmen. Veraltete Kontakte oder ein anderer als der registrierte Nutzer hinterlassen hier Informationslücken. Registrierung und Vorhabensangaben gehören deshalb zur Vorbereitung vor einer möglichen Isolation.
Die erste Meldung kann lückenhaft sein. Das RCC gleicht Alarmdaten, Registrierungsinformationen und weitere Meldungen ab, um zu klären, was geschehen ist, wo Menschen gefährdet sind und welche Hilfe sie benötigen. Eine tatsächlich verfügbare Zweiwegeverbindung ergänzt den Notsenderalarm um die Art der Notlage, Verletzungen, die Zahl der Betroffenen und Lageänderungen. Wer darüber berichten kann, trennt den gegenwärtigen Aufenthaltsort von einer früheren Position und nennt die zugehörige Zeit. Wer die Position nur schätzen kann, kennzeichnet sie als Schätzung; andernfalls kann der Suchplan auf einem vermeintlich sicheren, tatsächlich falschen Ort aufbauen.
Suchgebiet und verfügbare Einsatzmittel
Ein bekannter Senderort oder die letzte bestätigte Position ist ein Ausgangspunkt für die Suche. Auf See können Wind und Strömung Menschen, Rettungsinseln oder ein manövrierunfähiges Boot verlagern. Das RCC berücksichtigt solche Veränderungen und die Ungenauigkeit der Ausgangsposition bei der Festlegung des Suchgebiets. Bei vermissten Personen können zusätzlich der geplante Weg und spätere Beobachtungen das Gebiet eingrenzen. Der Sender und die gesuchte Person müssen dabei nicht am selben Ort sein: Eine abgetriebene oder zurückgelassene Bake lokalisiert zunächst sich selbst.
Für den einzelnen SAR-Fall kann ein Search and Rescue Mission Coordinator (SMC) eingesetzt sein. Der Koordinator nutzt die Lageinformationen, um den Einsatz zu planen und abzustimmen. Suchgebiete lassen sich in Teilgebiete aufteilen und verfügbaren Mitteln zuweisen. Entscheidend sind deren Standort, Einsatzbereitschaft und Eignung: Ein Suchflugzeug kann ein Gebiet absuchen, ein Schiff Menschen aus dem Wasser aufnehmen, ein entsprechend ausgerüsteter Hubschrauber Personen bergen. Ein RCC kann dafür neben ausgewiesenen Rettungseinheiten auch geeignete Schiffe oder andere Kräfte einbeziehen. Ein On-Scene Coordinator (OSC) bündelt die Arbeit der eingesetzten Mittel vor Ort. Diese SAR-Funktion ist von der übergeordneten Fallkoordination zu unterscheiden.
Eine gefundene Person muss anschließend erreichbar sein. Wetter, Sicht, Gelände, Entfernung und die Fähigkeiten der eingesetzten Besatzung bestimmen, ob und auf welchem Weg eine Aufnahme möglich ist. Die Entscheidung zwischen einem Anflug, einer Annäherung auf dem Wasser oder einer anderen Hilfeleistung benötigt mehr als Koordinaten. Angaben darüber, ob jemand noch gehen kann, im Wasser liegt oder von Hindernissen umgeben ist, verändern den benötigten Einsatz. Bis Kräfte die Person tatsächlich erreichen, bleiben ihr vorhandener Schutz vor der Umgebung, ihre Versorgung und ihre eigene Handlungsfähigkeit für das Überleben entscheidend.
Nationale Zuständigkeit und gemeinsame Leitstellen
MRCC bezeichnet ein Maritime Rescue Coordination Centre für maritime Such- und Rettungsaufgaben. In Deutschland koordiniert MRCC Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger die Seenotrettung in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Dabei können auch Hubschrauber der Bundeswehr oder andere verfügbare Schiffe mitwirken. Im militärischen SAR-Dienst werden Meldungen über Luftnotfälle über ein RCC an die eingesetzten Rettungsbesatzungen vermittelt. Für die Person in Not richtet sich die Zusammenarbeit nach dem Ereignis und den benötigten Fähigkeiten; eine militärische Besatzung kann ebenso Zivilisten retten. Ihre Beteiligung macht aus dem nationalen SAR-Einsatz keine Rückführung aus feindlichem Gelände.
Ein Joint Rescue Coordination Centre (JRCC) verbindet die Koordination aeronautischer und maritimer SAR-Aufgaben. In Kanada arbeiten dafür Angehörige der Royal Canadian Air Force und der Coast Guard zusammen. Vermisste oder überfällige Personen an Land und auf Binnengewässern gehören dagegen grundsätzlich zur Zuständigkeit der Provinzen und Territorien, die die Reaktion örtlichen Polizeidiensten übertragen; in Bundesparks führt Parks Canada die Landsuche. Die Streitkräfte können diese Stellen auf Anforderung unterstützen. Die Mitwirkung eines Hubschraubers allein verändert deshalb nicht die Zuständigkeit eines Landnotfalls.
RCC Australia nimmt als internationaler SAR-Kontaktpunkt Notmeldungen entgegen, koordiniert die Reaktion oder überträgt die Koordination an die zuständige SAR-Behörde. Auch beim grenzüberschreitenden Bakenalarm bleiben Datenbereitstellung und Einsatzführung verschiedene Aufgaben. Wird eine in Australien registrierte Bake im Ausland aktiviert, kann Australien Registrierungsdaten und Informationen von Kontaktpersonen liefern; die zuständigen Stellen im Gebiet der Notlage koordinieren die Suche und Rettung. Eine heimische Registrierung bedeutet für die isolierte Person daher nicht, dass Kräfte aus ihrem Heimatland die Aufnahme übernehmen. Maßgeblich sind die im betroffenen Gebiet erreichbaren Fähigkeiten.
RCC und militärische Personnel Recovery
Im NATO-Rahmen führt eine Personnel Recovery Coordination Cell (PRCC) die PR-Koordination innerhalb einer Komponente, während das Joint Personnel Recovery Centre (JPRC) die gemeinsame Planung und Abstimmung unterstützt. Diese Stellen verarbeiten die militärische Isolationslage mit Informationen zur Person, Bedrohung und Rückführung. Eine RCC-Notmeldung kann dafür wichtige Ausgangsinformationen liefern. Ein ziviler Satellitenalarm bietet jedoch keinen gesicherten militärischen Zweiwegekanal. Die Gerätekennung weist eine Bake aus; für die Aufnahme unter gegnerischer Bedrohung ist zusätzlich die vorgesehene Authentifizierung der Person erforderlich. Kräfte müssen außerdem den Zugang, ihren Schutz und die Aufnahme technisch und taktisch bewältigen können.
In einer SAR-Notlage wird eine Bake nach ihrer Geräteanleitung eingesetzt und für die fortgesetzte Ortung eingeschaltet gelassen, bis die Rettungsstelle etwas anderes anweist. Eine vorhandene und für die Lage geeignete Verbindung dient dazu, Zustand, Ort und notwendige Veränderungen zu übermitteln. Unter gegnerischer Bedrohung bestimmen die militärischen Kommunikations-, Schutz- und Rückführungsverfahren auch die Signalisierung und Bewegung. Wer seinen Aufenthaltsort verändert, verändert damit die Lagegrundlage der Suche; eine mögliche Meldung dieser Veränderung hilft, Suchkräfte zum aktuellen Ort zu führen.