Wiki · Begriffserklärung

SERE Level B

SERE Level B ist die praktische Zwischenstufe der Vorbereitung auf militärische Isolation. Im NATO-Rahmen ist sie für Personal mit mittlerem Isolations- oder Ausnutzungsrisiko vorgesehen und verbindet Grundlagenunterricht mit praktischer Survival- und Evasion-Ausbildung sowie Resistance-Unterricht. Die isolierte Person übt, ihre Handlungsfähigkeit zu erhalten, Gefangennahme zu vermeiden und mit persönlichen Mitteln an ihrer Rückführung mitzuwirken.

Risiko und nationale Verwendung

Für die Risikoeinstufung zählen Einheit, Tätigkeit, Auftrag und Einsatzverfahren ebenso wie das Wissen und die Verantwortung der einzelnen Person. Eine Trennung von eigenen Kräften kann deshalb sehr unterschiedliche Folgen haben: Neben der Gefährdung der Person steht die mögliche Ausnutzung ihrer Kenntnisse in Gefangenschaft. Ein Dienstgrad allein bestimmt die Stufe nicht. In der deutschen Artillerie gehören beispielsweise Feuerunterstützungsteams, die mit der Kampftruppe arbeiten, und weit vorn eingesetztes Geschütz- oder Aufklärungspersonal zu den dargestellten Anwendungsfällen. Werden solche Kräfte überrannt oder abgeschnitten, müssen sie sich selbst versorgen und der Gefangennahme entziehen können.

Das französische Stufenmodell verbindet B mit mittlerem Risiko und regelmäßig zu erwartenden Einsätzen in entsprechend gefährdeter Umgebung. Es sieht Unterricht, Demonstrationen, praktische Stationen und Geländeübungen mit persönlicher Ausrüstung vor. Im britischen System wird B auf Ebene der Einheit vermittelt. Die deutsche B-Ausbildung umfasst Unterkunftsbau, Feuer, Wasser- und Nahrungsaufbereitung, Verhalten bei der Aufnahme durch Rückführungskräfte und eine Durchschlageübung. In dieser Feldphase müssen Versorgung, Orientierung und Ausweichen zusammen funktionieren: Ein Ruheplatz kann Schutz bieten und gleichzeitig die Weiterbewegung erschweren; eine Versorgungsmaßnahme kann Kraft erhalten und zugleich die eigene Anwesenheit verraten.

Schutz und Versorgung unter Bedrohung

Zu den französischen B-Inhalten gehören unmittelbare Reaktionen nach einer Isolation sowie Schutz, Lokalisierung, Wasser, Nahrung und an Umgebung und Bedrohung angepasste Erste Hilfe im Gefecht. Die Person beurteilt die unmittelbare Gefahr, ihren körperlichen Zustand, ihren Standort und die verbliebenen Mittel. Daraus ergibt sich, ob sie zunächst Deckung sucht, eine notwendige Versorgungsmaßnahme vornimmt oder weiter ausweicht. Ein nutzbares Wassergefäß, Wetterschutz und ein Orientierungsmittel beeinflussen, welche Strecke sie überhaupt bewältigen kann.

Beim Schutz erfüllen Abschirmung gegen Wind und Niederschlag und Isolation gegen kalten oder feuchten Untergrund verschiedene Aufgaben. Mit Kleidung, mitgeführtem Material und geeigneten örtlichen Mitteln wird nur so viel eingerichtet, wie für Schutz und Ruhe nötig ist. Ein Platz braucht beobachtbare Annäherungen und eine Möglichkeit, ihn wieder zu verlassen. Eine Senke kann verdecken, bei Starkregen aber Wasser sammeln; aufwendiger Ausbau kostet Kraft und verändert die Umgebung sichtbar.

Bei der Wasserversorgung gehören Beschaffung, Aufbereitung und Transport zusammen. Die Person muss das vorhandene Aufbereitungsmittel anwenden und das aufbereitete Wasser in einem sauberen, geschlossenen Gefäß für die nächste Bewegungsphase erhalten. Feuer kann Wärme und die Zubereitung von Nahrung ermöglichen, beansprucht aber Brennstoff, Zeit und geeignete Mittel. Licht und Rauch können den Ort verraten. Ob ein Feuer oder eine längere Nahrungssuche sinnvoll ist, richtet sich deshalb auch nach der gegnerischen Aktivität und der notwendigen Weiterbewegung. Versorgung soll die Fähigkeit zum Ausweichen erhalten; sie darf diese nicht durch unnötigen Aufwand aufzehren.

Beobachten, orientieren und bewegen

Evasion bedeutet, die eigene Bewegung so zu gestalten, dass feindliche Kräfte die Person möglichst weder entdecken noch gefangen nehmen. Dazu gehören die Nutzung natürlicher Sichtdeckung, die Vermeidung einer auffälligen Silhouette und Beobachtung aus einem verdeckten Halt. Vor einer Straße oder einem anderen offenen Abschnitt prüft die Person sichtbare und hörbare Hinweise auf Menschen, Fahrzeuge und gegnerische Tätigkeit. Sie entscheidet danach über die nächste Bewegung, statt dem kürzesten Weg unbesehen zu folgen. Klappernde Ausrüstung wird gesichert, glänzende Gegenstände werden abgedeckt; abgebrochene Vegetation und zurückgelassene Gegenstände können die eigene Passage erkennen lassen.

Das französische B-Modell nennt Karten, Kompass, GPS und persönliche elektronische Orientierungsmittel. Ihr gemeinsamer Zweck ist, den eigenen Ort und ein erreichbares Ziel zu bestimmen. Gelände und Karte werden verglichen, Bewegungsrichtung und zurückgelegte Strecke wiederholt geprüft. Der Weg zu einem vorgesehenen Ausweich- oder Rückführungsraum muss mit dem Zustand der Person, ihren Vorräten und den Hindernissen vereinbar sein. Ein Ziel auf der Karte rechtfertigt keinen Marsch durch beobachtetes offenes Gelände. Ruhe und Versorgung werden in diese Bewegung eingeplant, damit Erschöpfung oder Wassermangel die Person nicht an einem ungünstigen Ort festhalten.

Eigene Mitwirkung an der Rückführung

Die französische B-Vorbereitung verbindet Orientierungsmittel, Positionssignale und persönliche Kommunikation mit den für den Einsatz geltenden PR-Verfahren. PR steht für Personnel Recovery, die Rückführung isolierten Personals. Vor dem Einsatz müssen die Person und die beteiligten Kräfte dieselben vereinbarten Verfahren verstehen. Ein Evasion Plan of Action beschreibt die beabsichtigten Handlungen beim Ausweichen; ein ISOPREP enthält vorbereitete Daten für Identifizierung und Authentifizierung. So können Rückführungskräfte eine erwartete Bewegung einordnen und die Identität prüfen. Den aktuellen Aufenthaltsort muss die Person im Isolationsfall erst feststellen und gegebenenfalls übermitteln.

Mit einer tatsächlich nutzbaren Funk-, Telefon- oder Datenverbindung meldet sie ihren Ort, Zahl und Zustand der Personen, beobachtete Bedrohungen, Hindernisse und vorhandene Signalmittel. Ein Spiegel, Signaltuch, eine Lichtquelle oder Rauch macht den Ort für einen Empfänger erkennbar, der Sicht auf das Signal und gegebenenfalls die dafür erforderliche Ausrüstung hat. Die französische Vorbereitung umfasst unter anderem Blitz- und Infrarotlampen, Leucht- und Rauchsignale; die deutsche Darstellung nennt auch Tuch und Spiegel. Die Person hält passende Mittel bereit und verwendet sie nach dem vereinbarten Verfahren oder der Anweisung bestätigter eigener Kräfte. Sichtbare Signale können zugleich einem Gegner den Aufenthaltsort zeigen; wiederholter Geräteeinsatz verbraucht Energie, die für den späteren Kontakt benötigt wird.

Ein Positionssignal beantwortet die Frage nach dem Ort. Die Authentifizierung klärt zusätzlich, ob die meldende Person die gesuchte ist. Rückführungskräfte können während der Aufnahme besonders verwundbar sein; ein Gegner könnte eine bekannte Position oder abgefangene Informationen zum Täuschen benutzen. Die Person schützt deshalb ihre Authentifizierungsdaten und antwortet im dafür vorbereiteten Verfahren. Bei einer tatsächlich bevorstehenden Aufnahme unterstützt sie das Erkennen ihres Ortes, packt und sichert ihre Ausrüstung und folgt den Anweisungen der aufnehmenden Kräfte. Eine nicht bedrohliche Haltung, eine gesicherte Waffe und das Vermeiden plötzlicher Bewegungen erleichtern den Kontakt. Die Person nähert sich einem Fahrzeug erst auf Aufforderung. Welche Aufnahme möglich ist, hängt von den verfügbaren Kräften, der örtlichen Bedrohung und dem Zustand der Person ab.

Resistance und der Unterschied zu A und C

Im NATO-Rahmen behandelt B Resistance im Unterricht. Im französischen Modell gehören die Behandlung von Gefangenen, psychologische und rechtliche Aspekte der Gefangenschaft, staatliche und nichtstaatliche Festhaltung sowie die Phasen der Gefangenschaft dazu. Die Person soll gegnerische Ausnutzung auch nach einer Gefangennahme einordnen können: Der Schutz ihrer Kenntnisse und ihr Verhalten in Gefangenschaft werden damit Teil der Vorbereitung, neben dem vorherigen Vermeiden der Gefangennahme.

Die US Air Force verwendet B auch für Evasion and Conduct After Capture, kurz ECAC. Dieses Programm behandelt Gefangenschaft im Krieg, in Friedenslagen und bei Geiselnahme in Unterricht und praktischen Rollenspiel-Lernumgebungen. Unterricht zu Evasion, PR und den zugehörigen Verfahren wird durch ein Evasion Laboratory mit praktischer Anwendung ergänzt. Den Abschluss bildet ein Hostage Resistance Training Laboratory, eine praktische Ausbildungsumgebung für Widerstand in einer Geisellage. Hier übt die Person also zusätzlich Verhalten nach Gefangennahme in simulierten Szenarien. Praktische Resistance-Anteile können in diesem nationalen B-Programm enthalten sein, obwohl die NATO-Beschreibung für B Resistance-Unterricht vorsieht.

Der NATO-Unterschied zwischen den Stufen liegt in Risiko und Inhalt: A vermittelt die Grundlagen für geringes Risiko und kann einfache Survival-Praxis in kontrollierter Umgebung ergänzen. B fügt für mittleres Risiko grundlegende praktische Survival- und Evasion-Aufgaben hinzu. C richtet sich an hohes Risiko und umfasst umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung in einer kontrollierten, realitätsnahen Umgebung. Die Einsatzaufgabe entscheidet über die erforderliche Vorbereitung; daraus ergibt sich keine feste Folge dreier Lehrgänge.