Wiki · Begriffserklärung

SERE Level A

SERE Level A ist die Grundlagenstufe der Vorbereitung auf militärische Isolation. Sie vermittelt, wie möglicherweise isoliertes militärisches oder ziviles Personal seine Handlungsfähigkeit erhält, einer Gefangennahme ausweicht, mit Gefangenschaft und gegnerischer Ausnutzung umgeht und an seiner Rückführung mitwirkt. Im NATO-Stufenmodell ist A Personal mit geringem Isolations- oder Ausnutzungsrisiko zugeordnet. Die konkrete Ausbildungsform und der Teilnehmerkreis werden national ausgestaltet.

Risiko und nationale Ausbildungsformen

Die Risikozuordnung berücksichtigt Einheit und Tätigkeit, Auftrag und Einsatzverfahren sowie die Kenntnisse und Verantwortung der Person. Neben der Wahrscheinlichkeit einer Isolation zählen die Folgen, die eine gegnerische Ausnutzung hätte. Deshalb richtet sich die erforderliche SERE-Vorbereitung nach dem Einsatzprofil. Im NATO-Rahmen besteht Level A mindestens aus Grundunterricht, der als Briefing oder Onlinekurs stattfinden kann; einfache praktische Survival-Ausbildung in kontrollierter Umgebung kann hinzukommen.

Die Bundeswehr beschreibt A als ausschließlich theoretische Ausbildung über Gefahren, Überleben in feindlicher Umgebung und Grundlagen der Personenrückführung. In Frankreich wird die theoretische Grundstufe auch Alpha genannt. Das französische Grundstufenprofil sieht A für sämtliches Personal vor, das im Landteil eines Einsatzgebiets eingesetzt wird, und verbindet es mit einer auf den Einsatzraum abgestimmten Wiederholung vor der Verlegung. Die Grundvorbereitung erreicht dort also auch Personen, deren Auftrag anschließend eine höhere SERE-Stufe verlangt.

Das US-Programm SERE 100.2 vermittelt Level-A-Inhalte online und verwendet unterschiedliche Module für militärisches und ziviles Personal. Der Unterschied liegt in den jeweiligen Verantwortlichkeiten und Verhaltensrahmen bei Isolation und Gefangenschaft. Der militärische Code of Conduct und die für zivile Verteidigungsbedienstete sowie zur Begleitung der Streitkräfte autorisierte zivile Auftragnehmer vorgesehenen Principles of Behavior sind verschiedene Rahmen. SERE 100.2 ist der Name eines US-Ausbildungsprogramms; Level A bezeichnet die Ausbildungsstufe.

Eigene Aufgaben bei Isolation

Isolation entsteht, wenn eine Person oder Gruppe von ihrer Einheit oder Organisation getrennt wird und nicht mehr unter deren unmittelbarer Führung oder geregelter Kontrolle steht. Ein Hinterhalt, Absturz oder Fahrzeugausfall kann zugleich Verletzungen, Ausrüstungsverlust und gegnerische Bedrohung verursachen. Für die eigene Lagebeurteilung zählen deshalb der körperliche Zustand, die tatsächlich verbliebenen Mittel, der Standort und die Bedrohung. Bei der Entscheidung zwischen Bleiben und Bewegen kommt hinzu, ob ein bekanntes Ziel erreichbar ist und ob der Weg dorthin Versorgung und Bewegung überhaupt zulässt.

Das französische A-Profil behandelt Schutz, Standortbestimmung, Wasser und Nahrung, körperliche und zeitliche Grenzen sowie persönliche Ausrüstung und militärische Erste-Hilfe-Grundlagen. Diese Themen erklären verschiedene Aufgaben: Wind- und Regenschutz vermindern die Belastung durch Wetter, eine isolierende Unterlage den Wärmeverlust zum Boden. Wasser muss beschafft, trinkbar gemacht und anschließend vor erneuter Verunreinigung geschützt aufbewahrt werden. Verletzungen, Wasservorrat und die Möglichkeit zu ruhen bestimmen mit, welche Strecke und welches Tempo die Person bewältigen kann. Die Ausrüstungsbetrachtung betrifft die Mittel, die nach der Trennung noch erreichbar sind, etwa mitgeführte Schutz-, Orientierungs- und Signalmittel.

Evasion bedeutet hier, eine Gefangennahme zu vermeiden. Eine kurze Route kann über offenes Gelände führen; ein verdeckter Umweg kostet zusätzliche Zeit und Kraft. Bewegung zieht den Blick auf sich, glänzende Gegenstände reflektieren Licht und Geräusche können Anwesenheit verraten. Gelände und Vegetation schirmen die Person nur aus den jeweiligen Beobachtungsrichtungen ab. Ein Ruheplatz muss daher Körperkontur und Bewegung verbergen, Beobachtung der Zugänge ermöglichen und einen Ausgang offenhalten, falls sich die Bedrohung nähert. Level A behandelt solche Zusammenhänge als Grundlage eigener Entscheidungen; längere praktische Ausweich- und Durchschlagephasen gehören in die weiterführende Ausbildung.

Gefangenschaft und Informationsschutz

Gefangenschaft wird bereits auf A behandelt, weil die festgehaltene Person Informationen liefern, für Propaganda benutzt oder als Druckmittel gegen die eigene Seite eingesetzt werden kann. Das französische Profil unterscheidet Kriegsgefangenschaft, staatliche oder nichtstaatliche Festhaltung und Geiselnahme. Kriegsgefangenschaft gehört zum rechtlichen Rahmen eines internationalen bewaffneten Konflikts; neben Angehörigen der Streitkräfte können bestimmte autorisierte zivile Begleitpersonen darunterfallen. Bei einer Geiselnahme sollen Drohungen gegen Leben, Unversehrtheit oder Freilassung einen Dritten zu einem Verhalten zwingen. Militärischer und ziviler Status ergeben deshalb keine einfache Aufteilung in Kriegsgefangene und Geiseln.

Zum Grundverständnis gehören der Schutz von Informationen, das Überleben während der Gefangenschaft und der eigene nationale Verhaltensrahmen. Angaben über Auftrag, Kräfte oder andere Gefangene können dem Gegner nützen. Für US-Militärangehörige verlangt der Code of Conduct bei Kriegsgefangenschaft Loyalität gegenüber Mitgefangenen und untersagt Informationen oder Handlungen, die ihnen schaden. Bei Befragung nennt er Name, Dienstgrad, Personalnummer und Geburtsdatum als zu gebende Angaben; weiteren Fragen soll die Person nach ihren Möglichkeiten ausweichen. Er verbietet außerdem mündliche oder schriftliche Aussagen, die dem eigenen Land und seinen Verbündeten schaden.

Diese militärischen Pflichten erklären einen Teil des militärischen Schwerpunkts von SERE 100.2. Zivile Verteidigungsbedienstete und zur Begleitung der Streitkräfte autorisierte zivile Auftragnehmer werden anhand der für ihren Status vorgesehenen Principles of Behavior vorbereitet. Ein ausschließlich auf den militärischen Code of Conduct zugeschnittener Unterricht deckt diesen zivilen Verhaltensrahmen nicht ab. Auf Grundlagenebene geht es um die Bedeutung von Status, Informationen und gegnerischer Ausnutzung; praktische Gefangenschafts- und Resistance-Szenarien werden damit nicht Bestandteil von A.

Mitwirkung an der Rückführung

Personnel Recovery umfasst die Vorbereitung und Rückführung isolierten Personals sowie dessen anschließende Wiedereingliederung. Die isolierte Person trägt dazu mit vorbereitetem Verhalten, Positionsangaben, Signalen und Zusammenarbeit bei einem tatsächlichen Kontakt bei. In der NATO-Vorbereitung können nationale und einsatzbezogene Vorgaben einen Evasion Plan of Action, kurz EPA, und einen Isolated Personnel Report, kurz ISOPREP, verlangen. Der EPA hält vor dem Auftrag beabsichtigtes Verhalten und Ausweichbewegungen fest, damit Rückführungskräfte mögliche Aufenthaltsorte und Bewegungen besser einschätzen können. Der ISOPREP enthält zuvor hinterlegte Informationen zur Identifizierung und Authentifizierung. Welche Personen diese Unterlagen benötigen, bestimmen die jeweiligen Vorgaben; ihre Funktionen sind von einer aktuellen Positionsmeldung zu unterscheiden.

Eine Positionsmeldung bezeichnet den gegenwärtigen Aufenthaltsort; über eine vorhandene Verbindung können außerdem Verletzungen, Gruppengröße und Bedrohungen übermittelt werden. Ein sichtbares Signal macht diesen Ort für einen Beobachter auffindbar. Dafür braucht es einen erkennbaren Kontrast zum Umfeld und eine Sichtlinie zum Empfänger. Infrarotsignale setzen passende Beobachtungsmittel auf dessen Seite voraus. Vereinbarte Kontaktzeiten, Signale und Verfahren ohne Funk helfen, die eigenen Mittel gezielt einzusetzen. Ein weithin sichtbares Licht oder Tuch kann zugleich gegnerische Beobachter aufmerksam machen; in bedrohter Lage richtet die Person ihre Signalisierung daher auf den vorgesehenen Kontakt oder erkannte eigene Kräfte aus.

Authentifizierung prüft, ob der Kontakt tatsächlich die erwartete Person betrifft. Auch genaue Koordinaten beseitigen das Risiko eines getäuschten oder vom Gegner kontrollierten Kontakts nicht: Rückführungskräfte können bei der Aufnahme besonders verwundbar sein. Die Person schützt deshalb die vorbereiteten Authentifizierungsinformationen und verwendet das vorgegebene Verfahren. Im französischen A-Profil stehen einfache Positionssignale und das Verhalten gegenüber Rückführungskräften im Vordergrund; eine generische Identifizierungs- oder Authentifizierungsmethode gehört dort erst zur endgültigen Einsatzvorbereitung, wenn die Vorgaben des Einsatzraums sie vorsehen.

Bei einer tatsächlichen Boden- oder Landungsaufnahme unterstützt die Person die Ortung, nimmt eine nicht bedrohliche Haltung ein, sichert Waffen und lose Ausrüstung und vermeidet schnelle Bewegungen. Sie nähert sich dem Fahrzeug erst auf Anweisung. Über vorhandene Verbindung meldet sie insbesondere die Zahl der Personen, Verletzungen und gegnerische Aktivität am Aufnahmeort. Ob Kräfte sie erreichen und aufnehmen können, hängt unter anderem von Standort, Zustand, Authentifizierung, verfügbaren Fähigkeiten und der Bedrohung für beide Seiten ab.

Einordnung zwischen A, B und C

Im NATO-Modell unterscheiden sich die Stufen durch das zugeordnete Risiko und den Umfang der praktischen Ausbildung. Die Bundeswehr beschreibt bei B zusätzlich eine Durchschlageübung und das Verhalten bei Wiederaufnahme; C vertieft Überleben und Durchschlagen sowie zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft.

Stufe im NATO-ModellRisikoAusbildungsumfang
A – GrundlagenGeringes Isolations- oder AusnutzungsrisikoGrundunterricht; ergänzend einfache praktische Survival-Ausbildung in kontrollierter Umgebung möglich.
B – ZwischenstufeMittleres Isolations- oder AusnutzungsrisikoGrundunterricht und praktische Survival- und Evasion-Ausbildung; Resistance im Unterricht.
C – Fortgeschrittene StufeHohes Isolations- oder AusnutzungsrisikoUnterricht und umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung in kontrollierter, realitätsnaher Umgebung.