
SERE Level B ist die mittlere Ausbildungsstufe für Personal mit einem mittleren Risiko militärischer Isolation oder gegnerischer Ausnutzung. Im NATO-Rahmen verbindet sie Grundlagenunterricht mit praktischen Survival- und Evasion-Aufgaben sowie Resistance-Unterricht. Die Teilnehmer müssen sich mit ihrer persönlichen Ausrüstung schützen und versorgen, ihren Standort bestimmen, einer Gefangennahme ausweichen und an der eigenen Rückführung mitwirken. Nationale Programme setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: Das französische Modell umfasst die Aufgaben vom Beginn der Isolation bis zur Authentifizierung, die Bundeswehr nennt eine Durchschlageübung und das Verhalten bei der Aufnahme, die US Air Force verbindet in ECAC praktische Evasion mit verschiedenen Gefangenschaftslagen.
Für welche Aufgaben Level B vorgesehen ist
Das Risiko ergibt sich aus Verwendung, Einheit und Auftrag. Entscheidend sind die Wahrscheinlichkeit, von eigenen Kräften abgeschnitten zu werden, die Gefahr einer anschließenden Gefangennahme und die Folgen gegnerischer Ausnutzung. Auch Kenntnisse und Verantwortung einer Person zählen dazu: Wer über besonders wertvolle Informationen verfügt, kann für den Gegner ein anderes Ziel darstellen als jemand mit demselben Weg durch das Gelände. Eine Dienstgradgruppe oder eine Berufsbezeichnung allein bestimmt deshalb keine internationale B-Zuordnung.
Im französischen Kompetenzmodell richtet sich B an Personal, das regelmäßig für Operationen mit mindestens mittlerem Isolationsrisiko vorgesehen ist; die Anforderungen des Einsatzraums werden durch den zuständigen Befehlshaber konkretisiert. Für die deutsche B-Ausbildung sind Soldatinnen und Soldaten mit mittlerem Risiko, von eigenen Kräften abgeschnitten zu werden, der beschriebene Teilnehmerkreis. Großbritannien bindet B oder C an das festgestellte erhöhte operative Isolationsrisiko und führt B auf Einheitsebene durch.
Ein konkreter deutscher Einsatzkontext sind Joint Fire Support Teams, kurz JFST, die unmittelbar mit der Kampftruppe eingesetzt werden, sowie weit vorn eingesetzte Artilleriegeschütze und Aufklärungsmittel mit ihrem Personal. Werden solche Kräfte überrannt oder von der eigenen Truppe getrennt, können einzelne Soldaten verwundet im Feindgebiet zurückbleiben. Die bisherige Versorgung und die gemeinsame Bewegung mit der Truppe fallen dann aus. Mit dem noch erreichbaren Material müssen sie ihre Handlungsfähigkeit erhalten, feindlichen Kräften ausweichen und einen Weg zurück zu eigenen Kräften oder zu einer möglichen Aufnahme finden. Darauf bereiten die Ausbildung in Versorgung und Durchschlagen sowie das Verhalten bei der Rückführung vor.
Level A schafft die Grundlage für das Erkennen von Isolation, Gefahren und Rückführungsmöglichkeiten. B umfasst im NATO-Modell grundlegende praktische Survival- und Evasion-Ausbildung; C enthält umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Anteile in einer kontrollierten, realistischen Ausbildungsumgebung. Die Buchstaben beschreiben Umfang und Risikobezug. Für den einzelnen Teilnehmer zählt, welche Qualifikation sein Auftrag verlangt; daraus entsteht keine automatisch zu durchlaufende A–B–C-Lehrgangskette.
Ein dokumentiertes B-Modell vom Isolationsbeginn bis zur Aufnahme
Das französische Modell ordnet B vier miteinander verbundenen Arbeitsbereichen zu. Survival umfasst unmittelbare Reaktionen auf Isolation, Schutz, Standortbestimmung, Wasser, Nahrung und den Einsatz persönlicher Ausrüstung. Evasion verbindet das Vermeiden einer Gefangennahme mit der Bewegung und der Vorbereitung auf Rückführung. Resistance behandelt Gefangenschaft und Ausnutzung. Extraction umfasst Rückführungsmethoden, Einsatzanweisungen, eigene Kommunikationsmittel sowie Identifizierung und Authentifizierung. Unterricht, praktische Vorführungen, Stationen und Geländeübungen können diese Aufgaben miteinander verbinden.
Am Beginn einer Isolationslage steht die eigene Bestandsaufnahme: Was bedroht die Person am gegenwärtigen Ort, welche Verletzungen oder Umgebungseinflüsse begrenzen sie, welches Material ist noch erreichbar, und wie sicher ist ihr Standort bekannt? Die Antworten bestimmen die ersten Handlungen. Bei unmittelbarer Entdeckungs- oder Gefangennahmegefahr kann das Verlassen der offenen Lage Vorrang haben; an einem geschützten Ort kann zunächst dringend benötigter Wetterschutz die körperliche Handlungsfähigkeit erhalten. Ein umfangreicher Lagerbau würde dagegen Zeit und Material verbrauchen und erkennbare Veränderungen im Gelände hinterlassen.
Danach muss die Person sich versorgen und entscheiden, ob sie weitergeht. Sie nutzt die vorhandenen Schutz- und Versorgungsmittel, bestimmt mit geeigneten Orientierungsmitteln ihren Standort und prüft, ob ihr Zustand und ihre Vorräte den Weg zum vorgesehenen Ziel zulassen. Unterwegs kontrolliert sie wiederholt ihren Standort, beobachtet die Umgebung, hält sich verborgen und vermeidet auffällige Geräusche oder Bewegungen. Eine kurze Strecke auf der Karte kann viel Kraft und Zeit kosten, wenn Gelände und Bedrohung Umwege oder lange Beobachtungspausen erzwingen.
Für die Rückführung lernt die Person, vorbereitete Signale, ein tatsächlich nutzbares Kommunikationsgerät und die geltenden Einsatzverfahren einzusetzen. Damit kann sie ihre Position mitteilen und auf eine Authentifizierungsanfrage antworten. Bei der Aufnahme muss sie die Anweisungen der eigenen Kräfte umsetzen. In der deutschen B-Ausbildung werden diese Aufgaben in einer Durchschlageübung und beim Verhalten gegenüber einem Personnel-Recovery-Team geübt.
Schutz, Versorgung und persönliche Ausrüstung
Die Bundeswehr nennt für B Unterkunftsbau, Feuermachen sowie Wasser- und Nahrungsaufbereitung. Unter gegnerischer Bedrohung dienen diese Tätigkeiten dem Erhalt der weiteren Handlungsfähigkeit. Eine Unterkunft muss daher zugleich zur Witterung, zum vorhandenen Material und zur nächsten Bewegungsaufgabe passen. Natürlicher Schutz mit wenigen Ergänzungen kann ausreichen. Ein großer Aufbau verlangt mehr Arbeit und hinterlässt frische Schnittflächen im Bewuchs und auffällige Formen.
Ein Dach hält Niederschlag ab und vermindert die Belastung durch Wind. Der Kontakt mit kaltem oder nassem Boden bleibt eine eigene Wärmeverlustquelle. Die Person muss deshalb auch die Liegefläche isolieren, etwa mit dafür vorhandenem Material oder geeigneter trockener Unterlage. Bei der Platzwahl prüft sie zusätzlich, ob Zugänge beobachtbar sind, ein Verlassen möglich bleibt und herabfallendes Holz oder plötzlich ansteigendes Wasser den Ruheort bedrohen. Ein gut verborgenes tiefes Gelände kann als Abflussrinne bei Regen gerade zum falschen Platz werden.
Bekleidung und Schutzmaterial erfüllen einen Teil dieser Aufgabe schon während der Bewegung. Luft zwischen geeigneten Schichten vermindert Wärmeverlust; zu warme Kleidung bei starker Anstrengung führt zu Schweiß und feuchter Isolation. Die Person passt ihre Schichten deshalb vor einer anstrengenden Strecke an und schützt die für die Ruhe benötigten Mittel vor zusätzlicher Nässe. Ausrüstung wird so verstaut und gesichert, dass sie nicht verloren geht, beschädigt wird oder bei der Bewegung klappert. Ein verlorener Wasserbehälter verringert die Menge, die im nächsten Abschnitt mitgenommen werden kann; ein beschädigtes Positionsgerät erschwert die weitere Orientierung.
Wasserbeschaffung, Aufbereitung und Aufbewahrung sind verschiedene Arbeiten. Die Person braucht eine erreichbare Quelle, ein mit ihren Mitteln durchführbares Aufbereitungsverfahren und einen sauberen, geschlossenen Vorratsbehälter. Gerät behandeltes Wasser wieder in den benutzten Rohwasserbehälter oder an verschmutztes Material, kann es erneut verunreinigt werden. Bei der Versorgungsplanung muss auch der Aufwand für die Aufbereitung berücksichtigt werden: Erhitzen braucht ein geeignetes Gefäß, Brennstoff und Zeit; vorhandene Aufbereitungsmittel haben ihre eigenen Einsatzbedingungen. Der Weg zur Wasserstelle und der Aufenthalt dort müssen bei der weiteren Evasion eingeplant werden.
Die Person plant ihre Verpflegung für den nächsten Bewegungsabschnitt. Vorhandene Rationen lassen sich mit kürzeren Aufenthalten und weniger Geräteeinsatz nutzen, als neue Nahrung zu beschaffen und zuzubereiten. Zusätzliche Nahrung kann Kräfte erhalten, ihre Suche kann aber Vorräte verbrauchen und das Erreichen eines geeigneten Rückführungsraums verzögern. Die Person beurteilt deshalb neben dem möglichen Ertrag auch Weg, Arbeitsaufwand, Wasserbedarf und die Zeit, die sie an einem Ort gebunden bleibt.
Für ein Feuer müssen Zündwärme, Brennstoff und Sauerstoff zusammenkommen. Es wärmt und ermöglicht die Zubereitung von Nahrung, erzeugt aber auch Licht, Rauch und eine erkennbare Feuerstelle. In der B-Ausbildung gehört zum Feuermachen deshalb auch die Entscheidung, ob ein Feuer nötig ist: Wofür wird es gerade gebraucht, was lässt sich mit der vorhandenen Ausrüstung ohne Feuer erledigen, und wie erhöht der Aufenthalt die Entdeckungsgefahr? Im französischen B-Modell kommt ausdrücklich Gefechts-Ersthilfe hinzu, angepasst an Umgebung und Bedrohung; sie gehört zur unmittelbaren Versorgung der isolierten Person und zum Erhalt ihrer Fähigkeit, sich weiter zu bewegen.
Orientierung, Beobachtung und Bewegung unter Bedrohung
Das französische B-Modell verlangt die Anwendung von Positionierungs- und Navigationssystemen sowie persönlichen elektronischen Geräten; es nennt Karte, Kompass und GPS. Geländemerkmale und Karte helfen, den gegenwärtigen Ort und mögliche Wege einzuordnen. Der Kompass liefert die Richtung, ein geeignetes Positionsgerät den Standort. Erst danach lässt sich entscheiden, welcher Weg zu einem erreichbaren Ziel führt und welche Abschnitte wegen Gelände oder gegnerischer Tätigkeit gemieden werden müssen.
Die Standortbestimmung wird während der Bewegung fortgesetzt. Auffällige Geländeformen, bekannte Orientierungspunkte, Bewegungsrichtung und geschätzte zurückgelegte Strecke werden miteinander verglichen. Ein Umweg kann eine geplante Richtung verschieben, langsames Vorankommen die Streckenschätzung verfälschen. Bei widersprüchlichen Merkmalen hält die Person an einem geeigneten Ort an und klärt ihre Position, bevor sie den Fehler durch weitere Bewegung vergrößert. Die eigene Kraft und der Wasserbestand begrenzen dabei, wie viel Suchbewegung noch möglich ist.
Evasion verändert die Wahl des nächsten Abschnitts. Die Person beobachtet aus einer verborgenen Position, bevor sie einen offenen Raum oder einen Verkehrsweg betritt. Bewegung, Umriss und auffällige Kontraste können sie auch dann erkennbar machen, wenn die Kleidung zur Umgebung passt. Natürlicher Sichtschutz unterbricht den Blick auf den Körper; das Meiden einer Silhouette an einer Kuppe verhindert eine besonders deutliche Kontur. Gesicherte Ausrüstung vermindert Klappern, abgedeckte glänzende Teile auffällige Reflexe.
Beobachtung wird unterwegs wiederholt. Geräusche von Fahrzeugen oder Personen, sichtbare Bewegung und neue Spuren können die bisherige Wegentscheidung verändern. Eine geschützte Pause schafft die Möglichkeit, diese Hinweise wahrzunehmen, die beim eigenen Gehen überhört oder übersehen werden. Anschließend wählt die Person einen weiter verdeckten Abschnitt, einen Umweg oder weiteres Abwarten. Geringe Helligkeit kann das optische Auffallen verringern, erschwert zugleich aber die Geländeerkennung und die Orientierung; eine feste Regel „immer nachts bewegen“ würde diesen Zielkonflikt übergehen.
Verbergen betrifft auch die Hinterlassenschaften. Unnötig gebrochener Bewuchs, umgeworfene Gegenstände, Abfall oder verlorenes Material zeigen eine Passage an und können Rückschlüsse auf die Person ermöglichen. Die Bewegung soll deshalb vorhandene Geländeformen nutzen und unnötige Eingriffe vermeiden. Ein Ruhepunkt braucht neben Schutz und geringer Sichtbarkeit beobachtbare Zugänge und eine Möglichkeit zur Weiterbewegung. Ohne Ausgang kann aus einer unauffälligen Lage eine Falle werden; ohne Ruhe und Versorgung erschöpft sich die Person noch vor dem nächsten erforderlichen Abschnitt.
Positionssignale und tatsächlich nutzbare Kommunikation
Ein Positionssignal zeigt eigenen Kräften, wo die Person ist. Ein Kommunikationsmittel kann zusätzlich Zustand, Absicht und Gefahren übermitteln und Anweisungen empfangen. Das französische B-Modell nennt für die Positionsanzeige unter anderem Blitz- und Infrarotlichter, Leuchtsignale, Rauch und Leuchtstäbe; die deutsche Darstellung ergänzt Signaltuch und Spiegel. Funk, Telefon und Datenübertragung bilden einen eigenen Bereich. Die Person muss ihre Mittel bedienen können und beurteilen, ob eigene Kräfte das jeweilige Signal wahrnehmen oder die Nachricht empfangen können.
Für ein optisches Signal muss ein geeigneter Empfänger den Signalraum sehen können; ein Infrarotsignal braucht entsprechende Empfangsausrüstung. Sichtschutz, Entfernung und der Standort des Empfängers bestimmen daher, ob ein bereitliegendes Mittel überhaupt bemerkt werden kann. Eine weithin sichtbare Markierung oder Rauch kann zugleich fremde Beobachter auf den Ort aufmerksam machen. Die Person bereitet die vereinbarten Mittel vor und setzt sie nach den Einsatzanweisungen oder nach tatsächlichem Kontakt ein, statt durch dauerndes Signalisieren den Aufenthaltsort offenzulegen.
Ein Kommunikationsgerät braucht Energie, muss funktionsfähig sein und bedient werden können; für den Austausch ist außerdem eine Verbindung nötig. Die Person kontrolliert ihre Geräte und Signalmittel, hält sie einsatzbereit und richtet den Batterieverbrauch nach den vorgesehenen Nutzungszeiten. Ein Telefon setzt eine nutzbare Verbindung voraus, ein Funkgerät einen erreichbaren und passenden Empfänger. Bei der Evasion plant sie mit den Kommunikationsmöglichkeiten, die ihre Geräte tatsächlich bieten. Kommt kein Kontakt zustande, muss sie weiterhin selbst ihren Standort bestimmen, sich schützen und ihre Weiterbewegung planen.
Bei zustande gekommener Verbindung ist eine nachvollziehbare Positionsmeldung die Grundlage. Hinzu kommen Zahl und Zustand der Personen, erkennbare gegnerische Tätigkeit, Hindernisse am möglichen Aufnahmeort und die verfügbaren Signalmittel. Diese Informationen helfen eigenen Kräften, den Ort zu prüfen und die Aufnahme auf die tatsächliche Lage abzustimmen. Eine Meldung über den ursprünglichen Isolationsort ersetzt nach einer Weiterbewegung die neue Positionsangabe nicht.
Recovery-Vorbereitung, Authentifizierung und Aufnahme
Personnel Recovery verbindet die Vorbereitung der Person mit den Fähigkeiten eigener Kräfte. Vor einem Auftrag kann ein Evasion Plan of Action, kurz EPA, die beabsichtigten Handlungen bei Isolation festhalten. Ein ISOPREP enthält Informationen zur formalen Identifizierung und Authentifizierung. Damit erfüllen die beiden Instrumente unterschiedliche Aufgaben: Der EPA hilft, Bewegungsabsichten zu verstehen; das ISOPREP hilft, die richtige Person zu bestätigen. Die tatsächliche Position und der aktuelle Zustand müssen während einer Isolation gesondert ermittelt werden.
Das französische B-Modell umfasst die Kenntnis von Rückführungsmethoden und den geltenden PR-Anweisungen. Dazu gehören standardisierte Verfahrensanweisungen, SOP, und besondere einsatzbezogene Anweisungen, SPINS. Für die Person betreffen diese beispielsweise die vorgesehenen Kommunikations- und Signalisierungsverfahren sowie Identifizierung und Authentifizierung. Vor dem Einsatz muss sie prüfen, ob sie die geltenden Kommunikations- und Rückführungsverfahren mit den tatsächlich ausgegebenen Geräten ausführen kann und welche Vorgaben im Einsatzraum gelten.
Identifizierung und Authentifizierung lösen ein anderes Problem als die Standortbestimmung. Eine genaue Koordinate zeigt den Ort, bestätigt aber noch nicht, dass die dortige Person die gesuchte ist. Eigene Kräfte prüfen deshalb vor der Aufnahme die Identität nach dem vorbereiteten Verfahren. Die Person antwortet entsprechend ihrer Einweisung und schützt die dafür vorgesehenen Informationen vor gegnerischer Nutzung. Ein Gegner könnte offen preisgegebene Authentifizierungsdaten nutzen, um sich als gesuchte Person auszugeben und die bei der Aufnahme besonders gefährdeten Rückführungskräfte zu täuschen.
Die weitere Rückführung hängt von Ort, Zustand, Bedrohung und den tatsächlich verfügbaren Kräften und Mitteln ab. Besteht Funkkontakt, kann die Person etwa die Anweisung erhalten, sich zu bewegen, wenn ihre jetzige Position für eine Aufnahme ungeeignet ist. Sie muss die neue Strecke mit ihrer verbleibenden Kraft und Versorgung im vorhandenen Gelände bewältigen können. Bis eine Aufnahme konkret möglich wird, muss sie sich weiter vor dem Wetter schützen, ihre Umgebung beobachten und entscheiden, ob sie bleibt oder weiter ausweicht.
Für die Aufnahme werden persönliche Gegenstände gepackt und gesichert sowie die benötigten Signalmittel vorbereitet. Die Person unterstützt das Erkennen ihrer Position zum angewiesenen Zeitpunkt, befolgt die Anweisungen der aufnehmenden Kräfte und nimmt eine erkennbare, nicht bedrohliche Haltung ein. Waffen werden gesichert; schnelle, unerwartete Bewegungen und ein eigenmächtiges Annähern an ein Fahrzeug können als Bedrohung wirken. Sie nähert sich erst auf Anweisung. Bei einem Luftfahrzeug kommen Gefahren durch Rotoren oder Propeller und lose Ausrüstung hinzu.
Resistance-Grundlagen und das nationale ECAC-Modell
Im NATO-Rahmen umfasst B Resistance-Unterricht. Das französische Modell nennt die Behandlung von Kriegsgefangenen, psychologische und rechtliche Aspekte von Gefangenschaft, staatlichen und nichtstaatlichen Gewahrsam sowie Gefangenschaftsstadien. Der Gegenstand ist die gegnerische Ausnutzung einer Person, die ihre Bewegungsfreiheit verloren hat. Die Vorbereitung verbindet deshalb den Schutz von Informationen mit dem Verhalten in der jeweiligen Gewahrsamslage und dem Erhalt der eigenen Überlebensfähigkeit.
Kriegsgefangenschaft hat einen bestimmten rechtlichen Zusammenhang: In einem internationalen bewaffneten Konflikt gehören unter anderem Angehörige der Streitkräfte einer Konfliktpartei, die in die Gewalt des Gegners geraten, zu den Kriegsgefangenen. Unter festgelegten Voraussetzungen können auch zur Begleitung der Streitkräfte autorisierte Zivilpersonen dazugehören. Eine Festhaltung in Friedenszeiten hat diesen Kriegsgefangenenstatus nicht schon durch die militärische Zugehörigkeit der Person. Das französische B-Modell behandelt deshalb das Widerstehen gegen Ausnutzung ausdrücklich sowohl bei Anwendbarkeit der Genfer Konvention als auch in anderen Gewahrsamslagen.
Bei einer Geiselnahme wird die gefangene Person als Druckmittel gegen Dritte eingesetzt. Der Täter droht mit Tötung, Verletzung oder fortdauernder Festhaltung, um beispielsweise einen Staat, eine Organisation oder eine andere Person zu einem Verhalten zu zwingen; Freilassung oder Sicherheit der Geisel werden daran gebunden. Die Forderung kann damit auf eine Entscheidung außerhalb des Einflusses der gefangenen Person zielen. Das unterscheidet die Lage von einer Befragung, die unmittelbar Informationen von ihr gewinnen soll.
Die US Air Force beschreibt mit Evasion and Conduct After Capture, ECAC, ein ausdrücklich als Level B bezeichnetes Programm. Es verbindet Unterricht zu Gefangenschaft im Krieg, in Friedenszeiten und in Geisellagen mit Academic Role-Play Laboratories, also Übungsumgebungen mit dargestellten Rollen und Situationen. Außerdem gehören Unterricht zu Evasion, Personnel-Recovery-Grundsätzen und Tactics, Techniques and Procedures, also Taktiken, Techniken und Verfahren, sowie ein Evasion Laboratory dazu. In diesem Evasion-Anteil werden die Verfahren praktisch angewandt. Den Abschluss bildet ein Hostage Resistance Training Laboratory, eine praktische Ausbildungsumgebung zum Widerstehen in einer Geisellage.
Zum US-militärischen Verhaltensrahmen gehört der Code of Conduct. Er verlangt von Kriegsgefangenen Loyalität zu Mitgefangenen: Sie sollen keine Informationen preisgeben, die diesen schaden können, und sich an keinen Handlungen beteiligen, die sie gefährden. Die ranghöchste Person übernimmt Führung; die anderen unterstützen die rechtmäßig eingesetzte Führung. Bei Befragung sind Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum anzugeben; weitere Antworten sollen nach besten Kräften vermieden werden. Mündliche oder schriftliche Erklärungen, die dem eigenen Land oder seinen Verbündeten gegenüber illoyal sind oder deren Sache schaden, sollen unterbleiben. Eine Aussage über andere Gefangene kann dem Gegner helfen, gegen diese vorzugehen; ein schädliches Schriftstück kann auch nach der einzelnen Befragung weiterverwendet werden.
In der deutschen allgemeinen Stufenbeschreibung wird das weitergehende Verhalten in Kriegsgefangenschaft bei C genannt, Widerstand gegen Befragung als zusätzliches Modul vornehmlich für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen.
Die Stellung zwischen A und C
Im NATO-Rahmen sind Risiko und praktischer Ausbildungsumfang wie folgt zugeordnet:
| Stufe | Risikobezug und NATO-Umfang | Aufgabe der Person |
|---|---|---|
| A | Niedriges Risiko; Grundlagenunterricht, gegebenenfalls grundlegende praktische Survival-Anteile in kontrollierter Umgebung. | Isolation, Gefahren, Schutz- und Rückführungsaufgaben einordnen und die eigene Vorbereitung verstehen. |
| B | Mittleres Risiko; Grundlagenunterricht, grundlegende praktische Survival- und Evasion-Ausbildung, Resistance-Unterricht. | Mit vorhandenen Mitteln Schutz, Versorgung, Orientierung und Evasion ausführen und eigene Rückführung vorbereiten. |
| C | Hohes Risiko; Unterricht und umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung in kontrollierter, realistischer Umgebung. | Die Fähigkeiten in anspruchsvolleren Isolations- und Gefangenschaftslagen gemeinsam anwenden. |
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