Wiki · Begriffserklärung

SOS

SOS ist das internationale Morse-Notsignal: drei kurze, drei lange und wieder drei kurze Signale bilden die Folge ...---..., mit der die sendende Person eine Notlage und Hilfsbedarf anzeigt. Eine isolierte Person kann das Muster mit Licht oder hörbaren Tönen übertragen, sofern ein Beobachter es vollständig wahrnehmen und als Notsignal verstehen kann.

Muster und Pausen

Die Bezeichnung SOS hilft, sich die Reihenfolge zu merken: Drei Punkte entsprechen dem Morsebuchstaben S, drei Striche dem O. Das Notsignal wird jedoch als eine zusammenhängende Gruppe gesendet. Zwischen dem ersten S und dem O sowie zwischen dem O und dem letzten S stehen keine gewöhnlichen Buchstabenpausen. SOS besitzt keine ausgeschriebene Wortbedeutung.

Ein kurzer Ton oder Blitz bildet den Punkt und gibt den Grundtakt vor. Ein langer dauert drei solche Takte. Zwischen allen neun Elementen bleibt das Signal jeweils einen Takt lang aus: Licht aus beziehungsweise Tonpause. Auch zwischen dem dritten kurzen und dem ersten langen Element bleibt diese kurze Pause erhalten. „Zusammenhängend“ bedeutet also, dass die neun Elemente eine Gruppe bilden; ein durchgehender Ton oder ein dauerhaft eingeschaltetes Licht würde die einzelnen Elemente verschlucken.

Erst nach der vollständigen Folge folgt eine deutlich längere Pause, bevor die Person das Muster wiederholt. Diese Unterbrechung macht den Beginn der nächsten Gruppe erkennbar und gibt Gelegenheit, eine Antwort zu hören oder zu sehen. Das Tempo muss so gleichmäßig bleiben, dass der Empfänger kurz und lang unterscheiden kann. Werden die langen Elemente aus Eile oder Erschöpfung ebenso kurz wie die Punkte, geht das charakteristische Muster verloren.

Mit Licht oder Schall senden

Mit einer Lampe lässt sich die Folge direkt erzeugen: dreimal kurz einschalten, dreimal für die dreifache Dauer einschalten und nochmals dreimal kurz einschalten, jeweils mit der kurzen Dunkelpause dazwischen. Bei einer Lampe, die sich schlecht schalten lässt, kann vollständiges Abdecken die Dunkelphasen erzeugen. Die Abdeckung muss den Lichtaustritt tatsächlich unterbrechen; eine nur etwas gedimmte Lampe lässt die Grenzen der Elemente schlechter erkennen. Die Lichtquelle wird auf den möglichen Beobachter ausgerichtet.

Eine Pfeife kann dasselbe Muster mit kurzen und gehaltenen Tönen tragen. Die drei langen Töne müssen hörbar länger bleiben, statt nur kräftiger zu werden. Dazu muss die Person genug Atem haben, um die Dauer und die Pausen zu halten. Klopfen erzeugt kurze Impulse: Neun gleich lange Schläge geben den langen Mittelteil deshalb nicht wieder. Ebenso enthält eine bloße Folge von drei Pfeiftönen noch nicht das vollständige SOS-Muster.

Eine schwache Lampe kann bei Tageslicht im hellen Hintergrund untergehen. Bäume, Gelände oder ein Gebäudeteil können die Sicht unterbrechen, sodass beim Beobachter nur Bruchstücke ankommen. Bei Schall können Wind und Umgebungsgeräusche die kurzen Töne verdecken. Vor der nächsten Folge prüft die Person deshalb bei Licht die Ausrichtung und freie Sichtlinie, bei Schall die Störgeräusche und eine mögliche Hörgelegenheit. In den Sendepausen hört und beobachtet sie, statt sofort eine weitere Folge zu beginnen.

SOS als sichtbare Schrift

Ausgeschriebene SOS-Buchstaben auf einer offenen Fläche vermitteln den Hilfsbedarf als Schriftbild. Hier entsteht die Information durch drei lesbare Buchstaben, nicht durch die zeitliche Folge von Punkten und Strichen. Helle Materialien auf dunklem Boden oder umgekehrt, klare Konturen und eine von oben sichtbare Fläche erleichtern das Lesen. Unter einem geschlossenen Blätterdach kann auch ein sorgfältig ausgelegtes Zeichen für ein Luftfahrzeug verdeckt bleiben. Die Markierung wirkt außerdem weiter, wenn die Person gerade nicht aktiv signalisiert.

SOS während militärischer Isolation

Ein SOS richtet sich an jeden, der das Muster erkennt. Damit kann es zugleich einen suchenden Gegner auf die Person aufmerksam machen. Eine gerichtete Lampe begrenzt, wohin der direkte Lichtstrahl fällt; Beobachter im selben Signalweg können ihn trotzdem sehen. Eine Pfeife lässt sich weniger gezielt an einen einzigen Empfänger richten. Eine ausgelegte Schriftmarkierung verrät den markierten Ort auch nach dem Ende einer einzelnen Signalfolge.

Für vorbereiteten Kontakt mit eigenen Kräften zählen die vereinbarten Erkennungszeichen und die Bedingungen, unter denen internationale Notsignale eingesetzt werden sollen. Ein als eigen oder befreundet erkanntes Luftfahrzeug oder eine eindeutig zugeordnete Gegenstelle bietet einen anderen Anlass zum Signalisieren als ein Geräusch unbekannter Herkunft. Muss eine Person wegen einer schweren Überlebensnotlage bewusst offen auf sich aufmerksam machen, gehört die mögliche gegnerische Entdeckung zu dieser Entscheidung. Verschwindet der mögliche Beobachter hinter einer Geländekante, hält sie die Lampe für die nächste sichtbare Gelegenheit bereit, statt gegen die verdeckte Sichtlinie weiterzusenden und Batterie zu verbrauchen.

Erkennung, Antwort und Rückführung

SOS überträgt den Hilfsbedarf, aber weder die Art der Notlage noch eine genaue Position oder die Identität der Person. Wer das Signal sieht oder hört, muss das Muster kennen und aus seiner Beobachtung den Ort eingrenzen können. Im Sprechfunk auf See wird eine Notmeldung mit dem gesprochenen Wort Mayday eingeleitet; SOS ist die Morsefolge, die auch ohne Sprachverbindung mit geeigneten Licht- oder Schallsignalen übertragen werden kann.

Eine wahrgenommene Reaktion eröffnet die Möglichkeit, Kontakt zu prüfen. Ein unbekannter Lichtblitz allein bestätigt weder eigene oder befreundete Kräfte noch eine bevorstehende Aufnahme. Bei tatsächlich hergestelltem Kontakt führt die Person die vorgesehene Erkennungs- und Identitätsprüfung aus und teilt, soweit die Verbindung es trägt, ihren Ort, die Zahl und den Zustand der Personen sowie beobachtete Gefahren mit. Vor einer Aufnahme bleibt sie unter Bedrohung verborgen und nähert sich einem Rückführungsmittel erst nach der entsprechenden Anweisung der identifizierten Kräfte.