Wiki · Begriffserklärung

Tourniquet – Abbindesystem

Ein Tourniquet ist ein Abbindesystem, das bei einer lebensbedrohlichen äußeren Blutung an Arm oder Bein den arteriellen Blutfluss unterhalb der Anlegestelle unterbricht. Ein straff gespanntes Band erzeugt dazu Druck rund um den Arm oder das Bein; ein Spannmechanismus und eine Verriegelung halten diesen Druck. In militärischer Isolation ermöglicht ein geeignetes Tourniquet unmittelbare Selbsthilfe, wenn die Blutung mit den verfügbaren Mitteln nicht anders ausreichend kontrolliert werden kann oder die Bedrohung eine rasche Abbindung erfordert.

Druck, Blutfluss und unvollständige Abbindung

Das Band liegt zwischen der Blutungsstelle und dem Rumpf. Sein Druck wird durch das Gewebe auf die Blutgefäße übertragen. Für die Blutstillung muss er ausreichen, um den arteriellen Zufluss zu unterbrechen. Vor dem eigentlichen Spannen muss deshalb bereits die lose Bandlänge aus der Schlaufe gezogen werden.

Bei unzureichendem Druck kann der venöse Rückfluss behindert sein, während über die Arterien weiter Blut in die Extremität gelangt. Blut staut sich unterhalb der Abbindung, der Gewebedruck steigt und eine gefährliche Drucksteigerung in den Muskelräumen kann entstehen. Die Wirksamkeitskontrolle umfasst deshalb die Blutungsstelle und, bei erhaltener Extremität, den Puls unterhalb der Abbindung: Die Blutung muss aufhören, und ein sicher beurteilbarer distaler Puls darf nicht mehr vorhanden sein. Schmerz allein zeigt keine erfolgreiche Blutstillung an.

Welche Blutung eine Abbindung erfordert

Warnzeichen sind eine starke pulsierende oder stetig fließende Blutung, eine wachsende Blutlache und Kleidung oder Verbände, die fortlaufend mit Blut durchtränkt werden. Eine traumatische Amputation ist eine weitere unmittelbare Indikation. Wer nach erheblicher Blutung blass, verwirrt oder bewusstlos wird, kann bereits im Schock sein. Auf diesen Zustand oder auf sichtbar spritzendes Blut zu warten, verliert Zeit; eine gefährliche Blutung kann auch gleichmäßig fließen.

Bei einer beurteilbaren Lage lässt sich eine Blutungsstelle zunächst mit festem unmittelbarem Druck kontrollieren. Dazu einen Verband oder sauberes verfügbares Material direkt auf die Wunde drücken und den Druck halten. Ist die Blutung kontrolliert, kann ein Druckverband den örtlichen Druck erhalten. Für eine lebensbedrohliche Arm- oder Beinblutung, die durch unmittelbaren Druck nicht gestoppt wird, das vorhandene geeignete Tourniquet rasch anlegen. Eine kleine, durch Druck beherrschbare Wunde verlangt keine vollständige Unterbrechung der Durchblutung des ganzen Arms oder Beins.

Ein Extremitäten-Tourniquet braucht oberhalb der Wunde einen geeigneten Bandplatz. Es gehört nicht um Hals oder Rumpf. Bei einer sehr rumpfnahen Verletzung in Leiste oder Achsel kann dieser Platz fehlen; ein gewöhnliches Arm- oder Bein-Tourniquet erreicht die Blutungsquelle dann nicht. Bei einer von außen komprimierbaren Wunde bleibt fester Druck direkt auf die Blutungsstelle eine eigene Handlungsmöglichkeit. Spezielle Abbindegeräte für solche Übergangsregionen haben eine andere Bauart und Anwendung.

Rasche taktische Anlage und gezielte Platzierung

Unter unmittelbarer gegnerischer Bedrohung sehen die US- und britischen taktischen Verfahren eine rasche Anlage über der Kleidung vor, klar oberhalb der Blutungsstelle. Ist die lebensbedrohliche Blutungsstelle nicht rasch zu erkennen, wird das Tourniquet möglichst weit oben auf dem verletzten Arm oder Bein angelegt: „high and tight“. Dabei keine festen Gegenstände in Taschen unter das Band einschließen. Diese schnelle Anlage soll Blutverlust begrenzen und Bewegung in Deckung ermöglichen; eine gründliche Wunduntersuchung unter Feuer kann zusätzliche Verletzungen verursachen.

Kann die Wunde beurteilt werden, liegt eine neu angelegte Abbindung unmittelbar auf der Haut, etwa 5–7 cm oberhalb der Blutungsstelle und nicht über einem Gelenk. Die US-Verfahrensangabe von 2–3 Zoll beschreibt ungefähr denselben Abstand. Bei mehreren Wunden muss das Band oberhalb der am weitesten zum Rumpf gelegenen Blutungsstelle sitzen. Ein bereits wirksames Tourniquet wird zur späteren Kontrolle der Wunde nicht einfach gelockert und verschoben. Seine gezielte Umplatzierung gehört zu einem kontrollierten medizinischen Verfahren, bei dem die Blutstillung während des Wechsels erhalten werden muss.

Bedienung am Beispiel des C-A-T Gen7

Das C-A-T Gen7 besteht aus einem selbsthaftenden Band mit einer Schnalle, einem Knebel, Halteclips und dem mit „TIME“ gekennzeichneten Sicherungsband. Die folgenden Schritte betreffen dieses Modell. Schnallenführung und Verriegelung anderer Abbindesysteme können anders funktionieren; die Handgriffe müssen zum tatsächlich vorhandenen Gerät passen.

  1. Für die einhändige Anlage den verletzten Arm oder das Bein durch die vorbereitete Bandschlaufe führen. Bei einer Anlage mit zwei Händen das Band um die Extremität führen und die rote Spitze durch den Schnallenschlitz ziehen. Das Gerät an der für die Lage bestimmten Stelle platzieren.
  2. Das Band kräftig straffziehen und auf sich selbst befestigen, ohne die Knebelclips zu überdecken. Beim Gen7 dürfen sich nicht drei Fingerspitzen zwischen Band und Extremität schieben lassen. Ist die Schlaufe noch so locker, erneut straffziehen und befestigen. Diese Vorspannung bereitet die eigentliche Abbindung vor.
  3. Den Knebel drehen, bis die Blutung aufgehört hat. Die benötigte Drehung ergibt sich aus der Wirkung; eine feste Zahl von Umdrehungen ist kein Erfolgskriterium.
  4. Den Knebel in einen Halteclip einrasten. Die Blutungsstelle kontrollieren und, wenn keine traumatische Amputation vorliegt, den Puls unterhalb der Abbindung prüfen. Anhaltende Blutung oder ein weiterhin vorhandener distaler Puls erfordern weiteres Spannen oder ein zweites verfügbares Tourniquet unmittelbar oberhalb und neben dem ersten. Anschließend erneut prüfen.
  5. Das freie Bandende zwischen den Clips über den Knebel führen. Knebel und Band mit dem TIME-Sicherungsband festlegen und die Anlegezeit darauf notieren.

Die Verriegelung verhindert, dass sich der gespannte Knebel zurückdreht. Das TIME-Band sichert Knebel und Band zusätzlich gegen Herauslösen bei Bewegung; es erzeugt nicht selbst den nötigen Abbindedruck. Muss nachgespannt werden, ein bereits geschlossenes TIME-Band öffnen und das über den Knebel geführte freie Bandende beiseitelegen. Den gespannten Knebel festhalten, aus dem Halteclip lösen und in Spannrichtung weiterdrehen, ohne ihn zurückdrehen zu lassen. Danach wieder einrasten, das Bandende erneut über den Knebel führen und das TIME-Band schließen. Bei einem zweiten Tourniquet bleibt das erste zur Blutstillung angelegt. Das zusätzliche Gerät braucht ebenfalls einen geeigneten Platz außerhalb eines Gelenks. Eine wirksame Abbindung kann stark schmerzen; wegen dieses Schmerzes die Spannung nicht verringern.

Nach Bewegung erneut auf Blutung prüfen

Nach Kriechen, einem Wechsel der Körperlage oder einem Transport können sich Band und Verriegelung verschieben. Deshalb die Blutungsstelle und den Sitz des Geräts wiederholt kontrollieren, besonders nach jeder solchen Bewegung. Neuer Blutfluss oder erneut durchnässte Verbände verlangen sofortige Korrektur der Blutstillung durch Nachspannen oder ein zweites geeignetes Gerät, soweit vorhanden. Eine geschlossene Klettfläche allein bestätigt keine wirksame Abbindung. Auch weitere Wunden an derselben Extremität können Blut verlieren und müssen bei möglicher Untersuchung erfasst werden.

Die Pulsprüfung ergänzt diese Kontrolle. Wer einen distalen Puls nicht sicher beurteilen kann, hat damit keinen zuverlässigen Nachweis einer vollständigen Abbindung. Sichtbar anhaltende Blutung wird trotzdem unmittelbar weiter behandelt. Bei späterer medizinischer Übernahme müssen Blutungsstelle, Lage und Wirksamkeit erneut überprüft werden; auch eine wieder steigende Durchblutung nach Schockbehandlung kann eine zuvor ausreichende Abbindung überfordern.

Anlegezeit und Grenzen längerer Selbsthilfe

Die Zeit jeder Abbindung möglichst mit einem wasserfesten Stift am jeweiligen Gerät festhalten und zusätzlich auf einer mitgeführten Notiz oder Verwundetenkarte vermerken. Bei mehreren Geräten muss erkennbar sein, welche Zeit zu welchem Gerät gehört. Eine spätere medizinische Umplatzierung setzt die bereits vergangene Abbindedauer nicht zurück. Fehlt eine Uhr oder ist die ursprüngliche Zeit unbekannt, diese Unsicherheit bei einer möglichen Übergabe ausdrücklich weitergeben.

Unterhalb einer vollständigen Abbindung erhalten Muskeln und Nerven kein arterielles Blut mehr. Mit längerer Dauer steigt die Gefahr bleibender Schäden. Das Tourniquet verhindert weiteren Blutverlust aus der betreffenden Extremität, ersetzt aber weder bereits verlorenes Blut noch die Behandlung anderer Verletzungen. Eine funktionierende Abbindung wird deshalb nicht in festen Zeitabständen gelockert und nicht versuchsweise geöffnet, um das Bein oder den Arm „kurz zu versorgen“: Die ursprüngliche Blutung kann sofort wieder einsetzen.

Die Umstellung auf Wundtamponade oder Druckverband verlangt eine medizinische Beurteilung, geeignete Mittel und eine engmaschig beobachtbare Wunde. Im US-TCCC-Verfahren setzt sie voraus, dass kein Schock vorliegt und die Abbindung keine Amputationsblutung kontrolliert. Angehörige der TCCC-Ersthelferstufen All Service Members und Combat Lifesaver dürfen nach mehr als zwei Stunden nur unter fortgeschrittener medizinischer Anleitung umstellen. Nach mehr als sechs Stunden sind für die Freigabe zusätzlich enges Monitoring und Labormöglichkeiten erforderlich. Für die isolierte Person entsteht daraus kein Zeitpunkt zum selbstständigen Öffnen. Fehlen die Bedingungen einer kontrollierten Umstellung, die wirksame Abbindung erhalten und weiter auf erneute Blutung achten.

Zugriff und Zustand des Geräts

Ein zur Selbsthilfe mitgeführtes Tourniquet muss mit der unverletzten Hand erreichbar sein. Das vorab in der tatsächlich getragenen Ausrüstung prüfen, auch im Liegen. Die verfügbare Hand muss das Gerät greifen, das Band kräftig ziehen und den Knebel drehen, halten und einrasten können. Bei fehlender Griffkraft oder Kontrolle kann der nötige Abbindedruck ausbleiben. Beim Gen7 kann die Bandschlaufe für die rasche Anlage vorbereitet werden: Spitze durch die Schnalle führen, etwa 20 cm Band durchziehen und auf sich selbst befestigen, die Schlaufe flachlegen, die Schnalle in deren Mitte legen und das Gerät so falten, dass die Schnalle an einem Ende liegt. Das TIME-Band bleibt für den Zugriff offen.

Band, Schnalle, Knebel, Clips und Haftflächen auf Beschädigung prüfen. Hitze, Sand, Frost und Abrieb können die Funktion nach längerer Exposition beeinträchtigen. Das Gen7 trocken, kühl und vor direktem Sonnenlicht geschützt aufbewahren. Für das Üben ein getrenntes Trainingsgerät verwenden; das für den Ernstfall mitgeführte Gerät ist für einmaligen Einsatz bestimmt. Gerade bei einhändiger Selbsthilfe fallen ein verklemmtes Band, ein gebrochener Clip oder eine falsch vorbereitete Schlaufe unmittelbar als Verzögerung oder fehlende Verriegelung ins Gewicht.