
Brasiliens militärische Überlebensausbildung verbindet mehrere Aufgaben: Nach einem Notfall muss die Besatzung mit ihrer verbliebenen Ausrüstung weiterleben können; in feindlichem Gebiet muss sie sich der Gefangennahme entziehen und eine Rückführung vorbereiten. Die Força Aérea Brasileira (FAB) verbindet dafür die Ausbildung des isolierten Besatzungsmitglieds, des evasor, mit den Verfahren der Rückführungskräfte. CABAS behandelt besonders das Überleben in Amazonien. Die Marine ergänzt eigene Ausbildungswege für fliegendes Personal und Kampftaucher; beim Heer liegt die Dschungelüberlebensausbildung innerhalb eines umfassenderen Programms für Operationen in der Selva.
Vom abgestürzten Piloten zum Aufnahmeort
In einem Ausbildungsweg der FAB beginnt fuga e evasão bereits an der Academia da Força Aérea. Die anschließende Jagdfliegerausbildung verbindet Unterricht über Busca e Salvamento em Combate, die Rückführung unter feindlicher Bedrohung, mit einem zusammenhängenden Bodenauftrag: Der Schüler bewegt sich durch ein als feindlich dargestelltes Gelände, erreicht einen bestimmten Aufnahmeort zur festgelegten Zeit und führt die vorgesehenen Funkkontakte mit dem Rückführungshubschrauber durch. Ort, Zeit und Funkverfahren bilden einen gemeinsamen Auftrag. Eine richtig erreichte Geländeposition genügt nicht, wenn die Besatzung die Person dort nicht identifizieren oder den Kontakt nicht wie vereinbart herstellen kann.
Die Hubschrauberausbildung behandelt beide Seiten dieser Verbindung. Missionsplanung und ein zusammengesetzter Rückführungsauftrag bereiten auf die Aufgabe in der Luft vor; ein eigener Ausbildungsanteil lässt den Schüler als abgeschossenen Piloten evadieren. Auch im aeronavalen Ausbildungsmodell des CAAVO, des Offizierlehrgangs für die Marinefliegerei, führt der Evasionsplan zu einem vorbestimmten Extraktionspunkt, dem SAR DOT. Die Teilnehmer nutzen dabei Tarnung und Spurenverschleierung, verständigen sich mit Zeichen, Gesten und Kommunikationsmitteln und wenden beim Kontakt die vorgesehenen Passwörter und Authentifizierungsverfahren an. Der Teilnehmer muss den Aufnahmeort erreichen, während er seine Entdeckung erschwert und für die vorgesehenen Kräfte identifizierbar bleibt.
Der Curso de Busca e Salvamento (CBS) bereitet Militärangehörige auf die Aufgabe in einer Rettungsmannschaft einer fliegenden Einheit oder des Esquadrão Aeroterrestre de Salvamento vor.
Was die Person vor dem Einsatz vorbereitet
Das aeronavale Ausbildungsmodell verknüpft die Rückführung mit einem vorbereiteten Operations- und Kommunikationsplan. Das Besatzungsmitglied kennt die vorgesehenen Verfahren, gültigen besonderen Anweisungen und Codes, prüft seine ISOPREP-Daten zur späteren Identitätsbestätigung und beherrscht die tatsächlich mitgeführten Kommunikations-, Ortungs- und Signalmittel. Persönliche Unterlagen und andere entbehrliche Informationen werden vor dem Einsatz nach den dafür festgelegten Regeln entfernt. Bei einer Gefangennahme soll der Gegner dadurch möglichst wenig über Auftrag, Kontakte und die vorbereitete Rückführung erfahren.
Nach einem Notfall sind der eigene Zustand und die verbleibenden Mittel maßgeblich. Dazu gehören die Versorgung eigener und fremder Verletzungen, das Sichern des Überlebenssatzes und das Verbergen auffälliger Gegenstände wie des Fallschirms. Der gewählte Wartebereich muss Deckung bieten. Wenn Bedrohung oder Gelände die Aufnahme dort verhindern, verbindet die weitere Evasion den Schutz vor Gefangennahme mit der Suche nach einem geeigneteren Aufnahmeort. Für eine Landung sind eine ebene Fläche, Abstand zu Leitungen und anderen Hindernissen sowie das Fehlen loser Gegenstände wichtig: Der Rotorwind kann diese aufwirbeln und Person oder Luftfahrzeug gefährden. Deckung in der Nähe ermöglicht es, bis zum eigentlichen Kontakt verborgen zu bleiben.
CABAS: Einzelüberleben und Gruppenaufenthalt in Amazonien
Der Curso de Adaptação Básica em Ambiente de Selva richtet sich auf isolierte Einzelpersonen und Gruppen in Frieden und militärischen Operationen. Das FAB-Programm sieht dafür einen zweiwöchigen Lehrgang in Manaus vor. Die Feldaufgaben verbinden erste Maßnahmen nach dem Unfall, die Versorgung Verletzter und den weiteren Aufenthalt mit dem Überlebenssatz unter Regen, Hitze und dichtem Kronendach.
Die Einzelübernachtung verlangt einen selbst eingerichteten Aufenthaltsplatz. In einem CABAS-Feldmodell stehen dafür unter anderem Dschungelhängematte, Überlebenssatz, Machete und Einsatzration zur Verfügung. Der Teilnehmer richtet die Hängematte und den Platz ein und muss mit nassem Material Feuer zustande bringen. Dunkelheit und unvertraute Geräusche erschweren die Arbeit am Platz. Die Aufgabe besteht darin, aus wenigen mitgeführten Mitteln und örtlichem Material einen nutzbaren Platz herzustellen und bis zum nächsten Morgen handlungsfähig zu bleiben.
Ein CABAS-Ausbildungsaufbau führt von den Einweisungen über einen Feldabschnitt mit eingeschränkter Ernährung und Einzelübernachtung zu einem mehrtägigen Gruppenaufenthalt bis zur geplanten Übungsaufnahme. Im Gruppenabschnitt müssen Schutz, Wasser- und Nahrungsbeschaffung, Feuer und Signalisierung zusammen funktionieren. Der Lehrgang behandelt auch den Transport Verletzter. Für eine isolierte Besatzung verändert eine nicht gehfähige Person damit den gesamten Auftrag: Die übrigen müssen Versorgungsarbeit und Bewegung mit dem Zustand des Verletzten verbinden.
Eine besondere Aufgabe ist die Sichtbarkeit aus der Luft. CABAS behandelt Spiegel und Rauchsignale ebenso wie Signalisierung mit örtlichem Material. Zur Signalisierung oberhalb des Kronendachs gehört peconha, das Klettern mit einem Band als Hilfsmittel. Der Zweck liegt in der freien Sichtverbindung zum suchenden Luftfahrzeug; ein Signal unter dichtem Laub kann verdeckt bleiben. In einem bedrohten Gebiet verraten Rauch und exponierte Bewegung zugleich den Aufenthaltsbereich. Im CSAR-Aufnahmeverfahren setzt die Person ihre vorbereiteten Signalmittel deshalb erst auf Anforderung des Rückführungsführers sichtbar ein.
Lokalisierung, Authentifizierung und Aufnahme
Ist ein einsatzfähiges Funkgerät vorhanden und ein Kontakt erreichbar, beginnt der Evasor im beschriebenen aeronavalen Verfahren mit Authentifizierung und einem Lagebericht. Dazu gehören die geschützte Positionsangabe, Zahl und Rufzeichen der Personen, körperlicher Zustand, gegnerische Aktivität in der Umgebung und die beabsichtigte weitere Handlung. Eine Position sagt den Kräften, wo sie suchen müssen; die Authentifizierung bestätigt, mit wem sie sprechen. Vorbereitete Codes und persönliche ISOPREP-Angaben verbinden beides mit den vor dem Einsatz hinterlegten Daten.
Nach dem Erstkontakt wird der vereinbarte Rückführungskanal verwendet. Kontaktfenster begrenzen die Einschaltdauer und schonen die Batterie; kurze Übertragungen begrenzen die Gelegenheit zur gegnerischen Erfassung. Bei einer neu hergestellten Verbindung wird erneut authentifiziert. Fällt das Gerät aus oder geht es verloren, tritt das vorbereitete Verfahren für Verbindungsausfall an die Stelle des Funkkontakts. Ein dafür vereinbartes Bodenzeichen kann Überleben und Bewegungsrichtung mitteilen. Seine Bedeutung müssen Person und Kräfte vorher kennen; ein spontan erfundenes Zeichen liefert ihnen weder die vereinbarte Identitätsbestätigung noch einen abgestimmten Weiterweg.
Am Aufnahmeort wartet die Person verborgen. Sie richtet Signale oder Hinweise für die anfliegenden Kräfte erst auf deren Anforderung aus. Nach Landung oder Absetzen der Rettungselemente nimmt sie bei dieser Bodenaufnahme eine gut sichtbare Warteposition ein. Sie wartet auf die Annäherung der Mannschaft und die letzte Authentifizierung, grundsätzlich kniend, mit dem Rücken zum Hubschrauber und den Händen auf dem Kopf; eine vorhandene Waffe liegt am Boden. Erst nach der Ansprache und Identitätsprüfung folgt sie den Anweisungen zum Einsteigen. Damit sind die Hände erkennbar und eine Waffe wird nicht mit dem Rückführungsteam zusammengeführt. Verletzungen gehören bereits in den Lagebericht, damit die Aufnahme zum tatsächlichen Zustand der Person passt.
RAFE, LAFE und Evasionskorridor
In der Kampftaucherausbildung CAMECO gehören RAFE, LAFE und Corredor de Evasão zu den praktischen Evasionsanteilen des Fachs Prisioneiros de Guerra, Fuga e Evasão. Im Marinegebrauch steht Apoio für Unterstützung; die Bezeichnung Auxílio findet sich ebenfalls für diese Strukturen. Ihre Funktionen unterscheiden sich:
| Struktur | Funktion | Aufgabe für die evadierende Person |
|---|---|---|
| RAFE – Rede de Apoio/Auxílio à Fuga e Evasão | Ein vorbereitetes Unterstützungsnetz nimmt die entkommene eigene Person auf und führt sie zur LAFE. | Eine tatsächlich vorbereitete Unterstützungsstruktur erreichen und dem vereinbarten Ablauf für den Weiterweg folgen. |
| LAFE – Linha de Apoio/Auxílio à Fuga e Evasão | Eine Unterstützungslinie verbindet mehrere Netze und trägt die Weiterführung zu eigenen Linien. | Nach der örtlichen Aufnahme dem vereinbarten Weiterweg bis in den eigenen Machtbereich folgen. |
| Corredor de Evasão | Ein vorgeplanter Geländestreifen koordiniert die Evasion, eigene Feuer und Aufnahmepunkte. | Innerhalb des vorgesehenen Bewegungsraums zu den geplanten Punkten gelangen. |
Netz und Linie benötigen vorbereitete Personen, Verbindungen und Übergänge. Der Korridor ordnet dagegen zunächst den Raum für die Bewegung und die Abstimmung mit eigenen Kräften. Für den Evasor ist diese Unterscheidung praktisch: Eine Unterstützungsstelle kann ihn aufnehmen und weiterführen; einen Korridor muss er mit seinen verfügbaren Mitteln durchqueren. Die Koordination eigener Feuer soll dabei verhindern, dass die evadierende Person mit dem Gegner verwechselt oder vom eigenen Feuer getroffen wird. Diese Aufgaben setzen Kenntnis des jeweiligen Plans voraus.
Gefangenschaft, Informationsschutz und anschließende Evasion
In Gefangenschaft gelten für die Person andere Anforderungen als beim Kontakt mit Rückführungskräften. Im brasilianischen Marine-Verhaltensrahmen sind für den Kriegsgefangenen in einem internationalen bewaffneten Konflikt bei einer Befragung Name, Dienstgrad, Geburtsdatum und Dienstnummer beziehungsweise gleichwertige Identifikationsangaben verpflichtend. Angaben zu Auftrag, Einheitentätigkeit oder Rückführungscodes gehören nicht zu dieser Identitätsauskunft. Diese Trennung ist der konkrete Ausgangspunkt für Informationsschutz in Gefangenschaft; sie wird durch die vorbereitende Entfernung entbehrlicher Unterlagen ergänzt.
Auch eine Funkverbindung kann unter gegnerischer Kontrolle stehen. Im aeronavalen Verfahren trägt deshalb ein zuvor vereinbarter Bedrohungscode die Meldung, dass die Person gefangen genommen wurde oder gegnerische Nähe die Aufnahme verhindert. Ein normal klingender Kontakt soll die Kräfte dann nicht in eine gefährdete Aufnahme führen. Der Code erfüllt diese Warnfunktion nur innerhalb des vorher abgestimmten Verfahrens.
Fuga bezeichnet das Entkommen aus der Gewalt der Bewacher oder dem Gefangenschaftsort. Evasão bezeichnet die anschließende Bewegung durch gegnerisch kontrolliertes Gebiet in Richtung eigener Linien. Für die Person verbindet sich eine gelungene Flucht deshalb wieder mit den Bodenaufgaben: Verletzungen und vorhandene Mittel beurteilen, Entdeckung erschweren und einen tatsächlich verfügbaren Unterstützungs- oder Aufnahmeweg erreichen. Der brasilianische Kampftaucherweg verbindet diese Lage im gemeinsamen Fach mit den genannten Evasionsformen; die Ausbildung für den Aufbau der Unterstützungsstrukturen ist eine andere Aufgabe als deren Nutzung durch den Evasor.
CIGS: die eigene Bewegung im Dschungel ordnen
Beim Centro de Instrução de Guerra na Selva liegt Überleben innerhalb der vida na selva, der ersten Phase des Curso de Operações na Selva. Ein dort verwendeter Merksatz lautet ESAON: Estacione, Sente-se, Alimente-se, Oriente-se, Navegue – anhalten, sich setzen und erholen, essen, sich orientieren und anschließend auf ein gewähltes Ziel hin bewegen. Die Folge unterbricht zielloses Weiterlaufen: Zuerst entsteht Raum zum Denken und zur Versorgung, danach werden eigener Standort und Ziel geklärt. Unter gegnerischer Bedrohung gehört dieser Halt an einen geschützten Platz. Die folgenden COS-Anteile für besondere Techniken und Operationen bereiten auf Dschungeloperationen vor.
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