
Der Einzelkämpferlehrgang der Bundeswehr bereitet militärische Führer darauf vor, eine von der eigenen Truppe abgeschnittene Gruppe durch feindbesetztes Gebiet zurückzuführen. Die Soldaten müssen ihren Weg selbst finden, Hindernisse überwinden, mit begrenzten Mitteln überleben und gegnerischen Kräften möglichst ausweichen. Der Führer trägt dabei Verantwortung für die Rückkehr der ganzen Gruppe, einschließlich erschöpfter oder verwundeter Kameraden.
Die Ausgangslage kann nach einem Feindkontakt entstehen: Soldaten verlieren den Anschluss und finden sich mit Angehörigen anderer Teileinheiten zusammen. Aus den verbliebenen Menschen und ihrer Ausrüstung muss wieder eine handlungsfähige Gruppe werden. Der Lehrgang verbindet deshalb die Fähigkeiten des einzelnen Soldaten mit der Führung einer solchen Gruppe unter Hunger, Schlafmangel, Marschbelastung und Bedrohung.
Auftrag, Teilnehmer und Lehrgangsnamen
Die Infanterieschule in Hammelburg bildet Einzelkämpfer für die gesamte Bundeswehr aus. Der EKL richtet sich besonders an den Führungsnachwuchs: junge Offiziere und Unteroffiziere, die Verantwortung für andere Soldaten übernehmen. Er bereitet sie auf eine Lage vor, in der die gewohnte Gliederung, Versorgung und Führung von außen ausfallen können. Auch eine zufällig zusammengefundene Gruppe braucht eine gemeinsame Absicht, eine brauchbare Route und jemanden, der die vorhandenen Kräfte einteilt.
In älteren Ausbildungsdarstellungen heißt dieser Grundauftrag „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“; dafür wird auch Einzelkämpferlehrgang I beziehungsweise EK1 verwendet. Unter der Bezeichnung Einzelkämpferlehrgang stellt die Bundeswehr weiterhin die Ausbildung zum Führen und Zurückbringen einer abgeschnittenen Gruppe dar. Die funktionsbezogene Bezeichnung erklärt also, worauf sich das Wort Einzelkämpfer hier bezieht. Der darauf folgende Lehrgang „Führer eines Jagdkommandos“ hat einen erweiterten Auftrag: Er bereitet auf das selbständige Führen einer getrennt eingesetzten Teileinheit vor.
Vorbereitung vor dem Lehrgang
Eine Einzelkämpfervorausbildung verbindet körperliches Training mit militärischen Fertigkeiten. Ein konkretes Beispiel ist die an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg aufgebaute freiwillige Vorausbildung studierender Soldaten. Dort wurden Sport und Schwimmen mit Knoten und Bunden, Orientierungsmärschen und Durchschlageübungen verbunden. Bereits ausgebildete Teilnehmer gaben ihre Kenntnisse an den nächsten Jahrgang weiter. Diese Vorbereitung lag vor dem eigentlichen Lehrgang und lief neben dem Studium.
Für die Feldaufgabe haben die Anteile unterschiedliche Funktionen. Ausdauer und Kraft werden beim Marsch mit Gepäck benötigt; Schwimmen und der Umgang mit Ausrüstung im Wasser werden bei Gewässerhindernissen relevant. Orientierungsmärsche verlangen, ein Ziel zu erreichen und den eigenen Standort unterwegs zu überprüfen. Die Durchschlageübung verbindet solche Einzelfertigkeiten mit der Lage einer Gruppe, die sich unter Bedrohung bewegen muss. Wer seine gesamte Aufmerksamkeit schon für die eigene Fortbewegung verbraucht, hat weniger davon für Wegwahl, Beobachtung und die Führung anderer übrig.
Praktische Ausbildung und zusammenhängende Feldphase
Der inhaltliche Aufbau führt von den Fertigkeiten des einzelnen Soldaten zur gemeinsamen Anwendung im Gelände. Orientierungsmärsche, Gepäckläufe und das Überwinden von Hindernissen werden dabei mit der Gruppenaufgabe verbunden. Hinzu kommen Gewässerausbildung, Feuer mit Behelfsmitteln und militärischer Nahkampf. In den anschließenden Gruppenaufgaben müssen die Teilnehmer entscheiden, wie sie diese Fähigkeiten unter einer gegnerischen Bedrohung einsetzen.
Bei einem Gewässerübergang wird beispielsweise die eigene Ausrüstung in einem Zeltbahnpaket trocken durch den Fluss verbracht. Die Aufgabe endet damit nicht am anderen Ufer: Die Gruppe muss mit ihrer Ausrüstung weitergehen können. Das Paket dient dem Transport und Schutz des Materials. Strömung, Ufer, Fähigkeiten der Soldaten und der Zustand der Ausrüstung bestimmen, ob ein Übergang überhaupt durchführbar ist.
Die Nahkampfausbildung steht innerhalb einer Überlebens- und Durchschlagelage. Vorrang hat das Vermeiden einer solchen Begegnung. Ein Gegnerkontakt bindet Kräfte und kann Verletzungen verursachen, während das Ziel der Gruppe weiterhin die Rückkehr zur eigenen Truppe ist. Im überarbeiteten Lehrgangskonzept wurde der Nahkampfanteil deshalb auf die für diese Lage wesentlichen Inhalte konzentriert.
In der Abschlussübung werden die Aufgaben zusammengeführt. Die Gruppe erhält einen Sammelpunkt und bestimmt ihren Weg dorthin selbst. Bei der Wegwahl muss sie Marschbelastung, Gelände, Versorgung und Gegnerlage berücksichtigen. Auch nach dem Überwinden eines Hindernisses muss sie noch beweglich, orientiert und führbar sein.
Orientierung und Bewegung unter Bedrohung
Ein Sammelpunkt gibt das Ziel vor, aber noch keine geeignete Route. Der Führer muss Gelände und gegnerische Bedrohung gemeinsam betrachten. Eine kurze Strecke über eine offene Fläche kann die Gruppe einer Beobachtung und Feindeinwirkung aussetzen; ein Umweg kostet Zeit und Kräfte. Bei der selbständigen Wegwahl ist deshalb entscheidend, welche Strecke die Gruppe in ihrem tatsächlichen Zustand bewältigen kann und wo sie unnötige Gegnerkontakte vermeidet.
Ein konkretes Ausbildungsbeispiel zeigt die Folge einer ungünstigen Entscheidung: Die Gruppe überschreitet eine freie Fläche ungeschützt, gerät im Szenario unter simuliertes Feuer und muss anschließend einen simulierten Verwundeten transportieren. Aus einer vermeintlichen Abkürzung entsteht eine zusätzliche Last. Nun verändern sich Tempo, Kräfteverteilung und die Nutzbarkeit des weiteren Weges. Der Führer muss den Marsch mit der neuen Lage fortsetzen, statt am Plan für eine vollständig gehfähige Gruppe festzuhalten.
In einer nächtlichen Durchschlageaufgabe zu einem Feldposten wurde die Bewegung durch gegnerische Streifen und kleine Sicherungstrupps erschwert. Eine Gruppe gelangte fast unbemerkt über eine Straße; eine andere verriet sich durch Schritte und Stimmen. Auch nahe am Etappenziel kam es noch zum Gegnerkontakt. Für den Teilnehmer liegt die Aufgabe darin, während des gesamten Weges die Umgebung zu beobachten und die eigene Bewegung daran auszurichten.
Eigene Versorgung und verfügbare Mittel
Feuer mit Behelfsmitteln ist eine praktische EKL-Aufgabe. Dazu muss ein Soldat mit dem tatsächlich vorhandenen Material ein Feuer zum Wärmen oder Kochen entfachen können. In einer abgeschnittenen Gruppe werden dafür Brennstoff, Arbeitszeit und Personen benötigt. Wer Material sammelt oder eine Kochstelle betreibt, kann in dieser Zeit andere Aufgaben nur eingeschränkt übernehmen. Der Führer muss Versorgung und Beobachtung zusammen organisieren.
Wie konkret diese Verbindung im deutschen SERE-Feldtraining wird, zeigen Übungen mit kleinen Trupps und knapper Ausrüstung. Die Soldaten gewinnen ihr Trinkwasser selbst, bereiten die zugeteilte Nahrung zu und teilen auch bei nur zwei oder drei Personen Feuerwache und Feindbeobachtung ein. In einem weiteren deutschen SERE-Beispiel wird Regenwasser mit einer Folie gesammelt. Der Bau eines Ruheplatzes richtet sich nach der verfügbaren Zeit und der beabsichtigten Aufenthaltsdauer. Solche Aufgaben verdeutlichen die gemeinsame Feldfrage von SERE und EKL: Wie bleibt die Person unterwegs handlungsfähig, ohne die Bedrohung während der Versorgung aus dem Blick zu verlieren?
Nach dem unmittelbaren Ausweichen muss der Trupp seine Rückkehr planen und Nahrung und Wasser organisieren. Ein aufwendiger Ruheplatz kann erst gebaut werden, wenn die Lage und die verbleibende Zeit dies erlauben. Vorräte, zurückzulegender Weg und Zustand der Soldaten gehören deshalb in dieselbe Planung. Der Führer muss den nächsten Wegabschnitt mit den verfügbaren Orientierungsmitteln selbst bestimmen und einen Rastpunkt so wählen, dass Versorgung und Beobachtung dort organisiert werden können.
Eine erschöpfte Gruppe führen
Bei einer zusammengefundenen Gruppe beginnt die Führung mit dem tatsächlichen Bestand: Wer ist dabei, wer kann sich bewegen, welche Ausrüstung und Vorräte sind vorhanden und welche Informationen über den Rückweg sind brauchbar? Daraus ergeben sich die nächsten Aufgaben. Der Führer legt ein gemeinsames Ziel fest und teilt Orientierung, Beobachtung, Versorgung und gegebenenfalls Verwundetentransport so ein, dass die Gruppe weiterarbeiten kann.
Ein Verwundeter verändert diese Einteilung unmittelbar. Die Träger stehen für andere Aufgaben weniger zur Verfügung, und die Route muss mit dem Transport vereinbar sein. Auch die übrige Ausrüstung muss weitergetragen werden. Der Führer muss erkennen, wann Personen abgelöst, Lasten neu verteilt oder der nächste Wegabschnitt angepasst werden müssen. Eine Geschwindigkeit, die einzelne kräftige Soldaten halten können, ist für eine Gruppe mit Verwundeten noch kein brauchbares Marschtempo.
Schlafmangel und Hunger wirken auf diese Arbeit zusammen mit der körperlichen Belastung. Die Gruppe muss dennoch den Standort prüfen, auf ihre Umgebung achten und Entscheidungen verstehen. Ein nächstes Ziel und die dafür eingeteilten Aufgaben müssen deshalb klar benannt sein. Nach einem Hindernis oder Gegnerkontakt muss der Führer feststellen, ob alle Personen und benötigten Mittel noch verfügbar sind und der Plan weiterhin zum Zustand der Gruppe passt. Seine eigene Erschöpfung ist dabei Teil der Lage: Er muss Verantwortung weitertragen, obwohl er denselben Weg und dieselben Entbehrungen durchläuft.
Vom Sammelpunkt zur Aufnahme
Die Rückkehr beginnt mit der eigenen Bewegung zu einem erreichbaren Sammel- oder Aufnahmepunkt. Die Gruppe muss den Ort gewinnen und dort auf die mögliche Begegnung mit eigenen Kräften vorbereitet sein. In einem konkreten EKL-Aufnahmebeispiel markieren die Soldaten ihren Standort mit farbigem Rauch. Sie warten zunächst in einer gedeckten Aufstellung im Wald und verlassen diese anschließend zur Aufnahme.
Die Markierung macht den Standort für die aufnehmenden Kräfte erkennbar. Ihr Einsatz setzt vorhandene Signalmittel und einen geeigneten Zeitpunkt für den Kontakt voraus. Farbe und Verwendung werden für die jeweilige Aufnahme vereinbart. Ist ein Funkgerät vorhanden und eine Verbindung erreichbar, kann die Gruppe den Kontakt darüber abstimmen. Andernfalls muss sie mit den verfügbaren Orientierungsmitteln und der vereinbarten Rückkehrplanung weiterarbeiten. Die Lehrgangsaufgabe verbindet damit das selbständige Durchschlagen mit der Mitwirkung an der tatsächlichen Aufnahme.
SERE-Bezug und Unterschied zum Jagdkommando
Survival, Evasion und Extraction treten im EKL als zusammenhängende Landaufgabe auf: Überleben erhält die Handlungsfähigkeit, Ausweichen hält die Gruppe möglichst aus dem Zugriff des Gegners, und die Rückkehr stellt den Anschluss an eigene Kräfte wieder her. Der besondere Schwerpunkt des EKL liegt auf dem Führer einer abgeschnittenen Gruppe. Die deutschen SERE-Stufen richten sich dagegen nach Isolationsrisiko und Ausbildungsinhalt. SERE B verbindet Theorie und praktische Feldarbeit; SERE C vertieft Überleben und Durchschlagen sowie das Verhalten in Kriegsgefangenschaft. Widerstand gegen Befragung ist ein zusätzlicher Ausbildungsanteil vor allem für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen. Für diese Gefangenschaftsaufgabe braucht der Soldat die dafür vorgesehene Ausbildung.
Der unter EK2 bekannte Folgelehrgang wird von der Bundeswehr als „Führer eines Jagdkommandos“ bezeichnet. Ein bestandener Einzelkämpferlehrgang geht voraus. Dort führen erfahrene Gruppen- und Zugführer einen verstärkten Zug, getrennt von eigenen Kräften und regulärer Versorgung. Die Teileinheit erhält eigenständige Aufträge, etwa Aufklärung oder den Schutz eigener Kräfte und Infrastruktur. Dafür müssen Gelände und Gegnerlage beurteilt, Informationen ausgewertet, Befehle gegeben und die Fähigkeiten der unterstellten Teile koordiniert werden.
Der sachliche Unterschied liegt im Auftrag. Im grundlegenden EKL muss eine ungeplant abgeschnittene Gruppe zurückgebracht werden. Das Jagdkommando wird als getrennt handelnde Teileinheit zur Erfüllung eines eigenen Auftrags geführt. Sein Führer muss die verfügbaren Kräfte und Vorräte sowohl für diesen Auftrag als auch für den anschließenden Weg einteilen.