
SERE Level C bereitet in der Bundeswehr besonders gefährdetes Personal auf das Überleben und Durchschlagen in feindlicher Umgebung sowie auf zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft vor. Dazu gehören vor allem Spezialkräfte und Piloten: Nach einer Trennung von eigenen Kräften müssen sie längere Zeit selbst handlungsfähig bleiben, Gefangennahme vermeiden und an ihrer Rückführung mitwirken. Im deutschen SERE-Sprachgebrauch bezeichnet Extraction dabei die Rückkehr zur eigenen Truppe. Widerstand gegen Befragung, Resistance to Interrogation oder RtoI, wird als zusätzlicher Ausbildungsanteil besonders für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen geführt.
Deutsche Ausbildungswege und Verwendungen
Ein zentraler Träger ist das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf. Dort gehören Überleben und Verhalten bei Gefangennahme zur Ausbildung nationaler und internationaler Spezialkräfte sowie Spezialisierter Kräfte. Im deutschen C-Bereich stehen unterschiedliche Verwendungen nebeneinander: Spezialkräfte, darunter Personal des Kommandos Spezialkräfte, Spezialisierte Kräfte des Heeres mit erweiterter Grundbefähigung und besonders gefährdetes fliegerisches Personal.
Spezialkräfte und Spezialisierte Kräfte üben diese Aufgaben vor allem in einer zusammenhängenden Landisolation: überleben, durchschlagen und Kontakt zu eigenen Kräften herstellen. Für Luftfahrzeugbesatzungen kommt die Trennung nach einer Luftfahrzeugnotlage hinzu: Sie müssen mit der noch verfügbaren persönlichen Notausrüstung auskommen und ihre Aufnahme durch Rückführungskräfte vorbereiten.
Level A vermittelt theoretische Grundlagen, Level B verbindet Theorie mit praktischer Überlebens- und Durchschlageausbildung sowie dem Verhalten bei der Wiederaufnahme. C vertieft diese Fähigkeiten und nimmt Verhalten in Kriegsgefangenschaft hinzu. Die Buchstaben begründen keine allgemeine Pflichtfolge A–B–C.
Vorbereitung auf die eigene Isolation
Zur deutschen Personnel-Recovery-Vorbereitung gehört die persönliche Identifizierbarkeit. Im Isolated Personnel Report, ISOPREP, werden Angaben hinterlegt, mit denen Rückführungskräfte eine isolierte Person überprüfen können. Der Betroffene wirkt an der vollständigen und richtigen Erfassung mit. Diese Vorbereitung muss vor der Isolation erfolgen; ein später auftauchender Mensch lässt sich weder anhand einer Uniform noch durch die bloße Behauptung der Zugehörigkeit sicher identifizieren.
Der Evasion Plan of Action, EPA, erfüllt eine andere Aufgabe. Er beschreibt die beabsichtigten Handlungen bei Isolation und gibt der Suche einen Ausgangspunkt: Wo könnte sich die Person bewegen, wie könnte sie Kontakt suchen und welche Aufnahmeabsicht verfolgt sie? Die Suchkräfte können dadurch die beabsichtigten Bewegungen des Teilnehmers in ihre Suche einbeziehen. Wenn Bedrohung, Verletzung oder unpassierbares Gelände die Absicht verändern, muss er seine Lage neu beurteilen.
Hinzu kommt die Einweisung in die tatsächlich ausgegebene Notausrüstung. Bei Luftfahrzeugbesatzungen betrifft das beispielsweise die persönliche Notfallweste und das Überlebensmaterial des eingesetzten Luftfahrzeugs. Entscheidend sind Erreichbarkeit und Bedienung der mitgeführten Mittel nach der Trennung: Was bleibt am Körper, was steht nach Verlust eines Rucksacks noch zur Verfügung und womit kann eine Verbindung oder ein Erkennungszeichen hergestellt werden? Ein Kommunikationsmittel hilft erst mit nutzbarer Energie, passender Gegenstelle und erreichbarer Verbindung.
Landanteile: Waldlager und zusammenhängende Isolation
Eine deutsche C-Ausbildungsform enthält eine Survivalphase im Waldlager mit Orientierung bei Tag und Nacht. Sie verbindet den Aufenthalt im Gelände mit dem Finden eines Weges unter wechselnden Sichtbedingungen. Die Person muss ihre Versorgung und ihren Schutz so organisieren, dass sie anschließend weitergehen kann. Für den C-Zusammenhang ist deshalb nicht allein die Herstellung einer Unterkunft entscheidend: Aufwand, Aufenthaltsdauer und Entdeckungsrisiko müssen zur weiteren Durchschlageabsicht passen.
Der zusammenhängende Feldanteil führt solche Einzelaufgaben in einer Isolationslage zusammen. Das deutsche Abschlussformat ULM RUN verbindet SERE C mit Personnel Recovery. Zu seinen Aufgaben gehören das Vermeiden einer Gefangennahme, die Verbindungsaufnahme zu eigenen Kräften und das Verhalten bei der Aufnahme durch Luftfahrzeuge. Damit reicht das Ziel über das Erreichen eines Geländepunktes hinaus: Der Trupp muss in einem Zustand ankommen, in dem er die Kontaktaufnahme und den Übergang zu den eigenen Kräften noch bewältigen kann.
Durchschlagen unter Such- und Verfolgungsdruck
Im Abschlussformat ULM RUN werden kleine Teams von zwei bis drei Personen mit Such- und Jagdkommandos, Diensthunden und Drohnen als Suchmitteln konfrontiert. Daraus ergeben sich mehrere gleichzeitig zu lösende Aufgaben. Ein Weg muss zum beabsichtigten Kontakt führen, zugleich müssen Bewegungen, Aufenthalte und Spuren gegenüber einer Suche beurteilt werden. Ein gegen Luftbeobachtung gedeckter Ruhepunkt kann dennoch Spuren am Zugang aufweisen, die Suchenden den Weg dorthin zeigen. Die verschiedenen Suchmittel erfassen unterschiedliche Merkmale; reine Sichttarnung löst daher nicht das gesamte Entdeckungsproblem.
Vor der Weiterbewegung braucht der Trupp eine gemeinsame Richtung und eine klare Absicht für den nächsten Abschnitt. An einem offenen Übergang muss er beobachten, ob der Raum passierbar ist, bevor er sich exponiert. Ein kurzer direkter Weg kann ihn länger sichtbar machen als ein gedeckter Umweg. Umgekehrt verbraucht jeder Umweg Zeit und Kräfte. Ob Bewegung oder ein Halt zweckmäßiger ist, ergibt sich aus der aktuellen Bedrohung, der verbleibenden Strecke und dem Zustand der Beteiligten. Die Wahl eines Evasion-Verstecks gehört in diesen Zusammenhang: Es muss Ruhe ermöglichen, ohne die weitere Bewegung durch einen auffälligen Zugang zu gefährden.
Die kleine Gruppe kann Aufgaben teilen: Während eine Person beobachtet, können andere ihre Ausrüstung ordnen oder den nächsten Abschnitt prüfen. Sie muss aber zusammenhalten, ohne ein erschöpftes Mitglied durch ein ungeeignetes Tempo weiter zu schwächen. Hunger, Schlafmangel und körperliche Belastung wirken sich unmittelbar auf die Aufgabe aus. Ein übersehener Abzweig erzeugt zusätzliche Wegstrecke; hastige Bewegung kann Beobachtung verdrängen; verlorene Ausrüstung verkleinert die verfügbaren Möglichkeiten. Unter solchen Bedingungen müssen Versorgung, Richtung und Feindvermeidung weiter zusammenpassen.
Gefangenschaft und zusätzlicher Widerstand gegen Befragung
Verhalten in Kriegsgefangenschaft ist ein eigener C-Gegenstand. Mit der Gefangennahme verändert sich die Aufgabe: Die Person kann ihren Weg nicht mehr frei wählen, steht unter fremder Kontrolle und muss sich sowie relevante Informationen schützen. RtoI vertieft besonders den Widerstand gegen Befragung. Im deutschen Modell mit diesem Anteil folgt auf die abschließende Durchschlagephase eine Phase mit Gefangenschaft und Befragung.
Für Kriegsgefangene im internationalen bewaffneten Konflikt besteht eine klar begrenzte Auskunftspflicht: Familienname, Vornamen, Dienstgrad, Geburtsdatum und Erkennungsnummer – bei Angehörigen der Bundeswehr die Personenkennziffer. Zwang zur Gewinnung weiterer Informationen ist verboten. Für die Person bedeutet das eine Trennung zwischen den notwendigen Identitätsangaben und Informationen über Auftrag, andere Kräfte oder deren Verfahren. Der Schutz vor rechtswidrigem Zwang ist eine Verpflichtung des Gewahrsamsstaates; die Vorbereitung auf Befragung muss auch den Fall berücksichtigen, dass ein Gegner diese Verpflichtung verletzt.
Der NATO-C-Rahmen verbindet umfangreiche praktische Resistance-Ausbildung mit einer streng kontrollierten realistischen Umgebung. Darin übt der Teilnehmer, seine Handlungsfähigkeit unter fremder Kontrolle zu erhalten. Die weitergehenden Zusammenhänge von Informationsschutz, Ausnutzung und Gefangenengruppe behandelt der Artikel Resistance.
Kontakt, Identifizierung und Aufnahme
Bei der Rückführung treffen zwei Vorbereitungen aufeinander: die Absicht der isolierten Person und das Vorgehen der aufnehmenden Kräfte. Die Person muss mit den vorhandenen Mitteln ihre Lage verständlich machen. Position, Zahl der Beteiligten, Verletzungen und beobachtete Bedrohung können beeinflussen, wo und wie eine Aufnahme möglich ist. Die Verbindung setzt nutzbare Kommunikationsmittel und eine erreichbare Gegenstelle voraus.
Ein Signaltuch, Spiegel oder anderes verfügbares Signalmittel kann die Position sichtbar machen. Das Signal löst jedoch eine andere Aufgabe als die Authentifizierung: Es zeigt, wo sich jemand befindet; vorbereitete Identitätsmerkmale helfen zu prüfen, wer dort ist. Der Teilnehmer muss daher Sichtbarkeit für die eigenen Kräfte mit dem Risiko der gegnerischen Entdeckung abwägen. Sobald Kontakt hergestellt ist, richtet er sein Hervortreten und die weitere Bewegung nach den abgestimmten Aufnahmehandlungen. Unangekündigtes Annähern kann die Sicherung der Rückführungskräfte vor eine unklare Lage stellen.
Die praktische Aufnahme umfasst den Übergang in die Kontrolle der eigenen Kräfte. Dazu gehört, Anweisungen zu verstehen und mit eingeschränkter Beweglichkeit oder mehreren Beteiligten ausführbar umzusetzen. Eine Flugzeug- oder Hubschrauberaufnahme verlangt tatsächlich verfügbare Kräfte, eine geeignete Aufnahmemöglichkeit und eine beherrschbare Bedrohung. Die deutsche C-Feldaufgabe trainiert die Mitwirkung der isolierten Person an diesem Übergang.
Zusätzliche Aufgaben von Luftfahrzeugbesatzungen
Für besonders gefährdetes fliegerisches Personal gibt es einen eigenen C-LFB-Auffrischungsanteil; LFB bezeichnet Luftfahrzeugbesatzungen. Seine freilaufende Ausbildung verbindet die selbstständige Anwendung im Gelände mit Signalmitteln und Hubschrauberaufnahme. Freilaufend bedeutet für den Teilnehmer, dass er die vorbereiteten Fähigkeiten im Verlauf der Lage zusammenbringen muss: den Weg bis zur Aufnahme bewältigen, mit seinem Notmaterial auskommen und am Kontakt sowie an der Aufnahme mitwirken.
Das ergänzende Überleben auf See wird an der Marineoperationsschule ausgebildet. Dort folgen auf Theorie und Ausrüstungskenntnis praktische Wasserübungen und Anwendung auf offenem Wasser. Die Besatzung übt, nach dem Verlassen des Luftfahrzeugs mit Rettungsinsel und persönlichem Überlebensmaterial bis zur möglichen Bergung am Leben und handlungsfähig zu bleiben. Auch die Aufnahme der Besatzung aus dem Wasser wird geübt. Diese Seenotvorbereitung behandelt andere Anfangsbedingungen als die Landisolation mit gegnerischer Suche und Gefangenschaft. Ein Seeanteil ist daher keine Beschreibung des vollständigen C-Profils.
Rückkehr und Nachbereitung einer wirklichen Isolation
Nach einer tatsächlichen Rückführung folgt die Reintegration unter nationaler Verantwortung. Die medizinische und psychologische Versorgung richtet sich nach dem Zustand der zurückgekehrten Person. Bei der Befragung zur Isolationslage kann sie ihren Weg, Änderungen ihrer Absicht, feindliche Beobachtungen und Probleme bei Kontakt oder Aufnahme erläutern. Damit lassen sich weitere gefährdete Personen berücksichtigen und Verfahren verbessern. Erschöpfung, Verletzungen und Gefangenschaftserfahrungen betreffen zugleich ihre weitere Versorgung und Rückkehr in das persönliche und dienstliche Umfeld.
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