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EK 2: Führer eines Jagdkommandos

Wie der aufbauende Lehrgang zur selbständigen Auftragserfüllung und Führung eines verstärkten Zuges ohne reguläre Unterstützung vorbereitet.

Deutscher Soldat beobachtet durch ein mit Tarnnetz versehenes Wärmebildgerät
Ein Aufklärer des deutschen Jägerbataillons 292 beobachtet bei Saber Strike in Rukla mit einem Wärmebildgerät das Gelände.

EK2 bezeichnet den aufbauenden Teil der deutschen Einzelkämpferausbildung, der mit dem Lehrgang „Führer eines Jagdkommandos“ verbunden ist. Sein Gegenstand ist das selbständige Führen eines verstärkten Zuges, getrennt von der eigenen Truppe und ihrer regulären Versorgung. Die Soldaten sollen einen erteilten Auftrag erfüllen, während sie das Überleben ihrer Kräfte sichern, Informationen gewinnen und mehrere Teile ihres Jagdkommandos zusammenführen. Dafür müssen sie auch unter körperlicher Belastung das Gelände, den Gegner und die eigenen Möglichkeiten beurteilen.

Zu den Aufgaben gehören Aufklärung und Informationsgewinnung, der Schutz eigener Kräfte und wichtiger Infrastruktur sowie offensive Aufträge. Ein Jagdkommando kann an offenen Flanken, in Lücken oder hinter gegnerischen Linien eingesetzt werden. Die Trennung von eigenen Kräften gehört hier zur geplanten Einsatzlage. Daraus entsteht eine andere Führungsaufgabe als bei einer versprengten Gruppe, deren vorrangiges Ziel die Rückkehr zur eigenen Truppe ist.

Aufbau auf Führerausbildung und Einzelkämpferlehrgang

Die Grundlagen werden bereits in der militärischen Führerausbildung gelegt. Der Lehrgang richtet sich an erfahrene Gruppen- und Zugführer; auch Kompaniechefs können teilnehmen. Hinzu kommen fachliche Beiträge anderer Truppengattungen, beispielsweise von Spähzugführern oder Pionieren. Der Führer muss deshalb mehr als die Leistung einer einzelnen Gruppe überblicken: Er muss unterschiedliche Fähigkeiten so einsetzen, dass ihre Aufgaben und Ergebnisse dem gemeinsamen Auftrag dienen.

Vorausgesetzt werden ein bestandener Einzelkämpferlehrgang und eine entsprechende Empfehlung des Ausbildungspersonals. Im Einzelkämpferlehrgang steht das Führen einer auf sich gestellten Gruppe durch feindbesetztes Gebiet zurück zu eigenen Kräften im Mittelpunkt. Der aufbauende Jagdkommando-Lehrgang erweitert die Personalverantwortung und die Komplexität der Lage. Die bereits erworbenen Fähigkeiten zum Überleben und Durchschlagen müssen nun mit Planung, Befehlsgebung und der Koordination eines verstärkten Zuges verbunden werden.

Ausbildung vom Auftrag bis zur Ausführung

Die Ausbildung an der Infanterieschule in Hammelburg verbindet das Lesen des Geländes, die Beurteilung der Feindlage und die Auswertung der Aufklärung mit konkreter Einsatzplanung. Der Teilnehmer muss daraus einen Entschluss entwickeln, seine unterstellten Kräfte beauftragen und ihre Handlungen koordinieren. In anspruchsvollen Lagen wird diese Führungsarbeit unter hoher körperlicher Belastung und mit begrenzten Mitteln angewendet. Der angenommene Gegner ist überlegen; Unterstützung steht in diesen Lagen nicht zur Verfügung.

Der Führungsprozess gibt dieser Arbeit ihren Zusammenhang: Lage feststellen, den Auftrag auswerten, die Lage beurteilen, einen Entschluss fassen, planen, Befehle geben und die Ausführung kontrollieren. Die Kontrolle liefert wiederum Informationen für die nächste Lagefeststellung. Im Feld greifen diese Tätigkeiten ineinander. Während eine Teilgruppe ihren Auftrag ausführt, können neue Aufklärungsergebnisse oder ein veränderter Zustand der eigenen Kräfte bereits die weitere Planung beeinflussen.

Beobachtung in eine Lagebeurteilung übersetzen

Zu Beginn muss der Führer klären, welches Ergebnis verlangt wird, bis wann es erreicht werden soll und welche Kräfte und Mittel ihm dafür zur Verfügung stehen. Er bestimmt außerdem, welche Informationen für die Entscheidung fehlen. Aufklärung gewinnt Angaben über den Gegner, etwa dessen Stärke, Aufstellung und Ausstattung, und über den Zustand und die Lage des Geländes. Der Lehrgang verlangt, aus diesen Angaben Folgerungen für den eigenen Auftrag zu ziehen.

Gelände lesen bedeutet hier, die Umgebung auf ihre Bedeutung für Bewegung, Beobachtung und die Durchführung des Auftrags zu untersuchen. Eine Stelle, von der aus man gut sehen kann, kann auch dem Gegner die Beobachtung der dort eingesetzten Soldaten erleichtern. Der Führer muss daher den Nutzen der gewonnenen Informationen gegen das Risiko abwägen, selbst erkannt zu werden. Die eigene Wahrnehmung und die Ergebnisse der Aufklärer müssen ein verwendbares Lagebild ergeben: Was ist tatsächlich erkannt, welche Angaben fehlen und mit welchen Annahmen wird vorläufig gearbeitet?

Unvollständige oder widersprüchliche Informationen verlangen eine Entscheidung darüber, welche Unsicherheit den Auftrag besonders betrifft. Eine angenommene freie Strecke und eine tatsächlich erkundete Strecke sind unterschiedliche Planungsgrundlagen. Wird eine Vermutung wie eine gesicherte Beobachtung behandelt, können mehrere Teilgruppen auf derselben falschen Voraussetzung handeln. Deshalb muss der Führer bei neuen Erkenntnissen die Folgerungen prüfen, die er aus seinem bisherigen Lagebild gezogen hat.

Mit den vorhandenen Kräften einen ausführbaren Plan bilden

Die Beurteilung der Lage umfasst auch die eigene Kampfkraft: verfügbare Personen, Material, Zustand der Ausrüstung und Fähigkeiten. Bei einem Jagdkommando sind diese Größen unmittelbar mit dem weiteren Durchhalten verbunden. Erschöpfte Soldaten brauchen für eine Aufgabe möglicherweise mehr Zeit; ein ausgefallenes Gerät kann eine zuvor eingeplante Fähigkeit entfallen lassen. Der Führer muss das in seiner Entscheidung berücksichtigen, statt den Plan weiterhin auf den ursprünglichen Zustand des Zuges zu stützen.

Planung ordnet die verfügbaren Kräfte, Mittel und Aufgaben räumlich und zeitlich. Der Führer legt fest, welche Teile des Jagdkommandos welchen Beitrag leisten und wie diese Beiträge zusammenhängen. Aufklärungsergebnisse müssen rechtzeitig für die nächste Entscheidung vorliegen; ein fachlicher Beitrag muss dort eingeplant werden, wo er für den Auftrag gebraucht wird.

Spähzugführer und Pioniere bringen dafür unterschiedliche Fachkenntnisse ein. Der Jagdkommandoführer nutzt ihre Beurteilungen und Fähigkeiten für den Gesamtplan und verteilt die Verantwortung für Teilaufgaben. Die Zusammensetzung richtet sich nach der jeweiligen Aufgabe.

Teilaufträge und gemeinsames Ziel vermitteln

Mit der Befehlsgebung wird aus dem Entschluss eine Aufgabe für die unterstellten Kräfte. Diese müssen wissen, welches Ergebnis sie erreichen sollen, welche Mittel sie einsetzen können und welche zeitlichen, räumlichen oder rechtlichen Grenzen gelten. Bei mehreren Manöverelementen muss außerdem verständlich sein, wie die eigene Teilaufgabe mit den Aufgaben der anderen zusammenwirkt. Ein einzeln richtig ausgeführter Auftrag kann den Gesamtplan behindern, wenn seine zeitliche oder räumliche Abstimmung fehlt.

Das deutsche Prinzip des Führens mit Auftrag lässt den Unterführern Handlungsspielraum innerhalb dieses Rahmens. Sie können auf unerwartete Lageänderungen reagieren, ohne für jeden Ausführungsschritt eine neue Weisung abzuwarten. Dafür müssen sie das beabsichtigte Ergebnis und die Grenzen ihres Auftrags verstehen. Gerade beim getrennten Einsatz trägt eine klare Auftragserteilung die weitere Führung: Der Unterführer entscheidet vor Ort über die Umsetzung, während der Jagdkommandoführer die Gesamtverantwortung und die Abstimmung der Teile behält.

Ausführung koordinieren und den Entschluss überprüfen

Während der Durchführung vergleicht der Führer den tatsächlichen Verlauf mit dem Plan. Er muss verfolgen, welche Teilaufgaben erfüllt sind, welche Kräfte noch gebunden sind und ob die vorausgesetzte Lage weiter besteht. Seine eigenen Beobachtungen und die Meldungen, die ihn erreichen, fließen in die erneute Beurteilung ein. Neue Angaben über den Gegner, Verzögerungen oder der Zustand des Personals können eine veränderte Einteilung erforderlich machen.

Wenn ein Element später als vorgesehen fertig wird, betrifft das auch Kräfte, deren nächste Aufgabe von seinem Ergebnis abhängt. Der Führer muss diese Abhängigkeit erneut beurteilen und den weiteren Ablauf oder die Beauftragung entsprechend verändern. Durch die Kontrolle erkennt der Führer Abweichungen und kann rechtzeitig neu entscheiden. Eine Korrektur ist erst wirksam, wenn die betroffenen Unterführer wissen, was sich für ihren Auftrag ändert; andernfalls laufen alte und neue Vorstellungen über die Ausführung nebeneinander weiter.

Führung über mehrere Tage aufrechterhalten

Zur Ausbildungsbelastung gehören viel Gepäck, wenig Nahrung, Schlafmangel und Aufgaben über mehrere Tage. Der Teilnehmer muss unter diesen Bedingungen Informationen aufnehmen, Entscheidungen treffen und die Verantwortung für weitere Soldaten tragen. Sein eigener Zustand ist damit Teil der Führungsaufgabe. Wer eine Lageänderung übersieht oder eine Meldung nur unvollständig verarbeitet, kann eine falsche Voraussetzung in die nächsten Teilaufträge übernehmen. Überleben und Auftragserfüllung beanspruchen dieselben Personen und Mittel; der Führer muss beide in seiner Einteilung berücksichtigen.

Verbindung zu SERE und Aufgabe als Ausbilder

Der Bezug zu SERE liegt im Erhalt der Handlungsfähigkeit unter Trennung, gegnerischer Bedrohung und knappen Ressourcen. Beim EKL dient dieses Können der Rückführung der abgeschnittenen Gruppe. Im Jagdkommando-Lehrgang wird es in die selbständige Erfüllung eines erteilten militärischen Auftrags eingebunden. Die Person muss daher wissen, welches Ziel ihre Lage bestimmt: die Rückkehr zu eigenen Kräften oder die Durchführung des geplanten Auftrags mit ihrem Jagdkommando.

SERE Level C in der Bundeswehr behandelt Überleben und Durchschlagen sowie zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft. Widerstand gegen Befragung, Resistance to Interrogation, ist ein zusätzlicher Ausbildungsanteil besonders für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen. Dort geht es auch um die Handlungsfähigkeit nach einer Gefangennahme und die Mitwirkung an der Rückführung. Der Jagdkommando-Lehrgang konzentriert sich auf die Führung der eingesetzten Kräfte und ihres Auftrags. Die SERE-Vorbereitung richtet sich nach der vorgesehenen Verwendung und ihrem Gefährdungsprofil, die Jagdkommando-Ausbildung nach der zu übernehmenden Führungsaufgabe.

Die Absolventen geben ihre erworbenen Fähigkeiten als Ausbilder in den eigenen Einheiten weiter. Damit tragen sie die im Lehrgang angewendete Führungsarbeit in die Ausbildung ihrer unterstellten Soldaten: Aufklärungsergebnisse für Entscheidungen nutzen, Teilaufträge in den Gesamtplan einordnen und Veränderungen bei der Durchführung berücksichtigen.