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SERE und militärisches Überleben in den Niederlanden

Niederländische SERE-Stufen und eigene Aufgaben: Versorgung und Verbergen unter Bedrohung, nationale Kriegsgefangenenregeln, Umwelttraining und Rückführung.

Nahaufnahme von Händen an den Anschlüssen eines tragbaren Funkgeräts im Dschungeltraining
Funkvorbereitung beim gemeinsamen Jungle Communications Course von US-amerikanischen und niederländischen Marines auf Okinawa.

In den Niederlanden steht SERE für Survival, Evasion, Resistance and Extraction: überleben, einer Gefangennahme ausweichen, in Gefangenschaft Widerstand leisten und aus der Isolation zurückgeführt werden. Nach einem Abschuss, einer Notlandung oder der Trennung von eigenen Kräften muss die betroffene Person mit ihrer verbliebenen Ausrüstung selbst Schutz und Versorgung organisieren. Dabei kann dieselbe Handlung, die gegen Kälte oder Durst hilft, ihre Anwesenheit verraten. Die Ausbildung verbindet diese eigenen Entscheidungen mit dem Verhalten in Gefangenschaft und den Aufgaben bei einer Rückführung.

Die SERE-School auf Gilze-Rijen bietet die Stufen A, B und C sowie Land-, Umwelt- und Wasserausbildung an. B-Ausbildung findet auch bei Truppenteilen mit eigenen Ausbildern unter fachlicher Verantwortung der Schule statt. Dadurch können etwa luftbewegliche Soldaten oder Air Mobile Protection Teams, die Luftfahrzeuge am Boden schützen, auf die Isolation vorbereitet werden, die aus ihrer jeweiligen Verwendung entstehen kann.

A, B und C: Risiko und Ausbildungsform

Die niederländischen Stufen richten sich nach geringem, mittlerem und hohem Isolationsrisiko. A vermittelt Grundlagen als E-Learning und bildet im luftmobilen Ausbildungsmodell auch die Vorbereitung auf B. B verbindet Unterricht mit praktischen Aufgaben im Gelände. C ist für besonders gefährdetes Personal vorgesehen, darunter fliegende Besatzungen und weitere militärische Verwendungen mit hohem Risiko, im gegnerischen Gebiet von eigenen Kräften abgeschnitten zu werden.

StufeNiederländische AusbildungsformEigene Aufgabe
AE-Learning für das Grundverständnis; auch Vorbereitung auf BDie Isolationslage und die eigenen Aufgaben beim Überleben, Ausweichen und Zurückkehren verstehen.
BTheorie und praktische Geländearbeit; beim AMPT auch ein GefangenschaftsanteilMit knapper Ausrüstung für sich sorgen, im Gelände zum Kontakt gelangen und eine Gefangenschaftsstrategie erarbeiten.
CAusgedehnte praktische Vorbereitung für hohes RisikoVersorgung, Verbergen und Bewegung während individueller Isolation verbinden; Resistance wird als eigener Ausbildungsanteil behandelt.

B: Versorgung mit den tatsächlich verfügbaren Mitteln

In der luftmobilen B-Ausbildung reichen die anfangs mitgegebenen Lebensmittel und das Wasser nicht für die gesamte Feldphase. Beim SERE-B-Anteil der AMPT-Ausbildung arbeiten Teilnehmer unter anderem mit ihrer getragenen Kleidung, einem Poncho, Schnur, Säge und Messer. Sie errichten einen Wetterschutz, machen mit gefundenem Material Feuer und bereiten Nahrung zu. Der Poncho kann als Dach dienen; Schnur und Stoff lassen sich auch zum Transport von Material einsetzen. Regen und ein durchnässter Ruheplatz machen die Wahl und Einrichtung des Unterkommens unmittelbar wichtig: Wer dort weiter auskühlt und kaum schläft, geht geschwächt in die nächste Bewegung.

Nahrungsbeschaffung hat einen unsicheren Ertrag. Die AMPT-Ausbildung behandelt deshalb auch die schlechte örtliche Ausbeute von Schlingen, statt den Fang einfach vorauszusetzen. Vor der Feldphase üben die Teilnehmer, eine Forelle zu fangen, zu töten und zu säubern. Arbeitszeit und Kraft sind bereits verbraucht, bevor feststeht, ob eine Falle überhaupt etwas liefert. Nahrungssuche muss gegen die verbleibende Versorgung, den Schutzbedarf und die erforderliche Weiterbewegung abgewogen werden. Die einzelnen Fertigkeiten werden zunächst erlernt; unter gegnerischer Bedrohung kommt die Frage hinzu, ob Ort und Tätigkeit entdeckt werden können.

Auch der Weg zum Kontakt ist eine eigene Aufgabe. In einer luftmobilen B-Kontaktaufgabe müssen Teilnehmer eigene Kräfte bis auf ungefähr hundert Meter erreichen. Hunger, zurückgelegte Kilometer und die Sorge vor Entdeckung belasten dabei gerade das Merken und Umsetzen neuer Informationen.

Gefangenschaft: eigene Strategie und nationale Verhaltensregeln

Die AMPT-B-Ausbildung umfasst das Erarbeiten und Anwenden einer Überlebensstrategie für Gefangenschaft sowie Widerstand gegen Befragung und Ausnutzung. Resistance-Ausbilder der SERE-School übernehmen diesen Anteil. Eine solche Strategie muss die eigene Lage nach dem Verlust von Bewegungsfreiheit berücksichtigen: Der Gefangene kann seine Versorgung und Umgebung nicht mehr wie während der Evasion bestimmen, während die Gegenseite Informationen oder Aussagen gewinnen will, die sie für ihre Zwecke verwenden kann. Der niederländische B-Anteil behandelt damit bereits Gefangenschaft; die zusätzliche individuelle Feldphase und der gesonderte Resistance-Anteil eines C-Kurses bleiben eigenständige Aufgaben.

Für niederländische Militärangehörige in Kriegsgefangenschaft gibt es einen nationalen Verhaltensrahmen. Auf Verlangen sind Name und Vornamen, Geburtsdatum, Dienstgrad sowie Marine- oder Registriernummer anzugeben. Darüber hinaus müssen sie sich nach Kräften bemühen, besonders militärische Informationen zu schützen. Diese Aufgabe reicht über ein förmliches Verhör hinaus: Auch Briefe und Gespräche mit Mitgefangenen oder anderen Personen können Informationen nach außen tragen. Mündliche und schriftliche Erklärungen, die dem eigenen Land oder Verbündeten schaden, sollen nach dem eigenen Vermögen vermieden werden.

Zusammenhalt gehört ebenfalls zur eigenen Aufgabe. Die Rangverhältnisse bleiben zu respektieren; die Gemeinschaft mit Mitgefangenen soll erhalten werden. Persönliche Vergünstigungen, die vergleichbar untergebrachten Mitgefangenen nicht gewährt werden, dürfen nicht angenommen werden. Damit erhält ein einzelner Gefangener keinen Vorteil auf Kosten der gemeinsamen Haltung. Ebenso sind Zusagen verboten, die seinen militärischen Pflichten widersprechen. Eine Flucht wird erwartet, wenn sich eine geeignete Gelegenheit bietet, um wieder eigene oder verbündete Kräfte zu erreichen. Ob sich eine geeignete Gelegenheit bietet, muss anhand der tatsächlichen Lage beurteilt werden. Diese Regeln betreffen militärische Kriegsgefangenschaft im internationalen bewaffneten Konflikt; Geiselhaft und andere Formen der Festhaltung benötigen eine auf ihre tatsächlichen Bedingungen zugeschnittene Vorbereitung.

C: Verbergen, Beobachten und Weiterbewegen

Eine niederländische C-Ausbildungsform beginnt mit dem Erlernen und Anwenden von Überlebensfertigkeiten in einer zunächst nicht feindlichen Umgebung. Später werden die Teilnehmer einzeln in unbekanntes Gelände gebracht, mit dem Überlebenspaket, das ihrer Verwendung entspricht. Nun müssen sie selbst entscheiden und ihre Routinen trotz Hunger, Müdigkeit und Suchdruck weiterführen. Zu den Aufgaben gehören nächtliche Bewegung, Verbergen am Tag, regelmäßiges Essen und Trinken mit Eintrag im Logbuch sowie die Kontrolle des Verstecks, sobald es hell wird.

Ein im Dunkeln gewählter Platz kann sich bei Licht als ungeeignet erweisen. Ein Parkplatz an einer Wanderroute kann nachts unbemerkt bleiben und am Tag Menschen direkt an den Ruheplatz führen. Der Ruheplatz muss deshalb zusammen mit seinem Umfeld betrachtet werden: Wo führen Wege und Zugänge vorbei, und aus welchen Richtungen können Menschen herankommen? Das Versteck soll Erholung ermöglichen, ohne die Person ausgerechnet an einem regelmäßig aufgesuchten Ort festzulegen. Die Suchkräfte arbeiten mit Ferngläsern und Wärmebildgeräten.

In dieser Feldphase dürfen Wege und Straßen nicht zur Bewegung genutzt werden. Über das Notfunkgerät erhalten die Teilnehmer Aufträge, sich in Etappen zu einem Aufnahmepunkt zu bewegen. Die Person muss ihr Versteck wieder verlassen, weiter für sich sorgen und den nächsten Bewegungsauftrag erfüllen. Wird sie von der Suchgruppe entdeckt, folgt in dieser Ausbildungsform eine Besprechung des Fehlers; der Resistance-Anteil findet zu einem anderen Zeitpunkt statt.

Überleben und Ausweichen in der Wüste

Environmental-Kurse ergänzen die SERE-Vorbereitung um die Anforderungen eines bestimmten Einsatzraums. In der niederländischen Wüstenausbildung in Spanien folgen auf die Theorie zunächst stationäre Aufgaben: Unterkommen einrichten, Wasser beschaffen, Nahrung erschließen und sich im Gelände orientieren. Die Mittel richten sich nach dem Luftfahrzeug. Ein Kampfflugzeugpilot arbeitet mit dem Inhalt seines Seat Packs; eine Transport- oder Hubschrauberbesatzung kann ein anderes Überlebenspaket mitführen. Als Schutzmaterial dienen beispielsweise Fallschirmstoff oder große miteinander verbindbare Tücher.

In der Hitze verliert die Person Flüssigkeit und muss die Versorgung mit dem Schutz vor Sonne verbinden. Lange Ärmel und eine Kopfbedeckung schützen exponierte Haut; Handschuhe begrenzen Verletzungen bei Arbeiten mit den Händen. Ein Schattenschutz senkt die unmittelbare Belastung, ersetzt aber die Wasserbeschaffung nicht. Die anschließende dynamische Phase verändert die Entscheidungen: Teilnehmer halten sich tagsüber verborgen und bewegen sich nachts, während Ausbilder als Gegner nach ihnen suchen. Ein für die stationäre Versorgung brauchbarer Ort kann dafür zu auffällig liegen oder die Weiterbewegung erschweren.

Auch die Verwendung sichtbaren Materials hängt von dieser Lage ab. Heller oder orangefarbener Fallschirmstoff kann in einer Suche aus der Luft zur Ortung dienen; im gegnerischen Suchgebiet macht er einen Ruheplatz leichter erkennbar. Feuer und auffällige Markierungen müssen deshalb gegen die Bedrohung abgewogen werden.

Luftfahrzeug und Wasser bestimmen andere Aufgaben

Zur niederländischen Besatzungsvorbereitung gehören neben Land & Combat auch der Initial Survival Equipment Course und Sea Survival. Der ISEC trennt luftfahrzeugbezogene Aufgaben: Hubschrauberpersonal übt im Helicopter Underwater Egress Trainer die Orientierung und das Verlassen der unter Wasser geratenen Kabine; die PC-7-Ausbildung enthält einen Fallschirmbezug. Danach treten andere Probleme in den Vordergrund: in die Rettungsinsel gelangen, möglichst trocken bleiben und die vorhandenen Notmittel benutzen. Zeit in einer Einpersonenrettungsinsel auf See bringt Bewegung des Wassers und den engen verfügbaren Raum hinzu.

Extraction: vom Kontakt zur tatsächlichen Aufnahme

Die isolierte Person muss den Übergang zu eigenen Kräften aktiv mittragen. Ein niederländisches Schul-Feldmodell verbindet die Rückführung mit Kontrollfragen, die im vereinbarten Code zu beantworten sind. Die eigenen Aufgaben bleiben dabei unterscheidbar: den richtigen Kontakt erreichen, die verlangte Identitätsprüfung durchlaufen und sich für die Aufnahme bereithalten.

Im NATO-Rahmen unterstützt der Isolated Personnel Report die vorbereitete Identitätsprüfung. Der Evasion Plan of Action hilft Rückführungskräften, die beabsichtigte Ausweichbewegung nachzuvollziehen. Während der Isolation braucht ein Funkkontakt ein funktionierendes Gerät und eine erreichbare Gegenstelle. Für die tatsächliche Aufnahme müssen außerdem geeignete Kräfte verfügbar sein und unter der bestehenden Bedrohung handeln können. Die Person meldet ihre Lage und Position über das vorbereitete Verfahren; vor der Aufnahme wird ihre Identität überprüft. Genaue Koordinaten beantworten die Frage, wo jemand ist, nicht die Frage, wer dort wartet. Bis die Aufnahme tatsächlich gelingt, muss die Person Schutz, Versorgung und gegebenenfalls weitere Bewegung selbst fortführen.

Rückkehr: Kontrolle und Vorhersehbarkeit wiedergewinnen

Niederländische SERE-Psychologen bereiten gefährdetes Personal vor und begleiten die Reintegration nach Geiselnahme oder Isolation. Ihr fachlicher Ansatz verbindet Widerstandsfähigkeit mit dem Gefühl von Kontrolle und Vorhersehbarkeit. Nach einer Lage, in der andere über Bewegung, Versorgung oder Kontakte entschieden haben, soll die zurückgekehrte Person wieder verstehen können, was als Nächstes geschieht, und erkennen, worüber sie selbst entscheiden kann. Ein nachvollziehbarer nächster Schritt und wiedergewonnene eigene Handlungsmöglichkeiten helfen, die bisherige Fremdbestimmung zu beenden.