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Norwegen: SERE und militärisches Überlebenstraining

Wie norwegisches Personal in Schnee und Kälte überlebt, sich verdeckt bewegt und auf Gefangenschaft sowie Rückführung vorbereitet wird.

Luftwaffenangehörige der USA bauen während einer winterlichen Überlebensübung in Norwegen einen Schneeschutz.
Luftwaffenangehörige der USA bauen während einer winterlichen Überlebensübung in Norwegen einen Schneeschutz.

Norwegische SERE-Vorbereitung behandelt den Verlust von Verbindung, Versorgung und Bewegungsfreiheit in sehr unterschiedlichen Lagen. Eine Flugbesatzung kann nach dem Ausstieg mit der kleinen Notausrüstung im Schnee liegen; eine Aufklärungspatrouille muss weit hinter gegnerischen Linien überleben und verdeckt zurückkehren. Kälte verbindet diese Aufgaben: Wer Schutz, Wasser und Bewegung nicht mit den verfügbaren Mitteln organisieren kann, verliert die körperliche Fähigkeit, weiter auszuweichen oder eine Aufnahme zu erreichen. Hinzu kommt die Vorbereitung auf Gefangenschaft, in der andere Menschen über Bewegung und Versorgung bestimmen.

Für diese Aufgaben gibt es verschiedene Ausbildungswege. Der NATO Winter Survival Course bereitet luftoperatives Personal auf das Überleben nach einem Luftfahrzeugverlust vor. SERE gehört außerdem zur Ausbildung norwegischer Feldaufklärer. Der NATO Cold Weather Survival Instructor Course vertieft den längeren Aufenthalt mit minimaler Ausrüstung in feindbesetztem Gelände. Conduct After Capture, kurz CAC, behandelt Verhörwiderstand und das Überleben als Geisel. In norwegischen Ausbildungsbeschreibungen steht das letzte E häufig für Extraction: die Rückführung aus der Isolationslage.

Flugbesatzungen: mit kleiner Notausrüstung handlungsfähig bleiben

Der NATO Winter Survival Course richtet sich an norwegische und alliierte Flugbesatzungen, darunter angehende Piloten und Navigatoren. Zunächst werden Bekleidung, Notunterkunft, Wärmequelle, Versorgung, Schneeaufenthalt und Kälteverletzungen behandelt. In der anschließenden Feldphase wenden die Teilnehmer diese Kenntnisse praktisch an. Sie bewegen sich durch Schnee, richten einen geschützten Ruheplatz ein, nutzen Wasser und Nahrung und machen ihren Aufenthaltsort erkennbar. Die praktische Aufgabe beginnt mit dem Material, das nach einem Ausstieg oder einer Notlandung tatsächlich übrig ist.

Zu den geübten Ersatzmitteln gehören Schneeschuhe aus Zweigen und Fallschirmleine sowie Wetterschutz aus Fallschirm oder Fjellduk, einer Schutzplane. Schneeschuhe verteilen die Last auf mehr Fläche; wer weniger tief einsinkt, muss bei jedem Schritt weniger Schnee überwinden. Eine rutschende Bindung unterbricht diese Wirkung und muss angepasst werden. Beim Ruhen reicht eine Plane über dem Körper allein nicht: Auch der Kontakt zum kalten Untergrund muss durch eine isolierende Unterlage vermindert werden.

Schutzplatz und Signalfläche erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Wald liefert Windschutz und Brennstoff; eine benachbarte offene Fläche ermöglicht den Einsatz einer orangefarbenen Fallschirmfläche oder eines vorhandenen Rauchgenerators. Das Material wird so vorbereitet, dass es im benötigten Moment eingesetzt werden kann. Bei gegnerischer Beobachtung kann dasselbe sichtbare Signal den Aufenthaltsort verraten. Dann bestimmt die konkrete Kontaktlage, wann die Person aus der Deckung tritt und welche vereinbarte Markierung sie zeigt.

Kälte: Schutz muss auch während des Wartens funktionieren

Ein Schneebiwak kann Wind abhalten, muss aber regelmäßig kontrolliert werden. Im norwegischen Felddienst werden Schneezuwachs, ein absinkendes Dach und die freie Luftöffnung ausdrücklich überwacht. Eine Schaufel bleibt innen erreichbar. Für die isolierte Person bedeutet das: Sie muss prüfen können, ob der Eingang nach Schneefall noch benutzbar ist, und Veränderungen erkennen, bevor der Schutzraum zum Hindernis wird. In einer kleinen Gruppe lassen sich Kontrolle und Ruhe abwechseln. Eine einzelne Person muss die dafür nötigen Wachphasen bei ihrer Ruheplanung berücksichtigen.

Kochen und Heizen schaffen eine weitere Gefahr. Verbrennungsabgase dürfen nicht in den belegten Schneeinnenraum gelangen. Der Kochplatz braucht daher ausreichende Belüftung und eine Lage, aus der warme Luft und Abgase nicht in den Schlafbereich ziehen. Die Wärmequelle ersetzt auch keine Kontrolle des Dachs: Erwärmung und zusätzliche Schneelast verändern den Schutzraum. Bei einem ungeeigneten Biwak ist ein anderer Platz erforderlich, bevor Erschöpfung oder ein blockierter Ausgang die eigene Bewegung erschweren.

Auch auf dem Weg ist die Schneeform wichtiger als die bloße Entfernung. Norwegische Winterverfahren unterscheiden den Anrissbereich einer Lawine vom darunterliegenden Auslauf. Ein scheinbar flacher Weg kann deshalb gefährdet sein, wenn oberhalb ein entsprechender Hang liegt. Bei der Routenbeurteilung müssen beide Bereiche zusammen betrachtet werden. Wer unter Isolation keine belastbare örtliche Lawinenbeurteilung hat, kann eine verdeckte oder kurze Linie nicht allein deshalb als begehbar behandeln; der Ausweichweg muss auch außerhalb der möglichen Lawinenbahn liegen.

Abgeschnittene Patrouillen: Versorgung mit verdeckter Rückkehr verbinden

Norwegische Feltoperatører arbeiten in kleinen, verdeckten Aufklärungspatrouillen, oft weit von eigenen Kräften und ohne Unterstützung anderer Verbände. Ihre Ausbildung verbindet SERE mit Winterdienst, Sanität und Kommunikation. Auch im Telemark-Bataillon bereitet SERE Patrouillensoldaten darauf vor, hinter gegnerischen Linien zu überleben, Entdeckung zu vermeiden und ohne externe Unterstützung Sicherheit zu erreichen. Dort wird Winterüberleben zeitweise in der zusammengehaltenen Patrouille bearbeitet; das Herbstmodul legt mehr Gewicht auf die Fluchtphase unter vollständiger Isolation.

Die verdeckte Rückkehr verlangt eine andere Ortswahl als ein Aufenthalt, bei dem die Person gut sichtbar auf Suchkräfte wartet. Vor einer notwendigen Bewegung werden aus der Deckung die nächste Strecke und erkennbare menschliche Aktivität beobachtet. Geräusche können Fahrzeuge oder Personen ankündigen, bevor sie sichtbar werden. Anschließend wird nur die beurteilte Strecke überwunden; weitere Beobachtung erfolgt wieder aus einer geschützten Position. Vegetation und Geländeformen können den direkten Sichtkontakt unterbrechen. Eine Bewegung über eine freie Kuppe hebt den Körper dagegen gegen den Hintergrund ab.

Der Ruheort muss Versorgung und Beobachtung ermöglichen, ohne die Person festzulegen. Zugänge sollen einsehbar sein; zugleich braucht sie einen Weg heraus, falls jemand näherkommt. Klappernde Ausrüstung wird gesichert, unnötige Bewegungen werden vermieden. Schnee macht die zurückgelegte Linie sichtbar. Auch das Greifen nach schneebedeckten Ästen kann verräterische Veränderungen hinterlassen. Schonendes Bewegen vermindert zusätzliche Hinweise, während die Wahl der Route weiterhin von gegnerischer Aktivität und der eigenen körperlichen Belastbarkeit abhängt.

Wasser und Wärme sind dabei Teil der Bewegungsentscheidung. Wer weit zum Brennstoff oder Wasser laufen muss, verbraucht Kräfte und erzeugt zusätzliche Spuren. Wer Schnee schmelzen muss, braucht dafür Wärmeenergie. Ein geschützter Aufenthalt nahe tatsächlich nutzbaren Ressourcen kann diese Wege verkürzen; ein Feuer erzeugt jedoch Licht und Rauch. Besteht dort Entdeckungsgefahr, muss die Person prüfen, ob ihre vorhandenen Schutzmittel ausreichen oder ob sie den Standort wechseln beziehungsweise den Aufenthalt verkürzen muss. Wer lange ohne ausreichenden Kälteschutz verborgen bleibt, kann so weit auskühlen oder erschöpfen, dass er später nicht mehr weitergehen kann.

Ausbilderlehrgang für längeres Überleben in der Kälte

Der NATO Cold Weather Survival Instructor Course richtet sich vor allem an Offiziere und Unteroffiziere für Fernaufklärung und Spezialoperationen. Sein Gegenstand ist das längere Überleben hinter gegnerischen Linien mit minimaler Ausrüstung und örtlichen Ressourcen. Dazu gehören die Herstellung einzelner Schutzplätze aus Plane oder Poncho, länger nutzbare Biwaks kleiner Gruppen und Versorgungsaufgaben wie Fischfang sowie das Erkennen und Verarbeiten geeigneter Nahrung. Diese Tätigkeiten müssen die körperliche Handlungsfähigkeit erhalten, während normale Versorgungslinien fehlen.

Der Aufenthalt umfasst Wald und Gelände oberhalb der Baumgrenze. Im Wald können Vegetation und verfügbares Holz Schutz und Wärme erleichtern. Oberhalb der Baumgrenze fällt dieser unmittelbare Zugriff auf Holz weg; Wind trifft einen ungeschützten Körper und einen schlecht befestigten Schutz stärker. Vor einem Ortswechsel muss deshalb beurteilt werden, welches Material mitgenommen werden kann und ob der neue Platz genügend Schutz bietet. Der kurze Weg über offenes Gelände kann mehr Wärme, Nahrung und Kraft kosten als die längere geschützte Linie.

Die örtliche Versorgung verlangt ebenfalls Aufwand. Ein Fischfangplatz hilft nur mit geeigneten Mitteln und ausreichend Zeit; unbekannte Pflanzen sind keine verlässliche Mahlzeit. Sammeln, Beschaffen und Verarbeiten müssen gegen Kälteexposition, Bewegung und Entdeckungsrisiko abgewogen werden. Vorhandene Rationen bleiben deshalb eine planbare Ressource, während der mögliche Ertrag aus der Umgebung vor Ort beurteilt werden muss. Die Ausbilder vermitteln Einzelpersonen und kleinen Gruppen, wie sie diese Anforderungen bei Versorgung und Bewegung berücksichtigen.

Gefangenschaft: Identität, Informationsschutz und Überleben

Die norwegische CAC-Vorbereitung umfasst Verhörwiderstand und Geiselüberleben. Damit stehen sowohl die Gewinnung militärischer Informationen als auch die Abhängigkeit von einem Gefangennehmer im Mittelpunkt. In kontrollierten Szenarien übernehmen Ausbilder die Rolle der Gefangennehmer; die Teilnehmer erleben ihre Reaktionen auf den Verlust eigener Kontrolle und belastende Situationen. Die nationale Durchführung liegt bei zertifizierten CAC-Ausbildern und autorisierten Übungsleitern unter der zuständigen Luftwaffenführung.

Für norwegisches Personal als Kriegsgefangene umfasst die Pflicht zur Identitätsangabe Vor- und Nachnamen, Dienstgrad, Geburtsdatum und Dienstnummer. Die norwegische Dienstnummer ist in diesem Zusammenhang die fødselsnummer, die persönliche Identitätsnummer. Zu weitergehenden Angaben besteht keine Pflicht; körperlicher oder psychischer Zwang zur Informationsgewinnung ist verboten. Für den Gefangenen ist deshalb zwischen den eigenen Identitätsdaten und Fragen nach Auftrag, Kräften oder Fähigkeiten zu unterscheiden. Die Identität festzustellen erfordert keine Darstellung der militärischen Tätigkeit.

Dieser Kriegsgefangenenrahmen gehört zum internationalen bewaffneten Konflikt. Die zusätzliche Geiselvorbereitung richtet sich auf Gefangennahmen durch nichtstaatliche Täter und die dabei entstehende Verbindung von Überleben und Verhördruck. Bei einem Fluchtversuch sind auch dessen konkrete Handlungen zu berücksichtigen. Im Kriegsgefangenenrecht wird ein gescheiterter Fluchtversuch grundsätzlich disziplinarisch behandelt; Gewalttaten gegen Personen können darüber hinaus strafrechtlich verfolgt werden. Eine Möglichkeit, aus der Bewachung zu entkommen, muss deshalb zusammen mit den Folgen des gewählten Vorgehens beurteilt werden.

Rückführung: den eigenen Weg mit möglichem Kontakt abstimmen

Im NATO-Verbund wird die mögliche Rückführung vor dem Einsatz vorbereitet. Ein Evasion Plan of Action hält fest, welches Verhalten und welche Bewegungsabsichten im Isolationsfall vorgesehen sind. Identitäts- und Authentifizierungsdaten ermöglichen es den Rückführungskräften, einen Kontakt zu überprüfen. Für die Person bedeutet diese Vorbereitung, die vorgesehenen Aufenthalts- oder Kontaktbereiche, Signalmittel und Kommunikationsabreden zu kennen. Bei einem notwendigen Ortswechsel werden diese Absichten mit der tatsächlichen Bedrohung, dem Gelände und dem eigenen Zustand abgeglichen.

Ein vorhandenes Notfunkgerät hilft erst mit Energieversorgung, brauchbarem Übertragungsweg und einer erreichbaren Gegenstelle. Gelingt der Kontakt, werden Standort, Zustand und relevante Gefahren so übermittelt, dass Kräfte eine Annäherung beurteilen können. Die Person bereitet die vereinbarten sichtbaren Zeichen vor und schützt die Authentifizierungsinformationen. Gelingt kein Kontakt, bestimmen Schutzbedarf, beobachtete Bedrohung und die vorbereitete Evasionabsicht die nächste Ruhe- oder Bewegungsentscheidung. Erhaltene Kräfte und geordnetes Notmaterial halten eine spätere Aufnahme oder die eigene Rückkehr möglich.

Bei einer möglichen Aufnahme sind Ort und Identität getrennte Aufgaben. Eine Markierung kann zeigen, wo jemand ist; die Authentifizierung prüft, wer dort ist. Deshalb erfolgt die Annäherung nach den vereinbarten Verfahren und den tatsächlich empfangenen Anweisungen der Rückführungskräfte. Welche Kräfte kommen können und ob ein bestimmter Platz erreichbar ist, hängt auch von Wetter, Gelände und Gegner ab. Schutzplatz, Beobachtung und Signalmittel müssen so zusammenpassen, dass die Person auf Kontakt reagieren kann, ohne vorher unnötig ihre Position preiszugeben.