Historische Geschichte · 1972

BAT 21: Vom Versteck zur Rückführung am Fluss

Luftrettungsversuche für den abgeschossenen US-Navigator Iceal Hambleton scheiterten unter Beschuss. Flugbesatzungen gaben ihm über Funk Wegangaben zum Fluss, wo Thomas Norris und Nguyễn Văn Kiệt ihn in einem kleinen Boot, einem Sampan, aufnahmen.

Museumsdisplay mit Hambletons Fliegeranzug, Kappe, Monokular, Brille und Überlebensfunkgerät.
Hambletons Ausrüstung im National Museum of the U.S. Air Force, 19. Januar 2016.

Als Nordvietnam am 30. März 1972 seine Osteroffensive begann, rückten reguläre Verbände mit Panzern, schwerer Artillerie und Luftabwehr in den Norden Südvietnams vor. In der Provinz Quảng Trị gerieten die Verteidiger innerhalb weniger Tage unter erheblichen Druck. Die meisten amerikanischen Bodentruppen hatten das Land bereits verlassen; amerikanische Berater und Luftstreitkräfte unterstützten die südvietnamesische Armee weiterhin. Zu den Besatzungen, die dafür von Thailand aus flogen, gehörte der 53-jährige Navigator Iceal „Gene“ Hambleton. Sein Auftrag am 2. April war, einen Angriff amerikanischer B-52-Bomber durch elektronische Aufklärung und Störung der nordvietnamesischen Luftabwehr zu unterstützen.

Der Flug von Korat

Hambleton war auf dem Luftwaffenstützpunkt Korat in Thailand stationiert. Er hatte im Koreakrieg Kampfeinsätze geflogen und danach zehn Jahre im strategischen Raketendienst verbracht, bevor er wieder eine fliegende Verwendung übernahm. Für Südostasien hatte er sich auf der EB-66 qualifiziert, einem zweistrahligen Flugzeug für elektronische Aufklärung und Gegenmaßnahmen. Seine Besatzung konnte gegnerische Radarsignale erfassen und durch Störsender die Arbeit der Luftabwehr beeinträchtigen. Bei einem B-52-Einsatz sollten die Männer die Raketenbedrohung verfolgen und den Bombern die Durchführung ihres Angriffs erleichtern.

Am Ostersonntag, dem 2. April, unterstützten zwei EB-66 eine Formation von drei B-52. Hambleton saß als Navigator in der Maschine mit dem Rufzeichen BAT 21; insgesamt waren sechs Männer an Bord. Die Flugzeuge operierten nahe der entmilitarisierten Zone, die Nord- und Südvietnam trennte. Am Boden hatten die nordvietnamesischen Truppen bereits Gelände gewonnen, Stützpunkte überrannt und südvietnamesische Verbände zum Rückzug gezwungen. Mit ihnen war auch die Luftabwehr nach Süden vorgerückt. Regen, niedrige Wolken und schlechte Sicht erschwerten die amerikanischen Einsätze und den Überblick über die sich schnell verändernde Front.

Eine SA-2-Flugabwehrrakete traf BAT 21. Hambleton erinnerte sich später, dass die gewohnte Warnfolge vor dem Raketenstart ausgeblieben war und die Besatzung die Gefahr zunächst aus der falschen Richtung erwartet hatte. Er konnte seinen Schleudersitz betätigen, bevor das Flugzeug zerbrach. Die übrigen fünf Besatzungsmitglieder überlebten nicht. Hambleton geriet nach dem Ausschuss ins Trudeln und öffnete seinen Fallschirm von Hand in großer Höhe, um die Drehung zu stoppen.

Während des langen Abstiegs nahm er ein Funkgerät aus seiner Überlebensweste und rief einen in der Nähe fliegenden Forward Air Controller, kurz FAC. Dieser vorgeschobene Fliegerleitoffizier konnte Luftangriffe führen und andere Flugzeuge an ein Ziel heranleiten. Jetzt begleitete er Hambletons Abstieg und verfolgte seine Landestelle. Über Funk meldete sich der Navigator als BAT 21 Bravo: Das zusätzliche Wort unterschied ihn als einzelnen Überlebenden von der abgeschossenen Maschine.

Eine niedrige Nebelbank verdeckte die letzte Strecke zum Boden. Hambleton landete in einem Reisfeld, löste sich vom Fallschirm und suchte Deckung. Zum Vergraben des Schirms blieb er nicht an der Landestelle. An einem Graben beziehungsweise einer niedrigen Erdaufschüttung konnte er sich so hinlegen, dass sein Körper unter dem umliegenden Bodenniveau blieb. Er war im gegnerisch besetzten Gebiet westlich von Đông Hà gelandet. Der FAC wusste zwar, wo er suchen musste, doch niemand hatte den Boden um Hambleton unter Kontrolle.

Der erste Versuch am selben Nachmittag

Eine schnelle Aufnahme sollte verhindern, dass nordvietnamesische Soldaten den Fallschirm fanden und den Landeort absuchten. Der FAC rief dafür Kräfte heran, die bereits im weiteren Einsatzraum unterwegs waren. A-1 Skyraider, propellergetriebene Angriffsflugzeuge, bekämpften Waffenstellungen in Hambletons Umgebung. Er selbst meldete über Funk, wo er Feuer beobachtete und welche Wirkung die Angriffe hatten. Die Piloten konnten dadurch ihre Angriffe anpassen, während ein Hubschrauberverband zum Überlebenden geführt wurde.

Die angeforderten Hubschrauber gehörten zur amerikanischen Heeresfliegerei. Zwei bewaffnete AH-1 Cobra und zwei UH-1-Transporthubschrauber standen zur Verfügung. Für den unmittelbaren Anflug flogen der UH-1H Blueghost 39 und der Cobra Blueghost 28 nach Norden. Die Cobra-Besatzung sollte den Transporthubschrauber decken. Als beide Maschinen den Fluss bei Đông Hà überquerten, kamen sie jedoch aus zahlreichen Richtungen unter Feuer. Die hohe Zahl gegnerischer Waffen hatte mit dem Vormarsch zu tun; die Besatzungen flogen in einen Raum, dessen Besetzung sie nicht ausreichend kannten.

Blueghost 39 wurde getroffen und ging hinter den gegnerischen Linien nieder. Die Piloten Byron Kulland und John Frink sowie der Crew Chief Ronald Paschall starben. Der verwundete Bordschütze Jose Astorga konnte den Hubschrauber verlassen, wurde aber von nordvietnamesischen Soldaten gefangen genommen. Auch Blueghost 28 erhielt Treffer. Die Cobra kam nach Süden zurück, musste dort landen und ging als Maschine verloren; ihre Besatzung wurde aufgenommen. Hambleton blieb im Reisfeld, und der Versuch, ihn rasch herauszuholen, hatte weitere Männer das Leben und einen Überlebenden die Freiheit gekostet.

Nach Einbruch der Dunkelheit verließ Hambleton seine erste Deckung. Er wechselte auf eine bewachsene Anhöhe, grub sich eine Mulde und tarnte sie mit dem vorhandenen Bewuchs. Er erwartete zunächst, nur diese Nacht dort verbringen zu müssen und am nächsten Morgen abgeholt zu werden. Die Besatzungen der Rettungshubschrauber versuchten tatsächlich, ihn bei Tagesanbruch am 3. April zu erreichen. Der frühe Anflug sollte die Gegner überraschen und den Aufenthalt über dem Aufnahmepunkt kurz halten. Doch das Bodenfeuer zwang die Hubschrauber schon vor dem Ziel zur Umkehr.

Noch am 3. April wurde die OV-10 mit dem Rufzeichen Nail 38 durch eine Rakete abgeschossen, als sie die Rettungsbemühungen unterstützte. Die OV-10 war ein kleines zweimotoriges Flugzeug, das unter anderem für die vorgeschobene Fliegerleitung eingesetzt wurde. Mark Clark konnte sich nach dem Ausschuss verbergen; sein Besatzungskamerad William Henderson geriet in Gefangenschaft. Die Rettungskräfte mussten nun auch Clark erreichen. Hambletons Versteck war weiterhin bekannt, aber seine Aufnahme wurde trotz der Flugzeuge über ihm nicht einfacher.

Die Tage auf der Anhöhe

Hambleton hatte Ausrüstung für einen Notfall mitgenommen, jedoch keine Verpflegung für einen längeren Aufenthalt am Boden. Ihm standen zwei URC-64-Überlebensfunkgeräte, eine kleine Erste-Hilfe-Ausstattung, eine leere Wasserflasche, Signalmittel, ein Messer und ein Revolver im Kaliber .38 mit zwanzig Patronen zur Verfügung. Karte und Kompass hatte er ebenfalls dabei. Auf den vergleichsweise kurzen Flügen von Thailand aus hatte er es nicht für notwendig gehalten, Nahrung und Wasser mitzunehmen. Nun musste er beides beschaffen, ohne beim Verlassen des Verstecks entdeckt zu werden.

Für Regenwasser verwendete er seine gummierte Fluchtkarte. Er legte sie über einen Busch und fing das ablaufende Wasser in der Kunststoffflasche auf. In der dritten Nacht kamen nach seiner Erinnerung ungefähr zwei Quart zusammen, knapp zwei Liter. Später trank er auch aus einem Wasserlauf; zu seiner Ausrüstung gehörten Halazon-Tabletten zur Wasserbehandlung. Der Regen gab ihm zeitweise einen Vorrat, doch seine Versorgung hing weiter davon ab, ob es regnete und welche Wasserstellen er erreichen konnte.

Bei der Nahrungssuche bekam er vier kleine Maiskolben. Viel war damit nicht gewonnen, und jeder Gang aus der Mulde schuf neue Schwierigkeiten. Ein Junge mit einem Hund entdeckte ihn; anschließend kehrte eine bewaffnete Gruppe zurück und suchte nach ihm. Bei einem weiteren Ausflug hatte Hambleton Mühe, sein eigenes Versteck wiederzufinden. Er konnte sich nicht einfach häufiger auf Nahrungssuche begeben: Er musste dafür durch Gelände gehen, in dem andere Menschen unterwegs waren, und anschließend den getarnten Platz erreichen, ohne jemanden dorthin zu führen.

Zweimal hielten sich Patrouillen nur ungefähr sechs Meter von seiner Mulde entfernt auf. Die Männer blieben in der Nähe und gingen schließlich weiter, ohne ihn zu entdecken. Hambleton verbrachte fast eine Woche auf der Anhöhe. Er blieb auch deshalb dort, weil die FACs seine genaue Position kannten und um diesen Punkt ihre Schutzmaßnahmen und die nächsten Aufnahmeversuche organisierten. Ein weiter entfernter neuer Unterschlupf hätte erst wieder geortet und in die Planung aufgenommen werden müssen.

Die Betreuung aus der Luft übernahmen mehrere FAC-Besatzungen nacheinander. Hambleton beschrieb den Dienst später als sechs vierstündige Schichten pro Tag. Seine Meldungen halfen den Piloten, gegnerische Bewegungen und Waffenstellungen einzuordnen; umgekehrt erhielt er Anweisungen und erfuhr, was als Nächstes versucht werden sollte. Die beiden Funkgeräte blieben während seiner Isolation benutzbar. Dadurch konnte ein ablösender FAC die Verbindung übernehmen, obwohl der Navigator unter Bewuchs verborgen oder durch Wolken aus der Luft nicht zu sehen war.

Entsprechend ausgerüstete OV-10 nutzten dazu das Pave-Nail-System in Verbindung mit LORAN, einer elektronischen Navigationshilfe. Anhand von Hambletons Funksendungen konnten sie seine Position bestimmen. Er musste für eine solche Ortung nicht jedes Mal Rauch oder eine Leuchtpatrone einsetzen, die auch gegnerische Soldaten am Boden gesehen hätten. Der Funk ermöglichte den Piloten, bei ihm zu bleiben und Angriffe mit seiner Lage abzustimmen. Um ihn aufzunehmen, musste eine Besatzung trotzdem durch die Luftabwehr bis unmittelbar an seinen Aufenthaltsort gelangen.

Hunger, Durst und unterbrochener Schlaf zehrten an Hambletons Kräften. Er berichtete, immer nur kurz geschlafen zu haben und nach mehreren Tagen bei Bewegungen seine Aufmerksamkeit bewusst wieder sammeln zu müssen. Dass er auf einem Versorgungsgang die Mulde kaum wiederfand, war in dieser Lage besonders gefährlich. Mit jedem weiteren Tag wurde der Weg, den er im Notfall noch selbst zurücklegen konnte, kürzer, während die Soldaten in seiner Umgebung ihre Bewegungen und Suchaktionen fortsetzten.

Museumsaufnahme einer OV-10A Bronco mit zweimotoriger Bauform und verglaster Besatzungskanzel
OV-10A Bronco im Museum of Aviation in Warner Robins.

Feuerbeschränkungen und weitere Verluste

Schon nach dem Abschuss hatte Seventh Air Force zunächst eine Feuerbeschränkungszone von 27 Kilometern Radius um Hambleton eingerichtet. Unkoordinierte Artillerie- und Luftangriffe sollten ihn nicht treffen. Andere Artillerie- und Luftangriffe mussten deshalb freigegeben werden; die Rettungskräfte griffen innerhalb des Raumes weiterhin Ziele an. Der ursprüngliche Radius erfasste allerdings große Teile des Gebietes, in dem die südvietnamesische 3. Division gegen den Vormarsch kämpfte. Die Zone wurde verkleinert, doch die Beschränkung hatte bereits Streit zwischen Luft- und Bodenführung ausgelöst.

Der Luftverbindungsoffizier David Brookbank kritisierte, dass wichtige Ziele während des nordvietnamesischen Vormarsches zu spät bekämpft worden seien. Die Verteidiger mussten Luft- und Artillerieunterstützung nutzen können, während der einzelne Überlebende vor denselben Waffen geschützt werden sollte. Schlechte Sicht, Rückzüge und unklare eigene Positionen erschwerten die Zielzuweisung zusätzlich.

Für Hambleton wurde auch das unmittelbar um sein Versteck eingesetzte Feuer gefährlich. Abgeworfene Antipersonenminen sollten Gegner fernhalten, lagen aber zugleich in dem Gelände, durch das er bei einem Aufbruch gehen musste. Gasmunition gegen ein benachbartes Ziel trieb bei einem Windwechsel zu ihm und machte ihn stark krank.

Am 6. April unternahmen die Rettungskräfte einen weiteren, umfassend vorbereiteten Hubschrauberversuch. Kampfflugzeuge sollten vor der Aufnahme die gegnerischen Waffen niederhalten; vier Skyraider sollten die Hubschrauber beim An- und Abflug decken. Ein HH-53 sollte tief einfliegen, während ein zweiter als Reserve außerhalb der unmittelbaren Gefahr blieb. Wenn es gelang, wollten die Besatzungen Hambleton und anschließend Clark während desselben Einsatzes aufnehmen. Der einfliegende HH-53 wurde jedoch abgeschossen. Alle sechs Männer an Bord starben.

Hambleton erlebte den Verlust der Maschine, die ihn beinahe erreicht hatte, aus seinem Versteck. Er war von den sechs Toten schwer getroffen; die FACs hielten danach die Gespräche mit ihm aufrecht. Am folgenden Tag ging eine weitere OV-10 im Zusammenhang mit den Rettungsbemühungen verloren. Die Angriffe hatten einzelne Waffen bekämpft, aber keinen verlässlichen Anflug und keinen sicheren Aufenthalt über den Aufnahmestellen ermöglicht. Ein Hubschrauber musste langsam und niedrig durch den Raum fliegen, um einen Mann vom Boden an Bord zu nehmen. Verdeckte Waffen konnten während der Luftangriffe schweigen und wieder feuern, sobald der Hubschrauber erschien.

Nach den gescheiterten Anflügen untersagte General Creighton Abrams, der Befehlshaber der amerikanischen Kräfte in Vietnam, am 8. April weitere Luftrettungsversuche. Die Kräfte mussten einen Zugang am Boden finden, bevor Hambleton zu schwach wurde, um noch zu einem anderen Aufnahmepunkt zu gelangen.

Mit Funkanweisungen zum Fluss

Der neue Plan verlangte Hambleton einen eigenen Marsch ab. Er sollte die Anhöhe verlassen, einen Fluss westlich von Đông Hà erreichen und sich dort einer kleinen Bodenmannschaft entgegenbewegen. Die Flugzeuge begleiteten ihn weiter und konnten seine Position verfolgen oder bei Bedarf angreifen. Die unmittelbare Aufnahme aus seinem bisherigen Versteck war jedoch aufgegeben. Erst am Wasser sollten die Retter einen Weg zu ihm finden, auf dem sie die dicht besetzten Aufnahmestellen der Hubschrauberversuche umgehen konnten.

Die Richtungsangaben mussten über Funk zu Hambleton gelangen, ohne einem mithörenden Gegner seinen vorgesehenen Weg offenzulegen. Dafür nutzten die Planer sein Gedächtnis für Golfplätze. Hambleton kannte von zahlreichen Bahnen die Richtung und Länge, die man vom Abschlag bis zum Loch zurücklegen musste. Die Nennung einer bestimmten Bahn gab ihm damit zwei Angaben für einen Marschabschnitt: einen Kurs für den Kompass und eine Entfernung. Auf diese Weise führten ihn die FACs von einem Versteck zum nächsten in Richtung Fluss. Die Anweisungen waren für ihn verständlich, ohne für einen Zuhörer mit anderen Kenntnissen unmittelbar eine Wegbeschreibung zu ergeben.

Ein solcher Abschnitt führte nachts durch das Dorf, aus dem zuvor auf die Rettungskräfte geschossen worden war. Luftangriffe hatten es schwer getroffen. Die Planer wollten Hambleton direkt hindurchführen und erklärten ihm, dass ein Umweg zweieinhalb bis drei zusätzliche Stunden kosten würde. Im Dorf traf er dennoch auf einen Vietnamesen. Es kam zu einer kurzen gewaltsamen Auseinandersetzung, deren Einzelheiten Hambleton später nicht ausführlich schilderte. Er konnte weitergehen.

In einem Bananenhain kurz vor dem Fluss verlor er die Orientierung. Er musste zurückgehen und den Bewuchs umgehen, um das Wasser zu finden. Als er den Fluss schließlich sah, eilte er darauf zu und trat über eine steile Böschung hinaus. Er stürzte gegen einen Baum und brach sich einen Arm. Danach forderten die FACs ihn auf, möglichst schnell das andere Ufer zu erreichen. Hambleton überquerte den Fluss und beobachtete ungefähr eine halbe Stunde später eine Suchgruppe an der Stelle, die er verlassen hatte. Die Männer suchten dort den Bewuchs ab, folgten ihm aber nicht über das Wasser.

Hambleton war nun am vorgesehenen Fluss, hatte bei dem Marsch jedoch weiter an Kraft verloren und sich zusätzlich verletzt. Auch die Bewegung im und am Wasser erschöpfte ihn. Seine Funkgeräte halfen weiterhin, einen Treffpunkt zu finden; aus eigener Kraft konnte er schließlich nicht mehr zu den Stellungen der eigenen Seite gelangen. Damit hing die Aufnahme davon ab, dass die Bodenmannschaft ihn an seinem tatsächlichen Aufenthaltsort erreichte.

Norris und Kiệt erreichen Hambleton

Thomas Norris, ein Offizier der amerikanischen Marine-Spezialkräfte SEAL, war als Berater bei südvietnamesischen Kräften eingesetzt. Er kam zu der Bodenrettung, die unter Leitung von Andy Anderson, einem Offizier des US Marine Corps, vorbereitet wurde. Südvietnamesische Marinekommandoangehörige bildeten mit Norris die Mannschaft, die zu den isolierten Fliegern vordringen sollte. Sie nutzten einen kleinen vorgeschobenen Stützpunkt am Fluss. Die Entfernung zu den Überlebenden war von dort aus geringer, doch auch diese Stellung lag im Kampfgebiet und wurde beschossen.

Zunächst suchten sie Mark Clark. In der Nacht zum 11. April führte Norris eine fünfköpfige Patrouille ungefähr zwei Kilometer durch gegnerisch kontrolliertes Gelände. Bei Tagesanbruch fanden sie Clark und brachten ihn zum Stützpunkt zurück. Noch am 11. April wurde die Stellung von Raketen und Mörsergranaten getroffen. Norris unternahm anschließend mit einer dreiköpfigen Mannschaft zwei Versuche, Hambleton zu erreichen. Beide blieben erfolglos.

Am Nachmittag des 12. April ortete ein FAC Hambleton erneut und benachrichtigte Norris. Für den nächsten Vorstoß meldete sich Nguyễn Văn Kiệt, ein Marinekommandoangehöriger der Republik Vietnam, freiwillig. Norris und Kiệt kleideten sich als Fischer und fuhren während der Nacht in einem Sampan, einem kleinen örtlichen Flussboot, flussaufwärts. Sie konnten darin unterwegs sein, ohne wie die Besatzung eines militärischen Rettungsfahrzeugs auszusehen. Die beiden Männer mussten an größeren gegnerischen Stellungen vorbeikommen; ihr Vorhaben hing davon ab, dort möglichst unauffällig zu passieren.

Bei Tagesanbruch am 13. April fanden sie Hambleton. Norris und Kiệt nahmen den geschwächten Navigator auf, legten ihn in den Sampan und bedeckten ihn mit Bambus und anderer Vegetation. Damit verbargen sie den zusätzlichen Mann während der Rückfahrt. Eine nordvietnamesische Patrouille bemerkte die kleine Gruppe, doch den Rettern gelang es, sich ihr zu entziehen. Sie hatten Hambleton jetzt bei sich, mussten aber noch mit ihm durch das gegnerisch kontrollierte Gebiet zurück.

Nahe dem vorgeschobenen Stützpunkt gerieten sie unter schweres Maschinengewehrfeuer. Kiệt zog den Sampan hinter eine Uferkante in Deckung und tarnte ihn. Norris forderte währenddessen Luftunterstützung an. Die Flugzeuge hielten die gegnerische Stellung mit ihren Angriffen nieder und legten einen Rauchschirm, unter dessen Schutz die drei Männer den letzten Teil der Strecke überwinden konnten. Norris und Kiệt erreichten mit Hambleton den Stützpunkt. Der Anflug eines Hubschraubers bis zu seinem Versteck war durch die Fahrt einer kleinen Mannschaft ersetzt worden; für deren Rückkehr war die Luftunterstützung erneut erforderlich.

Von der vorgeschobenen Stellung brachten die Retter Hambleton in einem gepanzerten Mannschaftstransporter zu einer Hubschrauberlandestelle. Erst dort konnte er an eine Besatzung übergeben werden, die ihn zur Behandlung nach Đà Nẵng ausflog. Bei der Ankunft hatte er Splitterverletzungen und Schnitte, den gebrochenen Arm sowie schwere Erschöpfung, Austrocknung und Mangelernährung. Vom Abschuss am 2. April bis zur Aufnahme am Morgen des 13. April hatte er sich elf Tage im gegnerischen Gebiet verborgen und bewegt.

Norris erhielt für die Bodenrettungen die Medal of Honor; Kiệt wurde für seine Beteiligung an Hambletons Aufnahme am 13. April mit dem Navy Cross ausgezeichnet. Nach der Behandlung kam Hambleton auch nach Korat zurück. Dort berichtete er den Besatzungen von seinen Erlebnissen und den Bedingungen am Boden. Anschließend erholte er sich dreißig Tage im Krankenhaus auf der Clark Air Base.

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