Historische Geschichte · 1789

Blighs Beibootfahrt: Von der Bounty nach Timor

Nach der Bounty-Meuterei wurden Bligh und achtzehn Männer in einem überladenen Boot ausgesetzt. Mit knappen Rationen und wenig Ausrüstung mussten sie über offenes Meer bis nach Timor gelangen.

Handschriftliche Logbuchseite von William Bligh über die Suche nach der niederländischen Niederlassung auf Timor.
Blighs Logbuch zur Annäherung an Kupang, nautisches Datum 14. Juni 1789.

Am Morgen des 28. April 1789 übernahmen Fletcher Christian und seine Mitverschwörer die Bounty. William Bligh, der Kommandant, wurde mit gefesselten Händen an Deck gebracht. Die Meuterer bewachten die Zugänge zu den anderen Offizieren und verfügten über die Waffen des Schiffes. Bligh konnte weder seine Männer sammeln noch die Kontrolle zurückgewinnen. Wenige Stunden später saß er mit achtzehn weiteren Männern in einem offenen Beiboot, während die Bounty ohne sie weitersegelte.

Das Schiff hatte Brotfruchtpflanzen von Tahiti in die Westindischen Inseln bringen sollen. Für die Abgesetzten war diese Aufgabe beendet. Sie mussten zunächst einen Ort erreichen, an dem sie Wasser und Nahrung bekommen konnten; anschließend brauchten sie eine Möglichkeit, wieder nach Hause zu gelangen. Nahe lag die Insel Tofua. Bligh wollte dort Vorräte beschaffen und danach Tongatapu anlaufen, wo er sich Unterstützung durch den Herrscher Poulaho erhoffte. Timor, weit im Westen, war damals noch nicht ihr nächstes Ziel.

Neunzehn Männer in einer Barkasse

Dass sie überhaupt das größere Beiboot erhielten, war zunächst nicht sicher gewesen. Die Meuterer wollten den kleinen Kutter aussetzen, doch dieser leckte zu stark. So kam die Barkasse ins Wasser: eine launch, wie das offene Arbeitsboot auf einem britischen Schiff hieß. Sie war 23 englische Fuß lang, ungefähr sieben Meter. Neunzehn Männer, Kisten, Fässer und Vorräte drückten sie tief ins Wasser. Die Insassen saßen dicht beieinander, ohne Kajüte und ohne einen trockenen Raum für ihre Lebensmittel.

Während die Männer in das Boot getrieben wurden, gelang es einigen, Dinge vom Schiff mitzunehmen. Der Schreiber John Samuel rettete Blighs Journale, seine Ernennungsurkunde und wichtige Schiffspapiere. Damit blieben Unterlagen erhalten, die später den Verlauf der Reise und den Verlust der Bounty erklären konnten. Samuel brachte auch Schiffszwieback, Wein und Rum ins Boot. Der Zimmermann William Purcell durfte seine Werkzeugkiste mitnehmen. Andere sammelten Segel, Tauwerk, Schnur, Leinen und Tuch, dazu ein Wasserfass und kleinere leere Fässer.

Diese Gegenstände reichten für sehr unterschiedliche Arbeiten. Mit Segeln und Rudern konnten sie vorankommen, mit Tuch und Tauwerk das Boot verändern, mit Purcells Werkzeug Schäden ausbessern. Die leeren Fässer boten Platz für Wasser, das sie später finden oder auffangen würden. Ein geretteter Kupfertopf erlaubte es, an Land zu kochen. Zum Schutz erhielten sie vier Entermesser. Schusswaffen gaben die Meuterer ihnen nicht mit; bei einer feindlichen Begegnung mussten sie sich auf die wenigen Klingen und die Beweglichkeit des überladenen Bootes verlassen.

Zur Navigation blieben ein Kompass, ein Quadrant und ein altes Verzeichnis von Breiten- und Längenangaben. Der Kompass zeigte die Richtung, der Quadrant ermöglichte bei sichtbarer Sonne eine Bestimmung der geographischen Breite. Seekarten und den Marinechronometer hatte Samuel nicht retten dürfen. Bligh konnte damit weder eine Karte aufschlagen noch seine Länge anhand einer genauen Zeitmessung bestimmen. Für die Lage von Inseln und Küsten musste er außerdem auf seine früheren Reisen und seine Erinnerung zurückgreifen. Selbst wenn er die richtige Insel fand, würde die Suche nach einem Hafen noch vor ihm liegen.

Die ersten Landgänge auf Tofua

Die Männer ruderten nach Tofua, konnten dort aber nicht einfach an einen Strand fahren und ihre Fässer füllen. Felsen und Brandung erschwerten die Landung. In der ersten Nacht hielten sie das Boot mit zwei Rudern im Schutz der Insel. Später fanden sie eine steinige Bucht, von der aus Suchtrupps die Klippen hinaufstiegen, teils mithilfe der dort wachsenden Ranken. Sie brachten Kokosnüsse, einige Kochbananen und Wasser aus Felslöchern zurück. Für neunzehn Menschen waren die Mengen gering, und schon diese Wege kosteten viel Kraft.

Bligh beteiligte sich an der Suche. Auf einem Rückweg wurde ihm so schwindlig, dass der Botaniker David Nelson und andere Männer ihm beim Abstieg helfen mussten. Der Aufenthalt brachte deshalb keine rasche Erholung nach der Meuterei. Die Gruppe musste zwischen Boot und höher gelegenem Gelände hin und her arbeiten, um ihren kleinen Vorrat überhaupt zu verbessern. Als Bewohner der Insel zur Bucht kamen, bot der Tausch zunächst eine weniger anstrengende Möglichkeit: Gegen Knöpfe und Perlen erhielten die Briten Brotfrüchte, Kokosnüsse und etwas Wasser.

Bligh wollte keine Nägel anbieten. Das Metall konnte für Arbeiten am Boot gebraucht werden, während sich neue Reparaturmittel unterwegs kaum beschaffen ließen. Auf seine Anweisung erklärte die Gruppe den Inselbewohnern, ihr Schiff sei gekentert und gesunken. Damit verschwieg sie die Meuterei, gab aber zugleich zu erkennen, dass keine Schiffsbesatzung in der Nähe war, die ihr beistehen konnte. Der anfangs nützliche Kontakt wurde gefährlicher, als die Zahl der Menschen in der Bucht zunahm und einige versuchten, das Boot an Land zu ziehen.

Bligh bedrohte einen Anführer mit dem Entermesser; vorerst ließen die Männer von der Barkasse ab. Im Laufe des Nachmittags sah er jedoch immer mehr Menschen mit Steinen in den Händen und Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt am Strand. Die Briten wurden in der Bucht zunehmend eingeschlossen. Bligh entschied, gegen Sonnenuntergang abzulegen. Schon das Übertragen ihrer Sachen durch die Brandung war mühsam. Sie konnten nicht alle zugleich ins Boot steigen und anschließend mit einem einzigen kräftigen Zug vom Ufer freikommen.

Am Abend des 2. Mai wurden die Briten bei ihrem Rückzug angegriffen. Der Quartiermeister John Norton lief noch einmal den Strand hinauf, um die Heckleine zu lösen. Dort wurde er niedergeschlagen und getötet. Inselbewohner am Strand hielten die Leine fest und versuchten, das Boot zurückzuziehen. Bligh schnitt sie mit seinem Messer durch. Seine Männer zogen sich zum kleinen Bootsanker zurück, doch nun kamen Verfolger in Kanus und warfen Steine. Der Anker hatte sich verhakt und hielt die Barkasse fest. Erst als eine seiner Fluken, ein Ankerarm, brach, konnten die Männer frei rudern.

Auch im offenen Wasser entkamen sie den Kanus zunächst nicht. Die schwer beladene Barkasse war langsamer, und die Männer konnten die Angreifer mit ihren Entermessern kaum erreichen. Bligh ließ Kleidung über Bord werfen. Die Verfolger sammelten die Stücke auf und verloren dabei Zeit; mit der einsetzenden Dunkelheit gelang es der Gruppe schließlich, Abstand zu gewinnen. Norton blieb auf Tofua zurück. Im Boot saßen jetzt achtzehn Männer, und die bisherige Absicht, sich auf den Tonga-Inseln auszurüsten, war nach dem Angriff für Bligh nicht mehr tragfähig.

Er schlug die niederländische Niederlassung auf Timor als Ziel vor und erklärte den Männern, wie weit der Weg dorthin war. Für die lange Fahrt mussten sie ihren Lebensmittelvorrat einteilen. Bevor sie nach Westen segelten, ließ er sich die Zustimmung zu äußerst kleinen Rationen geben. Nach Tofua standen ihnen etwa 150 Pfund Schiffszwieback, 28 Gallonen Wasser, 20 Pfund gesalzenes Schweinefleisch, drei Flaschen Wein und fünf Quart Rum zur Verfügung. Hinzu kamen wenige Kokosnüsse und zerdrückte Brotfrüchte. Ein Teil der ursprünglichen Vorräte war bereits verbraucht oder beim Angriff verloren gegangen.

Die Barkasse im schweren Seegang

Am Morgen nach dem Aufbruch trafen sie auf schweren Seegang. Das Segel verlor in den Wellentälern den Wind und wurde auf den Kämmen umso stärker belastet. Wasser schlug über das Heck ins Boot. Die Männer schöpften mit aller Kraft, während Bligh das Gewicht vermindern ließ: Überzählige Kleidung, Tauwerk und Ersatzsegel gingen über Bord. Jeder durfte zwei Garnituren behalten. Die Barkasse wurde dadurch leichter, und zwischen den Insassen entstand etwas mehr Platz zum Arbeiten. Zugleich verloren sie Gegenstände, die ihnen bei einer längeren Fahrt noch hätten helfen können.

Besonders gefährdet war der Schiffszwieback, der zunächst in Säcken lag. Meerwasser drang hinein, und ein Teil des Brotes verdarb. Die Männer räumten Purcells Kisten um: Die Werkzeuge kamen auf den Bootsboden, der Zwieback in die Kisten. Damit schützten sie den Vorrat besser vor neuem Wasser, konnten den bereits entstandenen Schaden aber nicht rückgängig machen. Auch verdorbenes Brot wurde aufgehoben und gegessen. Einen Ersatzvorrat besaßen sie nicht, und die wenigen frischen Lebensmittel von Tofua waren schnell aufgebraucht.

Mit dem geretteten Material verbesserten sie nach und nach das Boot. Zusätzliche Wanten stützten die Masten. Eine Wetterbespannung aus Segeltuch sollte Wasser abhalten, und Sitzbretter erhöhten die hinteren Bordpartien um ungefähr neun Zoll. Diese niedrige zusätzliche Barriere konnte einen Teil der überkommenden See abfangen. Trotzdem mussten oft ein oder zwei Männer ununterbrochen ausschöpfen. Die Barkasse blieb nur benutzbar, solange Steuern, Segelführung und Lenzen nebeneinander weiterliefen.

Bei besonders hoher See mussten sie vor den Wellen laufen. Ein Kurs, der Timor nähergebracht hätte, konnte das Boot ungünstig zu den Brechern stellen und mehr Wasser hineinwerfen. Bligh nahm deshalb zeitweise eine Bewegung nach Nordwesten hin. Sobald der Seegang nachließ, hielt er wieder weiter nach Süden, um nicht zur Küste Neuguineas gedrückt zu werden. Er wollte die australischen Riffe südlich der Torresstraße erreichen, wo er Schutz und Vorräte suchte. Wie direkt sie dorthin fahren konnten, bestimmte jeden Tag das Wetter mit.

Die Männer teilten sich in zwei Wachen. Eine Hälfte saß aufrecht und arbeitete, die andere versuchte, auf dem Boden oder den Kisten zu schlafen. Zum Ausstrecken der Beine reichte der Platz nicht. Regen und Meerwasser hielten die Kleidung nass, nachts wurde es kalt, und die liegenden Männer wachten mit Krämpfen und Schmerzen auf. Eine längere Strecke unter Segel ersparte ihnen zwar das Rudern, gab ihnen aber keinen geschützten Schlafplatz. Während das Boot nach Westen kam, verloren seine Insassen weiter an Kraft.

Navigation und die tägliche Brotverteilung

Bligh beobachtete die Sonne, wenn Wolken und Bootsbewegung eine Messung zuließen. Daraus gewann er die Breite und konnte prüfen, ob sie zu weit nach Norden oder Süden geraten waren. Für die Länge musste er die gefahrenen Kurse und die geschätzten Entfernungen fortschreiben. Bei diesem Verfahren, dem Koppeln, addierten sich auch die Fehler der einzelnen Schätzungen. Eine Sonnenbeobachtung korrigierte die Nord-Süd-Lage, beseitigte aber nicht die Unsicherheit darüber, wie weit sie tatsächlich nach Westen gekommen waren.

Um die Geschwindigkeit besser abzuschätzen, markierten sie später eine Logleine und übten das Zählen von Sekunden. Der Geschützmeister William Peckover hatte eine Uhr vom Schiff mitgenommen; Anfang Juni blieb sie stehen. Bei bedecktem Himmel konnte Bligh keine Sonnenhöhe messen, und in manchen dunklen Nächten ließ sich selbst der Kompass nicht ablesen. Dann hielten sie ihre Richtung nach Wind und Wellen. Bligh zeichnete Inseln, Landmarken und Riffe auf, soweit er im Boot schreiben konnte, und erklärte den Männern die Lage von Neuguinea, Australien und Timor. Falls er ausfiel, sollten sie zumindest wissen, welche Route noch vor ihnen lag.

Auf dem Weg durch das Inselgebiet von Fidschi kamen ihnen zwei Segelkanus entgegen. Nach den Erfahrungen auf Tofua wollte Bligh keine weitere Landung versuchen und ließ von der Küste wegrudern. Ob die Kanus feindliche Absichten hatten, blieb unklar; ein Kontakt hätte möglicherweise auch Versorgung gebracht. Die Entscheidung bedeutete, dass die Gruppe an sichtbarem Land vorbeifuhr und mit ihren vorhandenen Vorräten weiterhungerte. Ihre Waffen und Kräfte hatten sich seit dem Angriff nicht verbessert, und beim Verlust des Bootes wären auch Lebensmittel und Navigationsmittel verloren gewesen.

Die Brotverteilung wurde deshalb zur festen Arbeit im Boot. Aus zwei Kokosnussschalen entstand eine Waage, als Vergleichsgewicht dienten Pistolenkugeln. Eine solche Portion wog ungefähr 18 bis 19 Gramm. Bligh gab anfangs gewöhnlich drei Portionen täglich aus. Die Mengen waren klein genug, um lange zu reichen, aber viel zu gering, um die Arbeit, die Nässe und den Schlafmangel auszugleichen. Genaues Abwiegen machte die Verteilung nachvollziehbar: Jeder Mann konnte sehen, dass sein Anteil nach demselben Maß bestimmt wurde.

Am 24. Mai prüfte Bligh den Restbestand. Bei drei Ausgaben am Tag würde das Brot noch 29 Tage reichen. Er konnte nicht sicher wissen, wann sie Timor erreichen würden oder ob sie dort Versorgung fanden; nötigenfalls mussten sie bis Java weiterfahren. Er strich die Abendportion und verlängerte damit die berechnete Reichweite auf 43 Tage. Die Männer mussten nun mit zwei Ausgaben auskommen. Erst am 6. Juni, nach den australischen Aufenthalten und bei Aussicht auf eine rasche Überfahrt, gab es wieder Brot am Abend.

Beim Wasser konnten Regenfälle die Lage wesentlich schneller verändern. Die Männer breiteten Segel aus und fingen das ablaufende Wasser auf. Anfang Mai stieg ihr Bestand auf 34 Gallonen; ein späterer kräftiger Regen brachte weitere zwanzig. In anderen Nächten ließen ihnen Seegang und überkommendes Wasser keine Zeit zum Sammeln. Gerade das Wetter, das Trinkwasser lieferte, durchnässte sie erneut und erschwerte den Schlaf. Beim Brot gab es eine solche Nachversorgung auf See nicht.

Die Angel blieb meist ohne Fang. Gelegentlich ließen sich Noddies und Tölpel, die zum Boot kamen, mit der Hand greifen. Die Männer teilten auch die Innereien, kleine Fische und Tintenfische aus den Vogelmägen; das Blut erhielten die Schwächsten. Bei achtzehn Empfängern waren die Stücke winzig und unterschiedlich groß. Ein Mann, der sie nicht sehen konnte, benannte deshalb für jedes Stück den Empfänger. So kam frische Nahrung hinzu, ohne dass der Verteilende die größten Teile gezielt vergeben konnte. Die wenigen Vögel änderten jedoch nichts an der Abhängigkeit vom Zwieback.

Ein Durchlass durch das Barriereriff

Gegen Ende Mai sahen sie mehr Treibholz und Seevögel. Bligh erwartete die australische Küste und suchte einen Weg durch das Barriereriff. Hinter dessen äußeren Brechern hoffte er auf ruhiges Wasser. Dort konnten sie schlafen, Nahrung suchen und am Boot arbeiten, ohne zugleich ständig gegen einlaufende See kämpfen zu müssen. Zunächst wurde jedoch gerade die Annäherung gefährlich: In der Nacht hörte der Mann am Steuer Brandung, als die Brecher bereits nahe unter Lee lagen. Bligh konnte noch rechtzeitig abdrehen.

Bei Tageslicht näherten sie sich erneut und folgten der Linie der Brecher, um eine Öffnung zu finden. Als der Wind ungünstig nach Osten drehte, ließ sich die Barkasse nicht mehr ohne Weiteres vom Riff freisegeln. Zum Herausrudern waren die Männer zu schwach. Sie brauchten nun einen Durchlass, bevor Wind und See sie auf die Riffe setzten. Am 28. Mai fanden sie ihn. Eine starke Strömung trug das Boot hindurch, und dahinter erreichten sie das erhoffte ruhige Wasser.

Eine kleine Insel in der Nähe erwies sich als bloßer Steinhaufen. Auf einer größeren fanden sie dagegen einen geeigneten Sandstrand und gingen noch am Abend an Land. Am nächsten Morgen, dem 29. Mai, gab Bligh ihr den Namen Restoration Island. Er teilte die Gruppe zwischen Boot und Strand, ließ nach Bewohnern suchen und schickte Männer zum Sammeln aus. Auf den Felsen saßen Austern. Weil sie sich schwer lösen ließen, öffneten die Sammler sie dort, statt Zeit mit dem Abbrechen der ganzen Muscheln zu verlieren.

In einer feuchten Senke fanden sie Wasser und gruben einen Brunnen, der beim Ausschöpfen nachlief. Eine kleine Lupe, mit der Bligh sonst seine Instrumente ablas, half ihnen beim Feuermachen. Geretteter Schwefel und eine Zunderbüchse erleichterten danach das erneute Entzünden. Nun wurde auch der Kupfertopf gebraucht: Aus Austern, etwas Brot und Schweinefleisch bereiteten sie einen Eintopf, von dem jeder eine volle Portion bekam. Hinzu kamen Palmherzen. Im Schatten konnten sich die Männer endlich hinlegen, während ihr Boot ruhig am Strand lag.

Der Aufenthalt brachte auch eine notwendige Reparatur. Ein Beschlag, der das Steuerruder am Heck hielt, war herausgekommen und verlorengegangen. Die Männer ersetzten ihn durch eine große Metallklammer. Bligh hatte bereits Schlaufen am Heck vorbereitet, um im Notfall mit Rudern zu steuern. In der schweren See wäre diese Ausweichlösung jedoch schwierig gewesen. Am geschützten Strand ließ sich die Befestigung des eigentlichen Steuerruders wiederherstellen, bevor sie zur nächsten offenen Passage aufbrachen.

Sie füllten ihre Wassergefäße auf nahezu sechzig Gallonen und sammelten weiter Nahrung. Bligh schonte den Schiffszwieback, wo Austern und andere frische Lebensmittel ihn ersetzen konnten. Jede an Land gegessene Mahlzeit sollte den haltbaren Vorrat für die nächste Seestrecke erhalten. Auch jetzt war die Versorgung begrenzt: Das Wasser ließ sich mitführen, viele Austern wurden sofort gegessen, und die Männer mussten nach kurzer Ruhe weiterfahren. Restoration Island war ein brauchbarer Zwischenhalt auf dem Weg nach Timor.

Die Stopps an der australischen Küste

In den folgenden Tagen fuhren sie innerhalb der Riffe weiter und landeten auf anderen Inseln. Die Suche brachte Muscheln, Wasser und zeitweise Ruhe, aber keine großen Lebensmittelvorräte. Austern saßen fest auf den Felsen, andere Muscheln waren spärlich. Schildkrötenspuren und alte Panzer machten den Männern Hoffnung; eine Schildkröte fingen sie nicht. Manche aßen unbekannte Früchte oder rohe Bohnen und fürchteten anschließend, sich geschadet zu haben. David Nelson wurde als Botaniker ständig nach der Essbarkeit gefragt, konnte aber nicht jede gefundene Pflanze bestimmen oder empfehlen.

Nelson selbst kam von einem Suchgang so erschöpft zurück, dass zwei Männer ihn stützen mussten. Er hatte in der Sonne weitergearbeitet, bekam starken Durst und Sehprobleme und konnte nicht mehr gehen. Die anderen legten ihn in den Schatten und gaben ihm kleine Mengen Brot und Wein. Auch weitere Männer litten unter Übelkeit oder schmerzhaftem Stuhldrang. Nahrung und Schlaf an Land hatten ihre Beschwerden nicht beendet. Die Suchtrupps mussten ihre Funde weiterhin mit körperlicher Arbeit erkaufen, obwohl ihnen dafür immer weniger Kraft blieb.

Auf Sunday Island führte die Verteilung der Austern zu einer offenen Auseinandersetzung. Purcell widersprach Bligh, der ein Entermesser nahm und den Zimmermann aufforderte, ebenfalls eines zu greifen. John Fryer, der Master der Bounty und damit ihr nautischer Offizier, griff ein. Über den Anlass gaben Bligh und Fryer später unterschiedliche Darstellungen: Bligh warf Purcell Aufsässigkeit vor. Fryer erklärte dagegen, die Suchtrupps hätten ihre Funde nach einer vorherigen Vereinbarung jeweils behalten dürfen; der Streit sei entstanden, als Bligh Purcells Austern dennoch verlangte.

Beide Darstellungen beschreiben einen Streit um Nahrung, bei dem der Kommandant eine Waffe in die Hand nahm. Welcher Mann eine Abmachung brach, blieb zwischen den Beteiligten umstritten. Purcell war zugleich der Zimmermann, dessen Werkzeug sie mitgenommen hatten; Fryer gehörte zu den Männern, die Bligh schon vor der Meuterei als Offiziere zur Seite gestanden hatten. Der gemeinsame Aufbruch hatte diese Gruppe nicht von ihren Spannungen befreit. Sie musste nach der Auseinandersetzung weiter im selben Boot arbeiten und die nächsten knappen Mahlzeiten miteinander teilen.

Auf einer weiteren kleinen Insel wollte Bligh das Feuer im Dickicht halten, damit es vom Festland aus nicht zu sehen war. Ein zusätzliches Feuer entzündete jedoch trockenes Gras, und die Insel brannte weithin sichtbar. Wieder gerieten Bligh und Fryer aneinander. Bligh machte ihn für das Feuer verantwortlich; Fryer bestritt, die entsprechenden Anweisungen gekannt zu haben, und schilderte, wie er durch Ausreißen trockenen Grases die Ausbreitung begrenzte. Ein Angriff folgte nicht, aber ein Teil der erwarteten Ruhe ging verloren. Auch die nächtliche Nahrungssuche blieb hinter den Hoffnungen zurück: Die Vogelsammler brachten nur zwölf kleine Noddies, die Schildkrötensucher nichts.

Nach sechs Tagen an der australischen Küste verließen sie am Abend des 3. Juni den Schutz der Riffe. Die Stopps hatten das Steuerruder wieder benutzbar gemacht, Wasser geliefert und mehrere Mahlzeiten ermöglicht. Für die Überfahrt nach Timor mussten sie nun erneut in die offene See. Besonders der Schiffsarzt Thomas Ledward und der Segelmacher Lawrence Lebogue wurden unterwegs schwächer. Die Männer hatten geschwollene Beine, eingefallene Gesichter und waren zunehmend benommen. Am 8. Juni fingen sie endlich einen kleinen Fisch; Fleisch und Innereien wurden unter allen aufgeteilt. Viel mehr frische Nahrung stand ihnen auf dieser letzten Seestrecke nicht zur Verfügung.

Die Suche nach Kupang

Am frühen Morgen des 12. Juni sichteten sie Timor. Für den Abschnitt seit Tofua verzeichnete Bligh bis zu diesem Punkt 41 Tage und 3.618 Seemeilen nach seiner Logrechnung, ungefähr 6.700 Kilometer. Diese Angaben enden bei der Sichtung der Insel. Der Hafen, den sie suchten, war noch nicht erreicht, und seine genaue Lage kannte Bligh nicht. Er vermutete die niederländische Niederlassung im Südwesten und folgte der Südküste, um sie zu finden.

Hohe Brandung verhinderte vielerorts eine Landung. In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni ließ Bligh das Boot beigedreht liegen, damit sie nicht im Dunkeln an der Siedlung vorbeisegelten. In einer Bucht entdeckten sie schließlich eine Hütte, einen Hund und Vieh. Der Bootsmann William Cole und Peckover gingen an Land und kehrten mit örtlichen Bewohnern zurück. Einer erklärte sich bereit, ihnen den Weg nach Kupang zu zeigen. Zum ersten Mal auf dieser letzten Annäherung hatte die Gruppe jemanden an Bord, der das örtliche Fahrwasser kannte.

Der Lotse führte sie entlang der Ostseite des Fahrwassers, links lag die Insel Semau. Als der Wind nachließ, mussten die Männer wieder rudern. Bligh gab größere Brotportionen und Wein aus und ließ ihnen eine kurze Ruhepause, bevor sie fortfuhren. Vor Tagesanbruch am 14. Juni lag die Barkasse bei der Stadt und ihrem Fort. Aus geretteten Flaggen, die an Bord zum Anzeigen von Wassertiefen gedient hatten, war unterwegs eine kleine Flagge gefertigt worden. Bligh hisste sie als Notsignal und wartete auf die Erlaubnis zum Landen.

Ein englischer Seemann brachte ihn zu Kapitän Spikerman. In dessen Haus erhielten die Männer Tee, Brot und Butter; später folgten Kleidung und die Behandlung ihrer Wunden. Einige konnten den Weg vom Boot kaum zu Fuß zurücklegen. Im Boot waren noch Vorräte für elf weitere Tage zu den knappen Rationen. Damit blieb für den zuvor vorgesehenen Ausweichkurs nach Java eine Lebensmittelreserve. Alle achtzehn, die Tofua verlassen hatten, waren in Kupang angekommen. Seit dem Aussetzen am 28. April waren 47 Tage vergangen. Zählt man Anfangs- und Enddatum mit, umfasst die Fahrt 48 Kalendertage; die häufig damit verbundene Distanz von 3.618 Seemeilen hatte Bligh bereits zwei Tage zuvor bei der Sichtung Timors festgehalten.

Versorgung und die weitere Heimreise

Der schwer kranke Gouverneur Willem Adriaan van Este und sein Stellvertreter Timotheus Wanjon sorgten für Unterkunft und weitere Versorgung. Bligh brachte seine Männer in einem gemeinsamen Haus unter, statt sie auf Hospital und Schiffe zu verteilen. Schwäche, geschwollene Beine, entzündete Wunden und Beschwerden an Bauch und Darm hielten an. Auch Bligh wurde krank. Die Gruppe konnte nun essen, ruhen und Hilfe erhalten, doch sie war noch nicht gesund genug für eine rasche Heimreise.

Für die Weiterfahrt nach Batavia auf Java beschaffte Bligh den Schoner Resource. Bevor sie Timor verlassen konnten, verloren sie David Nelson: Der Botaniker starb dort am 20. Juli an einem Fieber. In Batavia kamen weitere Todesfälle hinzu. Thomas Hall starb am 10. Oktober. Dort wurden sowohl die Resource als auch die Barkasse verkauft; für das Beiboot hatte Bligh keine geeignete Transportmöglichkeit nach Europa gefunden.

Am 16. Oktober 1789 verließ Bligh Batavia, während ein Teil seiner Männer dort auf die Weiterfahrt wartete. William Elphinstone und Peter Linkletter starben kurz nach seiner Abreise. Robert Lamb starb auf der Überfahrt nach Europa. Bligh selbst landete am 14. März 1790 in Portsmouth. Von Thomas Ledward hatte er noch keine Nachricht, als er 1792 seinen vollständigen Reisebericht veröffentlichte. Er konnte damals die Rückkehr von zwölf der neunzehn Männer melden, die auf der Bounty ins Boot gezwungen worden waren. Norton war auf Tofua getötet worden; achtzehn hatten Timor erreicht, doch fünf von ihnen waren auf dem weiteren Weg nachweislich gestorben, und Ledwards Schicksal war für Bligh noch ungeklärt.

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