Historische Geschichte · 1942

HMAS Armidale: Überleben in Booten und auf einem Floß

Nach dem Untergang der Armidale versuchten zwei Bootsgruppen, Hilfe zu erreichen. 49 Menschen wurden gerettet; andere Überlebende blieben auf einem beschädigten Floß zurück und konnten trotz Luftsichtungen nicht geborgen werden.

Die Korvette HMAS Armidale im Hafen von Port Moresby, September 1942.
HMAS Armidale in Port Moresby, September 1942.

Nach dem Untergang der HMAS Armidale am 1. Dezember 1942 versuchten ihre Überlebenden, mit zwei beschädigten Beibooten Hilfe zu erreichen. Andere blieben auf einem improvisierten Floß und einem Rettungsfloß zurück. Während die Bootsgruppen schließlich aufgenommen wurden, scheiterten die Bergungsversuche für die Männer auf den Flößen. Von 149 Menschen an Bord kehrten 49 zurück.

Ein verpasstes Treffen vor Timor

Die Armidale sollte Verstärkung nach Timor bringen und auf dem Rückweg kranke und verwundete Soldaten nach Australien transportieren. Ende November 1942 kämpften australische und niederländische Kräfte noch auf der japanisch besetzten Insel. Ihre Versorgung lief über Darwin und kleine Anlandestellen an der Südküste. Für die Fahrt nach Betano setzte die australische Marine zwei Korvetten und das kleinere Hilfsschiff Kuru ein. Der Auftrag ließ sich nur ausführen, wenn die Schiffe einander in der Nacht erreichten und genügend Zeit für die Übergaben vor der Küste blieb.

Die Kuru sollte vorausfahren, Versorgungsgüter anlanden und portugiesische Flüchtlinge aufnehmen. Nach dem Eintreffen der Korvetten würde sie diese Menschen an die Castlemaine übergeben, die anschließend nach Darwin zurückfahren sollte. Mit ihrem geringeren Tiefgang konnte die Kuru außerdem die Soldaten der Armidale an den Strand bringen und Verwundete von dort zum größeren Schiff befördern. Die Armidale selbst gehörte zur Bathurst-Klasse, deren kleine Korvetten als Minensucher, Geleit- und Transportschiffe eingesetzt wurden. Mit ungefähr 15 Knoten Höchstgeschwindigkeit blieb sie während der Überfahrt viele Stunden in Reichweite japanischer Flugzeuge.

An Bord der Armidale befanden sich 83 Marineangehörige und 66 Soldaten: drei Australier, zwei niederländische Offiziere und 61 Angehörige der niederländisch-indischen Streitkräfte. Insgesamt waren es 149 Menschen. Die Soldaten waren für den Einsatz auf Timor eingeschifft worden; fast die Hälfte der Menschen an Bord gehörte daher nicht zur eigentlichen Schiffsbesatzung. Das hatte auch Folgen für den Untergang: Viele der niederländisch-indischen Soldaten hielten sich im vorderen Mannschaftsraum auf, den der erste Torpedo besonders schwer traf.

Männer der HMAS Armidale bei einer Gruppenaufnahme an Deck um 1942.
Männer der Armidale an Deck, um 1942.

Die Kuru verließ Darwin am Abend des 28. November; die beiden Korvetten folgten am nächsten Tag. Am Morgen des 30. November entdeckte ein japanisches Flugzeug die Schiffe und griff sie an. Philip Sullivan, der Kommandant der Castlemaine und ranghöchste Befehlshaber auf See, meldete nach Darwin, dass er die Erfolgsaussichten des Auftrags bezweifelte. Bis zum geplanten Treffen blieb noch ein ganzer Tag, in dem weitere Angriffe möglich waren. Commodore Cuthbert Pope, der die Operation von Darwin aus leitete, ließ sie dennoch fortsetzen und sagte Jagdschutz zu.

Weitere Bomber griffen an, ohne die Korvetten schwer zu beschädigen. Die ständigen Ausweichmanöver verzögerten jedoch ihre Fahrt. Australische Beaufighter vertrieben bei einem Angriff die japanischen Maschinen; eine dauernde Begleitung war wegen der Entfernung von Darwin nicht möglich. Auch die Kuru wurde aufgehalten, durch schlechtes Wetter und Schwierigkeiten beim Auffinden der Anlandestelle. Als sie schließlich Betano erreichte, waren die Korvetten noch nicht da. Sie nahm 77 portugiesische Flüchtlinge und einen verwundeten australischen Soldaten auf und verließ die Küste gegen zwei Uhr morgens am 1. Dezember.

Etwa eine Stunde später liefen Armidale und Castlemaine ein. Sie fanden weder die Kuru noch die erwarteten Signalfeuer am Strand. Da der Morgen näher rückte, fuhren sie wieder nach Süden, um sich von der Küste zu entfernen. Erst nach Tagesanbruch trafen die drei Schiffe zusammen. Die Flüchtlinge konnten noch an die Castlemaine übergeben werden, doch erneut auftauchende japanische Flugzeuge verhinderten einen weiteren Austausch der Passagiere zwischen den Korvetten. Die Castlemaine kehrte mit den Flüchtlingen nach Darwin zurück und sollte unterwegs nach zwei vermissten Fliegern suchen. Armidale und Kuru erhielten den Auftrag, unabhängig voneinander wieder nach Betano zu fahren und die Truppenüberführung abzuschließen.

Die Armidale sank innerhalb weniger Minuten

Am frühen Nachmittag des 1. Dezember überstand die Armidale einen weiteren Bombenangriff. Ihr Kommandant David Richards verlangte erneut ausreichenden Jagdschutz. Gegen drei Uhr erschienen neun Bomber, drei Jagdflugzeuge und ein Wasserflugzeug. Diesmal hielten die Bomber zunächst außerhalb der Reichweite der Bordgeschütze Abstand, teilten sich dann in Gruppen und liefen mit Torpedos aus verschiedenen Richtungen an. Richards versuchte, durch Kursänderungen den Abwurf zu erschweren. Zwei Torpedos trafen die Korvette auf der Backbordseite.

Das Schiff bekam rasch starke Schlagseite. Richards befahl, es zu verlassen, als das Deck bereits um etwa 50 Grad geneigt war. Rettungsmittel mussten gelöst werden, während die Männer über die schrägen Decks ins Wasser gelangten. Der Elektriker Bill Lamshed wurde in der Nähe seiner Werkstatt über Bord geschleudert. Aus dem Wasser sah er die Armidale noch mit drehenden Schrauben weiterfahren und anschließend auseinanderbrechen. Zwischen dem ersten Torpedotreffer und dem Untergang lagen nur drei bis vier Minuten.

Der 18-jährige Matrose Teddy Sheean kehrte nach dem Befehl zum Verlassen des Schiffes zum achteren Oerlikon-Geschütz zurück und schoss weiter auf die Angreifer. Mehrere Überlebende sahen ihn dort; Lamshed erkannte zunächst nur das feuernde Geschütz und erfuhr später, wer es bedient hatte. Sheean ging mit der Armidale unter. Seine Tat wurde 2020 posthum mit dem Victoria Cross ausgezeichnet. Die Gegenwehr des Schiffes endete mit seinem Untergang, der Beschuss der Überlebenden dagegen dauerte noch zehn bis zwanzig Minuten an.

Die japanischen Flugzeuge griffen die Männer im Wasser mit Maschinengewehren an. Wer tauchen konnte, versuchte sich unter der Oberfläche zu schützen; andere wurden von ihren Rettungswesten oben gehalten. Nach dem Abflug der Maschinen waren die Überlebenden über eine große Fläche verstreut. Sie mussten sich finden, Verwundete aufnehmen und die erreichbaren Schwimmhilfen sammeln. Etwa 102 Menschen hatten den unmittelbaren Untergang überlebt. Viele waren verletzt, und ihre Verluste sollten in den folgenden Tagen noch steigen.

Verwundete im Motorboot, die anderen auf Schwimmkörpern

Das Motorboot der Armidale schwamm trotz der Einschusslöcher noch und bot den Verwundeten den besten verfügbaren Platz. Richards sammelte mit ihm Männer aus dem Wasser. Außerdem hatten sich ein Carley-Rettungsfloß, zwei längliche Schwimmkörper des Minenräumgeräts, Fässer und Holz erhalten. Leigh Bool hatte seine Kameraden bereits vor dem letzten Auftrag dazu gebracht, brauchbare Holzreste am Schiff zu befestigen. Ein Teil dieses Holzes trieb nun zwischen den Überlebenden und ließ sich zusammen mit anderen Trümmern für ein größeres Floß verwenden.

Kräftige Schwimmer brachten die verstreuten Gegenstände zusammen. Auf den beiden Schwimmkörpern des Minenräumgeräts befestigten die Männer Holz und weitere Trümmer, bis eine gemeinsame Plattform entstand. Sie konnten sich daran festhalten und blieben leichter beieinander, lagen aber weiterhin großenteils im Meer. Selbst auf dem Floß standen sie teilweise bis zur Hüfte im Wasser. Das wenige vorhandene Tauwerk musste die überlastete Konstruktion zusammenhalten. Immer wieder lösten sich Verbindungen, die nachgezogen oder neu gebunden werden mussten.

Am Nachmittag fanden sie auch das Walboot der Armidale wieder, ein ungefähr acht Meter langes Ruderbeiboot. Es war beschädigt und vollgelaufen und hing unter der Wasseroberfläche. Die Männer befestigten zusätzliche Schwimmkörper daran und verbanden es mit dem Floß. So konnten einige im gefluteten Boot stehen, während ihre Rettungswesten sie trugen. Die Überlebenden wechselten zwischen diesen Plätzen und den Flößen, um wenigstens zeitweise die Körperhaltung zu verändern. Für eine Fahrt war das Walboot noch unbrauchbar.

Die erste Nacht verbrachten sie in der Erwartung, am nächsten Tag von einem alliierten Flugzeug gefunden zu werden. Am Morgen teilten sie kleine Mengen Fleischkonserve und Wasser aus. Obwohl das Wasser warm war, machte der dauernde Aufenthalt darin jede Verletzung schmerzhafter. Krämpfe, aufgescheuerte Haut und kurze, unterbrochene Schlafphasen erschwerten die Arbeit am Floß. Haie und gelegentlich Seeschlangen näherten sich; die Männer vertrieben sie durch heftiges Planschen. Ein Tod durch einen Haiangriff ist für diese Gruppe nicht bekannt.

Auch die Verteilung der verfügbaren Plätze wurde zum Problem. Zwischen australischen Marineangehörigen und niederländisch-indischen Soldaten fehlte eine gemeinsame Sprache. Australische Überlebende schilderten später Streit um das Carley-Floß und die bewaffneten Soldaten darauf. Die Gruppen blieben schließlich auf verschiedenen Schwimmhilfen und drifteten auseinander.

Richards fuhr los, um Hilfe zu erreichen

Bis zum Mittag des 2. Dezember hatten die Männer kein alliiertes Flugzeug gesehen. Die Verwundeten brauchten Versorgung, und Richards entschied, mit dem Motorboot in Richtung der australischen Aufklärungsflüge zu fahren. Dort hatte das kleine Boot eine bessere Aussicht, entdeckt zu werden, als nahe der Untergangsstelle. Der Erste Offizier William Whitting war durch seine Verletzung von den Hüften abwärts gelähmt und konnte die Fahrt nicht führen. Richards nahm ihn mit, dazu weitere Verwundete und Männer, die noch kräftig genug zum Rudern waren. Insgesamt brachen 22 Menschen auf. Der Artillerieoffizier Lloyd Palmer übernahm die Führung der Zurückgebliebenen.

Der Motor ließ sich zunächst nicht starten. Der Vorrat an Kraftstoff hätte ohnehin nur für ungefähr 100 Meilen gereicht. Die Männer mussten das Boot 28 Stunden lang mit eigener Kraft vorwärtsbewegen, bis der Motor zum Laufen gebracht wurde. Er arbeitete anschließend etwa zwanzig Stunden. Danach half ein Segel bei der Weiterfahrt. Am 5. Dezember entdeckte ein Aufklärungsflugzeug das Boot rund 150 Meilen westnordwestlich von Darwin. Richards hatte damit das unmittelbare Ziel der Fahrt erreicht: Die Marine erfuhr endlich sicher, dass die Armidale gesunken war und Menschen aus ihr noch lebten.

In Darwin hatte Pope am Abend des 1. Dezember den Timorauftrag abgebrochen, nachdem japanische Kreuzer im Gebiet gemeldet worden waren. Er wusste zu diesem Zeitpunkt nichts vom Untergang und ging auch am nächsten Tag noch davon aus, dass die Armidale zurückfuhr. Erst als sie ausblieb und keine Position meldete, wurde ein Verlust wahrscheinlicher. Am 3. Dezember hatte Pope eine Luftsuche anlaufen lassen. Die Überlebenden auf den Flößen konnten davon nichts erkennen; sie hatten keine Verbindung nach Darwin und wussten auch nichts über Richards’ Fortschritt.

Nach der Sichtung des Motorboots lief die Korvette Kalgoorlie am 5. Dezember zur Rettung aus. Sie suchte am folgenden Tag im gemeldeten Gebiet und wurde selbst von japanischen Bombern angegriffen. Erst am Abend sah ihre Besatzung ein rotes Leuchtsignal. Gegen 23 Uhr nahm sie zwanzig Männer aus dem Motorboot auf; zwei waren während der Fahrt gestorben. Wegen des Zustands der Geretteten und der Gefahr weiterer Luftangriffe entschied der Kommandant Harold Litchfield, nach Darwin zurückzufahren. Die Kalgoorlie erreichte am 7. Dezember den Hafen. Die anderen Überlebenden waren weiterhin auf See.

Ein beschädigtes Walboot wurde wieder schwimmfähig

Während Richards unterwegs war, versuchten Palmer und seine Männer, das Walboot zu bergen. Die vielen kleinen Einschusslöcher ließen sich noch vergleichsweise einfach stopfen. Schwieriger war ein zehn bis fünfzehn Zentimeter breiter Riss nahe dem Heck, der vom Dollbord bis zur Wasserlinie reichte. Zunächst mussten sie den gefluteten Rumpf weit genug anheben, um überhaupt an diesen Schaden heranzukommen. Sie drückten das Floß mit ihrem gemeinsamen Gewicht tiefer ins Wasser, zogen das beschädigte Bootsende darauf und stützten das andere Ende.

Zwei Männer schöpften im Boot mit Stahlhelmen Wasser hinaus, anfangs selbst noch schwimmend. Allmählich schöpften sie das Wasser schneller hinaus, als es nachströmte, und der Rumpf kam höher. Die kleineren Löcher verschlossen sie mit Segeltuchresten. Über den großen Riss legten sie ein Stück Stoff, das gerade ausreichte. Messingschrauben, die sie aus anderen Teilen des Bootes herausnahmen, hielten den Flicken. Als Werkzeuge verwendeten sie ihre Taschenmesser. Die Reparatur musste verhindern, dass beim Rollen des Bootes große Mengen Wasser eindrangen.

Das gelang nur teilweise. Mit 29 Menschen an Bord lag die untere Kante des Risses gerade über dem ruhigen Wasserspiegel; jede stärkere Bewegung konnte erneut Wasser hineinbringen. Zwei Stahlhelme blieben deshalb ständig zum Lenzen in Gebrauch. Trotzdem war die Verbesserung erheblich: Das Boot trug die Männer nun über der Wasseroberfläche und erlaubte zunächst wechselnde Aufenthalte in relativer Trockenheit. Das Floß musste dagegen weiterhin alle paar Stunden ausgebessert werden. Ein niederländisch-indischer Soldat und der Koch William Williams starben in diesen Tagen.

Am 5. Dezember entschied Palmer, mit dem Walboot ebenfalls in Richtung der australischen Aufklärung aufzubrechen. Seit fast vier Tagen trieben sie auf See, Nahrung und Wasser wurden knapper, und aus ihrer Sicht war keine Suche angelaufen. Falls Richards gefunden worden war, konnten seine Retter nach den Flößen suchen. Falls sein Boot verlorenging, bot das Walboot einen zweiten Versuch, Hilfe zu erreichen. Sub-Lieutenant James Buckland blieb für die Männer auf dem Floß und dem Carley-Rettungsfloß verantwortlich.

Palmer wählte seine Bootsgruppe selbst aus. Er brauchte Männer, die über längere Zeit rudern konnten, nahm aber auch zwei Verwundete mit, deren Zustand unter dem Aufenthalt im Wasser besonders litt, und einige Männer, die starke nervliche Belastung zeigten. Mit ihm fuhren 25 weitere Marineangehörige und drei australische Soldaten, insgesamt 29 Menschen. Mehrere Dutzend blieben zurück. Sie hatten nun keinen fahrbereiten Bootsrumpf mehr bei sich und waren auf eine Bergung von außen angewiesen.

Vier Tage Fahrt mit wenig Nahrung und fast keinem Wasser

Beim Aufbruch musste Palmer den verbliebenen Wasservorrat bei den Flößen lassen. Er befand sich in einem Behälter mit etwa dreieinhalb Gallonen, und ein zweiter geeigneter Behälter fehlte. Für die Bootsgruppe standen sechs Dosen Kondensmilch und zwei Dosen Fleischkonserve von je zwölf Unzen zur Verfügung. Die Milch sollte einen Teil des fehlenden Trinkwassers ersetzen. Am ersten Abend teilten sich die 29 Männer zwei Dosen; am Sonntag gab es eine Dose Fleisch. Diese kleinen Rationen reichten für die körperliche Arbeit auf der Fahrt kaum aus.

Palmer teilte vier Ruderwachen ein. Auf eine halbe Stunde Arbeit folgten anderthalb Stunden ohne Rudern. Diese Zeit verbrachten die Männer aber nicht in einem trockenen, ruhigen Boot: Einige mussten Wasser hinausschöpfen, andere lagen zwischen den arbeitenden Ruderern im nassen Boden. Ihre Haut war nach den Tagen im Meer wund, und jede Bewegung über die Sitzbretter und den Rumpf schmerzte. Zum Vorwärtskommen hatten sie fünf kleine Dinghiruder und ein Ruder des Walboots.

Ein Steuerruder fehlte ebenso wie die übliche Bootsausrüstung. Bill Lamshed schnitzte aus Bodenbrettern ein neues Ruder und verwendete dafür sein Messer. Ein kleiner Taschenkompass eines niederländisch-indischen Soldaten ersetzte den verlorenen Bootskompass. Für zusätzlichen Antrieb verbanden die Männer drei Overalls zu einem Segel; der Stiel eines Bootshakens diente als Mast. Bei günstigem Wind unterstützte diese Konstruktion die Ruderer. Sie mussten weiterhin arbeiten und gleichzeitig Wasser aus dem Boot schöpfen.

Palmer ließ nach Südosten steuern. Als einige Männer einen Kurs nach Süden verlangten, blieb er bei seiner Entscheidung. Auf offener See fehlte ihnen eine Küstensicht, anhand derer sie ihren tatsächlichen Fortschritt hätten prüfen können. Palmer wollte das Gebiet erreichen, in dem australische Flugzeuge aufklärten. Währenddessen nahm der Durst zu. Manche Männer halluzinierten; Schlaf war nur für kurze Augenblicke möglich. Am Dienstag, dem 8. Dezember, wurde die letzte Dose Fleisch ausgegeben.

An diesem Vormittag kamen Regenschauer in Sicht, die das Boot zunächst nicht erreichte. Als schließlich feiner Regen fiel, konnten die Männer kaum etwas davon sammeln und leckten Wasser von ihrer Haut. Erst ein kräftiger tropischer Schauer lieferte genug, um Vorräte anzulegen. Sie teilten einen Fünf-Gallonen-Benzinkanister längs in zwei Rinnen und fingen mit den Gummiteilen ihrer Rettungswesten weiteres Wasser auf. Leere Milchdosen dienten zum Trinken; einen abgeschnittenen Teil einer aufblasbaren Weste verwendeten sie als Vorratsbehälter. Nach dem Trinken konnten sie wieder kräftiger rudern.

Die Kalgoorlie nahm die zweite Bootsgruppe auf

Noch am 8. Dezember hörte Rex Pullen ein Flugzeug. Die erste Maschine war zu weit entfernt und verschwand wieder, doch später näherte sich eine Catalina. Die Männer winkten und riefen, bis das Flugboot über sie hinwegflog und kreiste. Es warf ein Paket mit zwei Decken und eine Nachricht ab: Die Lebensmittel waren bereits bei den Flößen abgeworfen worden, ihre eigene Position würde nun gemeldet und ein Schiff geschickt. Palmer ließ das Rudern einstellen, damit sich das Boot nicht weiter aus dem gerade erfassten Suchgebiet entfernte.

Die Männer mussten noch eine Nacht warten. Am nächsten Morgen erschienen Hudson-Flugzeuge, die Lebensmittel und Wasser abwarfen. Eine Nachricht kündigte die Korvette an und erklärte, dass ihr der Kurs zum Boot übermittelt worden sei. Am Nachmittag des 9. Dezember erreichte die Kalgoorlie schließlich das Walboot. Die 29 Männer konnten noch die an der Bordwand ausgebrachten Netze hinaufklettern. Oben auf dem Deck versagte ihnen jedoch die Kraft in den Beinen.

Die Besatzung der Kalgoorlie versorgte sie und versuchte, auch ihr Boot an Bord zu heben. Dabei brach das beschädigte Heck auseinander. Eine hölzerne Ruderbankstütze blieb erhalten und befindet sich heute im Australian War Memorial. Am 10. Dezember traf die Korvette in Darwin ein; die Männer kamen ins Krankenhaus und trafen dort Richards und die Geretteten aus dem Motorboot wieder. Damit waren beide Bootsfahrten erfolgreich beendet. Für die Gruppen auf den Flößen lief die Suche noch weiter.

Die Männer auf den Flößen wurden nicht geborgen

Schon am 7. Dezember hatte ein Flugzeug die zurückgebliebenen Gruppen gesichtet, weit nördlich der späteren Position des Walboots. Pope schickte zunächst das Hilfsschiff Vigilant dorthin, hielt es aber wieder zurück, als eine Catalina aus Cairns für die Bergung zugesagt wurde. Das Flugboot fand das Floß am 8. Dezember. Eine Wasserlandung war wegen des Seegangs jedoch nicht möglich. Die Besatzung warf Vorräte ab und fotografierte die Männer auf der niedrigen Plattform.

Armidale-Überlebende auf dem Floß, fotografiert aus einer Catalina am 8. Dezember 1942.
Das Floß am 8. Dezember 1942, fotografiert aus einer Catalina. Wegen des Seegangs konnte das Flugboot nicht landen; die abgebildeten Männer wurden nicht geborgen.

Nach der gescheiterten Wasserlandung erhielt die Vigilant erneut den Auftrag, zur Floßposition zu fahren. Schwere Maschinenprobleme zwangen sie später zur Rückkehr. Die Kalgoorlie übernahm die weitere Suche; auch der niederländische Zerstörer Tjerk Hiddes durchfuhr das Gebiet. Flugzeuge suchten täglich, doch weder das improvisierte Floß noch das Carley-Floß wurden wiedergefunden. Am 13. Dezember wurde die Suche eingestellt. Was nach dem Abflug der Catalina mit diesen Männern geschah, konnte nicht geklärt werden.

Bei dem Untergang und in den Tagen danach kamen insgesamt hundert Menschen ums Leben oder blieben vermisst. Zwanzig Menschen waren aus dem Motorboot und 29 aus dem Walboot aufgenommen worden. Noch während die Suche lief, änderte Pope die Vorgaben für künftige Timorfahrten: Scheiterte ein nächtlicher Anlauf, sollte das Schiff zur Basis zurückkehren, statt vor der Insel den Tag und die folgende Nacht abzuwarten. Für die nächsten Evakuierungen kam die schnellere Tjerk Hiddes zum Einsatz. Bei drei Fahrten im Dezember brachte sie ungefähr 950 Menschen nach Darwin.

Die Untersuchung in Darwin entlastete Richards und hielt fest, dass der Jagdschutz für einen Einsatz solcher Schiffe nicht ausgereicht hatte. Ob die Operation mit diesen Schiffen überhaupt angemessen war, lag außerhalb ihres Prüfauftrags. Die Überlebenden mussten unterdessen ihre Verletzungen ausheilen; viele litten später unter Schlafstörungen und gesundheitlichen Schäden, und einige mussten den Seedienst verlassen. Palmer suchte nach dem Krieg auf Timor nach Hinweisen, ob Männer von den Flößen in japanische Gefangenschaft geraten waren. Er fand keine Spur.

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