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9-Line

9-Line, auch 9-Line MEDEVAC Request, bezeichnet eine militärische Anforderung zur medizinischen Evakuierung mit neun nummerierten Informationsgruppen. Die Meldung verbindet den Aufnahmepunkt und die dortige Erreichbarkeit mit Patientenzahl, Dringlichkeit, benötigter Ausstattung, Transportart und örtlicher Lage. Dadurch können die zuständigen Kräfte einen Evakuierungsauftrag einordnen und passende Transportmittel vorbereiten. Die US Army verwendet das Schema für Boden- und Luftevakuierung; im deutschen AirMedEvac-Gebrauch ist die Bezeichnung Nine-Liner üblich. Verletztes isoliertes Personal kann das Schema nutzen, wenn es die Anforderung über eine bestehende militärische Verbindung an Kräfte übermitteln kann, die den Auftrag übernehmen können.

Die neun Angaben im US-Army-Schema

Die Nummern legen fest, welche Information an welcher Stelle steht. So kann ein Empfänger einzelne Angaben zuordnen und nachfragen, auch wenn Teile der Verbindung ausfallen. Die folgende Übersicht erklärt die US-Army-Belegung. In der Kriegs- und Friedensvariante ändern sich die Felder 6 und 9.

FeldInhaltZweck für die Aufnahme
1 – OrtKoordinaten des vorgesehenen Aufnahmepunkts mit eindeutiger Raster- und Zonenangabe.Die Kräfte müssen den richtigen Ort erreichen und ihren Weg dorthin planen. Nur die Zahlen eines verkürzten Kartenrasters können außerhalb ihres Bezugs mehrdeutig sein.
2 – KontaktFunkfrequenz und Rufzeichen des Ansprechpartners am Aufnahmepunkt, gegebenenfalls mit Rufzeichenzusatz.Die Besatzung benötigt unterwegs und bei Ankunft eine Verbindung zur anfordernden Seite, um Änderungen oder die genaue Aufnahme abzustimmen.
3 – DringlichkeitPatientenzahl, getrennt nach Evakuierungspriorität.Die Stelle, die die Fahrzeuge einsetzt, muss mehrere Anforderungen gegeneinander priorisieren können. Eine bloße Gesamtzahl beschreibt den zeitlichen Bedarf nicht.
4 – SonderausstattungBenötigte besondere Mittel, etwa Rettungswinde, Bergungsausstattung oder medizinische Beatmungsausstattung.Diese Mittel müssen am passenden Fahrzeug verfügbar sein. Ein Fahrzeug, das Patienten transportieren kann, besitzt dadurch noch keine Winde oder die für einen bestimmten Versorgungsbedarf nötige Ausrüstung.
5 – TransportartZahl der Tragenpatienten und der ambulanten, sitzend transportierbaren Patienten.Die Besatzung muss Tragen- und Sitzplätze passend konfigurieren; die Kombination beeinflusst auch, wie viele Fahrzeuge benötigt werden.
6 – Lage oder VerletzungsbildKriegsvariante: Sicherheitslage am Aufnahmepunkt, mögliche oder festgestellte gegnerische Kräfte und erforderliche bewaffnete Begleitung. Friedensvariante: Zahl und Art der Wunden, Verletzungen oder Erkrankungen, einschließlich bekannter relevanter Einzelangaben.Im Krieg geht es um Bedrohung und Schutzbedarf der Aufnahme. Im Frieden unterstützt das Verletzungs- oder Erkrankungsbild die Vorbereitung von Versorgung und Ausstattung.
7 – MarkierungArt der verfügbaren oder vorgesehenen Ortsmarkierung, etwa ein Signaltuch, oder die Angabe, dass keine Markierung vorhanden ist.Die Besatzung muss den konkreten Aufnahmepunkt erkennen. Eine gemeldete Markierungsart muss vor Ort tatsächlich verfügbar sein.
8 – Nationalität und StatusNationalität sowie militärischer, ziviler oder Kriegsgefangenenstatus der Patienten.Die Angaben unterstützen die Planung der Zieleinrichtung und einer gegebenenfalls erforderlichen Bewachung. Sie ersetzen die medizinische Dringlichkeit in Feld 3 nicht.
9 – Kontamination oder GeländeKriegsvariante: relevante chemische, biologische, radiologische oder nukleare Kontamination. Friedensvariante: Gelände am und um den Aufnahme- beziehungsweise Landeort, erkennbare Bezugspunkte und Zugangshindernisse.Kontamination beeinflusst die Wahl der Mittel und die Durchführung. Geländeangaben helfen, Zugang oder Anflug zu beurteilen, besonders wenn eine Windenaufnahme erforderlich sein könnte.

Der Aufnahmepunkt muss zum tatsächlichen Zustand der Person passen. Eine verletzte Person, die einen genannten freien Platz nicht erreichen kann, meldet damit keinen nutzbaren Treffpunkt. Zum Ort gehört deshalb bei der Abstimmung auch, wo sie sich wirklich befindet und welche Bewegung ihr noch möglich ist. Koordinaten werden mit ihrem Bezug übermittelt; eine unsichere Ortsbestimmung bleibt als solche erkennbar. Bei Weiterleitung bleibt Feld 2 der Kontakt der ursprünglichen anfordernden Seite am Aufnahmepunkt. Ersetzt eine Zwischenstelle ihn durch ihre eigenen Funkdaten, kann die Besatzung dort nachfragen, erreicht aber möglicherweise die Person vor Ort nicht.

Dringlichkeit, Transportart und benötigte Mittel

Die US-Army-Kategorien unterscheiden Urgent, Urgent-Surg, Priority, Routine und Convenience. Urgent betrifft Fälle mit Gefahr für Leben, Gliedmaß oder Augenlicht beziehungsweise schweren drohenden Komplikationen. Urgent-Surg benennt den Bedarf an dringlicher chirurgischer Versorgung weit vorne im Einsatzraum. Priority umfasst zeitnahen Transportbedarf, etwa bei drohender Verschlechterung oder örtlich fehlender besonderer Behandlung. Bei Routine wird keine erhebliche Verschlechterung während des Aufschubs erwartet; Convenience betrifft medizinische Zweckmäßigkeit statt medizinischer Notwendigkeit. Die Kategorien ordnen Anforderungen nach Bedarf. Eine zugewiesene Priorität ist keine zugesagte Ankunftszeit.

Die Einstufung stützt sich auf die Untersuchung und Lagebeurteilung durch den Sanitäter oder die verantwortliche Person vor Ort. Wer ohne entsprechende Ausbildung nur den eigenen Zustand beschreiben kann, liefert konkrete Beobachtungen: eine sichtbare Blutung, zunehmende Atembeschwerden, eingeschränkte Ansprechbarkeit eines Kameraden oder die eigene Unfähigkeit zu gehen. Eine vermutete Diagnose wird dabei nicht als festgestellter Befund ausgegeben. Bekannte Veränderungen helfen dem Empfänger, den Bedarf weiter zu klären; erfundene Blutdruckwerte oder eine geratene Blutgruppe verfälschen ihn.

Feld 3 und Feld 5 beschreiben unterschiedliche Eigenschaften derselben Patienten. Ein dringlicher Patient kann sitzen; ein Tragenpatient kann eine andere Evakuierungspriorität haben. Die Zahl je Prioritätsgruppe und die Zahl je Transportart müssen insgesamt dieselben Personen erfassen. Zusätzlich muss klar sein, ob jemand zwar sitzen kann, aber nicht selbst zum Fahrzeug gelangt. Wird stattdessen pauschal „ambulant“ gemeldet, fehlt den Kräften diese Bewegungsbegrenzung. Besondere Ausstattung in Feld 4 folgt dem tatsächlichen Zugangs- oder Versorgungsbedarf. „Winde benötigt“ beschreibt eine nötige Fähigkeit für die Aufnahme; es sagt noch nicht, dass ein geeignetes Luftfahrzeug verfügbar ist.

Übermittlung, Rücklesen und Änderungen

In der US-Ausbildung werden zuerst die Felder 1 bis 5 übermittelt, damit die Bearbeitung und Vorbereitung des Auftrags beginnen können. Die Felder 6 bis 9 folgen schnellstmöglich und können auch während des bereits begonnenen Fluges ergänzt werden. Diese Reihenfolge stellt Ort, Kontakt und Transportbedarf früh bereit. Sie macht die restlichen Angaben nicht entbehrlich: Eine neu erkannte Bedrohung oder Kontamination kann die geplante Aufnahme unmittelbar verändern.

Die Angaben bleiben in der vereinbarten Feldfolge. Bei einer Unterbrechung muss erkennbar sein, welches Feld empfangen wurde und welches fehlt. Rücklesen lässt den Empfänger das Verstandene wiedergeben; der Absender kann dabei einen falsch gehörten Ort, eine vertauschte Zahl oder eine falsche Zuordnung korrigieren. Eine Zwischenstelle gibt die erhaltenen Angaben unverändert weiter. Eine Empfangsbestätigung bedeutet zunächst, dass die Meldung angekommen ist. Für eine Luftevakuierung werden medizinische Auftragsautorisierung und fliegerische Startfreigabe gesondert entschieden; Patientenbedarf, Wetter, Gelände, Bedrohung und verfügbare Mittel gehen in diese Entscheidung ein.

Ändert sich der Zustand, die Patientenzahl, der Kontakt oder der vorgesehene Aufnahmeort, muss die neue Angabe den bisherigen Stand ausdrücklich ersetzen. Dasselbe gilt für eine veränderte Sicherheitslage oder Markierung. Eine Zustandsbeobachtung mit Zeitpunkt zeigt, ob sie noch aktuell ist. „Keine gegnerischen Kräfte gesehen“ beschreibt den eigenen Beobachtungsumfang; „Aufnahmepunkt sicher“ behauptet dagegen eine geprüfte Lage. Auch bei einer möglichen Kontamination wird ein Verdacht als Verdacht gemeldet. Unbekannte Angaben werden nicht durch eine beruhigende Schätzung aufgefüllt.

Ein technisch fähiger Gegner kann eine ungeschützte Meldung abfangen und am genannten Aufnahmepunkt Patienten und Evakuierungsbesatzung angreifen. Die vorgesehene geschützte Übermittlung und die im Einsatz festgelegten Meldewege gehören deshalb zur Vorbereitung. Fehlt die geschützte Verbindung, müssen das Risiko der Preisgabe und die unmittelbare Gefahr für den Patienten zusammen betrachtet werden. Wer noch keinen Kontakt erreicht, kann mit vorhandenen Schreibmitteln bekannte Orts-, Zustands- und Bewegungsangaben samt Änderungen festhalten. Akute Eigen- oder Kameradenhilfe und das Reagieren auf eine unmittelbare Bedrohung dürfen dabei nicht auf ein vollständig ausgefülltes Meldeschema warten.

Nationale Verwendung und MIST

Im Bundeswehr-Gebrauch bereitet der Nine-Liner die AirMedEvac-Besatzung auf Ort und Kontakt, Zahl und Priorität der Verwundeten, liegenden oder sitzenden Transport, Verletzungsart, Sicherheitslage, Markierung, Patientenmerkmale und Gefahren am Abholpunkt vor. Für die Übermittlung ist die eingeführte nationale beziehungsweise einsatzbezogene Vorlage maßgeblich. Wer mit US-Kräften zusammenarbeitet, muss insbesondere die Belegung der Felder 4, 6 und 9 abgleichen: Sonderausstattung, Sicherheits- oder Verletzungsangaben sowie Kontamination oder Gelände dürfen nicht an eine Stelle geraten, an der der Empfänger eine andere Information erwartet.

MIST ergänzt die Anforderung um Entstehungsmechanismus, festgestellte Verletzungen, Zeichen und Symptome sowie bereits erfolgte Behandlung. Diese Angaben bereiten die medizinische Übernahme vor und werden bei einer tatsächlichen Übergabe weitergegeben, möglichst zusammen mit vorhandener Dokumentation. Im US-Verfahren folgt MIST der 9-Line-Anforderung, sobald die Angaben verfügbar sind; die Evakuierung soll nicht auf fehlende MIST-Daten warten. Eine spätere Verschlechterung oder neue Maßnahme gehört in die aktualisierte medizinische Information, damit die übernehmende Seite nicht mit einem überholten Zustand arbeitet.

Ortsmarkierung, Identität und tatsächliche Recovery

Die Markierung in Feld 7 verbindet den gemeldeten Ort mit einem erkennbaren Punkt am Boden. Bei Tuch oder Rauch sieht das US-Verfahren vor, dass die ankommende Besatzung die beobachtete Farbe nennt und die anfordernde Seite sie bestätigt. Das prüft die Zuordnung der gesehenen Markierung. Die persönliche Authentifizierung isolierten Personals prüft dagegen, ob die tatsächlich erreichte Person die gesuchte ist; sie folgt dem vorbereiteten PR-Verfahren. Präzise Koordinaten, ein passendes Rufzeichen und die Nationalität in Feld 8 beantworten diese Identitätsfrage nicht.

Bei einer Verwundung unter gegnerischer Bedrohung müssen die beauftragten Kräfte außerdem die Person erreichen, die örtliche Gefahr bewältigen und sie physisch übernehmen können. Dazu kann vor dem eigentlichen Patiententransport eine Verbindung am Boden oder besondere Bergung nötig sein. Die eigene Mitwirkung besteht in brauchbaren Angaben zu Standort, Zustand, verbleibender Beweglichkeit und verfügbaren Mitteln sowie darin, bei erreichtem Kontakt Änderungen mitzuteilen. Aus diesen Angaben entsteht für die Kräfte ein konkreter Bedarf: wen sie an welchem erreichbaren Ort aufnehmen sollen, welche Fähigkeiten dafür erforderlich sind und welche Hindernisse noch bestehen.