Wiki · Begriffserklärung

AirMedEvac

AirMedEvac: Versorgung während des Lufttransports

AirMedEvac steht für Aeromedical Evacuation und bezeichnet den medizinisch begleiteten Transport Verwundeter, Verletzter oder Erkrankter auf dem Luftweg zu oder zwischen Behandlungseinrichtungen. Ein dafür ausgebildetes medizinisches Team versorgt und überwacht die Patienten während des Fluges; Luftfahrzeug, Patiententransportplätze und Ausrüstung müssen die jeweils benötigte Versorgung ermöglichen. Für verletztes isoliertes Personal verbindet AirMedEvac die Aufnahme mit dem weiteren Weg in die Behandlung. Das Erreichen, Identifizieren und Schützen der Person am Aufnahmeort sind Aufgaben der Rückführungskräfte. Die medizinische Flugversorgung kann bereits bei dieser Aufnahme einsetzen oder erst nach einer Übergabe an einem anderen Ort beginnen.

AirMedEvac ist damit eine medizinische Transportfunktion. Ein Hubschrauber kann Verletzte aus einem schwer zugänglichen Gebiet aufnehmen, ein Flugzeug kann bereits behandelte Patienten zwischen Einrichtungen verlegen. Beide können AirMedEvac leisten, wenn Personal, Ausrüstung und Flugbedingungen die nötige Versorgung ermöglichen. Ein Such- und Rettungsauftrag beschreibt dagegen zunächst das Auffinden und Retten; der anschließende Patiententransport braucht eine eigene medizinische Vorbereitung.

Von der Aufnahme zum versorgten Patienten

Bei einer Rückführung aus feindlicher Umgebung muss zunächst der tatsächliche Zugang zur Person gelingen. Gelände, Gegner, ein ungeeigneter Landeplatz oder die fehlende Beweglichkeit des Verletzten können ein Team am Boden und einen gesonderten Weg zur Transportplattform erforderlich machen. Solche Kräfte übernehmen Kontakt, Identifizierung, Schutz und gegebenenfalls medizinische Sofortversorgung. US-amerikanische Pararescue-Kräfte verbinden beispielsweise technische Rettung mit Notfallversorgung und dem Transport in Sicherheit. Diese Aufgabe beantwortet, wie ein Verletzter überhaupt aufgenommen werden kann; die weitere Flugversorgung beantwortet, welche Betreuung er unterwegs braucht.

Nach einer ersten Behandlung beurteilt das medizinische Personal den Zustand erneut und bereitet den Transport vor. Bei einer taktischen Verlegung zwischen Behandlungseinrichtungen innerhalb des Einsatzgebietes sind Patienten gewöhnlich zuvor stabilisiert worden. Stabilisierung bedeutet hier, die akuten Probleme so weit zu beherrschen, dass der vorgesehene Transport mit der verfügbaren Begleitung möglich wird. Manche Patienten lassen sich nur für begrenzte Zeit stabilisieren oder benötigen unterwegs Intensivversorgung. Dann müssen medizinische Fähigkeiten, Transportdauer und Ziel zusammenpassen. Der Status „bereits behandelt“ ersetzt weder die erneute Beurteilung noch die weitere Überwachung.

Welche Angaben der Verletzte beitragen kann

Die eigene Beschreibung beginnt mit dem Geschehen und seinem Zeitpunkt: etwa Sturz, Explosion oder längere Erkrankung. Danach folgen die tatsächlich bemerkten Verletzungen und Veränderungen. „Ich kann den linken Fuß nicht belasten“, „das Atmen wird schwerer“ oder „der Verband ist seit dem letzten Halt erneut durchblutet“ vermittelt dem übernehmenden Team mehr als eine selbst gewählte Diagnose. Hinzu kommen bereits erfolgte Maßnahmen, angelegte Tourniquets und ihre Anlegezeiten sowie gegebene Medikamente und deren Zeitpunkt. Messwerte werden nur genannt, wenn sie tatsächlich erhoben wurden; eine geschätzte Zahl kann einen vorhandenen Befund verdecken.

Für die Aufnahme ist die Beweglichkeit eine eigene Information. Kann die Person mit ihrer Ausrüstung gehen, nur mit Unterstützung stehen, ohne Hilfe sitzen oder muss sie getragen werden? Kann sie Anweisungen verstehen und ausführen? Ein gehfähiger Verletzter benötigt einen anderen Zugang und Platz als jemand auf einer Trage. Eine kurze selbst mögliche Strecke sagt noch nichts über die Belastbarkeit für einen längeren Weg aus. Wer allein ist, beschreibt seine eigenen Möglichkeiten; ein Kamerad ergänzt beobachtete Veränderungen, die der Verletzte selbst nicht bemerkt hat.

Bei einer tatsächlich erreichbaren Verbindung helfen Ort, Personenzahl, Zustand, Beweglichkeit, erkennbare Gefahren und vorhandene Aufnahme- oder Signalmittel den Kräften, den Bedarf einzuschätzen. Die Transportanforderung und die medizinische Übergabe erfüllen unterschiedliche Zwecke: Die Anforderung organisiert Zugang und Transport, ein MIST-Report führt Verletzungsmechanismus, Verletzungen, Zeichen beziehungsweise Symptome und bisherige Behandlung weiter. Bis zur Übernahme laufen die erlernte Selbst- oder Kameradenhilfe und der Schutz vor Wärmeverlust mit den vorhandenen Mitteln weiter. Veränderungen und Maßnahmen lassen sich mit Zeitangaben notieren, damit ihre Abfolge bei der späteren Übergabe erhalten bleibt.

Patient, medizinisches Team, Besatzung und Disposition

Das medizinische Team übernimmt die Befunde, beurteilt den Bedarf während der Bewegung und bereitet Patientenplätze, Überwachung, Material und Geräte vor. Die Flugbesatzung verantwortet den Flug und die sichere Bewegung an Bord; Ladungs- oder Bordtechniker koordinieren je nach Plattform das Einladen und die Anordnung im Laderaum. Die Disposition verbindet den medizinischen Bedarf mit verfügbaren Transportmitteln und einem geeigneten Ziel. Für die isolierte Person sind damit mehrere Entscheidungen voneinander abhängig: Ein medizinisch dringender Transport benötigt zugleich eine durchführbare Aufnahme, ein einsetzbares Luftfahrzeug und eine erreichbare Einrichtung mit der benötigten Versorgung.

Vor dem Einladen muss feststehen, wo der Patient liegt oder sitzt, wie er gesichert wird und wie das Team ihn erreicht. Überwachungs- und Versorgungsgeräte werden auf Funktion und Verträglichkeit mit der Plattform geprüft. Sauerstoffvorrat, Stromversorgung und die elektrische Belastung durch medizinische Geräte müssen zur geplanten Versorgung passen. Für Patienten mit höherem Bedarf kann die normale medizinische Flugbesatzung um spezialisierte Kräfte ergänzt werden.

Warum der Flug medizinische Vorbereitung verlangt

Der Patient ist während des Fluges anderen Belastungen ausgesetzt als in einer Behandlungseinrichtung. Mit sinkendem Umgebungsdruck sinkt der Sauerstoffpartialdruck der eingeatmeten Luft; das kann die Sauerstoffversorgung zusätzlich belasten. Lärm erschwert Gespräche, Vibrationen und Bewegungen erschweren die Untersuchung und Versorgung. Ein Temperaturabfall kann den Wärmeverlust verstärken. Der verfügbare Raum begrenzt, wie viele Helfer gleichzeitig am Patienten arbeiten können. Diese Bedingungen beeinflussen sowohl den Verletzten als auch die Arbeit des medizinischen Teams und müssen in dessen Vorbereitung eingehen.

Unterwegs werden Zustand und Wirkung der bisherigen Versorgung erneut kontrolliert. Wenn ein ansprechbarer Patient stärker werdende Atembeschwerden, neue Schmerzen oder zunehmende Benommenheit bemerkt, muss das betreuende Team sofort davon erfahren. Das Team beurteilt Bewusstsein, Atmung, Blutung und gegebenenfalls überwachte Werte auch dann weiter, wenn der Patient selbst keine Veränderung meldet. Während eines Plattformwechsels werden Verletzungen, Sicherung und frühere Maßnahmen erneut geprüft, weil Bewegung und Umlagern zusätzliche Belastung erzeugen können.

Übergabe und Grenzen des Transportwegs

Der Flug endet an einer Versorgungsschnittstelle. Das übernehmende Team braucht den Ausgangsbefund, den Verlauf, durchgeführte Maßnahmen und deren Zeiten sowie besondere Probleme während des Transports. Mündliche Übergabe und mitgeführte Dokumentation verbinden diese Informationen mit dem Patienten. So kann die nächste Stelle erkennen, welche Versorgung fortgesetzt werden muss und welcher Zustand sich seit der ersten Meldung verändert hat. Die Disposition berücksichtigt dafür Fähigkeiten, Personal, Ausstattung und verfügbare Kapazität am Ziel. Die räumlich nächste Einrichtung kann ungeeignet sein, wenn sie die benötigte Behandlung nicht leisten kann.

Auch bei hohem medizinischem Bedarf können Wetter, gegnerische Flugabwehr, fehlende Kapazität, technische Probleme oder Grenzen der Besatzung einen Flug verzögern oder verhindern. Eine Luftplattform braucht Zugang zur Person und zum Ziel; auf einer Teilstrecke kann ein Boden- oder Wassertransport zu einem anderen Übergabepunkt nötig sein. Im US-Army-Verfahren werden medizinische Missionsfreigabe und fliegerische Startfreigabe getrennt beurteilt. Für den Verletzten zählen deshalb seine tatsächlichen Angaben zu Zustand, Beweglichkeit und Umgebung: Sie gehen sowohl in den Versorgungsbedarf als auch in die Entscheidung über den möglichen Transportweg ein.

Deutsche Stufen, französische Kategorien und US-AE

Im deutschen Gebrauch bezeichnet Forward AirMedEvac die direkte, frontnahe Aufnahme Verwundeter, Tactical AirMedEvac ihre Verlegung innerhalb des Einsatzgebietes und Strategic AirMedEvac den Transport über große Entfernungen, häufig aus dem Einsatzgebiet nach Deutschland. Die Funktion verändert, was vorher möglich ist: Bei der frontnahen Aufnahme muss der Patient zunächst aus der Gefahrenlage zur Plattform gelangen; bei einer taktischen oder strategischen Weiterverlegung können eine Behandlungseinrichtung und das Flugteam die Versorgung und Übergabe bereits vor dem Abflug vorbereiten.

Frankreich unterscheidet die évacuation médicale de l’avant vom Verletzungs- oder Erkrankungsort zu einer operativen Sanitätseinrichtung, die évacuation médicale tactique zwischen operativen Sanitätseinrichtungen und die évacuation médicale stratégique von dort zu einem Krankenhaus im französischen Mutterland. Die US Air Force verwendet Aeromedical Evacuation, kurz AE, für ein System des medizinisch versorgten Lufttransports zu und zwischen Behandlungseinrichtungen. Dazu gehören auch Patientenvorbereitung am Boden, medizinische Flugbesatzungen und zusätzliche Intensivtransportteams. AE umfasst Bewegungen innerhalb eines Einsatzraums und zwischen Einsatzräumen beziehungsweise in die Heimat; die Bezeichnung meint daher nicht ausschließlich den langen Rückflug.

Bei MEDEVAC kann der medizinisch betreute Transport auch am Boden oder auf dem Wasser erfolgen; AirMedEvac bezeichnet den Luftweg. CASEVAC kennzeichnet im US-Army-Gebrauch den Transport mit nichtmedizinischen Plattformen, denen bei entsprechender Planung dennoch medizinisches Personal und Material zugeteilt werden können. Für den aufgenommenen Verletzten bleibt deshalb entscheidend, welche Betreuung, Lagerung, Überwachung und Versorgung auf der tatsächlich verwendeten Plattform möglich sind.