Wiki · Begriffserklärung

AIS-SART: elektronische Ortung von Überlebenden auf See

AIS-SART steht für AIS Search and Rescue Transmitter. Es ist ein tragbares Notortungsgerät, das die Position von Überlebenden oder eines Rettungsmittels auf See elektronisch kennzeichnet. Dazu ermittelt es seinen eigenen Standort und sendet Positionsmeldungen mit einer Gerätekennung über das Automatic Identification System, kurz AIS. Ein entsprechend ausgerüstetes Schiff oder Luftfahrzeug in Empfangsreichweite kann dieses Ziel auf seiner Anzeige erkennen und ansteuern. Der AIS-SART unterstützt damit die Suche vor Ort; für den ersten Notruf an eine Rettungsleitstelle ist ein eigener Alarmierungsweg erforderlich.

Wie Position und Kennung übertragen werden

Im Gerät arbeiten zwei verschiedene Funktionen zusammen. Der interne Empfänger für globale Navigationssatellitensysteme, kurz GNSS, nutzt deren Signale zur Positionsbestimmung. Der AIS-Sender überträgt das Ergebnis anschließend im maritimen UKW-Band. Die Satelliten liefern also die Grundlage für den Standort; der Notortungssender richtet seine AIS-Meldungen an erreichbare AIS-Empfänger. Er wartet dafür weder auf eine Radarfrage noch auf einen Funkruf.

Die Übertragung erfolgt auf den beiden AIS-Kanälen bei 161,975 und 162,025 MHz. Im aktiven Betrieb sendet das Gerät etwa im Minutentakt ein Bündel aus acht Meldungen, abwechselnd auf beiden Kanälen. Wiederholungen erhöhen die Chance, dass auch bei Bewegung im Seegang eine Meldung ankommt. AIS-Nachricht 1 enthält den Positionsbericht mit der Kennzeichnung des aktiven Notortungsgeräts; eine regelmäßig eingeschobene Nachricht 14 trägt den Status als kurzen Text. Das ist ein Datensignal. Ein gewöhnliches Sprechfunkgerät kann daraus keine Position auf einer Karte darstellen.

Die Gerätekennung eines AIS-SART beginnt mit 970. Weitere Ziffern ordnen Hersteller und einzelnes Gerät zu. Diese Kennung bezeichnet den Sender, nicht die Person in der Rettungsinsel und auch keine befreundete militärische Einheit. Persönliche AIS-Mann-über-Bord-Geräte mit der Kennung 972 und AIS-Ortungssender in EPIRBs mit 974 gehören zu anderen Gerätearten. Dass mehrere Geräte AIS verwenden, bedeutet deshalb noch nicht, dass sie dieselbe Auslösung, Alarmierung oder Befestigung besitzen.

Was eine erreichbare Suchcrew sieht

Für die Ortung müssen ein passender AIS-Empfänger, eine funktionierende Verbindung zur Anzeige und ein auswertbarer Empfang zusammenkommen. Auf geeigneten Navigationsanzeigen erscheint das AIS-SART-Ziel besonders gekennzeichnet zwischen den übrigen AIS-Zielen. Dafür braucht die Crew keine besondere Radar-SART-Einstellung. Ein Radar allein liefert diese AIS-Position ebenso wenig wie ein Sprechfunkgerät ohne AIS-Datenempfang.

Ältere Anzeigen können den Sender als namenloses Schiff mit einer 970-Kennung darstellen, statt das besondere AIS-SART-Symbol zu zeigen. Die Kennung und die empfangenen Daten helfen dann, das vermeintliche Schiff als Notortungssender zu erkennen. Für die Überlebenden liegt darin eine konkrete Grenze: Ein empfangenes Signal muss noch von einer Person richtig erkannt und für eine Suche genutzt werden. Aus der eigenen blinkenden Leuchte lässt sich weder die fremde Darstellung noch die Aufmerksamkeit der Crew ablesen.

Der UKW-Funkweg hängt unter anderem von der Höhe beider Antennen und der Abschattung zwischen ihnen ab. Ein niedrig liegender Sender dicht über den Wellen erreicht andere Bedingungen als eine hoch montierte Schiffsantenne. Eine Küste, ein Schiffskörper oder eine ungünstige Lage des Geräts können den Empfang behindern. Ein Luftfahrzeug kann nur dann von seiner günstigeren Antennenhöhe profitieren, wenn es tatsächlich passende Empfangs- und Anzeigetechnik besitzt.

Das vorhandene Gerät einsetzen

Zuerst die Gerätebeschriftung prüfen: AIS-SART und Radar-SART verlangen unterschiedliche Gegenstellen. Das tatsächlich vorhandene Gerät gegen Verlust sichern und die aufgedruckte Aktivierungsfolge ausführen. Je nach Ausführung können geschützte Bedienelemente freizugeben und ein Schalter in den aktiven Betrieb zu bringen sein. Bei einer Bauart, die manuelle Aktivierung verlangt, ersetzt das Herausnehmen aus der Halterung oder der Kontakt mit Wasser diesen Schritt nicht. Ist eine zusätzliche automatische Auslösung vorgesehen, gelten dafür die Auslösebedingungen dieses Geräts.

Aktiver Notbetrieb und Testbetrieb haben verschiedene Bedeutungen. Ein Funktionstest kann ein ausdrücklich als Test markiertes AIS-Bündel senden und danach automatisch enden. Wer diese Anzeige als laufenden Notbetrieb versteht, wartet anschließend auf die Wirkung eines ausgeschalteten Geräts. Im Notbetrieb die dafür bezeichnete Betriebsanzeige kontrollieren. Hat das Gerät getrennte Hinweise für Betrieb, Positionsfix und Aussendung, jeden davon nach seiner eigenen Bedeutung lesen: eingeschaltet, gültige Position erhalten und eine Funkmeldung gesendet sind drei verschiedene Zustände.

Den Sender aufrecht in der vorgesehenen Befestigung einsetzen. Ist ein geeigneter Montagemast vorhanden, vollständig aufstellen und sichern. Die Antenne soll über Wasser liegen; die vorgesehene Montage von AIS-SARTs zielt auf mindestens einen Meter über dem Meeresspiegel. In einem vorhandenen Rettungsmittel dessen passende Halterung nutzen. Fehlt es, die mit den eigenen Mitteln sicher erreichbare aufrechte Lage über Wasser herstellen. Ein schwimmfähiges Gerät kann nach einem Sturz anders liegen als für den Betrieb vorgesehen. Es lose treiben zu lassen verbindet daher Verlustgefahr mit ungünstiger Antennenlage.

Die GNSS-Antenne braucht Zugang zu ausreichend Satellitensignalen. Eine freie Lage mit Sicht zum Himmel hilft der Positionsbestimmung; die UKW-Antenne braucht zugleich einen möglichst freien Funkweg zu erreichbaren Empfängern. Das Gerät tief in einer Tasche, unter einer metallischen Abdeckung oder flach auf dem Boden zu verstauen kann diese Aufgaben beeinträchtigen. Nach dem Befestigen die Lage und die vorgesehenen Anzeigen erneut kontrollieren, besonders wenn Wellenschlag oder Bewegung die Montage verändert haben.

Der Batteriezustand begrenzt den Betrieb. Ablaufmarkierung, frühere Aktivierung, Testverbrauch und sichtbare Beschädigung gehören zur Beurteilung des verfügbaren Geräts. Eine Leuchte kann bei erschöpfter Batterie noch blinken, obwohl die Energie für AIS-Aussendungen bereits fehlt. Eine solche Fehleranzeige ist anders zu behandeln als eine Meldung über fehlenden Positionsfix. Wiederholtes Testen verbraucht Reserve. Die vorgesehene Primärbatterie nicht versuchsweise laden; ein beschädigtes Gehäuse oder geöffnetes Batteriefach kann außerdem die Wasserdichtigkeit gefährden.

Fehlende Position, alte Meldung und verlorener Sender

Ein AIS-SART kann weiter senden, wenn seine Positionsbestimmung oder deren Zeitsynchronisation ausfällt. Die Positionsdaten und ihr Status müssen deshalb getrennt von der bloßen Aussendung betrachtet werden. Ein frisch empfangenes Funkbündel kann ohne einen neuen gültigen Standort eintreffen. Fehlt der Fix, die Antennenlage und die freie Sicht zum Himmel verbessern, soweit das ohne Verlust des Geräts oder der eigenen Sicherung möglich ist. Die Positions- und Betriebsanzeigen nach der Bedeutung der jeweiligen Bauart prüfen; ein Neustart ist kein Ersatz für fehlende Satellitensignale.

Auch ein zuvor gültiger Punkt ist an die Meldung gebunden, aus der er stammt. Treiben die Überlebenden weiter und fehlen neuere gültige Positionsdaten oder deren Empfang, wird der Abstand zwischen dem alten Punkt und ihrem tatsächlichen Ort größer. Auf der Empfangsseite zählen daher neben der Kennung die Aktualität der Meldungen und der Zustand der Positionsbestimmung. Der Überlebende kann durch funktionierenden Betrieb und geeignete Antennenlage bessere Daten ermöglichen, aber keinen entfernten Bildschirm kontrollieren.

Der gemeldete Standort gehört immer zum Gerät. Reißt dessen Sicherung ab und treibt der Sender getrennt weiter, können Suchkräfte ein funktionierendes AIS-Ziel ansteuern, während die Menschen an anderer Stelle liegen. Die Befestigung soll das Gerät deshalb bei der Personengruppe oder ihrem Rettungsmittel halten. Sie muss auch nach Bewegung und Wellenschlag noch tragen. Ein nicht mehr erreichbarer Sender rechtfertigt keinen zusätzlichen Sturz oder ungesicherten Sprung ins Wasser.

Alarmierung und militärische Rückführung

Ein Radar-SART beantwortet ein passendes Suchradar mit einem künstlichen Radarmuster. Ein AIS-SART sendet stattdessen selbstständig seine Positionsdaten an AIS-Empfänger. Eine 406-MHz-EPIRB benutzt für den Notruf den Satelliten- und Bodenstationsweg von Cospas-Sarsat bis zur zuständigen Rettungsleitstelle. Diese Aufgaben ergänzen sich. Ist eine solche Notfunkbake oder eine andere geeignete Verbindung tatsächlich vorhanden und nutzbar, kann sie die erste Alarmierung übernehmen; der AIS-SART kann später die Annäherung erleichtern.

Bei militärischer Isolation kann die offene Ausstrahlung des Geräts zur Entdeckung durch einen Gegner führen. Ein kompatibler Empfänger in Reichweite kann Kennung und Position auswerten, unabhängig davon, zu welcher Seite sein Nutzer gehört. Der AIS-SART wählt keinen befreundeten Empfänger aus und authentifiziert keine ankommende Kraft. Bei möglicher gegnerischer Beobachtung muss die Person abwägen, ob die Aussicht auf Erfassung durch verfügbare Suchkräfte die Preisgabe ihres Standortes rechtfertigt. Ein erreichbarer Gegner kann dieselben Positionsdaten nutzen.

Die elektronische Markierung erleichtert das Finden, sobald eine geeignete Kraft sie tatsächlich empfängt und auswertet. Der AIS-SART selbst besitzt keinen AIS-Empfänger und liefert dem Überlebenden keine Empfangsquittung. Seine Betriebs-, Fix- oder Sendeanzeige meldet einen Zustand des eigenen Geräts. Erkennen durch eine Crew, deren Reaktion, die Verständigung bei der Annäherung und die sichere körperliche Aufnahme bleiben weitere Schritte. Bis zur Aufnahme müssen die Menschen ihre Schwimmfähigkeit, Sicherung und den Schutz vor Auskühlung mit den verfügbaren Mitteln erhalten.