Wiki · Begriffserklärung

APROC

APROC steht für Air Centric Personnel Recovery Operatives Course. Der multinationale Lehrgang des European Personnel Recovery Centre bildet Besatzungen, Missionsführer und Bodentrupps für die gemeinsame Planung und Durchführung luftgestützter Rückführungsmissionen aus. Im Mittelpunkt steht ein Kräfteverbund, der isoliertes Personal findet, dessen Identität prüft, Kontakt und Aufnahme unter Schutz ermöglicht und die Personen mit Hubschraubern zurückführt.

Der Lehrgang behandelt die Seite der Rückführungskräfte innerhalb von Personnel Recovery. SERE-Vorbereitung hilft einer isolierten Person, handlungsfähig zu bleiben, einer Gefangennahme möglichst zu entgehen und an einem späteren Kontakt mitzuwirken. APROC übt, wie die eingesetzten Kräfte diese Person erreichen und aufnehmen: Die Besatzung muss zur richtigen Stelle gelangen, der Bodentrupp den richtigen Menschen finden und der Begleitschutz die bedrohte Aufnahme ermöglichen.

Teilnehmer und Aufgaben im Kräfteverbund

Besatzungen mit wenig Erfahrung in Personnel Recovery lernen, Missionen mit mehreren Luftfahrzeugen unterschiedlicher Typen und Nationen zu planen und zu fliegen. Erfahrene Piloten üben die Funktion des Rescue Mission Commander, führen die gemeinsame Missionsplanung und stellen den Plan dem Kräfteverbund vor. Führer der Extraction Forces beteiligen sich an dieser Planung, damit ihre Bodenaufgaben mit Flug, Schutz und Abtransport zusammenpassen. Die Teilnehmer arbeiten entsprechend ihrer Funktion; die Ausbildung zum Missionsführer betrifft dafür vorgesehene erfahrene Piloten.

Element oder FunktionAufgabe für die Rückführung
AufnahmehubschrauberTransportiert den Bodentrupp in den Zielraum und nimmt isolierte Personen für den Rückflug auf.
Extraction Force (EF)Stellt den unmittelbaren Kontakt her, prüft die Identität, schützt und versorgt die Person und bringt sie zum Aufnahmefahrzeug.
Rescue Escort (RESCORT)Schützt den Kräfteverbund durch Aufklärung und Feuerunterstützung; passende Mittel können außerdem Funkverbindungen sowie Ortung und Authentifizierung unterstützen.
Rescue Mission Commander (RMC)Plant und führt die konkrete Rückführungsmission und übt die taktische Kontrolle über die für die Aufnahme eingesetzten Mittel aus.
Airborne Mission Coordinator (AMC)Unterstützt aus der Luft die Koordination des Luftverkehrs im Missionsverbund und der Verbindungen. Dafür erhalten Besatzungen luftgestützter Frühwarnsysteme eine Ausbildungsgelegenheit.
On-scene Commander (OSC)Koordiniert die Maßnahmen im Zielraum, besonders die Unterstützung vor der Aufnahme. RESCORT-Besatzungen können diese Funktion üben; ein dort zur Führung befähigter RMC übernimmt die Rückführungsführung nach Übergabe.

Eine Personnel Recovery Task Force bündelt diese Fähigkeiten für eine bestimmte Mission. Ihre Zusammensetzung wird an den Auftrag angepasst. Führungsfunktion, Schutz und physische Aufnahme sind dabei verschiedene Aufgaben: Ein Begleitflugzeug kann die Lage am Aufnahmeort beeinflussen, während ein anderer Hubschrauber mit seinem Bodentrupp die Person tatsächlich übernimmt.

Von der Planung zur Übungsmission

Rollenbezogener Unterricht bereitet die Teilnehmer auf ihre jeweiligen Aufgaben vor; Teile finden parallel statt, Missionsführer erhalten vertiefende Anteile. Englischsprachige Unterlagen und Befehle ermöglichen die gemeinsame Arbeit der nationalen Gruppen. Mission Mentors and Monitors begleiten den Planungsprozess, unterstützen die Beteiligten und beziehen die Flugsicherheit ein. Danach wird der Plan mit den beteiligten Luftfahrzeugen und Bodentrupps praktisch ausgeführt und gemeinsam nachbesprochen.

Die Planungsarbeit lässt sich mit Task, Target, Threats und Tactics fassen: Auftrag, Ziel, Bedrohungen und Vorgehen. Die Planer müssen wissen, wer zurückgeführt werden soll, wie verlässlich der gemeldete Aufenthaltsort ist und ob die Person verletzt oder bewegungsfähig ist. Sie verbinden diese Informationen mit den verfügbaren Luftfahrzeugen, Bodenkräften und Schutzmitteln. Eine Person, die selbst zur Aufnahmestelle gelangen kann, stellt andere Anforderungen als ein Verwundeter, zu dem der Trupp hinmuss und den er anschließend transportiert.

Die fiktiven Lagen werden anspruchsvoller und können zwischen den Flugtagen wechseln. Eine Übungsmission führt beispielsweise zu isoliertem Personal in einem durch gegnerische Kräfte bedrohten Gebiet; auf dem Anflug wird Beschuss durch Luftverteidigung simuliert. Am Boden müssen die Kräfte die Lage klären, Kontakt herstellen und die Personen aufnehmen. Ändert sich dort die Bedrohung oder der Zustand der Person, müssen Missionsführung, Besatzung und Bodentrupp ihr Vorgehen während der Durchführung aufeinander abstimmen.

Das Einsetzen der Bodentrupps, Authentifizierung in einer nicht permissiven Umgebung und realistisch dargestellte Verwundungen gehören zu den Übungsaufgaben. Bei einem Verwundeten greifen Versorgung und Rückführung ineinander: Der Trupp muss den Zustand erfassen, notwendige Hilfe leisten und die Person zum Hubschrauber bringen, während andere Kräfte die gefährdete Bodenphase schützen. Dabei üben die beteiligten Kräfte, medizinische Versorgung, Bewegung und Aufnahme unter Zeit- und Bedrohungsdruck aufeinander abzustimmen.

Kontakt und Aufnahme aus Sicht der isolierten Person

Die Szenarien können SERE-ausgebildetes und entsprechend ausgerüstetes militärisches Personal, andere Soldaten und Zivilpersonen umfassen. Eine Rückführungsmission muss deshalb auch Menschen erreichen können, die keine eingeübten PR-Verfahren beherrschen. Eine erste Lageinformation kann aus einer Eigenmeldung, aus Beobachtung, einem Zeugenbericht oder der Meldung der eigenen Einheit stammen. Das ermöglicht die Einleitung eines Such- und Rückführungsvorgangs auch dann, wenn die Person selbst keinen funktionsfähigen Funkkontakt hat.

Bei einer tatsächlich zustande gekommenen Verbindung sind der aktuelle Standort, Verletzungen, Bewegungsfähigkeit und erkennbare Bedrohungen für die Rückführung entscheidend. Vorbereitete Identitätsdaten unterstützen die Authentifizierung; ein Evasion Plan of Action beschreibt beabsichtigtes Verhalten während der Isolation. Die Kräfte gleichen diese Informationen mit der aktuellen Lage ab. Die Person muss Authentifizierungsinformationen vor gegnerischer Kenntnis schützen, weil ein Gegner damit einen Kontakt vortäuschen und den Kräfteverbund an einen gefährlichen Ort locken könnte.

Beim unmittelbaren Kontakt prüft der Bodentrupp die Identität anhand der vorgesehenen Daten und Merkmale. In einer deutschen Übungsmission wurden bekannte isolierte Personen von unbekannten Personen getrennt, geschützt und anschließend mit der CH-53 zurückgeführt. Die Identitätsprüfung entscheidet, wen der Trupp übernimmt; die Sicherung schützt die Kontakt- und Aufnahmephase vor einer Bedrohung von außen.

Die isolierte Person beteiligt sich an der Aufnahme entsprechend ihrem Zustand und den Anweisungen der identifizierten Rückführungskräfte. Der Trupp muss erfahren, wenn sie einen Weg nicht selbst bewältigen kann oder weitere Personen fehlen. Verwundete können Hilfe beim Bewegen und Transport benötigen. Der Übergang endet mit tatsächlicher Kontrolle durch befreundete Kräfte; bis dahin müssen der Bodentrupp und die Besatzung Kontakt, Bewegung und Aufnahme zusammenhalten.

Multinationale Anwendung und Grenzen

Der gemeinsame Lehrgang verbindet nationale Kräfte mit unterschiedlicher Ausstattung und Erfahrung. Ein deutscher Übungsansatz setzte besonders vorbereitete mechanisierte Soldaten als Extraction Force zusammen mit CH-53-Besatzungen ein. Andere Kräfteverbünde nutzen andere Aufnahme- und Begleithubschrauber sowie Flächenflugzeuge. Für die isolierte Person zählt, dass diese Beiträge bei Funkkontakt, Identitätsprüfung und Aufnahme zusammenpassen. Für die Besatzungen und Truppführer bedeutet das, die eigene Teilaufgabe mit den Fähigkeiten und Abläufen der Partner abzustimmen.

Das allgemeine Kursmodell arbeitet mit Tagesmissionen und Schwerpunkt Hubschrauberrückführung. Rückführungen über Land, auf See oder mit besonderen Spezialkräfteverfahren erfordern andere Planungsansätze. Ebenso ist die Vorbereitung eines isolierten Menschen auf Überleben, Evasion und Gefangenschaft ein eigener Ausbildungsgegenstand. APROC vermittelt die Zusammenarbeit des Rückführungsverbundes; die jeweils benötigten fliegerischen, medizinischen und bodentaktischen Fachfähigkeiten müssen die eingesetzten Teilnehmer für ihre Aufgaben mitbringen oder in ihrem eigenen Ausbildungsweg erwerben.

Im Einsatz bestimmen verfügbare Kräfte, überprüfter Aufenthaltsort, Zustand der Person und Bedrohung, ob und wie eine Aufnahme möglich ist. Ein ungeschützter Aufnahmeraum oder eine nicht geklärte Identität kann die Kräfte gefährden und die Durchführung verhindern. Nach der Rückführung folgen Versorgung, Debriefing und Reintegration in nationaler Verantwortung. Zugeordnete Ausbildungsanteile für SERE-Ausbilder, Psychologen, Teamführer und Nachrichtendienstpersonal bereiten auf diese weitere Arbeit vor; sie gehören zu anderen Rollen als dem Flug und der körperlichen Aufnahme.